Beiträge von Mykollege_Günter

    Eine Beobachtung bei meinen obscuris (Linde, Eiche, Parkgelände) und validi (Espe, Waldrand) in Lahr und Umgebung:

    Validus hat am Stielansatz deutlich stärker anastomosierende Lamellen als obscurisporus.

    Dafür hat obscurisporus mehr zitronengelb in den jungen Lamellen.

    Könnt Ihr diese Beobachtung teilen, Andreas und Christoph?

    Hilft irgendwie nicht wirklich weiter.

    Die Ammoniakreaktion ist meistens irgendwie banal (außer bei ammoniavirescens) aber KOH reagiert im Fleisch bei den beiden Großen und bei involutus mit einem Purpurton, bei cuprinus eher rot (allerdings erst bei einem molekular abgesicherten Fund beobachtet.). Diesen Rotton habe ich auf dem Hut mit KOH nur bei involutus festgestellt.

    Ob diese Reaktionen konstant sind, überprüfe ich dieses Jahr.

    lG Günter

    Hallo in die Runde,

    die großen Paxilli treiben mich auch gerade wieder um, gerade ist der erste Obscure unter Linden "geschlüpft".

    Wenn mich nicht alles täuscht sehe ich auch einen rotbraunen Farbton in Deinem Sporenabdruck. Cave: die Farbe ändert sich im Laufe der Zeit (Stunden).

    Für mich ist der Farbunterschied im Sporenabdruck von validus und obscurisporus ähnlich dem von Ganoderma applanatum und G. adspersum (auch rotbraun!) . Makroskopisch sind die beiden sich allerdings zum Verwechseln ähnlich.

    Ich hab mittlerweile feste Standorte in Lahr: validus unter Zitterpappel und obscurisporus unter Eichen und Linden, auch einen cuprinus im Garten.

    An einen Standort im Auwald unter alten Pappeln und jungen Eichen am Wegrand, hatte ich mal eine Gruppe eher kleinerer Fruchtkörper ( kleiner als meine validi und obscurispori), deren Huthaut diese schöne türkise Verfärbung mit Ammoniak zeigten, die allerdings nach 10/15 Sekunden wieder verschwunden war. So ein Verhalten habe ich bei meinen Validi noch nie beobachtet.


    Eine Anregung noch zum Schluß: Testet doch auch mal KOH (30/40%) auf Hut und im Fleisch. Ich glaube da kleine Unterschiede zwischen den 5 großen Paxillus-Arten erkennen zu können. Würde mich freuen, wenn Ihr das bestätigen könntet.

    Günter

    Aber trotzdem, Glückwunsch, lieber Karl. Nur wer so einen Aspekt mal live erlebt hat, kann das Glücksgefühl nachempfinden, das man dabei verspürt. Kommt leider immer seltener (in meinem Sprengel) vor, Gottseidank gibt es noch solche Standorte bei uns.

    Nix mit balteato.... :) , das passt ganz gut zu C. squamosocephalus: die Sporen, der spindelige, rübenförmig verdickte Stiel, das büschelige Wachstum, gerne unter Eiche. Allerdings sollte sich schon noch ein starker erdiger Geruch entwickeln. Cave: einige wenige Mykollegen können diesen Geruch wahrnehmen, aber die meisten erschlägt er mit zunehmendem Alter der Frkrp.

    Norbert, wie ist der Untergrund dort beschaffen? Und, kannst Du mal einen Blick auf die Huthaut werfen? Bei meinen Funden hatte ich dort immer auffällig große Schnallen (zT über 10µ Durchmesser) gefunden.

    schönes WE

    Günter

    Das mag gut der (jetzt) echte C. hinnuleus sein, nicht das, was wir früher davon gehalten haben. Denn das war ein Aggregat von 5 mittlerweile einigermaßen unterscheidbaren Arten!

    Bei vielen eigenen Funden aus diesem Komplex ist mir früher schon aufgefallen, dass die Sporen von 5,5-10µ Länge variieren und dieser "typische" Erdgeruch nicht immer (auch nicht nach 2 Tagen in einem geschlossenen Behältnis) vorhanden war. Dazu gab es Funde aus dem Nadelwald! Dank der Typus-Arbeit sieht man hier klarer.

    Die Finnen haben aber nun in ihrer Telamonia-Typus-Arbeit (2020) den Fries'schen hinnuleus epitypisiert und die Fotoflora-Kollektion CFP332 dazu ausgewählt. Nun sind aber ausgerechnet alle Kollektionen, die mit diesem Typus molekulargenetisch übereinstimmen, kleinsporig und haben keinen Erd-Geruch (Rote Beete, Scheunenstaub...). So dass das, was wir von Geruchs wegen immer als hinnuleus bestimmt haben, heute C. roseonudipes, C. luridus, C. semiodoratus oder C. fulvo-isabellinus genannt werden muß. Vorausgesetzt, dass das Velum weiß ist.

    Es gibt nämlich auch 3 Arten mit blaß gelbem bis orange Velum: C. hinnuleoarmillatus, C. radicosissimus und C. lacustris, allesamt einigermaßen gut unterscheidbar.

    Was diese Anastomosen zu bedeuten haben, kann ich derzeit nicht sagen, ebenso kann in dieser Sektion auch mal eine keulige Stielbasis ausgebildet werden.

    Ich hoffe, ich hab Euch nun genug verwirrt.

    Grüße

    Günter

    Cort. balteatus ist, wie Pablo schreibt, ein NW-Pilz. Wieso soll der Ring unter der Linde nicht auch ein balteatocumatilis sein?

    Der darf auch - vornehmlich im alten Zustand - stinkig sein.

    Und was die Lamellenfarbe anbetrifft, so ist die sicher bei vielen Phlegmacioides-Arten jung blau/violett, aber bei balteatocumatilis und chromataphilus/sabuletorum eben nicht.

    Grüße

    Hm, das könnte schon largus sein, man ist auch versucht in der äußersten Stielbasis das dahingehörende Blau zu vermuten. Und wenn sich kein erdiger Geruch nach 1-2 Tagen einstellt, bleiben auch nicht mehr viele Arten als Option übrig.

    Gruß Günter

    Sorry für den späten Einsatz.

    Also erstens sollte man mit konzentrierter KOH testen. Trotzdem sieht man auf einem Foto eine leicht gelbe Reaktion auf der Stieloberfläche. Ich denke, es handelt sich im ein Vertreter der Phlegmacioides (Variecolores).

    Mit diesen großen Sporen und der filzigen Hutoberfläche kommen da nur noch ca 5 Taxa infrage: variecolor, balteatus, durus, clarobaltoides var. longispermus und pseudonaevosus.

    Vom Habitus und der Hutoberfläche her und der möglicherweise doch schwachen KOH-Reaktion tendiere ich zu C. balteatus.

    schöne Grüße in die Runde

    Günter

    Am letzten WE hat man mir die Art aus dem Schwarzwald mitgebracht. War für mich ein Erstfund.

    Auffallend waren für mich die lederige Huthaut ähnlich Lyo.decastes und die (vermeintlich) glatten Sporen, sowohl in Kongo als auch in BWB. In der Lit. findet man ja auch feinwarzige Sporen, aber nirgendwo wird diese Huthaut erwähnt.

    Wie sind Eure Erfahrungen mit den beiden Merkmalen?

    Der erdige Geruch schließt largus eigentlich aus! Bleiben: variecolor, chromataphilus, squamosocephalus, coalescens als die häufigeren Optionen.

    Und Vorsicht - im GroPi-Band 5 sind - ebenso wie in allen anderen Übersichtsfloren noch sehr viele Unsicherheiten bei Cortinarien eingeflossen. Erst in den letzten 10 Jahren haben sich die Artkonzepte einigermaßen geklärt.

    Ab Oktober wird wahrscheinlich eine Übersicht über valide Abbildungen von Cortinarien online verfügbar sein.

    schönes WE

    Günter

    Karl Soop hat mir geantwortet:

    Zitat
     
    Gü: In deinem Opus Cort.i.Swe. erwähnst Du bei Cort. patibilis eine inkonstant positive Reaktion mit Formalin: formalin inconsistently yellow-red (<5') Was meinst Du mit (<5') ? Meinst Du wirklich patibilis oder pseudonaevosus, der ja sehr ähnlich ist!


    KS: Ich meine, wie geschrieben, C. patibilis, der sehr empfindlich von allen chemischen Proben ist (inde nomen !!). C. pseudonaevosus ist gar nicht so empfindlich. <5’ bedeutet kurzer als 5 Minuten Wirkzeit des Reagenzes auf dem Fleisch (siehe Introduction).


    Scheinbar hat er (bei allen Corti-Funden?) sehr oft mit Formalin und Guajak getestet. So gibt es wohl auch bei den Anomali mehrere arten (nicht nur caninus, siehe Foto), die mit Formalin rosa/violett/rot reagieren.

    Man müsste das mal konsequent bei allen Cortinarius-Kollektionen testen: Guajak und Formalin, sowie die Amyloidität der Sporen. Damit hätte man vielleicht ein paar mehr Merkmale in dieser Gattung.

    lG Günter

    Ich glaube schon, dass der Fund zu den Phlemacioides gehört. Die KOH-Reaktion scheint bei balteatus eh schwächer zu sein als bei anderen Mitgliedern der Sektion (siehe AdC, Hias und CFP) und nach einer Woche im Kühlschrank??????

    Ja, violaceomaculatus färbt auch ein wenig braun (wie viele aus der Sektion) aber nicht so intensiv wie patibilis und besonders chromataphilus, der ja komplett braun verfärben kann.

    By the way, die beiden russus und violaceomaculatus hatte ich mitgezählt, gehören aber nicht wirklich zu den Phlegmacioides, sind eher "lone riders" im Phylogenetischen Baum. Letzterer färbt manchmal auch am Hut mit KOH und m.Erf. nach eher gold/orange-gelb.


    Ihr informiert bitte alle Beteiligten vom Sequzenzierungsergebnis. Bin selbst gespannt!

    Günter

    Ich glaube schon, dass der Fund zu den Phlemacioides gehört. Die KOH-Reaktion scheint bei balteatus eh schwächer zu sein als bei anderen Mitgliedern der Sektion (siehe AdC, Hias und CFP) und nach einer Woche im Kühlschrank??????

    Ja, violaceomaculatus färbt auch ein wenig braun (wie viele aus der Sektion) aber nicht so intensiv wie patibilis und besonders chromataphilus, der ja komplett braun verfärben kann.

    By the way, die beiden russus und violaceomaculatus hatte ich mitgezählt, gehören aber nicht wirklich zu den Phlegmacioides, sind eher "lone riders" im Phylogenetischen Baum. Letzterer färbt manchmal auch am Hut mit KOH und m.Erf. nach eher gold/orange-gelb.


    Ihr informiert bitte alle Beteiligten vom Sequzenzierungsergebnis. Bin selbst gespannt!

    Günter

    Hallo nochmal,

    ja die Phlegs sind gar nicht mal so einfach.


    Ich habe mir nochmal die real existierenden Phlegmacioides (Variecolores) zu Gemüte geführt. Wir haben es da mit 32 Taxa zu tun, einige erst 2014 neu als Art erkannt und beschrieben. Davon existieren in Deutschland sicherlich über 20 Arten, Bei einigen weiß man es aber schlicht noch nicht, wie groß ihr Verbreitungsareal ist.

    Will sagen, es bleib oft ein Bestimmungs-Restrisiko!


    Schaut man sich die Literatur an, so erkennt man, wie Uwe das am Beispiel von 123-Pilze ausgeführt hat, dass da vieles durcheinander gegangen ist, vieles einfach kopiert (klar, man kannte im letzten Jahrhundert noch nicht diese Artenvielfalt) worden ist und man darf da keinem Mykollegen einen Vorwurf machen. Ich habe mir gottseidank eine Kladde angelegt, in der sich nur Infos zu sequenzierten Aufsammlungen befinden, die anderen sind raussortiert!


    Trotzdem reichen die Sporen bei C. patibilis, selbst bei diesem sequenziertem Material von 9,2-12 x 5-6,3µm, bei pseudonaevosus von 10-13,5 x 5,5-7,7µm. Es gibt also einen gewaltigen Überlappungsbereich. Wenn man nun die unterschiedlichen Meßfähigkeiten der Kollektoren berücksichtigt, so scheint es aber doch so zu sein, dass die patibilis-Sporen etwas kürzer und schmaler sind, die Sporenform dazu mehr amygdaloid, bei pseudonaevosus mehr zubzitriform.

    Der Standort der beiden Arten ist vergleichbar, auch die frühe Erscheinungszeit. Auffällig bei patibilis ist allerdings das starke Bräunen am ganzen Fruchtkörper, besonders am Stiel, was ich sonst nur bei der Laubwaldart C. chromataphilus (sabuletorum, daulnoyae ss. franz. Mykol.) beobachtet habe. Damit scheidet wohl patibilis für Deinen Fund, Claudia, aus.


    Eine Art mit früher Erscheinungszeit haben wir bislang noch nicht in Betracht gezogen: C. balteatus. Die Huthautstruktur (vgl. CFP, C60) ist vergleichbar, am Hutrand etwas faserfilzig. Er bräunt fast nicht, und es gibt Formen ganz ohne Blautöne (wie bei fast allen Phlegmacioides!!!), siehe AdC Pl. 156 (C. subopimus) und auf Hias' Schwammerlseite Nr. 55 (2014), beides sequenzierte Kollektionen.

    Damit ist jetzt ein weiterer Vorschlag in den Ring geworfen, mit dem der Fund verglichen werden sollte.


    Andreas, sei mal nicht so bescheiden, Für mich gehörst Du wohl zu den besten Cortinarienkennern in Deutschland!


    herzliche Grüße in die Runde

    Günter