Das Wissen über Vital- und Heilpilze ist teilweise durch Studien gestützt. Allerdings sind die einzelnen Pilzarten sehr unterschiedlich gut erforscht. Einige Arten wie die Schmetterlingstramete sind vergleichsweise gut untersucht, während es zu vielen anderen Pilzen vor allem Laborstudien und nur wenige Tierversuche gibt.
Wichtig ist, Studien richtig einzuordnen: Ergebnisse aus Zellversuchen oder Tierversuchen lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Sie zeigen eher, in welche Richtung Wirkungen möglich sind, sagen aber noch nichts darüber aus, ob ein Pilz beim Menschen tatsächlich wirksam oder sicher ist.
Neben der Frage, ob es Studien gibt, braucht es bei der Anwendung von Heilpilzen Wissen darüber,
-welche Inhaltsstoffe überhaupt wirksam sein könnten,
-wie diese aus dem Pilz gelöst werden (z. B. als Tee oder Alkohol-Auszug),
-und ob der Körper diese Stoffe überhaupt aufnehmen kann.
Wer mit Reishi Blutdruck senken will, braucht z.B. ein Dualextrakt, oder eine Tinktur. Pilzpulver-rohverzehr wirkt da nicht, weil die Wirkstoffe im Chitin gebunden bleiben, bzw. wirkt lediglich belastend auf die Verdauung.
Außerdem:
Da einige Inhaltsstoffe aus Heilpilzen das Immunsystem beeinflussen können, halte ich es für sinnvoll, bei Autoimmunerkrankungen besonders vorsichtig zu sein. Auch wenn nicht belegt ist, dass Heilpilze Autoimmunprozesse verschlechtern, ist die Datenlage hier sehr dünn, und mögliche Effekte auf ein ohnehin fehlreguliertes Immunsystem sind bislang kaum untersucht.
Für Kinder, Schwangere und Stillende liegen keine gesicherten Daten zur Sicherheit vor. Aus Vorsichtsgründen sollte in diesen Gruppen auf die innerliche Anwendung von Heilpilzen verzichtet werden, oder nur mit Rücksprache mit Ärztinnen ausprobiert werden. Gleiches gilt bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, solange keine verlässlichen Daten zu möglichen Wechselwirkungen existieren.
Als Einstieg ins Thema halte ich das Grundlagenwerk von Guthmann für sinnvoll, weil es versucht, das Thema sachlich und kritisch einzuordnen. Andere Bücher, vor allem aus stark naturromantischen oder esoterischen Zusammenhängen (z. B. zu Amanita muscaria), sehe ich sehr kritisch, da Risiken oft verharmlost oder ausgeblendet werden.
Zum Birkenporling:
Beim Birkenporling werden bestimmte Inhaltsstoffe als potenziell wirksam diskutiert. Der Pilz gilt als für die Forschung interessant, ist aber bisher nicht in Studien am Menschen untersucht worden. Es gibt lediglich einige Laboruntersuchungen und wenige Tierversuche.
Diese deuten darauf hin, dass der Birkenporling im Laborversuch gegen Keime wirken kann, Entzündungen beeinflusst und das Immunsystem verändern kann. Ob und in welchem Ausmaß das beim Menschen eine Rolle spielt, ist bislang offen.
In der Volksmedizin wurde der Birkenporling u. a. bei Magen-Darm-Beschwerden, als Mittel gegen Würmer und äußerlich auf Wunden verwendet.
Ich sehe in Heil- und Vitalpilzen grundsätzlich ein großes Potenzial. Das Wissen darüber, was direkt vor unserer Haustür im Wald wächst und traditionell genutzt wurde, kann eine wichtige Ressource sein.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, mit diesem Thema sehr vorsichtig, differenziert und möglichst genau umzugehen. Nicht alles, was natürlich ist, ist automatisch harmlos oder für jede Person geeignet. Und auch Dinge, die (noch) nicht wissenschaftlich belegt sind, können wahr sein.
Ich finde es gut, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt.