[quote='rfrenzel','https://www.newboard.pilzforum.eu/board/index.php?thread/&postID=212180#post212180']
> Wenn ihr Freude an der Bestimmung von Pilzen habt, würde ich anhand des Beispiels super gern lernen, wie ihr die konkreten Pilze bestimmen würdet.
> Leider gibt es keine Bilder von unten, weil die Bilder eigentlich nur wegen dem Chic gefertigt wurden und meine Neugier erst so eben groß genug geworden ist, euch hier zu fragen 
Bevor diese Anfrage möglicherweise im Orkus verschwindet bzw. der Thread geschlossen wird, hier meine Meinungen zu diesen Fragestellungen.
Zum ersten ">":
Übers Internet solche Pilze auf die Art zu bestimmen geht in aller Regel nicht. Das kommt daher, dass es extrem viele verschiedene Pilzarten gibt, die in etwa so aussehen (oder vielleicht auch genau so).
In diesem Fall springen mir einerseits die grauweißliche Farbe, der dünne, glatte, unberingte Stiel und der helmähnliche Habitus der Pilze mitsamt der Hutriefung ins Auge. In Verbindung mit der Wuchsweise (büschelig, auf Totholz) geht mein erster Verdacht in Richtung Helmling (Mycena). Würden mich solche Pilze jetzt wirklich bis auf die Art interessieren, könnte ich die Farbe des ausgefallenen Sporenpulvers feststellen (was vermutlich weiß oder weißlich sein dürfte), so dass ich dann tatsächlich beim Helmling (Mycena) lande.
Jetzt geht die Schwierigkeit los: vom Helmling gibt es über 100 Arten, welches ist die richtige? Ich brauche einen praktikablen Bestimmungsschlüssel für Helmlinge. In diesem finde ich eine ganz klar definierte Reihenfolge, in der ich diverse Makro- und Mikromerkmale zu vergleichen habe. Bei Helmlingen sind dies (ohne dass ich da Spezialwissen hätte) m. W. Hutfarbe, Stielfarbe, evtl. vorhandene Milch, Geruch, Form der Kaulozystiden, Form der Cheilozystiden (insbesondere die Kombination aus diesen beiden Formen; die Zystiden von Helmlingen haben, soweit ich weiß, manchmal ganz bizarre Auswüchse). ich denke mir, dass man mit etwas Helmlings-Vorkenntnis nach ca. 3 Stunden heftigen Bestimmungsrödelns eine gute Chance hat, auf einen halbwegs belastbaren Artvorschlag zu kommen. Ohne diese Vorkenntnis glaube ich an diese Chance nicht.
zum zweiten ">":
Je mehr Merkmale du lieferst, umso eher hast du eine Chance, dass jemand was mit deiner Anfrage anfangen kann. In aller Regel ist ein Bild von unten unerlässlich, da man abschätzen können sollte, ob es sich nicht vielleicht um einen Dunkelsporer handelt (z. B. Faserling, Tintling..., was ich in diesem Fall für abwegig halte). Daher ist es jetzt bei dieser speziellen Anfrage mMn nicht ganz so wichtig, dass ein Bild von unten vorliegt. Bei der nächsten Anfrage kann dies aber durchaus der Fall sein.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir weiterhelfen konnte, bzw. ob ich dein eigentliches Ansinnen erwischt habe, aber ich hoffe es zumindest.
Auf jeden Fall halte ich es für keine sinnvolle Idee, in den Wald zu laufen, dort einen willkürlich oder zufällig ausgewählten Pilz zu knipsen und ihn sich dann in einem Forum von irgendwelchen selbsternannten Experten benennen lassen zu wollen. Zumindest sollte man sich selber im Vorfeld Gedanken über den angefragten Pilz machen und in der Anfrage einen eigenen Benennungsvorschlag bringen. Was macht dich so sicher, dass hier jemand den Pilz rauskriegt, wenn du selber es vor Ort nicht geschafft hast?
Freundliche Grüße
Oehrling