Phellodon confluens = Verwachsener Duftstacheling

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 4.147 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Beorn.

    • Offizieller Beitrag

    Phellodon confluens (Pers.) Pouzar
    Verwachsener Duftstacheling, Starkriechender Duftstacheling
    Synonyme:
    - Hydnum amicum


    Familie: Bankeraceae
    Ordnung: Thelephorales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper mehr oder weniger gestielt; auf Erdboden oder auf umliegendem Detritus, bisweilen werden Fruchtkörper auch bodennah auf Ästen und an Baumstümpfen platziert; gesellig in Gruppen, oft annähernd büschelig, seltener einzeln; Hüte unregelmäßig geformt, meist miteinander verwachsen und ineinander übergehend; Oberseite jung mit weißem bis graubraunem Filz überzogen, im Alter dunkler, jung bisweilen mit stacheligen Auswüchsen; alt mit angedrückt strähnigem Haarfilz, der sich oft ins braune oder rotbraune verfärbt; Stiele kurz und kräftig, meistens exzentrisch; im Schnitt zweischichtig, mit schwammig –“ filziger Außenschicht und festerem Innenfleisch; Stacheln geotrop, am Stiel herablaufend, jung grauweißlich, manchmal mit purpurbraunem Schimmer, später mehr weißlich bis graubraun; Fleisch mit Duplexstruktur, Filzschicht an Hutoberfläche und Stieloberfläche im Schnitt deutlich, weißlich bis dunkelbraun oder rotbraun (alt und durchnässt auch schwarzbraun); inneres Fleisch weißlich, cremefarben bis dunkelbraun; ausgequetschtes Stielinnenfleisch (frische Exemplare) oder dünn abgekratztes Stielinnenfleisch (Exsikkat) färbt sich in KOH 10% ockerlich bis olivbraun; Geruch frisch unspezifisch, getrocknet deutlich nach Maggiwürze (bei gut verschlossenen Exsikkaten noch nach vielen Jahren kräftig ausgeprägt).


    mikroskopische Eigenschaften: siehe Bilder unten; insgesamt unauffällig und kaum bestimmungsrelevant. Sporenpulver im Abwurf weiß.


    Vorkommen: in vielen Gegenden fehlend oder sehr selten, ansonsten zerstreut, in manchen Gegenden auch verbreitet; bodenvag (sowohl auf sauren als auch auf basischen Böden); Mykorrhiza meist mit Laubbäumen, selten mit Nadelbäumen (?); gerne in weitestgehend naturbelassenen Rotbuchen- und Rotbuchenmischwäldern an nährstoffarmen, trockenen bis feuchten Standorten (keine Staunässe)



    Bilder (Draufklicken zum Großmachen)
    Lavalle - Kollektion:



    Cora - Lollektion, kaum hunter Meter entfernt und in den Details ungefähr identisch (etwas hellfleischiger):


    Rode - Kollektion:



    Valle - Loana - Kollektion (deutlich dunkelfleischig):



    Schriesheim - Kollektion (teils noch dunkelfleischiger):




    Schriesheim - Kollektion, junge Fruchtkörper:



    Verwechslungen: Der Schwarze Duftstacheling (Phellodon niger) ist sehr ähnlich, besonders die dunkelfleischigen Formen von Phellodon confluens sind bisweilen nur sehr schwer zu trennen. Es gibt keine mikroskopischen Trennmerkmale; einzig die Farbe des Stielinnenfleisches und die KOH –“ Reaktion dieses Gewebes kann zur Trennung verwendet werden:
    Bei Phellodon niger ist das Fleisch der inneren Schicht glänzend schwarz oder grauschwarz ohne Brauntöne und reagiert deutlich olivgrün bis grün in KOH10%.
    Bei Phellodon confluens ist das Fleisch der inneren Schicht (im Stiel) hellbraun, rotbraun oder dunkel graubraun, es reagiert mit KOH10% (nur ganz dünne Krümel und Fasern aus dem Fleisch in 10% KOH geben!) allenfalls olivbraun, meist aber ockerlich.
    im direkten Vergleich:

    Phellodon tomentosus hat keine deutliche Filzschicht auf der Hutoberfläche (Fleisch höchstens an der Stielbasis mit Duplexstrukur).
    Phellodon connatus hat viel dünnere (bleistiftminendünn) Stiele und ebenfalls keine Duplexstruktur.
    Die Gattung ist definiert durch unregelmäßige, oft verwachsene Fruchtkörper, weißes Sporenpulver und intensiven, maggiartigen Geruch der getrockneten Fruchtkörper.
    Ebenfalls weißes Sporenpulver und Maggigeruch bei getrockneten Pilzen gibt es in der Gattung Bankera, dort werden aber einzelne, nicht miteinander verwachsene und regelmäßiger geformte Fruchtkörper gebildet.
    Arten der Gattungen Sarcodon und Hydnellum haben braunes Sporenpulver (Abwurfpräparat oder Mikroskopie!) und riechen getrocknet nicht maggiartig (Geruch frischer Exemplare ist irrelevant).
    Hydnum –“ Arten (Stoppelpilze) haben zwar weißes Sporenpulver, aber keinen Maggigeruch; ihre Stacheln sind leicher abwischbar, das Fleisch im Schnitt niemals mit Duplexstruktur.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phellodon niger = Schwarzer Duftstacheling<
    >Phellodon connatus = Schwarzweißer Duftstacheling<
    >Phellodon tomentosus = Filziger Duftstacheling<
    >Bankera fuligineoalba = Schmutziger Weißsporstacheling<
    >Bankera violascens = Violettlicher Weißsporstacheling<
    >Hydnellum compactum = Derber Korkstacheling<
    >Hydnum repandum = Gemeiner Semmelstoppelpilz<

  • Servas Pablo,


    deine Pilzporträts sind Klasse, bisher konnte ich leider/-gottseidank nichts wesentliches dazumaulen :D


    Jetzt aber kann ich es. Deine Trennung zw. P. niger und P. confluens basiert auf makroskopischen Merkmalen + der KOH-Reaktion, die mikroskopischen Details sind nicht entscheidend. Meinst du. Eine Steilvorlage, sollte ich diesen seltenen Pilz einmal begegnen.


    Die http://www.austria.mykodata.net/ ist derzeit online, :cursing:


    Ich lehne mich aus dem Fenster, entweder wurde P. confluens in Österreich gar nicht oder nur selten angetroffen.


    Und wenn, dann in Kärnten,


    ;)


    LG
    Peter

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Peter!


    Mikroskopisch sollten alle Phellodon - Arten kaum signifikante Unterschiede aufweisen. Zumindest sehe ich bei eigenen Untersuchungen (Phellodon tometosus fehlt mir noch) keine nenneswerten Unterschiede. Das deckt sich auch mit der zur Bestimmung verwendeten Literatur: Peter Otto, kommentierter Bestimmungsschlüssel der terrestrischen Stachelpilze Deutschland in Boletus 21/1:1-21 (1997), Großpilze BaWüs Band 1 & >Hydnaceous fungi in central Europe<.
    Aber teste das ruhig weiter, es kann nichts schaden, auch mikroskopisch alle Eigenschaften einer Art zu beobachten. :thumbup:


    austria.mykodata.net ist bei mir nicht erreichbar. :(



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    für Österreich gibt es 26 Einträge in der Pilzdatenbank, die für Kärnten habe ich auf cf. abgeklopft. Es bleiben zwei gesicherte über, beide aus der Gegend um das Geozentrum Hüttenberg, einmal 1989 einmal 1986. P.confluens ist für mich ein seltener Pilz.


    Aber weißt, was echt ein Hammer ist? Vom 25. - 27. August bin ich da


    http://www.geozentrumhuettenberg.at/kurs_pilze.htm


    dabei, ist nur eine Stunde Fahrzeit von mir entfernt.


    Falls du an P. tomentosus interessiert bist, könnte ich ein paar Exemplare ernten.


    Eine Einladung habe ich bekommen + angenommen. Vom 10. -15. September,


    http://www.univie.ac.at/oemykg…es-boehmerwalds-interreg/


    Yepp, endlich ein Solo-Urlaub nach meinem Geschmack, :P


    Pilzmäßig ist nach den Morcheln der Faden abgerissen, es ist fast nichts zu finden. Eine Mycena, habe ich gerade in Arbeit, ohne sie vor Ort auf einen Milchsaft geprüft zu haben. Na ja, die Rechnung dafür bekomme ich beim Schlüsseln präsentiert, :haue:



    LG
    Peter

    • Offizieller Beitrag

    Moin!


    Top, genieße die Exkursionen. :thumbup:
    Ist ein spannendes Projekt, die Böhmerwald - Funga. Hoffentlich bringst du ordentlich spannende Funde mit und auch ein paar Phellodon - confluens - Bilder für's Portrait.


    Den tomentosus hoffe ich ja selbst mal zu finden. Irgendwo wird der mir schon über den Weg laufen.



    LG, Pablo.

    • Offizieller Beitrag

    Moin.


    Da geht noch was, vom Standort der "Cora - Kollektion" im Starbeitrag, zwischen beiden Bildern liegen etwa 9 Tage, in denen sich die Fruchtkörper vor allem farblich verändert haben.





    LG; Pablo.