Beiträge von Oehrling


    Hallo Holger,


    ich bin in der Mikroskopie absoluter Anfäger, im Bereich der Fototgrafie auch.


    Beides will ich verbinden,



    Hallo Habicht,
    vielleicht ist es unter diesen Umständen besser, sich eins nach dem anderen zu erarbeiten statt beides zusammen. Statt dass du schon drüber nachdenkst, wie du besonders gute Mikrofotos schießen kannst, solltest du erstmal herausfinden, welche optischen Eindrücke ein Mikroskop überhaupt zu liefern vermag. Es wäre wohl keine gute Lösung, wenn du wilde Mikrostrukturen auf Foto bringst, die niemand - vor allem du selber nicht - interpretieren kann. Auch sollte sich ein Tierfotograf mit Tieren oder ein Städtefotograf mit Bauwerken auskennen.
    Ist freilich nur meine persönliche Meinung.
    Freundliche Grüße
    Oehrling

    Gyromitra ancilis - würde ich auch sagen.


    Um die von dir vermutete Peziza nachzuweisen, müsstest du die Asci mit Lugol traktieren und dann unterm Mikroskop eine Blauverfärbung der Ascusspitzen beobachten - was aber hier wohl nicht passieren dürfte.

    Unter den Trompetenschnitzlingen gibt es einen gelbblättrigen. Das könnte er vielleicht sein, wenn die Farben auch im Original so waren. Freilich ist das reine Spekulation.

    Mir persönlich passt die Lamellenhaltung für einen Weichritterling überhaupt nicht, auch den gebogenen Stiel finde ich ziemlich untypisch.
    Wenn JanMen etwas von starkem Mehl-Gurke-Ranz-Geruch schreibt, bin ich geneigt, ihm das zu glauben. Auch das passt dann nicht auf einen Weichritterling.


    In Frage kommt meiner Meinung nach viel eher ein Rasling (Lyophyllum/Tephrocybe), in dessen Gattung ranziger Gurkengeruch immer mal vorkommt, und eventuell bei rötlich gefärbtem Sporenpulver auch einer der im Frühjahr vorkommenden Rötlinge (Entoloma).


    JanMen: hast du Angaben zur Phänologie (Funddatum) und Ökologie, insbesondere möglichen Baumpartnern (die Angabe "Mischwald" taugt leider nichts!)?
    Ein Frühlings-Weichritterling ist das zu 95 % nicht, so weit lehne ich mich hier aus dem Fenster.


    An Oehrling, die Spassbremse:
    Wenn Du auf dem ersten Bild dem grösseren Pilz unter den linksseitigen Hutrand schaust, dann kannst Du etwas Haarschleierartiges entdecken.


    Sorry, habe ich nicht gesehen (eigentlich sehe ich es immer noch nicht).


    >Meine Mutmassung Schleierling war - wenn auch falsch - nicht einfach aus der Luft gegriffen.


    Dies zu behaupten, lag mir fern. Es wurde allerdings von dir gefragt: einverstanden?, und dazu habe ich nein gesagt und dies sachlich begründet. Ich bin sicher, dass du mit dem Wissen um den Haarschleier keinen Krempling mit einem Schleierling verwechseln wirst.


    Einen lieben Gruß zurück :)
    Oehrling

    Hallo Holger,
    Nr. 1 ist für mich ein ganz klarer Gemeiner Erdritterling (T. terreum), schon wegen der eher gleichmäßig feinfilzigen als schuppigen Huthaut.
    Bei Nr. 2 käme für mich der Gilbende Erdritterling (T. argyraceum) in Betracht. Die Huthaut ist deutlich schuppiger, außerdem meine ich, dass man auf Bild Nr. 6 gelbliche Flecken auf dem Hut erkennen kann. Um einen eventuell vorhandenen Mehlgeruch bei Erdritterlingen deutlich zu erkennen, muss man vor dem Hinriechen den Pilz in der Hand zerknautschen/zerkrümeln, sonst nimmt man den Geruch vielleicht nicht wahr.
    Nr. 3 sieht für mich von der Hutoberfläche her eher nicht wie T. terreum oder argyraceum aus, eine Artbenennung allein von diesen Bildern her traue ich mir allerdings nicht zu.
    Nr. 4 wäre für mich auch kein eindeutiger Schärflicher Ritterling (T. sciodes), die Huthaut müsste glatter und striater (= radialfaseriger) sein. Hier wäre eine Geschmacksprobe unerlässlich gewesen, um eine evtl. vorhandene Schärflichkeit oder Bitternis festzustellen.


    Wenn du in der kommenden Saison wieder Erdritterlinge bestimmen willst, achte unbedingt auf folgendes:
    - Bedeckung der Hutoberfläche (schuppig, filzig, striat)
    - Mehlgeruch oder nicht (wie gesagt, an malträtierten Pilzen!)
    - Geschmack (mild oder nicht)
    - Stieloberfläche (Ring, Pseudoring, Stielschuppen oder nichts dergleichen)
    - Velum ("Spinnwebfäden") an jungen Exemplaren (ja oder nein)
    - Farbflecken, besonders gerne an der Stielbasis (im Angebot gibt es quietschgelb, blaugrün oder pink)
    - mutmaßlicher Baumpartner (sehr wichtig!)


    Von wo ist die Angabe, dass R. sanguinea nur auf Kalkböden vorkommen soll?


    Der Einwand ist berechtigt. Die Fachliteratur (Einhellinger, Favre, Krieglsteiner) ist einhellig der Auffassung, dass dieser Pilz sowohl auf kalkhaltigen als auch auf sauren Böden auftreten kann. Somit kann ich bei dieser Art nicht mit der Ökologie argumentieren.


    Die gezeigten Pilze aus Skandinavien können Bluttäublinge sein, in der SARNARI-Monografie werden aber noch ein paar andere scharfe rothütige, rosastielige, in skandinavischen Mooren wachsende Täublingsarten angeboten: Russula rhodopus, Russula helodes, Russula renidens.

    Folgende Hilfs-Systematik (nach: Großpilze BW) könnte ich dir anbieten:
    Ascomyceten (Schlauchpilze)
    Basidiomyceten (Ständerpilze)
    - Aphylloporales ("Weder-Lamellen-noch-Röhren"-Pilze)
    -- Gallertpilze
    -- Resupinate (Anliegende) Porlinge
    -- Pileate (Gestielte) Porlinge
    -- Stachelinge
    - Boletales (Röhrlinge)
    - Ramariales (Korallen-, Keulenpilze incl. der Leistlinge)
    - Epigäische und Hypogäische Bauchpilze; zweifelhafte Ordnung
    ohne inneren Zusammenhang,
    diese Pilze werden heutzutage anderen Ordnungen/Familien
    zugeordnet
    - Russulales (Sprödblättler)
    - Lamellige Nichtblätterpilze (Knäuelinge, Zählinge, Seitlinge...)
    - Agaricales (Blätterpilze)
    - Cyphelloide Pilze


    Als Anfänger solltest du dich an dem berühmten Lüder-Poster orientieren, welches meines Wissens dem Lüder-Buch "Grundkurs Pilzbestimmung" beigefügt war, aber auch frei verkauft wird.

    Jetzt meine Vorschläge (ich betone: Vorschläge!):
    1. decolorans sehr gute Idee, Hutfarbe und Huthabitus passen; falls der Stiel tatsächlich bräunt und FeSO4 grün, dann Heringstäubling spec.
    2. paludosa, der stark rillige Stiel wäre ein Indiz, ebenso wie rosa Flecken am Stiel; mit Sulfovanillin auf der Stielrinde blass bläulich-violett
    3. das ist die violette Varietät (Form?) von R. turci, heißt glaube ich R. amethystea; gelber Sporenabwurf und unterm Mikroskop in der Huthaut inkrustierte Primordialhyphen
    4. nigricans (der Dickblättrige Schwärztäubling heißt nicht R. adusta)
    5. amara/caerulea; mit Sulfovanillin auf der Stielrinde magentarot; Huthaut gummiartig-elastisch
    6. für mich rein optisch ein typischer Heringstäubling (bräunliche Hutfarbe, bräunender Stiel, andeutungsweise rosa überhauchter Stiel), doch wenn er scharf ist, wie angegeben, dann wird's schon R. badia sein
    7. Ingo hält ihn wohl für R. integra, möglicherweise zu recht, allerdings gibt es auch eine so gefärbte Form von R. mustelina; hier bräuchte man unbedingt die Farbe des Sporenabwurfs, um das zu klären
    8. optisch klare aeruginea (viele Rostflecken!), aber da bräuchte es zwingend eine Birke in der Nähe;
    9. eindeutige xerampelina (knallrot auf dem Hut, knallpink am Stiel)
    10. Ingo hält ihn wohl für R. laricina, aber das glaube ich nicht, es sei denn, es werden mikroskopische Beweise nachgeliefert. Ich kenne R. laricina als (Hoch-)Gebirgspilz; stattdessen schlage ich R. cessans vor
    11. eindeutige sardonia (zitronengelbe Lamellen!)
    12. Ingo hält ihn wohl für R. albonigra; das wäre meiner Erfahrung nach auch ein Gebirgspilz, außerdem wird der Stiel nicht so braun, sondern grauschwarz; ich schlage hier R. adusta vor, dies natürlich nur, wenn die Geschmacksprobe in den Lamellen mild ergab, was noch nicht gesagt wurde
    13. eventuell sanguinaria; das soll aber ein kalkliebender Pilz sein, der eher nicht in einen Kiefernsandkasten passt; vielleicht am Rand eines geschotterten Waldweges gewachsen?; auf jeden Fall nichts aus der emetica/Silvestris-Gruppe, denn dort kommen keine rosa gefärbten Stiele vor
    14. eindeutige vesca (vom Rand zurückgezogene Huthaut; Rostflecken)

    Nein, ich meine doch: keine der von mir eben genannten Arten, die im Kiefernwald vorkommen können, ist hier abgebildet. Pilz Nr. 1 mit dem nach Anfassen "olligen" (= bräunenden) Stiel sollte irgendeiner der Heringstäublinge sein.


    da ja die Geschmacksrichtung bei Pilzen in der Bestimmung durchaus eine Rolle spielt, wollte ich mal wissen, ob es Pilze gibt, die, wenn man ein linsen- bis erbsengroßes Stück abbeisst, zu Bestimmungszwecken kaut und dann wieder ausspuckt, bereits über die Mundschleimhaut so schnell und so viel Giftstoffe abgeben, dass es bedrohlich wird ?


    Welches Bestimmungsproblem betreffend gefährlicher Giftpilze willst du denn über eine Geschmacksprobe lösen?
    Vielleicht kann ich dir einen Tipp geben, wie du das gleiche Problem mit einer ungefährlicheren Alternative lösen kannst.
    Nur bei den allerwenigsten Pilzen gehört eine Geschmacksprobe standardmäßig zum Bestimmungsprogramm. Neben den genannten Täublingen und Milchlingen fallen mir noch gewisse Porlinge, Stachelinge und Dickröhrlinge ein, aber sonst??

    Hallo Gerd,
    ich kann die angegebene pdf-Datei ohne Probleme öffnen und lesen. Ein sehr informativer und schön geschriebener Artikel übrigens. Ich wusste gar nicht, dass du dich schon sooooooo lange mit Pilzkunde beschäftigst.

    [quote='Norbert.S','https://www.newboard.pilzforum.eu/board/index.php?thread/&postID=215244#post215244']
    > "Zahlreiche flaschenförmige Chrysozystiden im Hymenium" steht ja auch schon in WIKI , aber da steht nichts von der Größe.


    Die ist auch nicht erheblich für deine Bestimmungsaufgabe, sondern es ist schon mal viel wert, wenn du das Vorhandensein der Chrysozystiden nachweist. Du kommst bestimmungstechnisch über dieses Merkmal schnell in die Hypholoma- oder Stropharia-Ecke.


    > Gefärbt hatte ich in diesem Fall mit Kongorot in Ammoniak.


    Wenn du nach Chrysozystiden forschst, ist Patentblau DAS Färbemittel, wie schon weiter oben geschrieben wurde.


    > aber erstmal brauch ich ein Mikroskop ,wo man echt was sieht.


    Auf dem von dir gezeigten Foto sieht man doch all das, was man sehen muss!? Dass das Chrysozystiden sind, sieht man ja sogar ohne Anfärben.

    Es ist keineswegs so, dass es in der Fachwelt einen Konsens darüber gibt, dass alle schwärzenden Saftlinge nur zu einer Art gehören.


    Man kann auf jeden Fall mal sagen, dass du mit der "Gruppe um Hygrocybe nigrescens" bzw. mit "Hygrocybe nigrescens s. l." richtig liegst. Wenn du es genauer haben willst, musst du spezielle Saftlings-Spezialliteratur (z. B. die Boertmann-Monografie) sichten und interpretieren, da wird diese Gruppe diskutiert und z. T. gesplittet.


    Der hier gezeigte Pilz sieht, finde ich, wie eine ganz "normale", typische H. nigrescens aus.

    Ich wollte noch ergänzen, dass die von dir abgelichteten Exemplare extrem verwachsen sind. Das mag auch der Grund sein, dass du keine Fotoreferenzen gefunden hast, denn so verwachsene Exemplare werden üblicherweise nicht als Bestimmungsfotos eingestellt. Man darf sich da nicht von der Natur ins Bockshorn jagen lassen.


    Daß die Beschreibung makroskopischer Merkmale bei selten dokumentierten Arten eben auch nicht immer der Weisheit letzter Schluß ist, wäre nun meine Erklärung. Das kann ja alles in einer bis dato unbekannten Variationsbreite liegen.


    Das ist im Kern richtig und verweist unbarmherzig darauf, dass wir uns hier wohl an der Grenze des sicher Bestimmbaren bewegen.


    Wenn wir die grundsätzliche Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die makroskopische Beschreibung irrelevant oder unzutreffend ist und damit erklären wollen, dass eine kleinsporige Psathyrella mit geschnäbelten Pleurozystiden P. laevissima ist, obwohl sie viel Velum am Hutrand und oft einen Stielring hat, wäre das ein grundsätzlicher Zweifel an der Verlässlichkeit von Literaturreferenzen. Anders ausgedrückt: mit diesem Argument wäre es möglich, jedem ausführlich untersuchten Pilz einen willkürlichen, der Literaturreferenz in gewissen Merkmalen widersprechenden Artnamen zu geben. Bestimmungen und deren Ergebnisse erhielten ein gewisses Maß an Beliebigkeit.


    Nun hat praktisch jede Gattung ihre ganz speziellen "knallharten" Abgrenzungsmerkmale. Niemand würde z. B. in Zweifel ziehen wollen, dass in der Gattung Amanita die Abundanz bzw. das Fehlen eines Stielringes ein knallhartes Abgrenzungsmerkmal ist. In der Gattung Psathyrella kann das dagegen anders sein. Daher meine Frage nach der Referenzliteratur. Eine gute (überzeugende) Psathyrella-Literatur würde sicherlich Stellung dazu nehmen, ob das Vorhandensein eines Stielringes als Abgrenzungsmerkmal taugt oder nicht (ich kann mir freilich nicht vorstellen, dass das kein gutes Abgrenzungsmerkmal sein soll, selbst in der Gattung Psathyrella).


    Genauso ist es unsicher, ob die "Schnabel"-Ausbildung an den Pleurozystiden reliabel ist (es könnte auch Variationsbreite ansonsten normal zugespitzter Zystiden darstellen; wie man sieht, kann man das Argument auch andersherum verwenden ;)), so lange in der Referenzliteratur keine entsprechende Stellungnahme vorhanden ist. Solchen Stellungnahmen glaube ich im übrigen dann besonders stark, wenn es sich um einen Autoren handelt, der über lange, lange Jahre hinweg sich immer wieder mit extrem vielen Psathyrella-Funden auseinandergesetzt hat (also z. B. M. Enderle aus Ulm). Ich glaube auch sehr stark an das, was in Funga Nordica steht, weil die Gattungskapitel von Gattungsspezialisten ersten internationalen Ranges erstellt worden sind.[hr]


    Die Sporen sind nach Romagnesi 5,2-6,2 x 3,2-3,7 µm (ich fand 5-6,3 x 3-3,8 µm).


    Ja, das ist in der Tat ein Argument, das gegen meine Vermutung P. rostellata spricht. So klein können rostellata-Sporen nicht sein.