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letzter Beitrag von Marcel am

Nebelkappe / Nebularin

  • [...]

    Hallo Marcel,


    eine LD50 Angabe von etwa 100 mg/kg findest du hier (Löfgren et al. 1954), ein Datenblatt z.B. hier.

    Dort ist, neben einigen positiv zu wertenden Effekten, folgendes angeführt: "[...] Cytotoxic. DNA, RNA and protein synthesis inhibitor [...] sowie [...] Adenosine deaminase inhibitor [...]".

    Die Funktion der Adenosindesaminase kann u.a. hier nachgelesen werden.


    Darüberhinaus ist das Nebularin nicht alleiniger Kandidat, welcher zur Fragwürdigkeit hinsichtlich Verzehr der Nebelkappe beiträgt.

    So finden sich weiterhin Lektine, Proteaseinhibitoren, Sesquiterpenoide und noch ein paar andere Substanzen in der Nebelkappe.


    Gruß


    Steffen

  • Hallo Steffen,

    danke für die weiteren Hinweise.

    Dass es da noch weitere relevante Stoffe geben muss, ergibt sich ja schon aus der Tatsache, dass die Nebelkappe roh nach Literaturangaben für alle Menschen akut erheblich giftig ist und Nebularin ebenfalls nach Literaturangaben hitzestabil sein soll.

    Wobei da die eigentlich interessante Frage wäre, welche Stoffe denn nach üblicher Zubereitung in welcher Konzentration enthalten sind.

    Es ist da immer mit chemischen Reaktion bei der Zubereitung zu rechnen.

    So ist zum Beispiel bei Äpfeln bekannt, dass allein schon das Zerreiben von Äpfeln zu einer chemischen Reaktion von verschiedenen im Apfel enthaltenen Substanzen miteinander führt.

    Der Effekt dieser Reaktion ist, dass es viele Menschen gibt, die starke allergische Reaktionen zeigen, wenn sie einfach in einen Apfel beißen, aber beschwerdefrei bleiben, wenn sie geriebene Äpfel zu sich nehmen, weil die in Äpfeln enthaltene allergieauslösende Substanz durch Reaktion mit einer anderen Substanz im Apfel zerstört wurde.

    Ich hatte mir zum Beispiel mal die "Grünlingsstudie" angesehen. Die haben bei ihren Tierversuchen nur mit Extrakten aus rohen Pilzen gearbeitet.

    Die ganze Studie hat damit nur eine recht begrenzte Aussagekraft.

    Gruß,

    Marcel

  • Hallo Marcel,


    es ist beständig mit chemischen Reaktionen zu rechnen im Leben ;-)

    Im "Heimlabor" ließe sich für roh vs. gekocht mittels einer einfachen Papierchromatographie zumindest für bereits bekannten Stoffe eine qualitative Aussage treffen (den Bezug der Standards vorausgesetzt).

    Bezüglich des Apfels wird vermutet, dass Phenole die allergieauslösenden Proteine beeinflussen (ebenfalls sehr interessantes Thema).

    Derartige Studien werden im Allgemeinen an Tieren oder Zelllinien durchgeführt, womit die Ergebnisse zunächst nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar sind. Dennoch ist deratiges Vorgehen valide, wissenschaftliche Praxis.

    Bezüglich T. equestre kam es in einer Studie aus Polen (2018), bei welcher 10 Freiwillige je 300g Pilz konsumierten, zu keinerlei Intoxikationserscheinungen.


    Leider sind derartige Thematiken ohne Flipchart, Zugang zu Fachliteratur und Labor nur begrenzt zu veranschaulichen.


    Gruß


    Steffen


    P.s: Sollte man Nebelkappen evtl. reiben? ;-)

  • Nur kurz zur Apfelallergie.

    Früher gab es nicht so viele Menschen die unter einer Allergie gegen Äpfel litten. Die höhere Menge an Allergen, entstand erst durch Züchtung. Um "scheinbar" bessere Sorten zu bekommen, wurden Polyphenole stark reduziert. Aber gerade diese hielten die Allergene "in Schach" (mal laienhaft ausgedrückt). Auch schützten diese die Äpfel selbst.

    VG

    Thomas

  • Hallo Steffen,

    ich könnte mir schon vorstellen, dass Reiben was nützen würde, gehe aber schon von einer gewissen olfaktorischen Belastung der Raumluft danach aus.

    Obwohl, ich hatte doch neulich die Dame, die den Geruch der Nebelkappe nicht wahrnahm ...

    Die könnte dann doch...

    Mist, die hatte sich ein Stückchen mit nach Hause genommen, um zu testen, ob sie was riecht, wenn das Teil warm wird.

    Spaß beiseite:

    Ich frage mich immer bei ungeklärten Vergiftungsfällen, warum niemand die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die Menschen sich nicht beim Verspeisen, sondern beim Zubereiten vergiftet haben.

    Bei Lorcheln ist das zum Beispiel ja bekannt: Der giftige Stoff gast beim Zubereiten aus und erfüllt die Raumluft. In einem meiner alten Bücher beschreibt der Autor einen Vergiftungsfall mit Lorcheln: Ein Ehepaar hat eine Lorchelmahlzeit zu sich genommen. Während er keinerlei Vergiftungssymptome zeigt, starb sie an den Giftstoffen. Der Autor des Buches mutmaßte damals, dass es sich wohl um eine individuelle Unverträglichkeit handeln müsste. Er wusste es damals halt nicht besser.

    Heute kennt man das Beispiel Lorchel: Warum zieht niemand bei anderer Vergiftungsfällen diese Möglichkeit in Betracht?

    Abgesehen von flüchtigen Stoffen, die in die Raumluft gelangen, sollte man immer auch in Betracht ziehen, dass es Zeitgenossen gibt, die man Kochen Kostproben vom rohen Gargut nehmen. Ich habe jemanden in der Familie, der während des Kochens immer wieder kleine Proben nimmt, um den Garzustand zu prüfen.

    Auf meinen Hinweis, das doch bitte zu lassen, weil viele Pilze roh giftig seien, erhalte ich dann die Antwort: "Ich habe doch nur ein ganz kleines Stückchen probiert." Ich helfe mir dann dadurch, dass ich dieser Person nur Pilze zukommen lasse, von denen auch roh keine schwerwiegenden Vergiftungsfälle bekannt sind. Im eigenen Haushalt übernehme ich Putzen und Zubereitung selbst.


    Gruß,

    Marcel

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