Nicht(s) gesch(n)eckt? --> Cuphophyllus virgineus/ Hygrocybe sp./ cf. Entoloma

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 1.994 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Oehrling.

  • (Fortsetzung von Alles gesch(n)eckt I u.II)


    Hallo,
    dann Mitte November in der Pilzwüste,
    plötzlich Pilze (3 Arten auf 4 Quadratmeter) nach sehr trockenem Wetter!
    Von weitem sah Pilz 1 aus wie Elfenbeinschnecklinge, von nahem aber völlig anders.
    Fundort: Hochrhein 400m, Laubmischwald auf Kalk, nächster Baum könnte eine Linde (schon entlaubt) gewesen sein oder eine Eiche (die Eichen im Umfeld hatten noch Laub), ansonsten neben Buche auch Hainbuche relativ nah.
    Viele kleine Pilze:
    Hut 2-3 cm, weiß, meist einzeln, manchmal zu zweit,
    Hut lange gewölbt, ein Pilz auch mit sehr hochgebogenen Lamellen,
    Hut trocken, auch angefeuchtet nicht schleimig, höchstens klebrig, erschien mir aber hygrophan zu sein.
    Lamellen weiß, großer Abstand, queradrig verbunden, sehr weit herablaufend
    Stiel weiß, etwas rillig, ohne kleiige Körnchen, unten stark zugespitzt, unten rötend, hohlwerdend
    kein Geruch feststellbar (auch nicht zu Hause), kein Sporenpulver.


    Da bin ich ratlos, das sind keine Schnecklinge, oder?
    Ich habe auch an Ellerlinge gedacht, z.B. den Jungfern-Ellerling Cuphophyllus virgineus (Camarophyllus v./ Hygrocybe virginea).
    Da passen Lamellenform und Stiel, sogar die rötliche Verfärbung des Stieles - nur der Standort mitten im Wald nicht... da war kein einziger Grashalm in der Nähe (auch nicht unter dem Laub versteckt) , es sei denn man interpretiert 20-30 m Entfernung als Nähe (da ist eine Waldwiese).
    1_CV1(cf)


    Noch ein Problemfall:
    neben diesen weißen Pilzen (gleicher Standort s.o.) leuchteten zwei gelbliche Pilze, die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten.


    Hut 4,5 cm, Hutfarbe gelblich (etwas verblichen und ausgefranst), Oberfläche trocken
    Lamellen dick, Lamellenschneide dick, Lamellen relativ gerade angesetzt, gelblich (etwas scheckig auf den Flächen der Lamellen) (Bild leider unscharf.)
    Stiel 6cm lang, hohl, Oberfläche/Konsistenz wie aus Kunststoff, gelb-orange (einheitlich, eventuell oben etwas dunkler), unten deutliches weißes Mycel
    Fleisch dünn, etwas gelblich
    kein Geruch feststellbar (auch nicht zu Hause) , kein Sporenpulver (vermutlich hell)


    Kann das der gelb-fuchsige Tellerling sein, Rhodocybe nitellina?
    Der sollte allerdings je nach Quelle nach Mehl (wenn frisch: Salatgurke) bzw. ranzigem Mehl riechen und schmecken.
    Auf den bin ich gestoßen, nachdem ich Hain-Schneckling (Hygrophorus nemoreus) und Wiesen-Ellerling (Camarophyllus pratensis) verworfen hatte.
    2_RN1(cf)



    Neben diesen gelben Pilzen noch 2 eher unscheinbare Pilze mit weißem Stiel:
    Hut 4,5 cm hell bräunlich bis gelblich-grau, seidig, radialfaserig, unregelmäßig geformt, eventuell leicht gebuckelt
    Lamellen weiß, untergemischt, relativ schmal angeheftet
    Stiel 6,5 cm, weiß, faserig, in der Mitte hohl werdend
    kein Geruch feststellbar (auch nicht zu Hause), kein Sporenpulver


    Kann das ein Rötling sein, eventuell Entoloma rhodopolium s.l.?
    Der Pilz sollte dann - schon wieder - nach Mehl riechen, was er nicht tat.
    Aber vermutlich gibt es da eine Reihe von ähnlichen Arten?
    3_ER1(cf)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Abeja!


    Laut GPBWs darf H. virginea schon mal im Wald (an irgendwie offenen Stellen) vorkommen, wenn auch selten. Hatten wir letzten Freitag auch mal so im Grenzbereich. Also schon irgendwie auf einer Lichtung, aber trotzdem schon quasi unter den Bäumen. Da gibt es dann auch ein paar Formen und Varietäten, teils sogar als eigenständige Arten gehandelt, teils wieder in die Variationsbreite von H. virginea s.str. gestellt. Die "forma roseipes" wäre da so ein Fall. Habe ich selbst übrigens noch nicht gesehen.


    Den zweiten solltest du auch bei den Saftlingen suchen, was aber recht schwierig werden dürfte. Die Fruchtkörper sind leider schon ziemlich mitgenommen und der irgendwie rötlichen Saftlinge sind gar viele.


    Tja, und ein Rötselpilz...
    Vor denen habe ich irgendwie Angst. Da soll jemand anderes was zu schreiben.



    LG, pablo.

  • Ich sehe alles genau so wie Pablo. Jungfernellerling, irgendein Saftling und einen Rötling mit Fragezeichen. Das erste wäre, den "Rötling" aussporen zu lassen. Sind die Sporen rosa, kann man aufgrund des Habitus einen Rötling mit Sicherheit annehmen. Und dann muss man sich durch das berüchtigte spezielle Rötlings-Bestimmungsprogramm durchhangeln, viel Spaß kann man da nur wünschen ;)

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo ihr zwei,
    danke für die erhellenden Antworten.
    Da habe ich eben stark gezweifelt, an Ellerlingen und Saftlingen im Wald (im Laub und ohne Gras), aber vielleicht waren da im Sommer doch mal ein paar Halme.
    Der mutmaßliche Rötling hat leider nicht ausgesport, ich hatte zu der Zeit "Probleme" mit dem Aussporen, mir sind die Pilze über Nacht vertrocknet.


    Es heißt ja auch, man sollte sie gegen Austrocknen abdecken. Wenn ich das im Sommer/ frühen Herbst gemacht habe (geschützte Stelle/ Balkon), dann sind mir die Pilz wässrig-weich geworden. Mit nicht-Abdecken hat es immer funktioniert. Jetzt in der kälteren Jahreszeit geht das Ausporen an der gleichen Stelle NUR mit Abdecken, ohne Abdecken kommt nichts. Das musste ich erst mal herausfinden.

  • Boertmann behauptet in seinem Saftlingsbuch "The Genus Hygrocybe", dass nur in Mitteleuropa Saftlinge in erster Linie auf Wiesen zu finden seien. Anderswo seien Saftlinge in erster Linie Waldpilze.
    Man sollte also nicht davon ausgehen, dass im Wald keine Saftlinge wachsen können.

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