Beiträge von Jürgen

    Hallo Christoph,


    in die Richtung würde ich mitgehen. Im Grunde passt ja, wenn man die Beschreibungen bei Lannoy & Estades und ergänzend bei Both (var. americanum) heranzieht, alles bis auf die kräftigere Wuchsform und das Nachdunkeln des Stielrots. L & E erwähnen bei holopus zudem gilbendes Hutfleisch: Das würde bei Rudis Schnittbildern auch passen. Eine interessante Aufsammlung ist das in jedem Fall.


    Grüße, Jürgen


    P.S.: Bei Rudis geschnittenem Exemplar wurde, wie es aussieht, im Stielbereich ein erheblicher mechanischer Druck ausgeübt, um die Fleischverfärbung zu evozieren. Das ist methodisch zwar legitim, wird bei Leccinen teilweise auch empfohlen, aber bei der vergleichenden Beurteilung macht es schon einen (nicht nur graduellen) Unterschied, ob sich eine Verfärbungsreaktion schon spontan beim Schnitt (= leichte Verletzung der Tramahyphen) innerhalb kurzer Zeit oder erst bei starker äußerer Einwirkung und/oder nach längerem Liegen ausprägt. Infolge Verdichtung/Quetschung von Hyphen ergibt sich ja zwangsläufig ein Dunkelungseffekt. Und in den nicht angekratzten/eingedrückten Tramabereichen (Hut, Stielbasis) bleibt die Verfärbung quasi null.

    Hallo kso,


    der Standort "bei Birken, trockener, saurer Boden" ist bei L. cyaneobasileucum (bzw. brunneogriseolum) keineswegs störend, die Art kommt keineswegs nur in Mooren oder stark moosigen Habitaten vor. Und hier würde ich deine Funde (makroskopisch) auch verorten, speziell bei Betrachtung der Stielbekleidung des großen Exemplars auf Bild 2, die doch in der unteren Stielhälfte die charakteristische netzig-wollige Struktur aufweist. Ein mikroskop. Blick auf Sporengrößen und Huthautstruktur würde hier freilich nicht schaden.


    Die Beobachtung von Pablo, dessen Sammelgebiete nicht so weit weg sind von meinen, kann ich aber durchaus bestätigen. Ich hatte ebenfalls vereinzelte (cf.)brunneogriseolum-Funde, die noch deutlicher als hier kontrastierende Stielschuppen aufwiesen und sich somit optisch L. scabrum annäherten, im Schnitt aber blaugrüne Flecken in der Stielbasis aufwiesen.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Jörg,


    wir werden auf diesem Weg hier keine Klärung erzielen. Behalte das einfach mal im Auge, vielleicht ergibt sich ja in der Zukunft eine Möglichkeit, eine Probe sequenzieren zu lassen.


    Grüße Jürgen

    Hallo,


    ich kenne N. xanthopus von deutlich thermophilem, trockenem Standort und im Sommer fruktifizierend. Nur weil ein Flocki mal einen gelben Stiel hat, heißt das nicht "automatisch", dass N. xanthopus vorliegt.


    Von N. junquilleus (bzw. pseudosulphureus) haben wir in unserer Region einen seit 50 (!) Jahren bekannten Wuchsort. Und hier kam es auch schon vor, dass zwischen den gelbhütigen gelegentlich auch braunhütige (oder zweifarbig gefleckte) Exemplare dabei waren, Poren und Stiel aber trotzdem rein gelb waren.



    Grüße Jürgen

    Hallo kso,


    früher hat man solche rötenden, dunkelhütigen Formen als Leccinum roseofractum abgetrennt, besonders dann, wenn die Rotverfärbung stärker ausgeprägt war. Diese Trennung ist aber, zumindest bei derzeitigem Stand der Forschung, künstlich bzw. das Röten würde früher als Trennmerkmal überbewertet. Viel wichtiger ist hier die Beobachtung, dass im Bereich der Stielbasis keine Türkis-Verfärbungen vorhanden sind. L. scabrum bzw. darf jedoch durchaus gelbliche Farben in der Stielbasis haben, wie man hier auch schön sieht.


    Auf dem Massenbild sehe ich auch nur scabrum und versipelle. Und man sieht ja hier schon, wie variabel Habitus und Hutfarbe bei scabrum sein können.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo Rudi,


    du wirst ja bei den Standortfotos die Schnittbilder nicht sofort gemacht haben (was man bei Leccinen nie tun sollte), sondern einige Minuten zugewartet.


    Und da sieht man bei deinen Exemplaren (Bilder 2 und 3 auf pilzseite.de) fast keine Verfärbung, allenfalls ein schwaches Röten im Stiel.


    Nur bei dem - etwas unterbelichteten - Foto auf der Tischplatte (Bild 4 auf pilzseite.de) ist die (vorher rötliche) Stielfleischverfärbung bei einem Exemplar stärker nachgedunkelt. Aber wie lange war denn das nach Anschnitt? Mehrere Stunden? Und trotzdem ist im Hutfleisch so gut wie keine Verfärbung in diese Richtung zu sehen! Das ist für die Sektion Leccinum (und Fumosa) vollkommen untypisch.


    Und man sieht auf den Detailbildern sehr deutlich, dass die Huthaut nicht übersteht, im Gegensatz zu dem Fund, den kso hier vorgestellt hat.


    Ehrlich gesagt wundert es mich, wie Christoph da (ohne Fragezeichen?) auf L. percandidum kommt. Vielleicht kann er sich ja hierzu äußern.


    Grüße, Jürgen


    P.S.: Im Netz ist hier noch ein sehr treffendes Foto aus Skandinavien. Das ist bei allem guten Willen doch wirklich nicht das, was ihr im Allgäu hattet.

    Hallo Rudi,


    ich bezweifle, dass Dein Fund dieselbe Art ist. In der Sektion Leccinum, also bei den Rotkappen, sollte auch (bzw. gerade) das Hutfleisch im Schnitt in Richtung Violett-Schwärzlich umfärben, wenigstens nach längerem Liegen. Davon ist aber auf Deinen Fotos nichts zu sehen. So wie es aussieht, steht die Huthaut auch nicht über.


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    L. melaneum ist das natürlich nicht (diese Art verfärbt im Schnitt so gut wie nicht), den Hainbuchenraufuß würde ich wegen der haarig-filzigen, überstehenden Huthaut auch ausschließen. Stefans Vermutung hat was für sich. Mich erinnert das stark an das, was ich mal in der SPR vorgestellt hatte (Heft Juli 2002), ein jung grau-beigehütiges Exemplar von L. versipelle (ss. lato), das beim Heranreifen nach ocker-orangegelb umfärbt, wobei der graue Filz dann als flach angedrückte Schuppen auf dem Hut zurückbleibt: L. versipelle fo. griseotomentosum Herink. Etwas störend ist freilich aber das Fehlen jeglicher Blautöne im Bereich der Stielbasis.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Christoph,


    ich denke ich kenne die beiden auch ^^


    Und so wie ich die beiden kenne, klappt das sicher auch mit dem Weiterleiten eines Beleges an eine öffentliche Sammlung.


    kso: Nochmals großes Dankeschön fürs Zeigen (und vorheriges Überwachen) :thumbup:



    Das Stielfleisch verfärbte übrigens nach mehreren Stunden komplett blaugrün, ähnlich wie das auch L. variicolor gelegentlich macht.


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    nachdem ich heute wieder beide Arten in der Hand hatte (auch X. chrysenteron darf im Spätherbst wachsen), möchte ich meine Meinung nochmal bekräftigen.


    Und sorry, ich wollte hier keine Verwirrung stiften. Man lernt immer auch selbst dazu, jeder geht schließlich mit seinen eigenen fünf Sinnen und Erfahrungswerten durch die Natur.


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    man darf sich durch die dunkle Hutfarbe und den robusten Habitus nicht voreilig zu X. pruinatus verleiten lassen. Es fehlen die purpurbräunlichen Farbnuancen, auch die so typische weinrote Subkutis, die normalerweise am Hutrand sichtbar ist. Der Stiel zeigt nicht einmal an der Spitze das für jungen pruinatus charakteristische lebhafte Zitronengelb, sondern auf fast ganzer Länge feine rhabarberrote Flöckchen. Das alles macht doch einen jungen X. chrysenteron sehr wahrscheinlich.


    Grüße, Jürgen

    Hallo kso,


    prüfe doch am Standort mal nach, ob dort auch Pappeln stehen. Dann kämen noch Blässlinge weiterer Arten infrage, etwa von L. duriusculum oder leucopodium.


    Interessant wären auch ein paar floristische Angaben zur Fundregion (MTB, Meereshöhe, Topografie, Bodenverhältnisse).


    Grüße, Jürgen

    Hallo Pablo,


    Xerocomus scheidet jedenfalls aus. An den Bruchstellen sieht man deutlich, dass die einzelnen Röhren intakt bleiben. Die Röhrenwände sind also vom Boletus-Typ: ein ausgeprägtes Mediostratum bewirkt diese Reißfestigkeit.


    Grüße, Jürgen

    .

    Hallo zusammen,


    Das Exemplar links hatte 13 cm Hutbreite und brachte 150 g (!) auf die Waage. Auf die kulinarische Verwendung in einem Pfefferröhrlingsrisotto (in Ermangelung ausreichend ergiebigen Boletus-edulis-Beifangs) wurde dennoch verzichtet...<X


    Grüße Jürgen

    Hallo zusammen,


    in Neuseeland ist es gelungen, B. [cf.] sphaerocephalus in Kultur zu bringen, siehe hier. Ich hätte von der Art Exsikkatmaterial. Seht jemand eine Restchance für einen erfolgreichen Nachahmungsversuch oder muss man davon ausgehen, dass die Sporen nach dem Trocknen nicht mehr keimfähig sind?


    Grüße, Jürgen

    Hallo Felli,


    ich würde das Teil, trotz der Rosatöne, auch für B. fechtneri halten. Verräterisch sind die dunkler eingewachsenen braunen Huthautfasern auf heller grauem Untergrund, die man am Hutrand im ersten Bild rechts unten deutlich erkennt. Das schließt m. E., neben anderen Merkmalen, mögliche andere Kandidaten wie B. fuscoroseus, C. kluzakii oder einen gelbporigen legaliae aus.


    Freilich wäre in komplettes Schnittbild hilfreich gewesen. Das kann man zur Not auch am stehenden Pilz absäbeln, wenn man den Fruchtkörper aus Artenschutzgründen nicht komplett entnehmen will.


    Zu den Sporen: Engel (1978) gibt an: "mit Melzers Reagens kaum dunkler". Auch in anderer Literatur (z. B. Munoz, Lannoy & Estades, Großpilze BW) wird die Jodreaktion für fechtneri als negativ oder "subnul" angegeben.


    Grüße, Jürgen

    du hattest da wohl den Erstnachweis für Deutschland vor der Kamera gehabt...

    Hallo zusammen,


    vorsorglich noch der Hinweis, dass laut Šutara & Špinar (2006:39) auch "a form of B. radicans with a partly reddish pileus exists, but is very rare". Nicht jeder rosahütige Bitterschwamm, also auch der hier gezeigte, muss also zwangsläufig C. kluzakii sein.


    Wichtig wäre, wie von Christoph weiter oben angemerkt, bei solchen Funden vor allem ein Schnittbild, das - wie bei Werners Fund - die Farbe der Subkutis als entscheidendes Unterscheidungsmerkmal sichtbar macht. Das fehlt hier leider, kann aber doch hoffentlich nachgeholt werden, vielleicht sogar noch in der laufenden Saison.


    Viele Grüße, Jürgen