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letzter Beitrag von Beorn am

Baumpilze auf Reise Teil 3

  • Hallo zusammen!

    Nachdem wieder einige Schwammerl zusammengekommen sind hab ich ein Packerl geschnürt und Richtung Norden geschickt.

    Einige Funde wurden in dem Forum schon mal gezeigt/kann also schon bekannt vorkommen

    Für die meisten Funde wird es eine mikroskopische Bestätigung brauchen, darum schonmal vorab ein großes Danke für die Bereitschaft von Pablo die Funde zu untersuchen.


    Pilz 1

    Anfang Oktober an morscher, liegender Esche

    Zähnchen max 5mm, "Ausbreitung" inselartig, noch keine zusammenhängenden Fruchtkörper

    weißlicher Zuwachsflaum

    löst sich sehr leicht vom Substrat

    in drei eher trockenen Wochen keine Veränderung, ein Großteil des Fruchtkörpers ist bis Ende Oktober abgestorben

    mglw Kavinia himantia

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    Pilz 2

    auch Anfang Oktober eventuell ein Fund von Amylocorticium subincarnatum, hat Pablo in diesem Gebiet schon mal bestimmt, momentan massenhaftes Auftreten

    an morschen liegenden Fichten

    sehr dünne Fruchtschicht

    mit KOH (ca 2-5%ig) schwarze Verfärbung

    Geruch unauffällig


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    Pilz 3

    ebenfalls Anfang Oktober

    links und rechts vom Zunder an liegender Buche könnte es hier in Richtung Frantisekia gehen

    KOH negativ auch sonst keinerlei Verfärbung

    Konsistenz eher weich/nicht zäh


    Ausbreitung auf ca 15cm, 1cm dick

    Geruch pilzig/leicht säuerlich

    angedeutete Hutkanten mit den braunen Rändern erinnern mich eben an F. mentschulensis, Antrodia könnte es lt. Pablo ebensogut bzw. wahrscheinlicher sein


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    Pilz 4

    an Unterseite einer liegenden morschen Fichte Ende September mglw. Cineromyces lindbladii

    zäher Fruchtkörper

    säuerlicher/gemüseartiger Geruch

    keine Verfärbung (außer an den Fraßstellen), KOH neg

    keine 10cm in der Ausbreitung, 2-3mm dick

    Pablos Tipp mit Melzer konnte ich leider noch nicht ausprobieren/hier sollte bereits eine deutliche Verfärbung erkennbar sein


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    Pilz 5

    Der hier ist Ende Oktober an einem dicken, abgefallenen Buchenast gefunden worden

    sehr fest mit dem Substrat verbunden

    löst sich nur sehr schwer/brüchig

    fester, trockener Fruchtkörper

    mglw. weißes Sporenpulver (am Ast unterhalb des FK)

    Geruch nur schwach pilzig

    keine Verfärbung auf Druck mit KOH (2-5/ig)

    ca 10cm in der Ausdehnung

    vlt Antrodia



    Pilz 6

    hier Mitte Oktober an morscher fichte, hüte ca 2-3cm, Geruch unbedeutend, keine Verfärbung auf Druck

    Pablos Einschätzung wäre hier der Kiefernfältling, ich hätte an einen komisch gewachsenen gallertfleischigen Flältling gedacht







    Pilz 7

    Mitte Oktober wahrscheinlich an einem eschenstumpf wachsend

    eher wachsartige konsistenz

    geruch leicht süßlich

    geschmack unbedeutend

    koh (ca 2%ig) negativ, ansonsten auch , keine verfärbung

    auffällig das "aggressive" wachstum, unregelmäßige poren

    Pablos Einschätzung Oxyporus









    Pilz 8

    hier Anfang Oktober an stehnder, bereits stark morscher buche

    auffällig für mich dass sich kein zusammenhängender fruchtkörper gebildet hat, eher einzelne, kleine fruchtkörper

    keine verfärbung, geruch unauffällig

    könnte ich in Richtung Schizopora Flavipora gehen








    Pilz 9

    zum schluss noch ein Pilz Anfang Oktober an liegender morscher Buche gewachsen

    ca 2mm dünner Fruchtkörper, Ausdehnung um die 5cm

    Geruch modrig (kann aber auch vom Holz sein)

    keinerlei Verfärbung auf Druck/mit KOH

    brüchig, löst sich schwer vom Substrat

    eventuell auch Richtung Schizopora



    So, jetzt noch hoffen dass das Packerl mit den Pilzen gut ankommt und dann mal schaun was bei den Schwammerln rauskommt bzw. wie weit die Tipps stimmen.

    Schönes Schwammerlsuchen!
    Lg Joe

  • Guten Abend!


    Nur so zwischendurch: Pilzpost ist mittlerweile heile eingetroffen (danke!), und wartet auf ein günstiges Zeitfenster um untersucht zu werden. Kann noch ein paar Tage dauern, ewil einige PIlze von Beli zuerst da waren und hoffentlich morgen noch ein paar von mir selbst eingesammelt werden.



    LG, Pablo.

  • Guten Abend!


    So, dann wollen wir mal.
    Wie schon oft: Eine wunderschöne Auswahl an tollen Pilzen, Joe.

    Kavinia himantia und Perenniporia meridionalis sind dabei neu für mich, umso größeres Dankeschön fürs Herschicken!


    Mikroskopiert, bestimmt, aber nicht bildlich dokumentiert sind Pilz 8 & Pilz 9:
    Beides ist Schizopora flavipora. eine ziemlich häufige Art, relativ gut zu bestimmen (mikroskopisch), aber wegen den relativ dichten Winzstrukturen schwer zu dokumentieren.


    Pilz 3 ist - wie schon vermutet - erneut Frantisekia mentschulensis, diesmal eine Kollektion ohne erkennbare Zystiden, ansonsten aber mikroskopisch identisch mit den anderen Kollektionen, die du mir schon zugeschickt hattest.


    Pilz 1: Ist in der Tat Kavinia himantia (= Hydnocristella himantia):




    Wichtig sind hier unter anderem die glatten Sporen im Vergleich zu Kavinia alboviridis.
    Die eigentümliche, teils irgendwie "büschelige" Anordnung der Zähnchen auf kleinen bis zusammenfließenden von Matten aus rhizomorphig - wattigem Hyphenfilz dürfte ein gutes Merkmal zur makroskopischen Abgrenzung von Arten wie Dentipellis fragilis sein.


    Pilz 2: Auch hier erwartungsgemäß Amylocorticium subincarnatum; also mit Zystiden und ziemlich kleinen, amyloiden Sporen:





    Pilz 4: Wird jetzt arg kompliziert. Wichtig wäre, ob an dem Fichtenstamm weitere Fruchtkörper waren, und ob sich da noch weitere Pilzarten am Substrat befanden.

    Ich halte das für eine Antrodiella, komme aber zu keiner Bestimmung (sehr komplizierte Gattung) mit der Merkmalskombination aus trimitischem Subikulum, relativ großen Poren und den kleinen, subzylindrischen Sporen. Arten dieser Gattung sind oft zumindest semiparasitisch, wachsen also auf dem Mycel oder den Fruchtkörpern anderer holzzersetzender Pilze.
    Was dann auch oft ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist, aber unsicher, ob das hier nch die Erleuchtung bringt, denn auch morphologisch passt schon immer irgendwas nicht zusammen.

    Hier die Bilder, Antrodiella spec.:






    Pilz 5: keine Ahnung, ob die in Österreich schon nachgewiesen ist, offenbar wurde die Art lange imt Perenniporia tenuis und / oder Perenniporia medulla-panis vermischt, die aber beide viel feinere Poren und kleinere Sporen haben.
    Ich denke aber, Perenniporia meridionalis müsste eine ziemlich charakteristische Art sein:







    Pilz 6: Verzwickt, weil Sporen in der Größe ziemlich am unteren Rand und damit fast schon in der beschriebenen Variationsbreite von Leucogyrophana romellii, was aber eine Art mit deutlich gefärbtem Subikulum (und Fruchtkörperrändern) sein soll. Die sind hier aber weißlich bis höchstens ganz blass gelblich angehaucht, da hatte ich bei Leucogyrophana mollusca (mit normal großen Sporen) schon "buntere" Ränder. Wenn aber beides variabel ist, erschließt sich mir die Trennung nicht. Eine "richtige" Leucogyrophana romellii hatte ich jedenfalls noch nie in der Hand, halte diesen Fund aber doch recht zuversichtlich für Leucogyrophana mollusca:




    Pilz 7: Auch da hat sich die Vermutung bestätigt; ist Oxyporus latemarginatus:





    Übrigens auch in meiner Gegend eine sehr häufige Art, nur leider finde ich das Gegenstück dazu - also Oxyporus corticola - nicht, der sich durch eine etwas andere Konsistenz sowie dünnere basale Hyphen und zusätzliche Gloeozystiden unterscheidet.



    LG, Pablo.

  • hi pablo,

    Allerbesten dank für deine arbeit und die tolle zusammenstellung!

    Schön dass auch ein paar schwammerl das geworden sind worauf wir getippt haben!

    Zu pilz 4 der antrodiella: ich gehe mal stark davon aus dass sich noch andere pilzarten am stamm befunden haben/kann aber keine nennen...

    Der Oxyporus ist zumindest noch nicht oft nachgewiesen worden, ob er wirklich so selten bei uns ist ist wieder eine andere frage.

    Wenn auch nicht O. Corticola zumindest O. ravidus hast du schon untersucht==Gnolm7

    Porling? - Pilzbestimmung - 123Pilzforum


    Einen Eintrag für Perenniporia meridionalis hab ich für Österreich noch nicht gefunden, da werd ich mal vorsichtig anfragen==Gnolm13 (und schaun ob ich ein paar bessere fotos zusammenbringe).

    Wie gesagt: besten Dank!

    LG Joe

  • Hallo, Joe!


    Na klar, der kam ja auch von dir. :thumbup:

    Ich weiß gar nicht, ob das mittlerweile auch genetisch untersucht wurde, ob der mit den Hütchen (Oxyporus ravidus) und der resupinate (Oxyporus corticola) zwei getrennte Arten sind.
    Aber solange betrachte ich die mal als getrennt, insofern: corticola fehlt mir immer noch.
    Nach mittlerweile mehr als einem Dutzend untersuchten O. latemarginatus, der aber natürlich nicht überall so häufig sein muss, wie in der Oberrheinebene.


    Ja, hak' mal nach wegen der Perenniporia, in der Österreichischen Pilzdatenbank hatte ich ein paar Einträge von Perenniporia tenuis und Perenniporia medulla-panis gesehen, es wäre theoretisch möglich, daß da noch der eine oder andere Fund von meridionalis drin steckt, weil die bis vor einiger Zeit wohl noch vermengt wurden. Tendenziell wäre meridionalis aber wohl eine südeuropäische Art, aber im Klimawandel breitet sich da so einiges auch von Süden nach Norden langsam aus.



    LG, Pablo.

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