Ich freue mich Über Eure Kommentare, Verbesserungsvorschläge, Tipps, etc.
Beste Grüße
Dieter
Hallo Dieter,
ich hoffe, du meinst den letzten Satz in deinem Posting wirklich so und nicht in der Weise, dass du dich nur über positive Kommentare freust und über die anderen ärgerst. Wenn nicht, dann entschuldige bitte, dass ich den Satz so genommen habe wie er da steht.
Texte dieser Art habe ich schon während meines Studiums nicht gern gelesen, insbesondere dann nicht, wenn sie eine appellativen Charakter ("... na dann viel Spaß beim Nachmachen...") besitzen. Sie suggerieren, dass alles viel schwieriger ist als es sein müsste. Bei der Pilzbestimmung hat man meist noch viele andere Bestimmungskriterien als nur die Sporengröße - makroskopische und mikroskopische. Diejenigen wenigen Gattungen, in denen man zur Bestimmung der einzelnen Arten nach wissenschaftlichen Richtlinien aufgestellte und wissenschaftlich analysierte Sporenmessreihen tatsächlich benötigt, weil es keine anderen griffigen Unterscheidungsmerkmale gibt, dürften in der typischen Hobbypilzkunde selten sein bzw. sie werden von der breiten Masse nicht beachtet.
Für die wissenschaftliche, vollständige Dokumentation von Funden ist die von dir vorgestellte Arbeitsmethode sicherlich o. K. (um sie tatsächlich inhaltlich bewerten zu können, kann ich leider zu wenig Mathe), das will ich nicht in Abrede stellen. Aber wenn ich in der Saison von einer Exkursion etwas mit nach Hause nehme, will ich innerhalb von zwei bis höchstens drei Tagen zu einem Bestimmungsergebnis kommen, weil spätestens dann das Nächste auf dem Tisch landet. Bei mir (wohlgemerkt: bei mir!) wäre für solch komplizierte statistisch-mathematischen Überprüfungen kein zeitlicher Raum vorhanden. Da in diesem Forum auch einige Hobbypilzkundler mitlesen, die vielleicht planen, sich einmal ein Mikroskop anzuschaffen, und die sich angesichts deines Beitrages jetzt "so klein mit Hut" fühlen und von der Mikroskopiererei insgesamt abgeschreckt sind, möchte ich eine kleine Gegendarstellung anbringen.
Bevor ich zu mikroskopieren anfange, mache ich mir anhand der Literatur klar, nach welchen Informationen ich überhaupt suchen muss. Wenn es tatsächlich auf die Sporenmaße ankommen sollte, vermesse ich 10 Sporen mit Länge und Breite, wobei ich immer 10 ausgesprochen große (= lange und breite) nehme, bei denen der Apikulus auf der gleichen Schärfeebene liegt wie der gesamte Sporenrand, denn die anderen liegen möglicherweise nicht korrekt auf der Seite. Von den so erhaltenen 10 Längen und 10 Breiten ermittle ich mit dem Taschenrechner den Durchschnitt. Muss es schnell gehen, reichen mir auch schon mal 5 Sporen (das darf jetzt nicht wirklich jemand wissen
). Dann kontrolliere ich, ob mein so ermittelter Durchschnitt innerhalb der in der Literatur angegebenen Werte liegt. Anschließend verwende ich die ermittelten Sporenmaße nicht als positives, sondern als negatives Bestimmungskriterium.
Ein Beispiel: ich habe ausweislich des agrocybenhaften Aussehens sowie der hymeniformen Huthaut eine Agrocybe vor mir liegen. Meine Vermutung: Agrocybe pediades, ein bekannt großsporiger Vertreter dieser Gattung. Per Mikroskop und meiner rudimentären Statistik habe ich durchschnittliche Maße von 13,5 x 7,5 My ermittelt. Die Literatur (z. B. BON, Pareys Buch der Pilze) gibt für meine vermutete Art an: 13 - 15 x 6 - 8 My. Dann ist für mich dieses Kriterium durchgewunken, das nächste Bestimmungskriterium wird überprüft. Hätte ich dagegen Agrocybe aegerita vermutet, für deren Sporenmaße im BON angegeben wird: 7 - 9 (10) x 5 - 6 (7) My, weichen die Istwerte so erheblich von der Literaturreferenz ab, dass A. aegerita rausfällt und ich was anderes suchen muss. Für so etwas hätte ich allerdings diese anspruchsvolle Sporenstatistik nicht gebraucht, da tut es auch meine 10-Sporen-Heuristik, und die ist in 5 Minuten erledigt, und ohne eine mathematische Formel zu können.
Und um es nochmal ausdrücklich zu sagen, weil hier im Forum ja immer irgendwer lauert, der mir unterstellt, aus Lust oder Geltungsbedürfnis die Arbeit anderer abwerten und diskreditieren zu wollen: es ist nicht mein Anliegen, diese Arbeitsmethode in irgendeiner Form abzuwerten - im Gegenteil, ich finde es sehr beeindruckend, wie viel Zeit und mathematisch-statistisches Fachwissen aufzuwenden jemand für etwas bereit ist, das keinerlei finanziellen Lohn einbringt - , sondern ich wollte den im Forum mitlesenden Mikroskopierern-in-spe mitteilen, dass man mMn nicht unbedingt nach der hier vorgestellte Methode arbeiten muss, sondern dass es auch ein, zwei Nummern kleiner geht. Letztlich ist entscheidend, dass man zu einer für sich befriedigenden und im Idealfall objektiv richtigen Bestimmung kommt, nicht nach welcher Methode man vorgegangen ist. Und um mikroskopisch zu bestimmen, braucht es ganz sicher keine elaborierten statistisch-mathematischen Kenntnisse, die meiner Erinnerung nach auch in keinem der von mir bisher besuchten Mikroskopierkurse bei diversen Referenten thematisiert worden sind.
FG
Oehrling
