Beiträge von Clavaria

    Nochmal hallo,


    Ich konnte nun auch Nr. 4 klären. Wie Karl schon vermutet hat, ist es Collybia cirrata.

    Die soll zwar auf alten Pilzen wachsen, Ludwig schreibt aber, dass diese Pilzreste oft kaum mehr als solche erkennbar sind.

    Direkt daneben wuchsen frische Goldröhrlinge, also gut möglich dass ich unwissentlich eine sehr alte Goldröhrlings-Leiche gefleddert habe.


    Ich habe die Lamellen nochmal gründlich mikroskopiert, dieses Mal mit Baumwollblau statt Kongorot.

    Dabei konnte ich dann Marginalzellen entdecken, die recht gut zu denen bei Breitenbach/Kränzlin passen.

    Sie sind nur wenig grösser als die Basidien und wenig zahlreich, daher schwer zu entdecken:


    Am Stiel fanden sich dann mit etwas gutem Willen auch so etwas wie Kaulozystiden, wobei die meiner Literatur nie grossartig erwähnt sind.


    Wenn niemand Einwände hat, lege ich das Pilzchen also unter Collybia cirrata ad acta.


    Gruss Raphael

    Im Cetto (Enzyklopädie der Pilze Band II) ist ein Bild, das wohl ganz gut passt.

    Ein riesiger Klumpen, aus dem kleine Hüte wachsen.

    Er nennt es "Lyophyllum fumosum forma conglobata".


    Marcel Bon machte 1995 daraus "Lyophyllum conglobatum", später wurde sogar noch eine Varietät albidopallidum beschrieben.


    Im Index Fungorum wird das alles unter Lyophyllum decastes versorgt.


    Gruss Raphael

    Hallo,


    noch nie gehört... aber hier ist der vollständige Aufruf:


    Pressemitteilung Nationalpark Bayerischer Wald


    Muss irgendein Lyophyllum sein.

    Speziell, dass diese Pilzforscher einen Aufruf mit lediglich einem volkstümlichen Namen machen, den kaum einer kennt und den man somit auch nicht also solchen bestimmen kann, weil er ja in keinem Buch so genannt wird. So dürfte der Erfolg bescheiden bleiben.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Ich muss noch was korrigieren.

    Nr. 1 ist nicht Melanoleuca subalpina, sondern Melanoleuca substrictipes.

    Wesentlicher Unterschied ist die Zystidenform und -dicke:

    - Bei M. subalpina: flaschenförmig, unten sollten sie praktisch immer > 10 µm sein

    - Bei M. substrictipes: brennhaarförmig und dünner. Bei meinem Fund waren sie um 5 µm breit.


    Lg, Raphael

    Hallo,


    Das wüsste ich auch gerne, da sind diverse Erstbeschreibungen drin (z.B. Clitocybe), habe auch schon überall gesucht.

    Also wenn jemand die hat: Bin ebenfalls sehr interessiert, an der ganzen Reihe.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Danke fürs Feedback, die Thelephora kann ich somit schon mal eintüten.


    Bei Nr. 4 habe ich nach Kaulos gesucht, aber keine einzige gefunden:


    Im Moment wohnen die FK sehr zur Freude meiner Familie im Kühlschrank. Ich nehme sie mir morgen Abend nochmal vor, vielleicht habe ich etwas übersehen.


    Nr 4 , type an vertrocknete Mycena sp

    Die FK sehen tatsächlich vertrocknet aus, waren sie aber nicht. Daher dachte ich zuerst an einen Schwindling, die sehen gerne mal so aus.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen (oder Ditte ;) )


    Ich habe hier wieder einmal einen alpinen Risspilz, bei dem ich mir eine Bestimmungs-Bestätigung erhoffe.


    Angaben zum Fund:

    - Hut 10-20 mm, die beiden Fruchtkörper waren aber nicht ganz ausgewachsen

    - Oberfläche weisslich überfasert

    - Stiel fast weiss genattert, jung mit wolliger Ringzone, die rasch weniger wird

    - Fleisch einheitlich bräunlich (nirgends gelb) und nicht verfärbend

    - Geruch sehr schwach, ich würde ihn irgendwo zwischen fruchtig und pelargoniumartig ansiedeln

    - Fundort: Nufenenpass CH, 2500m in Geröllhalde mit alpiner Vegetation (Salix)

    - Sporen: 7.8-10.1 (10.6) x 4.7-5.7 (6) µm, Mittelwert 9.1 x 5.3 µm

    - Cheilozystiden: 21-26 x 8-9 µm


    Die älteren Schlüssel führen mich zu I. aghardii oder I. leucoblema, die es aber beide eigentlich nicht sein können.

    Hingegen scheint mir Mallocybe leucoloma recht gut zu passen.

    Dazu fehlen mir aber vernünftige Literaturnachweise. Die Darstellung bei Ludwig erscheint mir fragwürdig, und basiert auf einem Einzelexemplar.

    Die Original-Diagnose von Kühner in Documents Mycologiques 74 passt gut, soweit ich es mit meinem eingerosteten Latein beurteilen kann.

    Dann habe ich noch eine amerikanische Arbeit (Cripps et al.) aus dem Jahr 2010 gefunden, wo sie ebenfalls erwähnt wird.


    Liege ich da mit Mallocybe leucoloma richtig? Wäre schön, denn im Schweizer Verbreitungsaltas ist die Art nicht einmal drin...





    Cheilozystiden:



    Kaulozystiden:


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Gestern Abend war mal wieder ein kleiner Ausflug fällig. Viel ist nicht los, aber ich habe das Jahr noch nicht abgeschrieben. Das kommt schon noch.


    Unterwegs war ich auf der Täschalp kurz vor Zermatt (2100m), und anschliessend noch unten im Tal (1400m):



    Für die Küchen-Mykologen habe ich diese beiden Hoffnungsschimmer gefunden, habe sie allerdings dort gelassen weil ich keine Pilze esse.

       


    Für alle anderen gab es diese wenig aufregenden Funde:


    1) Melanoleuca subalpina (s.l.): Melanoleuca substrictipes:


    Warzige Sporen in Baumwollblau:


    Cheilozystiden:


    2) Exobasidium rhododendri - überall wo Alpenrosen wachsen, findet man den. Habe ihn aber zum ersten Mal unters Mikroskop gelegt.



    3) Thelephora cf. caryophyllea

    Ich kenne mich in der Ecke nur begrenzt aus, weiss jemand ob das stimmen kann oder ob es ähnliche Arten gibt?


    Sporen in KOH, stachelwarzig (nicht alle!) und unregelmässig eckig:


    4) Einen Schwindling oder kleiner Rübling (?), der direkt neben dem obigen Suillus grevillei wuchs und mich viel mehr interessierte.

    Zu Hause störte der mich aber zunehmend, weil ich ihn nicht einordnen kann:

    - HDS hyphig, nicht hymeniform, ohne Pileozystiden oder Seten

    - Trotz intensiver Suche konnte ich keine einzige Cheilozystide finden, dafür aber zwei vermeintliche Pleurozystiden mit Korkenzieher-Spitze.

    - Stiel ohne Kaulozystiden oder Seten

    - Schnallen überall vorhanden

    - Kein Sklerotium gefunden

    Kann jemand damit was anfangen? Die Hüte waren 5-8 mm breit, sie wuchsen auf pflanzlichem Abfall, Moos oder Lärchennadeln.


    Sporen:


    Pleurozystide (?):


    HDS:


    Viele Grüsse


    Raphael

    Hallo zusammen


    Gestern Nachmittag war ich mit meiner Familie in der Höhe, um der Hitze und Trockenheit zu entkommen.

    Nebenbei schaute ich natürlich ein wenig nach Pilzen, und wurde nicht enttäuscht.

    Es ist zwar auch dort oben sehr trocken, aber hier und da an schattigen Hängen oder halb unter einem Stein schaut doch noch ein Pilz hervor.

    Es gab drei alpine Risspilze und einen Nabeling, die mich noch länger beschäftigen werden.


    Der hier hingegen ist recht eindeutig. Amanita nivalis (s.l.), der Alpine Scheidenstreifling.

    Gefunden auf ca. 2400 m, Nufenenpass (Schweiz).

    In der Region hier ist der in guten Jahren nicht wirklich selten, es ist aber immer eine Freude wenn man in diesen kargen Regionen so ein grossen Pilz antrifft.






    Nun hoffen wir alle auf Regen, dass es auch weiter unten wieder etwas zu finden gibt...


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo Matthias


    Vielen Dank, das hilft. Mit dem Geruch das ist so eine Sache. Die wuchsen auf schlammigem Boden, der auch nicht gerade frisch duftete. Drum ist das wohl nicht wirklich ein verlässliches Merkmal.


    Ich lasse meinen Fund mal als Geopyxis alpina s.l. angeschrieben, bis ich eines besseren belehrt werde.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo Bruno


    Wirklich bemerkenswert!

    Ich suche meine Fundorte des Fransigen Wulstlings auf regelmässig ab, aber bisher ohne Erfolg.

    Kartieren ist bei seltenen Arten schon wichtig. Hast du ja auch schon gemacht wie ich sehe ;). Die Kartierung ist auch nicht so präzise, dass jemand damit deinen Pilz finden könnte. Also kein Risiko. Und der Pilz ist in der Schweiz streng geschützt. Nachdem du ihn erkannt hast, wären also Mitnehmen oder Ausreissen und zerstückeln keine gute Idee. Du hast dich also völlig richtig verhalten.


    Danke fürs Zeigen!


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Letztes Jahr, am 14.07.2019, fand ich diese kleinen Ascomyceten.

    Ich bin nicht wirklich ein Spezialist auf dem Gebiet, aber sehr wissbegierig.


    Standort: Sehr feucht, auf fast nackter, karger Erde, keine Brandstelle oder Kohlereste in Reichweite.

    Reiner Fichtenwald, sauer, auf 1430 m.ü.M., Crans-Montana (Schweiz).

    Die grösseren Fruchtkörper hatten einen Durchmesser von max. 7 mm. Sie waren geruchlos.


    Auf die Bilder hat sich eine zweite, dunklere Spezies geschmuggelt, die ich nicht untersucht habe.

       


    Mikros (sorry, miese Qualität, hatte damals noch nicht viel Übung damit):


    Hier meine ich eine Schleimhülle um die Sporen zu erahnen:


    Paraphysen:


    Ich habe den Fund lange zur Seite gelegt. Ein Kollege merkte irgendwann an, dass die Fruchtkörper an Geopyxis carbonaria erinnern.

    Die konnte ich aber ausschliessen, weil sie wohl wirklich streng an Brandstellen gebunden sind (oder?).

    Irgendwann stolperte ich dann über den Namen Geopyxis alpina v. Höhnel 1906.

    In meiner Literatur war die Art nicht zu finden, im Internet aber schon.

    Die Beschreibungen auf ascomycete.org und die Arbeit von Garnweider, Lohmeyer & Marxmüller (Zeitschrift für Mykologie, 57(2), 1991), scheinen mir die Bestimmung zu bestätigen.


    Hat jemand Erfahrung mit der Gattung und kann mir die Bestimmung vielleicht bestätigen oder widerlegen?

    Leider habe ich kein Herbar angelegt. Ich war dieses Jahr schon mehrmals am Fundort, um noch bessere Mikros zu erwischen, aber leider ohne Erfolg.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo Ditte


    Vielen Dank für die Hilfe!


    Bei I. helobia lag ich also nicht völlig daneben, die wurde ja bisher als Varietät von I. lacera geführt.

    Du schreibst jetzt helobia s.l. - heisst es da erwarten uns neue, ähnliche Arten? Ich sehe dass die auf deiner Seite als stat. nov. ined. angeschrieben ist.


    Bei I. canescens fand ich die Obergrenze ok, die Untergrenze hat mich gestört.

    Viele meiner Sporen waren unter 10 µm lang, einige sogar unter 9 µm (Schnitt 9.6 µm).

    Alle Messungen bis auf die eine im Bild waren unter 11 µm lang, deshalb hielt ich diese für einen Ausreisser und habe sie nicht beachtet.

    In der Literatur fand ich mehrheitlich Angaben von 10-13 µm (Jamoni, Stangl, Ludwig).

    Aber ich habe mich wohl davon verwirren lassen, dass die Art oft mit I. inodora gleichgesetzt wird/wurde, und die hat wohl etwas grössere Sporen.

    Ich hätte mich an die Original-Diagnose von Favre halten sollen, dann hätte alles gestimmt :)


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Gestern Abend fand ich in einem Blumentopf zu Hause folgende hübsche Gesellen:


       


    Makroskopisch fiel es mir schon schwer, mich für eine Gattung zu entscheiden. Unter dem Mikroskop nahmen mir die lecythiformen Cheilos die Entscheidung ab. Offensichtlich ein Samthäubchen.

    Danke der hervorragenden Arbeit von A. Hausknecht (Fungi Europaei 11) war die Bestimmung nur moderat schwierig.

    - Sporen meistens 9-10 x 6-6.5 µm, dickwandig, eiförmig-elliptisch und teilweise deutlich abgeflacht.

    - Cheilozystiden um 20 µm lang, Kopf um 4 µm dick

    - Stieloberfläche ohne lecythiforme Kaulozystiden, auf ganzer Länge nur mit haarförmigen und kurzen zylindrisch-keuligen Elementen.

    - Ammoniak-Reaktion negativ

    - HDS rein hymeniform


    Sporen:


    Cheilozystiden:


    Stieloberfläche:


    Dabei kommt Conocybe moseri var. robustior Hauskn. & Hübner 2005 raus.

    Die Art ist makroskopisch recht variabel, wie schon die beiden Bilder bei Hausknecht zeigen.

    Hat Spass gemacht.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo Björn


    Ich konnte es nicht lassen, und habe das Buch von Jamoni gekauft.

    Nach einer ersten Durchsicht und im Test mit drei alpinen Arten folgender Eindruck:

    - Von den 190 gezeigten Arten hatte ich von 39 noch keine Abbildung in meiner Literatur

    - Bilder und Mikrozeichnungen sind sehr gut

    - Texte auf italienisch und englisch, recht präzise, man kommt gut zurecht

    - Fokus auf Ascomyceten (primär Becherlinge) und Lamellenpilze

    - Leider nicht mal ansatzweise vollständig. Meine drei alpinen Testpilze waren schlussendlich alle nicht drin.

    Schwierige, grosse Gattungen wie Inocybe, Cortinarius oder Hebeloma werden nur kurz gestreift.


    Fazit: Ein Gewinn was die mir zugängliche Artenvielfalt angeht, aber Preis/Leistungverhältnis (145 CHF!) nicht wirklich ideal.

    Egal, ich mag es dem guten Herrn Jamoni gönnen, und es ist ja Spezialliteratur und er wird sicher nicht reich damit.

    Jetzt wo ich es habe, werde ich das Buch regelmässig konsultieren.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Kommt evtl. Clitocybula in Frage? Vielleicht Clitocybula familia, die häufigere Clitocybula lacerata hat runde Sporen. C. familia habe ich noch nie gesehen und man findet kaum verlässliche Bilder.


    Lg Raphael

    Hallo zusammen


    Ich habe hier zwei Risspilz-Funde, mit der vagen Hoffnung dass mir jemand helfen kann.

    Beide gefunden auf 2300m zwischen Salix herbacea.


    1) Meiner Meinung nach irgendwie Richtung I. lacera.

    Allerdings sind die Zystiden zum Teil viel extremer geformt als ich es in der Literatur finden kann:

    - Hut 10-25 mm, stets gebuckelt

    - Geruch im Schnitt spermatisch

    - Hut und Stiel gerieben etwas bräunend (oder rötend?)

    - Oberste Stielspitze mehlig, darunter fasertig

    - Fleisch im Schnitt nicht verfärbend

    - Sporen (10.1) 11.1-13.9 (14.5) x (5.9) 6.4 - 7.2 (7.5) µm

    - Cheilozystiden sehr vielgestaltig, siehe Bilder

    - Pleurozystiden metuloid, eher spärlich

    - Kaulozystiden teilweise metuloid, nur an der obersten Stielspitze vorhanden

    2) Dieser hier passt am ehesten zu I. canescens oder I. cavipes, die sollen aber beide grössere Sporen haben.

    - Hut jung mit weissen, faserigen Velumresten, ansonsten fein braun faserig, 20-40 mm

    - Stiel: Oberes Drittel mehlig. Mitte und unten etwas gelblich bis bräunlich

    - Geruch sehr schwach, unauffällig. Fleisch nicht verfärbend.

    - Sporen: (8) 9-10.8 (11.1) x (4.9) 5.2-6.2 (6.9) µm

    - Cheilozystiden 40-45 x 15.5-18 µm

    - Pleurozystiden vorhanden

    - Kaulozytiden nur im oberen Stieldrittel



    Bin gespannt, ob da jemandem was einfällt...


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hmmm, also der Geruch sollte schon recht konstant sein, zumindest bei frischen, jungen Fruchtkörpern. Ein Mehlräsling riecht ja auch immer nach Mehl, nicht plötzlich fruchtig.


    Clitocybe lateritia finde ich in der Literatur nur als alpine Art, kann mir nicht vorstellen dass die im montanen Fichtenwald wächst. Habe auch nochmal im Schweizer Verbreitungsatlas geschaut, die meisten Funde über 2000m, alle Funde in alpiner Vegetation.


    Lg, Raphael

    Hallo Raphael


    Dein dritte ist clitocybe sinopica , top Fund


    LG beli !

    Hallo Beli


    Danke fürs Feedback!

    Beim dritten hatte ich auch an C. sinopica gedacht, aber er hatte einen völlig anderen Geruch. Süsslich, und sehr schwach. Geschmack mild und sonst unauffällig.

    C. sinopica sollte stark mehlig, gurkig oder so riechen und schmecken, daher hatte ich den ausgeschlossen.


    Bin gespannt ob du bei Nr. 2 noch eine andere Idee hast.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Ich habe dieses Jahr drei Trichterlinge gefunden, wo ich mir bei der Bestimmung nicht sicher bin.

    Ich weiss, die Gattung ist schwierig, vor allem nur anhand von Fotos. Aber es ist ja einen Versuch wert.


    1) 13.06.2020, Fichtenwald auf ca. 1000 m.

    Hut 3-5 cm, samtig, Rand gekerbt, gezont. Mit KOH braun.

    Stiel 5-10mm im Durchmesser, überfasert, Basis weissfilzig

    Fleisch weiss, Geruch süsslich

    Sporen 5.5-7.5 x 4-4.5 µm, tropfenförmig.


    Ich vermute es ist einfach ein etwas zu hell geratener Kerbrandiger Trichterling.

    Oder hat jemand andere Ideen?




    2) Fichtenwald auf 1600 m, 12.07.2020:

    Hier bin ich ziemlich sicher, dass nochmal dieselbe Art ist. Eine Gruppe junger oder missratener Kerbrandiger Trichterlinge.

    Die Lamellen waren stark anastomosierend, kraus und gegabelt, sehr schmal.

    KOH auf Huthaut honiggelb. Der Stiel irgendwie geschwollen und drehwüchsig.

    Sonst wie 1)



    Sporen waren schwer einzufangen, das hier ist das beste Bild das mir gelang:


    3) Fichtenwald auf ca. 850m, 30.06.2020:

    Hut 10-15 mm, hygrophan. Rand weiss besäumt und schwach gekerbt.

    Lamellen nicht gegabelt, wenig Zwischenlamellen.

    Stiel 10-20x2-4 mm, nicht verfärbend, fein weiss überfasert. Nicht wurzelnd, aber mit weissen Rhizoiden.

    Geruch schwach süsslich, Geschmack mild.

    Fleisch weiss, in der Stielrinde fleischbraun, nicht verfärbend.

    Basidien 2- oder 4-sporig.

    Sporen 6.5-9,1 x 3.5-4.2 µm, oft sehr schlank, tropfenförmig oder elliptisch


    Die weissen Rhizoiden liessen in mir den Verdacht aufkommen, dass es Rhizocybe vermicularis oder pruinosa sein könnte.

    Die haben aber beide deutlich kleinere Sporen. Hat jemand sonst eine Idee?



    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo,


    Also diese Lorchel interessiert mich sehr.

    Nur die Fotos verwirren mich etwas. Auf den ersten Fotos (am Standort) scheinen Kopfteil und Stiel fast die gleiche Farbe zu haben.

    Nachher ist der Hut deutlich kräftiger braun. Welche Farbe stimmt?


    Helvella latispora ist eine seltene Art, die immer wieder anders interpretiert wurde.

    Mal wurde sie mit H. stevensii gleichgesetzt (so auch auf verschiedenen Webseiten, wo die Bilder m.E. nicht immer H. latispora zeigen), mal mit H. elastica.

    Eigentlich ist es aber eine eigenständige, gute Art, die sich durch ungewöhnlich breite Sporen in der Gattung auszeichnet.

    Nach neusten Untersuchungen wird sie mit H. levis gleichgesetzt, dieser Name ist älter und hat damit Vorrang.


    Gemäss Original-Beschreibung von Boudier sollte der Kopfteil bei Helvella latispora ziemlich regelmässig sattelförmig sein, auf keinen Fall (oder nur sehr jung) "hutförmig" wie im Bild oben.

    Ich habe sie letzten November einmal gefunden:


    Sporen oft über 14 µm breit und im Verhältnis sehr kurz:



    Bei H. elastica ist der Kopfteil viel variabler und auch eher mal hutförmig:



    Makroskopisch hätte ich es deshalb auch Helvella elastica genannt, Sicherheit bringt da nur das Mikroskop.

    Es könnte auch eine ihr nahestehende Art sein, die sich kaum irgendwo in der Literatur findet.

    Ein paar Mikrobilder würden Licht ins Dunkel bringen...


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Auf die Gefahr hin dass ich einige von euch langweile - ich habe noch einen winzigen alpinen Risspilz, und bilde mir ein ihn als Inocybe egenula bestimmt zu haben.

    Meine Recherchen bei Stangl, Funga Nordica, Breitenbach/Kränzlin und Favre scheinen es zu bestätigen. Aber wer kann sich in dieser Gattung schon sicher sein...


    Was man auf den Bildern nicht sieht:

    - Fundort: Lac de Moiry, 2300m, in sehr feuchter Umgebung mit Salix herbacea.

    - Hutdurchmesser 5-10 mm

    - Geruch schwach, aromatisch

    - Velum kaum sichtbar, allenfalls am Rand ein paar Fasern

    - Metuloide Kaulozystiden überall am Stiel vorhanden. Oben viele, nach unten immer weniger.

    - Zystidenwände wunderschön gelb in KOH, 45-60 x 8.5-11 µm

    - Sporenmasse: (7.3) 7.5 - 8.7 (9.7) x (4.8) 5.3 - 6.4 (6.9) µm



    Höckerige Sporen:


    Cheilozystiden:


    Pleurozystiden, ziemlich zahlreich:


    Kaulozystiden an der Stielspitze. Weiter unten sind sie spärlicher, mit weniger Kristallen.


    Habe noch mehr Mikrobilder und sogar noch frisches Material, falls es jemanden interessiert.


    Lg, Raphael