Hallo, Chris!
Ich finde diese Lösung im Grunde sogar durchaus gut. Oder würde sie gut finden, wenn es tatsächlich konsequent so gehandhabt würde.
Es ist halt eine etwas konservativere Darstellung - dadurch aber verständlicher auch für Pilzkundler, die in einzelnen Gattungsgruppen nicht permanent auf dem neuesten Stand sind.
Es sind ja eben die dauernden taxonomischen Wechsel, die vielen Pilzkundlern die Arbeit massiv erschweren: Weil zB erstens die fachkundlichen (= wissenschaftlichen) Namen noch schwerer nutzbar werden, zweitens die Vergleichsmöglichkeiten teilweise nicht mehr gegeben sind, wenn man Pilze / Taxa in der eigenen Literatur nicht wieder findet.
So gut und richtig das ist, daß sich Forschungsergebnisse auch taxonomisch wiederspiegeln (Rubroboletus - Arten sehen halt anders aus und verhalten sich anders als Suillellus - Arten), so wichtig wäre es, daß Namen / Taxa nachvollziehbar bleiben und zwar auch für Leute, die eben nicht zufällig gerade Spezialisten für zB Boletaceae sind.
In diesem Fall: Klar, ich kann die Gattungsdiagnosen zu Imperator, Rubroboletus, Suillellus, Butyriboletus, Imleria, Lanmaoa usw gut nachvollziehen.
Aber nicht für jede Art (siehe zB >"Rubroboletus" lupinus< - der dürfte mmn kein "Rubroboletus" sein) und vor allem mag sich vielleicht nicht jeder mit der Gruppe mit aktuellster Litertur beschäftigen - mache ich ja auch nicht bei zB Lepista und Clitocybe uvm., und sehe erfreut, daß auch dort konservativ gelistet wird: >Kerbrandiger Trichterling<, >Fuchsröteltrichterling<. Gut so, ist im Grunde ja auch worschd, welchen Namen man oben hin schreibt, solange die relevanten Synonyme dabei stehen.
Nur leider - wie oben schon angedeutet: Nicht konsequent umgesetzt. Und das finde ich schade. Freilich muss man auch sehen, daß eine solche Datenbank auch gepflegt werden muss, und das ist eine Wahnsinnsarbeit und man kann nicht alles immer zeitnah umsetzen und einpflegen, bzw. ist es schwierig, alles anzupassen und allen recht zu machen. Die Leute, die die Taxonomie bearbeiten und einpflegen, sind halt angewiesen auf fachkundliche Unterstützung von Gattungsspezialisten, und je nach dem, was sie da zugetragen bekommen, wird's halt eingearbeitet.
Dann passiert naturgemäß eben auch sowas, daß bei einer Gattungszerlegung / Spezifizierung teilweise dem "s.l. - Konzept" vorrang gegeben wird und teilweise aber auch "s.str. - Konzepte" eingang finden: Siehe >Keulenfuß-Trichterling<. Bei den Röhrlingen ist es ja wieder ähnlich, und das meine ich halt, mit "verwirrend / inkonsequent": Warum auf der einen Seite das "s.str. - Konzept": >siehe Satansröhrling<, in einem anderen Fall aber ein "s.l. - Konzept" (>siehe Netzhexe<)?
Ähnlich ist das freilich auch bei vielen Rindenpilzen und Porlingen, wo auch kein konsequent umgesetztes System besteht - also bei manchen Arten eben Gattungen im weiteren Sinne und bei anderen im strengen Sinne.
Wie gesagt: Das ist in der Datenbank eigentlich egal, weil ja die Synonyme immer dabei stehen und die Datenbaank auch nach Synonymen durchsuchbar ist.
Es ist also völlig egal (in PD wie in Mykis), ob man nach Aureoboletus moravicus oder nach Xerocomus moravicus sucht, ebenso wie es egal ist, ob man nach Gloiothele lactescens oder nach Gloeocystidiellum lactescens sucht. Man kommt bei der richtigen Art raus.
Auch da kann es kleinere Fehlerchen geben, so wie zB eben gesehen bei Suillellus luridus, wo in der Synonymliste halt auch "Boletus immutatus" zu finden ist - was wohl eher eine nicht blauende Form von Neoboletus erythropus sein müsste (Stielhyphen inamyloid). Aber da besteht eben das Problem der fachkundlichen Überwachung: Es gibt nicht zu jeder Gattung und Gattungsgruppe Experten, die die aktuellen Veröffentlichungen weltweit im Auge haben und gleichzeitig die taxonomische Datenbank im Blick, um diese anzupassen oder anpassen zu lassen.
Insgesamt dürfte PD (und Mykis) taxonomisch besser aufgestellt sein, also Mykobank und Indexfungorum, weil eine überschaubare Anzahl an Taxa enthaltend bei etwa gleicher Anzahl an Fachleuten / Datenbankpflegern. Also besser aufgestellt zumindest was Synonymlisten und "aktuell gültige" Gattungsdefinitionen betrifft - wo man halta uch sehen muss, daß - mal als Beispiel - "Boletus regius" keineswegs ungültig ist. Das Taxon an sich verliert ja nicht seine Gültigkeit, blos weil der aktuellere taxonomische Status die Gattungszuordnung als Butyriboletus berücksichtigt.
LG; Pablo.