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letzter Beitrag von thys am

Eine Pilzwanderung im Salzburger Land

  • Halli Hallo :snail::sun::snail:


    Ich möchte euch hier auf die jüngste Waldreise mitnehmen, die ich am Wochenende ins Salzburger Umland gemacht habe.
    Zuerst sind wir mit Bahn und Rad ein wenig gefahren, bis wir hier an diesem Waldrand vor lauter Pilzen im Wald fast vom Rad geflogen sind.

    Dieses Gefühl kennen sicher einige von euch ;)
    HALT - STOP - PILZ - RECHTS - LAUF (bei mir versagt vor Begeisterung sogar manchmal die Sprache)
    Folgende Pilze wurden von uns nach bestem aber nicht professionellen Wissen bestimmt - es werden dankbar Richtigstellungen angenommen. :)


    Als erstes Kuriosum begutachteten wir folgenden Pilz:

    Diesen haben wir als Strobilomyces Strobilaceus / Strubbelkopfröhrling identifiziert. Man sieht die breiten Röhren, die sich wie das Fleisch, erst schmutzig rötlich und dann später dunkel verfärben.


    Nach ein bisschen Boden durchkämmen gingen wir weiter und fanden dieses Exemplar:

    welches für uns recht prompt ein Tricholomopsis rutilans / Rötlicher Holzritterling war.
    Roter Stil, der deutlich die gelbe Grundfarbe anzeigt, Hutgröße >10cm mit filzigen Flöckchen, Lamellen dicht stehend und goldgelb, ausgebuchtet angewachsen, kein ausgeprägter Geruch.


    Der nächste war mit ziemlicher Sicherheit ein Täubling:

    ... und wir glauben, dass es der Zitronen- bzw. Ockertäubling / Russula ochroleuca war.
    Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich von den Bildern her gelbliche Töne an den Lamellen erkenne, oder es tatsächlich nur am Bild liegt.

    Hier eine Vergrößerung, die zeigt, dass die Lamellen wirklich sehr brüchig waren und dass sich die Huthaut sehr einfach gelöst hat und stabil bis zur Hutmitte blieb.
    Der Geruch war wenn überhaupt markant, dann leicht obstartig, keine Kostprobe.


    Dieser Pilz war sehr häufig im gleichen Bereich wie der Täubling zu finden.

    Wir haben versucht ihn zu bestimmen und sind am ehesten auf den kahlen Krempling / Paxillus involutus gekommen.
    Leider sind wir uns nicht sicher. Hut +- 10cm, schmierig, rötlich braun, eingerollter Rand, Lamellen waren gelblich, und haben bei Berührung tatsächlich auch ins braune gefleckt. Sie waren deutlich gegabelt und am Stiel weit herablaufend. Allerdings waren sie nicht immer "gut" vom Hutfleisch zu lösen. Fundort: Mischwald zwischen Nadelbäumen, viele der gleichen Art in naher Umgebung.


    Weiter gehts mit einem Pilz, den ich so schön fand im Regen, aber nicht bestimmt hab.

    Nach Vermutungen hinsichtlich grünblättrigem Schwefelkopf ist es aber der Safranschüppling / Pholiota astragalina


    Hier bin ich mir recht sicher bei Pholiota flammans / dem Feuerschüppling richtig zu liegen.


    Ach ja, das ein oder andere Schwammerl fanden wir auch...


    und manch schöne Marone...


    Und dann, mein persönliches Highlight - aber auch tiefste Enttäuschung:

    denn aufgrund von persönlichem Erstfund und nur mittelmäßig ausreichender Literatur war es mir nicht möglich diese Glucke richtig zu bestimmen.
    Vor Ort hätte ich am ehesten krause Glucke / Sparassis crispa gesehen, doch haben bestimmte Merkmale irgendwie nicht gepasst. Daheim habe ich mich dann im Internet umgesehen und die breitblättrige Glucke / Sparassis brevipes wäre es dann wohl gewesen. Und daher auch Enttäuschung, denn ich habe diese Glucke nicht mit heim genommen :crying::crying::crying: aber vielleicht ist sie ja noch da :D


    Auf dem Rückweg ist mir noch diese Familie untergekommen:

    Könnte das der Birnenstäubling / Lycoperdon pyriforme sein, der dort so fröhlich vor sich hin gedeiht?


    Zum Abschluss möchte ich euch die letzten Bilder nicht vorenthalten... junge und ältere Maronen (die fürs Trocknen immernoch was hergegeben haben)

    ... und bereifte Rotfußröhrlinge / X. pruinatus
    Dazu hätte ich auch eine Frage: Wieso wird dieser (in meinem Buch auch) als Xerocomus (maronenähnlich, richtig?) angegeben und andernorts als Boletus?


    Und ein wüster Abnormling hat sich später noch eingeschlichen...

    der würzige Knusperling / Kusperus acutus

    :P


    Alles in allem gabs aus Eierschwammerln (Pfifferlingen) und Maronen und einer Hand voll Perlpilzen und Rotfüßen ein wunderbares, herbstliches Abendgericht.
    Mmmmmmh!


    Ich hoffe mein Ausflug ins Salzburger Land hat euch gefallen, wäre ich momentan nicht so oft unterwegs, würde ich ja alle meine Reisen posten ;)
    Aber vielleicht mache ich das einfach im Nachhinein.
    Über Bestimmungskorrekturen oder Bestätigungen würde ich mich freuen.
    :snail::sun::snail:

    LG,
    thys



    Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer.
    (Marcus Valerius Martialis)

    Einmal editiert, zuletzt von thys ()

  • Hallo,


    du hast aus meiner Sicht fast alle Pilze richtig bestimmt. Der Grünblättrige Schwefelkopf ist das nicht (geht eher in Richtung Galerina); auch der Ockertäubling ist für mich nicht 100ig sicher. Schade, dass du den nicht gekostet hast. Ein Täubling ist das allemal. Stand bei dem eine Birke in der Nähe?


    l.g.
    Stefan


    P.S. Die Gattung der Rotfußröhrlinge heißt jetzt Xerocomellus. Die Marone heißt noch Boletus; kann aber Bald einer neuen Gattung Imleria zugeordnet werden. Das ist einfach den Genomalnalysen der Pilze geschuldet, dass sich jetzt so viel ändert.

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

    Einmal editiert, zuletzt von Climbingfreak ()

  • Hallo, Karo!


    den Pilz nummer... ähm...
    ?
    Naja, den, den ihr erst für einen Schwefelkopf gehalten habt, kannst du mal mit dem Safranschüppling (Pholiota astragalina) vergleichen.
    Die Breitblättrige Glucke (sollte aktuell Sparassis brevipes heißen) ist ein sehr schöner Fund. Den kann man als seltene, schonenswerte Art auch stehen lassen, ihr hattet ja auch so genug an sehr leckeren Speisepilzchen. :alright:



    LG, Pablo.

  • Hallo an euch und danke für die Antworten!


    Florian1986
    danke, freut mich, dass dir dieser aussergewöhnliche Fund auch so gefällt ;)


    Climbingfreak
    Ja, es standen .... Birken in der Nähe, nicht direkt, aber unweit entfernt.
    Danke für die Aufklärung bez. Bezeichnung, ist noch etwas undurchsichtig für mich, gerade weil im schnelllebigen Internet auch noch die "alten" Bezeichnungen gebräuchlich sind.
    Galerina fällt raus, siehe unten


    Beorn
    Danke für den Schonungs-Tipp :Alright: und die Richtigstellung.
    Ich habe ihn jetzt verglichen und die Merkmale treffen zu, vor allem der Stiel und die Lamellen lassen mich sicher sein.

    LG,
    thys



    Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer.
    (Marcus Valerius Martialis)

    Einmal editiert, zuletzt von thys ()

  • Hallo Thys,


    dann wäre da auch noch der gelbe Graustieltäubling möglich. Am bestgen erkennst du den am milden Geschmack und am grauen Stiel, wenn du dne Pilz über Nacht mal liegen lässt. Der ist übrigens ein strikter Birkenbegleiter.
    Pholiota lass ich für meine "Galerina" auch gelten. ;)


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Passt, bei der nächsten Begegnung nehme ich die genauer in Augenschein.
    Vielen Dank :)

    LG,
    thys



    Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer.
    (Marcus Valerius Martialis)

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