Beiträge von Beorn

    MoinMoin!


    Die vielzitierte, ominöse dunkle Schicht zwischen Tomentum (Hutfilz) und Kontext (Hutfleisch) kann bei folgenden drei Arten auftreten:
    Trametes versicolor

    Trametes ochracea

    Trametes hirsuta

    - sowie bei ein paar anderen Arten aus anderen Gattungen.


    Bei den drei Trametes - Arten ist sie oft nicht konstant, d.h. nicht in allen Teilen eines Fruchtkörpers ausgeprägt. Bei allen drei Arten kann sie in einzelnen Fruchtkörpern auch ganz unauffindbar sein, vor allem bei sehr jungen, blassen Fruchtkörpern.

    Bei Trametes versicolor und Trametes ochracea ist die Farbe dieser "Cortexschicht" +/- analog zur Farbe des Hutfilzes (ein wenig dunkler meist, weil Hyphen dichter). Weil das Farbspektrum von Trametes versicolor ein wenig anders ist als das von Trametes ochracea, ist auch das Farbspektrum der Schicht anders. Allerdings schließt das Farbspektrum das von ochracea größtenteils mit ein. Nur kann versicolor halt eine ganze Palette von Farbtönen, die ochracea offenbar nicht annehmen kann. Also gilt für Hutfilz wie für Trennschicht: Irgendwelche blaugrauen, grauschwarzen, schwarzbraunen ode ganz schwarzen Farben sind immer = rametes versicolor, nie Trametes ochracea - während ockerliche, gelbockerliche, orangebraune oder satt braune Farben beide Arten haben können.



    LG; Pablo.

    Salve zusammen!


    Also lassen wir mal das Substrat außer acht, das kann demnach ja sowohl Nadel- als auch Laubholz sein (weil man von den umstehenden, vitalen Bäumen ja eh nicht auf die Art des umliegenden Totholzes schließen kann, das muss man separat bestimmen).

    Die Sporen hatte ich tatsächlich übersehen. Interessant wäre da noch eine Aufnahme in Wasser oder KOH (3%), um den Inhalt besser beurteilen zu können. Auch bei Porlingssporen sind unter Umständen die Inhalte ganz interessant (also zB die zwei Vakuolen an den enden mancher sporen).


    Gloeoporus hatte ich erstmal gar nicht auf dem Schirm. Die Idee ist allerdings prima! :thumbup:
    Allerdings nicht Gloeoporus pannocinctus (den ich auch eher bei Ceriporiopsis einordnen würde, wobei der morphologisch auf Gattungsebene schon irgendwie in der Schwebe hängt). Der bildet keine Hütchen (höchstens mal wuchsbedingt, wenn das Subikulum zwei aneinander liegende Äste verknüpft oder Detritus überwächst, ansonsten streng resupinat). Wenn solche "Subikulumsübersprünge" mal zu sehen sind, dann in anderer Form und Struktur. Bei Gloeoporus / Ceriporiopsis pannocincta wären auch die Poren feiner (wobei das jetzt nur eine vage Schätzung nach Augenmaß ist), vor allem: Die Sporen sind hier viel zu breit. 1,5µm sprengt da jeden Rahmen, die Sporen von pannocincta werden im Maximum kaum mal 1µm breit.


    Was aber gut passt (mikroskopisch): Gloeoporus dichrous.

    Da passen die Sporen, die Hütchen und auch die Oberflächenstruktur der Hutkanten. Es fehlt halt die altrosa - lachsrosa Färbung der Röhren und Poren. Die kann aber auch mal schwach ausgeprägt bzw. unsichtbar sein, besinders bei sehr jungen oder juvenil im Wachstum stagnierten Kollektionen.


    Bei Oligoporus s.l. wird's in der Tat schwierig, eine passende Art zu finden, die einzigen, die so striegelige Hutoberseiten machen können, sind einige Arten aus dem "Postia - Bereich" - die haben aber eine andere Wuchsform (wenn auch teils sehr ähnlcihe Sporen).

    Ansonsten gäb's da wohl nur noch Optionen, wenn irgendwelche Zystiden übersehen wurden.


    Gloeoporus dichrous gefiele mir da aber ganz gut.

    Vielleicht präsentiert der ja in der Beobachtung (vielleicht auch schon beim Antrocknen?) noch ein paar typische Farbtöne am Hymenophor.



    LG; Pablo.

    MoinMoin!

    Erfahrungswert. Zumindest Schmetterlinge mit zerschlitztem bis irpicoidem, teils auch daedaloidem Hymenophor sind mir schon öfters mal begegnet. Ist aber nicht unbedingt immer abhängig von der Wuchsweise, sondern kann auch bei ansonsten ganz normal ausgeprägten Fruchtkörpern auftreten. Ob und wo das in der Literatur erwähnt wird, habe ich jetzt nicht im Kopf, müsste man mal nachgucken vor allem in den relevanten Porlingsbüchern (von Jahn bis Poroid Fungi of Europe).



    LG; Pablo.

    Hallo, Chris!


    Was man so von den Hyphen sieht, passt das eher zu Oligoporus s.l. als zu Skeletocutis.
    Wie sicher ist denn die Substratbestimmung? Und von den Sporen hast du nicht vielleicht noch ein paar auf Bild?



    LG, Pablo.

    Hallo, Jann!


    Super, danke für die Auflösung! :thumbup:

    Nach den neueren Bildern wäre ich da auch umgeschwungen. So blass (Innenseite, Hymenophor) sind die mir noch nicht begegnet, aber es ist eben viel möglich.
    Umso besser, daß die noch eingehend untersucht wurden und sicher bestimmt. Auch dafür ein Dankeschön (unbekannterweise).



    LG, Pablo.

    Ahoi!


    Makroskopisch quasi identisch zu Otidea bufonia ist Otidea mirabilis. Die ökologische Amplitude der beiden Arten ist woh etwas verschieden, und die Ausprägung der inkrustierten Hyphen in der Medulla. Es gibt noch weitere (mikroskopisch noch besser abgrenzbare) Arten mit dem Aussehen.
    Hilft also leider nichts, Otideas mit dem Aussehen müssen immer mikroskopiert werden und die Bestimmung muss nach "A Monograph of Otidea" von Olariaga, VanVooren, Carbone & Hansen in Persoonia 35, 2015 erfolgen.

    ...zumindest, solange es nicht Otidea onotica mit schicken rosa Farben ist.



    LG; Pablo.

    Servus!


    So irpicoid aufgerissene Poren sehe ich bei Trametes versicolor sogar viel öfter und stärker ausgeprägt als bei Trametes ochracea. Wobei es auch da natürlich vorkommen kann. Neben der Wuchsform ist auch die Färbung wichtig, und die hier sind in der Tat viel zu dunkel für Trametes ochracea. Auch die scharfen, feinen Linien der Zonierung passen nicht wirklich zum morphologischen Erscheinungsbild von ochracea.


    Lg; Pablo.

    MoinMoin!


    Abgestorbene Porlingsfruchtkörper sind ein beliebtes Substrat für hunderte andere Pilzarten. Aus ganz unterschiedlichen Klassen und Ordnungen. So komplett schwarz könnten zB die Mycelien diverser Kernpilze Ursachen sein - übrigens auch für schwarz verfärbtes Holz.
    Könnte heißt natürlich auch: Kann ebenso ganz andere Ursachen haben. :)


    Ob man hier mit einer Röhrenschichtanalyse irgendwo hin kommt, da habe ich auch etwas Zweifel.

    Eine Ganoderma ist das eher nicht (Fruchtkörperform und Wuchsweise passen nicht), und bei Phellinus - Arten hat das keine Bedeutung fpr die Bestimmung. Da müsste man das Substrat halt bestimmen. Generell sind solche Porlingsmumien aber ohnehin nicht gerade dankbar für Bestimmungen, weil zu viele Merkmale nicht mehr nachvollziehbar sind. Besser frische Porliinge suchen, und die dann bestimmen, da hat man weniger Frust mit.



    LG; Pablo.

    Hallo, Ralf!

    Ganz schön spektral. :)

    Mindestens 50% der Funde hätte ich auch gerne mal irgendwann...

    Muss man aber mal so gezeigt bekommen, um die überhaupt auf die Fundwunschliste setzen zu können.



    LG; Pablo.

    Ahoi!


    Tolle weitere Eindrücke. :thumbup:

    Zu Cortinarius anserinus (in meiner Gegend massenhaft im letzten Jahr, nicht nur auf basischen Böden):
    Der unterscheidet sich optisch schon ganz gut durch den recht dauerhaft blauen Stiel (verblasst erst sehr spät), eine weniger stark ausgeprägte Knolle und der lässt auch kein solches seidig weißes Velum auf den Hüten zurück.








    LG, Pablo.

    Salut, Dodo & Mausmann!


    Wunderliche Pilze, diese Zwergknäuelinge. Also die Gattung (Panelllus) sollte wohl stimmen, aber ich denke nicht, daß es Panellus stypticus (Herber Zwergknäueling) ist.

    Die Oberflächenstruktur der Hüte ist irgendwie anders, zudem der Habitus leicht ungewohnt.

    Ob's da vielleicht noch eine südeuropäische / subtropische Art geben könnte? Möglicherweise etwas, das so nach und nach aus Nordafrika / Nahost richtung Südeuropa einwandert?

    Ich bin da leider nicht im Bilde und nicht mit geeigneter Literatur versorgt, was diese Gattung weltweit so her gibt.

    Den könnte man aber theoretisch auch nochmal extra anfragen, vielleicht hat jemand wie Frank Dämmrich (Tomentella) dazu eine Eingebung - oder mein Verstöndnis der Variationsbreite von Panellus stypticus s.str. ist zu eng gefasst.



    LG; Pablo.

    Hallo, Peter!


    Die Vergleichskollektion von Ditte passt jedenfalls optisch schon sehr gut zu deinen Pilzen. Wenn sie das alles als cincinnata einschätzt, wird es wohl so sein. :thumbup:


    Suillus collinitus findet man auch immer wieder zahlreich in den Kiefernwäldern der Viernheimer Heide (bevorzugt an etwass offenen Stellen). Dort allerdings auch auf nicht deutlich kalkhaltigen Böden, wobei das dort schwierig zu beurteilen ist, wo mineralisch - basische Sande und oberflächensaure Ablagerungen von Meter zu Meter wechseln können.



    LG; Pablo.

    Salve!


    Die würde ich ebenso einschätzen wie Ingo. Wenn der Stamm zu einer Weide gehört (was von der Rinde her plausibel wäre), dann wären das abgestorbene Fruchtkörper vom Weiden - Feuerschwamm (Phellinus igniarius). Das kann durchaus auch "Pilz-auf-Pilz" sein: Diese komplett schwarz verfärbten Oberflächen können schon ein Hinweis sein, daß die Fruchtkörper von einem anderen Pilz besiedelt wurden.



    Lg; Pablo.

    MoinMoin!


    Noch eine Idee zu dem zweiten:
    Wie wär's mit Sarcosphaera coronaria (Kronenbecherling)? Bei Reife klappt der ja schon so auf, und die Violettöne sind dann acuh bisweilen nicht mehr ausgeprägt.

    Eine Geopora verhält sich meistens ja etwas anders, weil die Fruchtkörper sich mehr im Erdboden entwickeln, also auch beim völligen Aufklappen das Zentrum des Bechers unter dem Niveau der Bodenoberfläche liegen müsste.



    LG; Pablo.

    Tach!


    Oder Froschgespenst?

    Müsste es ja auch geben, gibt ja auch Gutenachtgespenst und dergleichen.
    So am Rande: In Indien fand ich mal einen bunten Frosch (rot) der zwar keine Geräusche von sich gab, aber sich mit Lichtgeschwindigkeit (oder knapp darüber) bewegen konnte. Saß initial am Toilettenrand im Bad, bei Annäherung saß er unmittelbar an der Lampe an der Wand, anschließend an der Decke, letztlich an der Ausgangstür.
    Hatte auch Haftpfoten wie ein Gecko und zwischen den einzelnen Ortswechseln (teils mehr als ein Meter pro Sprung) fand kein Zeitverlust statt. Also still sitzend (Atemfrequenz irgendwas bei um die 200/min) - zack - woanders wieder still sitzend.


    Ich hatte damals überlegt, ob es vielleicht mehrere Frösche sein könnten. Aber dann hätten einzelne Individuen ja in null Zeit plötzlich aufhören müssen zu existieren, was mir ebenso wahrscheinlich erschien wie Sprünge mit Lichtgeschwindigkeit.


    Aus dieser Überlegung heraus aber folgender Gedanke: Ich bin auch schon Zikaden nachgegangen. Das Problem: Wenn man sich denen nähert (und das bekommen die mit, egal wie leise man ist), stellen die ihre Aktivität ein. Machen also keine Geräusche und verhalten sich wie Larix decidua (werden also unsichtbar).

    Drei Meter weiter hört man dann eine andere Zikade knirschen, aber die hat sich eben nicht fortbewegt, sondern es sind einfach mehrere.



    LG; Pablo.

    Salve!


    Die fragliche Inocybe dulcamara: Ist das überhaupt eine Mallocybe? Die wirkt so komisch in der Form, und auf meinem Monitor hat es fast den Anschein, als wäre da ein violetter Farbhauch auf den Hüten (was Mallocyben nicht können, glaube ich). Eventuell ja auch was ganz vage aus der Ecke um Inocybe concinnata?



    LG; Pablo.

    Salut!


    In der Tat. diese Zähnchen irgendwie so zu präparieren, daß man die Hyphen beobachten kann, das kommt schon einer Bestrafung gleich.
    Man müsste die beiden mal einfach öfters finden, vielleicht erkennt man dann noch den einen oder anderen Ansatz, wie die einfacher zu unterscheiden wären.

    Trechispora farinacea hatte ich aber tatsächlich erst einmal, wenn ich das richtig sehe.



    LG; Pablo.

    Hallo, Björn!


    Im ersten basidienbild sehe ich inzwischen auch die arg dickwandigen, etwass unförmigen Chlamydosporen.
    Vor allem im rechten oberen Viertel, da machen die allerdings zum Großteil Kopfstand, darum sind sie mir wohl nicht aufgefallen. :)



    Lg; Pablo.

    Hallo, Peter!


    Diese weißlichen Clavarien sind wirklich scheuslich zu bearbeiten: Es gibt keine zusammenhängende, aktuelle Bearbeitung dazu, zudem ist inzwischen bekannt, daß es zumindest genetisch einen ganzen Haufen Arten zu geben scheint. Nur leider weiß anscheinend niemand, ob das mit den paar untersuchten Loci wirklich passt und wenn ja, dann bleibt noch komplett rätselhaft, wie die nun zu trennen sind.
    Ein schlüssiges morphologisches Konzept dazu suche ich bislang vergebens. Da sind haufenweise Details, bei denen es kaum Ansätze gibt, wie die sich von Art zu Art verhalten. Angefangen von der Fruchtkörperform, über die Basidienform bis hin zu den Sporenornamenten... Alles irgendwie diffus und teils innerhalb einzelner Kollektionen oder sogar einzelner Fruchtkörper kunterbunt durcheinander.

    So vor etwa einem Jahr habe ich mich entschlossen, diese Keulchen mal zurückzustellen und mich damit wieder zu beschäftigen, wenn entweder eine vernünftige monografische Bearbeitung auftaucht oder jemand, der an sowas arbeitet und morphologisch dokumentierte Kollektionen haben will.



    LG; Pablo.

    Hallo, Mausmann!


    Zunächst mal ein großes DANKESCHÖN für diese fantastische Bildersammlung! :thumbup:
    In den letzten wochen habe ich schon immer hier mitgeschmökert, mit Begeisterung und auch etwas Wehmut - da wäre man ja auch zu gerne live mit dabei gewesen.

    Gelegentlich wollte ich mal was zu dem einen oder anderen Rätselpilz schreiben, aber das haben andere dann stets schon übernommen gehabt, und es ist ja auch nicht einfach.
    Also habe ich eben nur genossen und gestaunt - auch was es neben Pilzen an bemerkenswerten Eindrücken so gegeben hat.



    LG; Pablo.

    Hallo, Karl!


    Dankeschön!
    Wenn die Bilder bei Hans Bender noch auftauchen, kann's freilich auch nicht schaden - aber vielleicht will er die ja einfach auch selbst bochmal auffinden und fotografieren.



    LG; Pablo.

    Salve!


    Die sind in der Tat ganz schön dunkel. Wobei ich denke, daß das hier teils an Algenbesiedelung und teils auch an Witterungseinflüssen liegt.

    Rotbuche und Eiche scheinen bei mir in der Gegend übrigens die Lieblingssubstrate von "Lenzites" betulina zu sein - vor allem an Rotbuchenstümpfen finde ich die noch häufiger als an Birke. In Norditalien verschmäht die übrigens auch Nadelholz nicht.


    Taxonomisch kann man die aus meiner Sicht auch gut bei "Trametes" einordnen. Bis auf die Form des Hymenophors gibt es keine signifikanten morphologischen Unterschiede (makro- wie mikroskopisch) zu den meisten Arten der Gattung. Und daß die Form des Hymenophors (Lamellen oder Poren...) nicht die erste Geige spielt, dürfte klar sein wenn man sich zB den aktuellen Status der Gattung Lentinus anschaut.
    Wie's genetisch aussieht, müsste ich jetzt erstmal nachgucken, aber aufgrund von genetischen Merkmalen alleine einer Art eine eigene Gattung zu verpassen, sehe ich ohnehin ein wenig kritisch.



    LG; Pablo.

    Hallo, Jürgen!

    Mikroskopiert Du noch mit dem Askania RME 5? Eine 6 V 10 W Halogenbirne mit Sockel G4 sollte sich günstig auftreiben lassen.


    LG

    Jürgen

    Aye. :thumbup:

    Ein paar kleinere Reperaturen hier und da, ansonsten läuft das einwandfrei.

    Birnchen habe ich mittlerweile auch ein Passendes gefunden, scheint es in der tat in den meisten Baumärkten hier zu geben. :)



    LG; Pablo.

    Hallo, Björn!


    Die Kollektion von Granulobasidium vellereum finde ich durchaus etwas komisch. Mit so ablösenden Fruchtkörpern ist der mir bisher noch nicht begegnet, und ich fand bisher in jedem Präparat immer massenhaft Chlamydosporen, also die arg dickwandigen, stark cyanophilen mit unregelmäßigen Formen...

    Aber die Basidiosporen (rundlich, warzig, inamyloid) wüsste ich jetzt auch nirgendwoanders sinnvoll einzuordnen - was nicht viel heißen muss. Gibt ja eine menge Krusten, die ich noch gar nicht kenne.



    LG; Pablo.