Beiträge von Jürgen

    du hattest da wohl den Erstnachweis für Deutschland vor der Kamera gehabt...

    Hallo zusammen,


    vorsorglich noch der Hinweis, dass laut Šutara & Špinar (2006:39) auch "a form of B. radicans with a partly reddish pileus exists, but is very rare". Nicht jeder rosahütige Bitterschwamm, also auch der hier gezeigte, muss also zwangsläufig C. kluzakii sein.


    Wichtig wäre, wie von Christoph weiter oben angemerkt, bei solchen Funden vor allem ein Schnittbild, das - wie bei Werners Fund - die Farbe der Subkutis als entscheidendes Unterscheidungsmerkmal sichtbar macht. Das fehlt hier leider, kann aber doch hoffentlich nachgeholt werden, vielleicht sogar noch in der laufenden Saison.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo,


    von vielen Rotporern wurden ja xanthoide (gelbporige) Formen beschrieben. Deswegen würde ich hier zunächst auch von einem gelbporigen Suillellus, vermutlich luridus, ausgehen; das satte Goldgelb ist, wenn die Farben in der Natur tatsächlich auch so intensiv waren, allerdings schon ungewöhnlich.


    Schaden kann es wohl nicht, den Beleg genauer zu untersuchen und ggf. auch sequenzieren zu lassen. Ich würde hier aber anderen den Vortritt lassen.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo Hinkel,


    die Art befindet sich aktuell in den Gebieten östlich der Elbe in einem dynamischen Ausbreitungsprozess. Deswegen wäre es sehr interessant, Genaueres über den Fundort zu erfahren, also z. B. in welcher Region in Brandenburg Du sie gefunden hast.


    Vielen Dank schon mal!


    Jürgen

    Hallo Christoph,


    vielen Dank für die ausführliche Einschätzung. Das Taxon ist sicher wert, weiter beobachtet zu werden. Wir werden ja sehen, ob es auf Artrang Bestand haben wird.


    Zu C. calopus. Interessant wäre es, Kollektionen aus dem montanen Fichtenwald mit solchen aus dem thermophilen Buchenwald (soc. B. aereus, Bu. regius, fechtneri, S. queletii) genetisch zu vergleichen (siehe auch Assyov, die ersten beiden Fotos). Selber werde ich mich hier aber nicht (mehr) in Unkosten stürzen und auch kein Belegmaterial (mehr) herausgeben.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo Christoph,


    nach meinem laienhaften Verständnis erfordert die Beschreibung einer neuen Art primär eine hinreichende Abgrenzung von anderen Individuen, die bereits beschrieben worden sind. Um dies zu gewährleisten, wäre eine Sequenzierung der Typuskollektion von Boletus kluzakii schon im Rahmen der Erstbeschreibung 2006 methodisch leistbar - und wünschenswert - gewesen. Immerhin hatten Hibbett und Binder im selben Jahr ihre Phylogenie der Boletales vorgestellt.


    Das Einzige, was ich in Genbank finden konnte, ist die schon erwähnte Sequenzierung von 2015 durch Zhao et al., die sich jedenfalls nicht in jenem phylogenetischen Baum niederschlägt, den sie 2017 für die Gattung Caloboletus publiziert haben.


    Diese rote Pigmentschicht ist übrigens auch bei Butyriboletus-Arten zu beobachten. Ich habe eine Aufsammlung von B. fuscoroseus, bei der diese rote Linie im Längsschnitt nicht unmittelbar unter der Huthaut, sondern quer durch das Hutfleisch, etwa mittig zwischen Huthaut und Röhrenboden, verläuft.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo zusammen,


    schöne Fotos! Die Problematik erinnert etwas an die Bewertung der Bataille-Linie bei Suillellus luridus bzw. mendax.


    Christoph: Man hätte das Taxon ja nicht gleich als Art beschreiben müssen, sondern hätte - gerade wenn es an molekularbiologischer Evidenz mangelt - es zunächst bei Varietäts- oder Formenrang belassen können. Freilich lässt sich mit einer species nova mehr mykologische Publicity erzielen...


    Pilat & Dermek haben vor Jahrzehnten einmal versucht, einen Boletus pachypus mit roter Ringzone am Stiel und abweichender Amylon-Reaktion von radicans abzutrennen. Darüber ist inzwischen auch wieder mykologisches Gras gewachsen.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Christoph,


    wie früher schon einmal in diesem Forum bemerkt, taucht die Art bemerkenswerterweise nicht in der phylogenetischen Studie zur Gattung Caloboletus von Zhao et al. (2014), insbesondere auch nicht in den dort publizierten Cladogrammen und Schlüsseln auf, obwohl die Autoren die Erstbeschreibung von Sutara & Spinar (2006) im Literaturverzeichnis aufführen und authentisches Material dieser acht Jahre zuvor publizierten Art doch wohl verfügbar gewesen sein müsste.


    Auch im Cladogramm bei Zhang, Li, Gelardi & Zhong 2017 in Phytotaxa 309(2): Fig. 1 sucht man C. kluzakii als Taxon vergeblich. Dabei wurde C. kluzakii ebenfalls 2017 (immerhin elf Jahre nach der Erstbeschreibung) sequenziert.


    Auf mich wirkt das nach wie vor recht merkwürdig. Ist die Trennung von C. radicans denn mittlerweile molekularbiologisch abgesichert und wurde das irgendwo publiziert?


    Meine Skepsis rührt ferner auch daher, dass

    - man z. B. auch bei Rubroboletus satanas Fruchtkörper mit rosa Hutfarben bzw. roter Subkutis beobachten kann

    - eine weitere rosahütige "Lucni-Art", Boletus spinarii Hlavacek, sich inzwischen DNA-analytisch als bloße Farbform von Rubroboletus legaliae herausgestellt hat.


    Viele Grüße, Jürgen

    Hallo Pablo,


    nun ja, die obere Spore ist deutlich längsgestreift, das Medium drumherum aber auch...


    Ist also ein Artefakt. Da waren wohl Schlieren auf dem Deckglas.


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    nach meinem Dafürhalten gehören alle gezeigten Rotfuß-Fotos zu X. chrysenteron ss. str. und zeigen auch gut die Variationsbreite dieser Art in den verschiedenen Wuchsstadien.


    Mit Hinblick auf Huthautbeschaffenheit, Stielfarben, Fleischfarben und -verfärbung tue ich mir hier mit X. pruinatus sehr schwer. Hinzu kommt das für pruinatus untypische Wachstum im Hochsommer, selbst wenn man einwenden möchte, dass ja Ladurner & Simonini habituell ähnliche "Sommerkollektionen" von pruinatus publik gemacht haben.


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    ich stimme mit beli überein, dass wir es hier wohl durchweg mit cisalpinus zu tun haben, der uns einfach mal seine Kaltwetterform präsentieren will. Zu cisalpinus passt auch die Standortangabe: "Auf einer Wiese gefunden. In der Umgebung gab es eine Lärche, eine Eiche und andere Laubbäume."


    Sicherlich können verschiedene Xerocomellus- und Hortiboletus-Arten kunterbunt durcheinander wachsen. Ich kann mich aber nicht entsinnen, pruinatus schon in solch einem Habitat wie oben geschildert angetroffen zu haben. Umgekehrt können cisalpinus oder porosporus durchaus, wenn auch selten, in Fichtenwäldern auftreten, die auf potenziellen Eichen-Hainbuchenwald-Standorten auf nicht zu trockenen Böden angepflanzt wurden.


    Grüße, Jürgen

    Ab und an habe ich schon vermeintliche Königsröhrlinge mit einer ganz leichten Blauverfärbung im Schnitt gefunden.

    Hallo Pliezi,


    das kann durchaus der Echte Königsröhrling gewesen sein, auch wenn das Blauen bei dieser Art eher Ausnahme- als Regelfall ist. Es gibt aber dann immer noch genügend andere Merkmale, um den Echten vom Falschen Königsröhrling zu trennen.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Stefan,


    mich stören vor allem die Hutfarben, besonders des Jungpilzes: von pink, altrosa Farben keine Spur; die Fleischfarbe und -verfärbung, die Stielfarben...


    Das einzige, was hier ernsthaft an fuscoroseus denken lassen könnte, ist der Umstand, dass das Blauen im Hutfleisch nicht auf den unmittelbaren Bereich über dem Röhrenansatz beschränkt ist. Doch das, was auf den Bildern zu sehen ist, liegt alles deutlich im Rahmen des bei appendiculatus nicht nur Möglichen, sondern Üblichen.


    Christoph: Eine mikroskopische Absicherung würde ich hier nicht für zwingend erforderlich halten. Allerdings bin ich - aus ergonomischen Gründen - grundsätzlich mikroskopierfaul, das gebe ich offen zu.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Stefan,


    mich stören vor allem die Hutfarben, besonders des Jungpilzes - von pink, altrosa Farben keine Spur - , die Fleischfarbe und -verfärbung, die Stielfarben...


    Das einzige, was hier ernsthaft an fuscoroseus denken lassen könnte, ist der Umstand, dass das Blauen im Hutfleisch nicht auf den unmittelbaren Bereich über dem Röhrenansatz beschränkt ist. Doch das, was auf den Bildern zu sehen ist, liegt alles deutlich im Rahmen des bei appendiculatus nicht nur Möglichen, sondern Üblichen.


    Christoph: Eine mikroskopische Absicherung würde ich hier nicht für zwingend erforderlich halten. Allerdings bin ich - aus ergonomischen Gründen - grundsätzlich mikroskopierfaul, das gebe ich offen zu.


    Grüße, Jürgen

    Hallo zusammen,


    genau. Hier geht es um den gezeigten Pilz. Und da würde ich zuallererst einmal einwenden, dass wir es hier nach Lage der Dinge mit Butyriboletus appendiculatus zu tun haben, jedenfalls nicht mit fuscoroseus oder anderen verwandten Arten.


    Bitte auf keinen Fall die hier gezeigten Fotos ins Artporträt von B. fuscoroseus ziehen!


    Es ist übrigens nicht ungewöhnlich, dass beide Arten in Standortgemeinschaft auftreten. Hat man also einmal B. fuscoroseus gefunden, heißt das nicht zwangsläufig, dass alles, was späterhin auf diesem Fleckchen oder in der Nähe wächst und ähnlich aussieht, auch zu dieser Art gehört.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Beli,


    diese Exemplare sind zwar arg lädiert, aber sie sehen mir doch nach radicans und nicht nach fechtneri aus, gerade wenn man die ziemlich blasse Fleischfarbe (bei fechtneri kräftiger gelb), das massig-klobige Hutfleisch und die ziemlich verkahlte, stellenweise aber fein olivlich areolierte Huthaut beurteilt. Das aber mit etwas Vorbehalt - man weiß nicht genau, inwieweit her hier pathologisch bedingte Merkmalsveränderungen mitspielen.


    Grüße, Jürgen

    für mich wäre das halt erstmal Boletus radicans.

    Hallo Oehrling,


    das wundert mich jetzt aber doch ein wenig. In deinem ersten Post in diesem Thread am Freitag um 22.59 Uhr hattest Du - richtigerweise, wie ich meine - doch selbst fechtneri vorgeschlagen. Was hat dich denn dazu veranlasst, Deiner ersten Eingebung untreu zu werden?


    Grüße, Jürgen

    Hallo,


    ich zitiere einfach mal aus der meiner Ansicht nach besten, weil auf intensiver Naturbeobachtung gegründeten Beschreibung des Sommer-Röhrlings durch Kallenbach von 1936 (Röhrlinge, S. 140, als B. aestivalis, Hervorhebungen als Sperrung im Originaltext):


    Hut "zuerst auffallend silbergrau-weißlich, ganz blaß, ähnlich wie bei Boletus satanas (...), spielt dann etwas nach lederbräunlichgrau, blaß gelblichgrau, auch fahl rötlich-bräunlich (...) Druckstellen werden +/- rötlich bis bräunlich, zuweilen auch schon frisch (...); die braunrötliche bis rötliche Färbung von Druck-* und Kratzstellen zeigt sich oft erst beim Liegen (...); unter Lupe ganz fein wirr-seidenhaarig.eingewachsen faserig, trotzdem aber geglättet, zuweilen sogar etwas glänzend"

    * Sogar die Druckstellen durch das Einwickelpapier färben sich oft auffallend purpurbräunlich.


    Die Übereinstimmung mit dem, was Beli abbildet und beschreibt, ist doch recht frappierend...


    Natürlich darf man sich fragen, ob Kallenbach evtl. den heute als B. fuscoroseus bekannten Pilz hier vermengt hat ("auch fahl rötlich-bräunlich"). Ich meine aber, dass er tatsächlich die Variationsbreite innerhalb einer Sippe, nämlich des heutigen B. fechtneri erfasst hat. Selbst die sehr verführerische Notiz "zuweilen auch schon frisch, z.B. durch den Druck aufsitzender Blätter stellenweise zart-rosa überduftet" kann ich, aufgrund eigener Beobachtungen, durchaus mit fechtneri in Einklang bringen.


    Grüße Jürgen