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letzter Beitrag von nobi am

Podospora

  • Hallo!


    Auf einem am 5.2. in Mecklenburg mitgenommenen Hasenkötel sind winzige Pilzlein gewachsen. Sie stecken tief im Kötel, sind undefinierbar durchsichtig-hellbräunlich gefärbt und gucken zumeist nur mit ihrem schwarzen Hals heraus. Die Sporen sind grün oder meistens dunkelbraun und haben manchmal gelatinöse "Schwänzchen"; daneben sieht man spermienartige Sporen, vielleicht sind das unreife?


    Von der Sporenlänge her scheintmir am ehesten Podospora communis passen, aber meine Sporenmmaße sind evtl etwas zu breit?


    Kommentare willkommen!


    Danke & Gruß Chris

  • Hallo Chris,


    ich hol mal etwas weiter aus und beschränke mich auf die Gattungen Podospora und Schizothecium, denn in eine dieser Gattungen gehört Dein Fund m.E. Mein erster Blick gilt immer dem Perithecienhals, ob dort sog. Squamufolien zu finden sind.



    Wenn keine Squamufolien vorhanden sind, befinden sich vielleicht Seten am Perithecienhals oder tuberkelartige "Haare"?


    Squamufolien sind ein guter Hinweis auf die Gattung Schizothecium. Um das abzusichern, schaue ich mir unreife Sporen an. Das sind die, welche Du als "spermienartig" beschreibst. Die Sporen der Gattung Schizothecium sind zweizellig, bestehen aus dem Sporenkopf und dem sog. Pedicell. Das Pedicell ist das "Schwänzchen". Bei Schizothecium ist der Sporenkopf bei unreifen Sporen durch eine Septierung vom Pedicell getrennt, Während bei Podospora keine Septierung vorhanden ist.


    Nun weiß man, in welcher Gattung man unterwegs ist und wendet sich den reifen Sporen zu.
    Bei beiden Gattungen färbt sich der Sporenkopf über grün bis zu einem dunklen braun, während das Pedicell hyalin bleibt. Länge, Breite und ob dieses Pedicell stabil ist oder schnell kollabiert, sind erste Hinweise auf dem Weg zur Artbestimmung.


    Der nächste Blick gilt der Anzahl der Sporen im Ascus. Viersporig, Achtsporig, Multisporig? Wenn multisporig, wieviele Sporen? Liegen die Sporen uniseriat oder biseriat im Ascus.


    Damit nicht genug, haben die meisten Arten auch noch gelatinöse Anhängsel am Pedicell und/oder am Sporenkopf. Die sog. Caudae. Diese sind vielgestaltig, mehr oder weniger instabil und ein wesentlicher Punkt der Bestimmung. Hat der Fund eine Caudae am Ende des Pedicell oder am Sporenkopf? Wie lang ist das? Ist die Caudae hohl oder voll? Ist es nur eine Caudae, oder gar mehrere oder wie ein kleines Büschel geformt? Hier hilft im Zweifel das Anfärben mit Tinte, Chlorazolschwarz oder andern Chemikalien. Es gibt da ganz charakteristische Ausbildungen, die mit entsprechender Kenntnis bei manchen Arten schon alleine die richtige Art verraten.


    Last not least wird der reife Sporenkopf vermessen. Neben Länge und Breite ist die Form wichtig. Ist der Sporenkopf eher rundlich oder eher elliptisch? Ist vielleicht eine Seite abgeflacht? Sitzt der Keimporus genau auf dem Pol des Sporenkopfes, oder seitlich verrutscht?


    Zur besseren Anschauung habe ich mal dieses Thema eröffnet.


    http://www.pilzforum.eu/board/…-anfaenger-fuer-anfaenger


    Bitte den Begriff "Anfänger" nicht persönlich nehmen. :) Er bezieht sich auf die Anfänge der Beschäftigung mit coprophilen Arten, nicht auf den mykologischen Status des Betrachters.



    Viel Text und liest sich vielleicht kompliziert. Ist es aber gar nicht. Die Reihenfolge der Untersuchung ist auch sicher individuell unterschiedlich. Und recht schnell hat man einige Punkte quasi mit einem Blick registriert und den Fund schon grob eingeordnet. Natürlich gibt es bei den coprophilen auch vertrackte Gattungen oder Arten und manchmal bleibt ein mehr oder weniger großes Fragezeichen übrig. :( Im großen und Ganzen empfinde ich die coprophilen jedoch als recht übersichtlich und der Einstieg in diese Sparte gut zu schaffen. Die großen Problme kommen meist, wenn man glaubt sich schon einigermaßen auszukennen. Ich schreibe aus Erfahrung. :D



    So, nun aber zu Deinem Fund.


    Nach dem lesen meines obigen Ergusses schwant Dir vielleicht schon, dass einige wesentliche Bestimmungsmerkmale fehlen. Das macht eine Bestimmung nach Foto mehr als schwierig und man braucht schon den "Nobi-Faktor", sprich excellente Erfahrung, um über eine Spekulation hinaus zu kommen.


    Diesen Faktor besitze ich nicht und spekuliere.


    Dummerweise sehe ich bei den unreifen Sporen auf Deinem Foto sowohl (scheinbar?) septierte, als auch unseptierte. Das bringt mich schon ins Wanken. Möglicherweise ist Deine Probe überaltert, wodurch eben diese teilweise Septierung, das Fehlen vitaler Asci und die kolabierten Pedicell und Caudae hinweisen.
    Auf Grund des transparenten Perithecium, der Sporenform, der Länge des Pedicells und hineininterpretierter Caudae könnte es sich bei Deinem Fund um Podospora myriaspora handeln. Dann müssten die Asci aber vielsporig sein.


    Oder es ist was anderes :D


    Möglicherweise können wir später vom "Nobi-Faktor" profitieren und/oder Du findest noch vitalere Perithecien die mehr Merkmale verraten.


    Wie auch immer. Dranbleiben an den coprophilen. Es ist spannend und wir Dungomanen sind extrem unterbesetzt.


  • Dummerweise sehe ich bei den unreifen Sporen auf Deinem Foto sowohl (scheinbar?) septierte, als auch unseptierte. Das bringt mich schon ins Wanken. Möglicherweise ist Deine Probe überaltert, wodurch eben diese teilweise Septierung, das Fehlen vitaler Asci und die kolabierten Pedicell und Caudae hinweisen.
    Auf Grund des transparenten Perithecium, der Sporenform, der Länge des Pedicells und hineininterpretierter Caudae könnte es sich bei Deinem Fund um Podospora myriaspora handeln. Dann müssten die Asci aber vielsporig sein.


    Wow, Ralf, da hast du heute nacht ja eine wahre Doktorarbeit hingelegt.
    Ja, es stimmt schon, es kommt ganz wesentlich darauf an, daß man schon in etwas weiß, worauf man achten muß.
    Ich hänge hier erst nochmak zwei Fotos an. Trotz der Septierungen bei manchen unreifen Sporen tendiere ich eher zu unseptiert, vielleicht entstehen die Septen erst später? Und die Asci scheinen mir deutlich vielsporig zu sein (gatte das Foto erst nicht mit eingestellt, weil es nichts allzu scharfes zeigt... siehe oben).
    Vielleicht kommen wir ja hier schon weiter.
    Soviel erstmal und danke nochmals
    Chris

  • OK Chris,


    jetzt werfe ich noch Podospra pleiospora in den Ring. Deren Sporen sind etwas größer als die von Dir gemessenen, liegen aber noch so eben in der Toleranz.
    Wenn man jetzt noch wüsste, ob die Asci 16 oder 32 Sporen enthalten (pleiospora) oder 64 (myriaspora) könnte man so gut wie sicher sein.


  • OK Chris,


    jetzt werfe ich noch Podospra pleiospora in den Ring. Deren Sporen sind etwas größer als die von Dir gemessenen, liegen aber noch so eben in der Toleranz.
    Wenn man jetzt noch wüsste, ob die Asci 16 oder 32 Sporen enthalten (pleiospora) oder 64 (myriaspora) könnte man so gut wie sicher sein.


    Vielen Dank, Ralf. Leider läßt sich da nicht allzu viel erkennen, aber wenn ich mir die geschwänzten Sporen bei dem Ascus angucke und dann überschlage wie viele von denen da reinpassen (in drei Dimensionen), denke ich, mit 32 hätten wir zu tief gegriffen. Mehr Asci und vor allem "bessere" gab's leider nicht.... hier noch ein Foto, damit ist dann auch schon Ende bei den Asci.

  • Hallo Chris,


    eindeutig eine Podospora.
    Ralf hat die wichtigsten Unterschiede zwischen Podospora und Schizothecium ja bereits ganz fantastisch erklärt! :alright:
    Da muss ich das nicht machen! ;)
    Und wegen der vielsporigen Asci hat Ralf schon die beiden infrage kommenden Arten genannt.



    Möglicherweise können wir später vom "Nobi-Faktor" profitieren...


    :D:D:D
    Tatsächlich habe ich noch ein paar Gedanken, die etwas näher an die Art führen könnten.


    1. Substrat
    Hase ist das bevorzugte Substrat von Podospora pleiospora.
    86% meiner pleiospora-Funde gelangen an Hase, myriaspora bevorzugt Haustierdung, an Hase gelangen nur 17% meiner Funde.


    2. Sporengröße
    Die Sporen von pleiospora sind etwas größer als die von myriaspora. Vor allem sind sie breiter!
    Sporenbreiten größer 20 µm "kann" myriaspora idR nicht, während die Sporenbreite von pleiospora bei 18-24 µm liegt.
    Ein weiterer Punkt für P. pleiospora.


    3. Sporenzahl
    Der untere Ascus Deines letzten Beitrages zeigt meiner Meinung nach weniger als 64 Sporen, 32 könnte gut hinkommen.
    Da herrscht schon noch ein anderes Gewimmel in den myriaspora-Schläuchen!
    Das wäre also das dritte Argument für P. pleiospora.


    Aaaaaaaaaaaaaaaaber.
    Da einige für eine sichere Bestimmung wichtige Merkmale fehlen, kann man die Art nicht wirklich benennen.
    Da hilft auch der "Nobi-Faktor" nicht! :cool:
    Jedoch kann man feststellen, dass die von Dir vorgestellte Art in vielen Belangen P. pleiospora entspricht.
    Wegen kleiner Restunsicherheiten würde ich sie deshalb Podospora cf. pleiospora nennen wollen.


    LG Nobi

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