Beiträge von Steigerwaldpilzchen

    Hallo,


    das ist schon eine "Pilzleiche". Vermutlich war das einmal ein Ockergelber Täubling Russula ochroleuca, vorrangig erkennbar an dem im Alter grauverfärbten, durchwässerten Stiel.

    LG Thiemo

    Hallo Oliver,


    Was die Austauschbarkeit von Reagenzien anbelangt, kann ich dir sagen, dass anstelle von Ammoniak auch KOH eine rosa Färbung auf den Lamellen beim Zitronenblättrigen Täubling verursacht. Es liegt also nur eine Säure-Base Reaktion zugrunde.

    Ich vermute, dass das bei der Reaktion an der Stielbasis z.B. vom Milden Kamm-Täubling ähnlich ist, wäre aber zu verifizieren.


    LG Thiemo

    Hallo,

    Über gutmeinende Kritik würde ich mich freuen!

    Ich würde deine Schlüssenpunkten A-W im folgenden kurz mit meiner persönlichen Erfahrung kommentieren aber zuvor noch eine Frage allgemeiner Natur:

    An wen soll sich dieser Schlüssel richten? Oder ist er vielmehr für deinen persönlichen Gebrauch gedacht? Vor einiger Zeit hatte ich folgende Aussage gelesen; Schlüssel machen Leute, die sie nicht brauchen, für Leute die mit ihnen nicht umgehen können. Das ist natürlich überspitzt vormuliert aber auf dieses Projekt bezogen meiner Ansicht nach so zu lesen, dass dieser Schlüssel für einen Täublingskundigen zu viele und oft nur minder relevante Details abfragt wobei er für einen "Anfänger" mit der Gattung sehr (zu?) komplex erscheinen mag. Ich habe auch den Kibby und bin in der Praxis kein Freund seines Schlüssels, obwohl ich zu Beginn zunächst begeistert war. Ich hoffe ich konnte meine Gedanken hierzu neutral äußern und möchte keinesfalls das Ganze schlecht reden.

    A Hutfarbe: Alle Täublinge können Albino-Formen ausbilden oder entfärbt sein (l.Felix Hampe). Daher hier gehören eigentlich alle Arten rein. Hutfarben sind genrell sehr veränderlich und es gibt nur wenige Täublinge die dabei ausgesprochen konstant sind.

    B Habitus: Klappt bei sehr kleinen und sehr großen Täublingen recht gut, vorrausgesetzt man hat adulte Fruchtkörper. Aber gerade im mittleren Bereich (Grenzfälle!) ist die Größe ziemlich variabel. Daher würde ich hier wirklich nur eindeutige Kandidaten in die Gruppe klein (z.B. Russula melzeri) bzw. groß (z.B. Russula integra) packen.

    C Geschmack: Klar, wichtiges Kriterium. Ob widerum die Feinabstufungen C2 - C3 unterschieden werden müssen ist fraglich. Der Schärfegrad hängt zudem vom Alter und Wassergehlat des Fruchtkörpers ab.

    D Geruch: Ein besonderer Geruch ist immer ein Bonus-Merkmal bei der Bestimmung. Vielleicht wäre hier aber eine Doppelprobe nötig, einmal beim Aufsammeln und dann noch 1-2 Stunden später für Gerüche, die sich erst noch entwickeln können.


    E trocken/schmierig: Ist meiner Meinung nach eher bei Milchlingen relevant. Samtig, trockene Huthäute können auf inkrustierte Primordialhyphen hindeuten. Wirklich schmierige Täublingen gibt es fast nur bei den Ingratae, die man wahrscheinlich an ganz anderen Merkmalen vorher erkennt.

    F Abziehbarkeit: Hängt auch vom Wassergehalt und Alter des Fruchtkörpers ab. Muss also unbedingt am frischen Frkp. getestet werden. Insbes. eine schwer abziehbare Huthaut ist bei ein paar Arten druchaus bestimmungsrelevant. In den meisten Fällen aber trivial 1/3-2/3 und daher oft übergewichtet.

    G Hutrand: Für die Ingratae und ein weitere relevant. Korreliert aber meist mit dem Habitus, je dünnfleischiger/kleiner desto eher sind die Hutränder gerieft.

    H Lamellenfarbe: anhand derer kann R Sporenstaubfarbe abgeschätzt werden. Es macht wenig Sinn beides in einem Schlüssel zu verwenden. Für einen Feldschlüssel wäre H, für die Bestimmung daheim R sinnvoll. Genrell ist die Farbe des Sporenstaubes das wichtigeste Merkmal in Verbindung mit dem Geschmack.

    I Biegsamkeit Lamellen: Vorsicht vor jungen Heterophyllinae (Speise-Täublinge, Grüngefelderter Täubling,...) mit biegsamen Lamellen und ausgetrockneten Frauen Täublingen mit wenig elastischen Lamellen.

    J Lamellendichte: Ist bei den meisten Täublingen schwer nutzbar, da die Unterschiede recht gering sind (Sonderfälle wie Russula nigricans mal ausgenommen).

    K Stielfarbe: Schwierig nutzbar. Nahezu alle weißstieligen Täublinge können Farbe am Stiel haben (Frauentäublinge mit rosa Stiel wie Russula violeipes gibt es!) und "gefärbtstielige" Täublinge mal einen weißen Stiel (oft bei Russula badia).

    L Fleischfarbe: Veränderungen unbedingt über Nacht beobachten. Meistens bleibt das Fleisch aber weiß.

    M Konsistenz: korreliert oft mit B, ist aber kann durchaus relevant sein. Zu testen ist auch die Festigkeit des Stiels.

    N Symbiose-Bäume: Wichtiges Merkmal.

    O Boden: Auch nicht unwichtig, aber N meist untergeordnet.

    P Eisen(II): P1,2,4 sind die gewinnbringenden Ergebnisse, wodurch sich weiteres Schlüssel meist erübrigt.

    Q weitere Chemikalien: Würde ich nicht im Schlüssel einbauen, da diese nur gewinnbringende Erkentnisse in speziellen Fragestellungen liefern. Was bringt es z.B. Phenol auf einen scharfen Täubling zu schmieren. Wenn, dann wäre noch die Guajak Reaktion interessant (vorrausgesetzt die Probe erfolgt fachgerecht).

    R siehe H

    S,T,U,V,W: Mikroskopische Merkmale die für den Feldgebrauch ungeignet sind. Abschätzen lässt sich evtl. noch die Beschaffenheit der Huthaut: Inkrustierte Primordialhyphen kommen niemals bei scharfen Täublingen vor. Milde Täublinge gibt es mit Dermatozystiden oder inkrustieren Primoridalphypen. Nur selten kommen beide Strukturen vor (aber nur bei nicht scharfen Täublingen). Es gibt zudem Zwischenformen wie inkrustierte Dermatozytiden.

    So, ganz schön viel Text geworden aber ich hoffe es bringt weiter.


    LG Thiemo

    Hallo Matthias,

    dann Frage ich mich wofür die 30€ Prüfungsgebühr sind die zusätzlich zu den Kursgebühren kommen,

    Bei einer PSV Prüfung wendet der selbstständige Prüfer in der Regel einen halben bis ganzen Tag seiner Zeit auf. Er muss mind. eine Stunde Therorie Prüfung beaufsichtigen, im Anschluss korrigieren und danach die praktische Prüfung vorbereiten (Pilze auslegen) und pro Prüfling einzeln abnehmen (45min?). Warum sollte er das unentgeldlich machen? Die DGfM empfielt in gewisser Höhe eine Gebühr, die ist aber nicht für den Verein sondern die Prüfer. Die vorbereitenden Kurse laufen ja unabhänig von der Prüfung und werden auch unabhängig davon von den Anbietern bepreist.


    Es ist sogar so, dass die DGfM ihren Mitgliedern einen Zuschuss zur PSV-Prüfung zahlt, wenn ich mich nicht irre.

    LG Thiemo

    Hallo,


    Wer/welche Quelle rät vom Verzehr von Schnecklingen ab? Lese ich zum ersten Mal muss ich sagen. Nächste Frage wäre ob die Substanzen hitzestabil sind und überhaupt von menschlichen Körper resorbiert werden.


    Ich finde zumindest Schwarzpunktierte Schnecklinge mild und ohne aufdringlichen Geschmack. Bei den Frostis reicht es bei mir nur für Einzelfunde, die waren geschmacklich auch ok (alles geschmort).


    LG Thiemo

    Hallo Maria,


    Ich teile die andernorts aufgekommenen Zweifel. :)


    Für mich ist dein Fund eine Krause Glucke, die schon einmal geerntet/abgeschnitten wurde und dann weitergewachsen ist. Dann wird daraus eine „Grob gekräuselte Glucke“. ;)


    Entscheidend ist für mich die Stellung der Äste. Vergleiche mal mit Malones Fund, der zweifelsfrei eine Breitblättrige zeigt. Die Endungen der Äste stehen aufrecht und sind gewellt, nicht gekräuselt.


    LG Thiemo

    Hallo,


    danke an Harald für den prägnanten Überblick. Tatsächlich bin ich erst kürzlich auf die Aufspaltung aufmerksam geworden und habe den Beitrag hier mittels Suchfunktion gefunden.

    Vielleicht ist die Frage trivial, aber was ich nicht verstehe ist welche Schleimköpfe nun in die Gattung Phlegmacium abwandern und welche nicht.

    Z.B. ist noch das Taxon Cortinarius variecolor zu finden. Müsste das jetzt dann nicht Phlegmacium sein? Pilze-Deutschland hat die Aufspaltung schon übernommen (geprüft habe ich Phlegmacium saginum, Calonarius splendens), aber Cortinarius variecolor bleibt wohl bei Cortinarius. Das verwirrt mich um so mehr, weil im verlinken Artikel der variecolor im Kladogram bei Phlegmacium zu finden ist!

    Oder es braucht einfach mehr Zeit für die vollständige Umstellung. :) Cystinarius crassus fehlt ja auch noch.

    LG Thiemo

    Hallo,


    soweit ich weis, wurde die kleinere Art im Nadelwald mit wohl scheinbar länger feucht bleibenden Huthaut als L.aurantiacus und die etwas größere aus dem Laubwald mit von Beginn an trockenen Huthaut als L.mitissimus angesehen. Ich würde die gem. FoNE 2 zusammenfassen.

    Die Makrozystiden findest du an den Lamellen. An der Schneide Cheilomakrozystiden und auf der Fläche noch größere Pleuromakrozystiden. Bei L.rubrocinctus erreichen die Pleuromakrozystiden die Länge von 0,1 Millimeter!


    LG Thiemo

    Hallo,


    Der Milde Orangemilchling Lactarius aurantiacus = mitissimus ("Laubwald-Art") ist nicht so stattlich, bei ihm sind der Lamellenansatz und auch die Hutfarben anders.


    Mit der rotbraunen Verfärbung gäbe es noch den Rotgegürtelten Milchling Lactarius rubrocinctus. Dieser seltene Doppelgänger ähnelt L.fulvissmus viel mehr in Statur und auch Lamellenansatz als L.aurantiacus und kommt wohl in ähnlichen Habitaten vor. Hier müsste man Glück haben die dunkle Zone am Lamellenansatz zu sehen oder an's Mikro um die Makrozystiden zu beobachten, sonst ist eine Verwechslung nicht ausgeschlossen.

    Wahrscheinlich ist der Fund zu L.fulvissimus agg. zu zählen.


    LG Thiemo

    Hallo Benjamin,


    von meiner Seite keine Einwände an deiner Bestimmung als Ockertäublinge Russula ochroleuca.


    Der Ockertäubling ist farblich variabel. Von semmelfarben über braungelb bis hin zu olivgelb ist alles möglich. Wichtig ist, dass Stiel sowie Lamellen weißlich sind (Ochroleuca = ockergelb und weiß). An der Basis hat der Stiel meist ockerliche Flecken (frische Exemplaren reagieren mit KOH rot) und durwässert kann die Stielrinde erstaunlich stark grauen, so dass die Art dann öfters fälschlich für den Gelben Graustieltäubling gehalten wird. Der Geschmack ist für gewöhnlich erträglich scharf, selten mild.


    LG Thiemo

    Hallo,


    diese putzigen Risspilze hatte ich heute bei Gartenarbeiten entdeckt. Einige ganze Kollektion von jung bis alt mit einigen charakteristischen Merkmalen, daher versuche ich's mal. :)

    Ich komme mit FN auf Inocybe cincinnata - Lilaspitziger Risspilz.

    Hut: zu 1-3cm, ein ganz alter knapp 5 cm, Oberfläche faserig
    Lamellen: mit dunklel gefärbter Schneide
    Stiel: jung mit Violettton im oberen Teil, auf ganzer Länge faserig-schuppig, Basis nicht verdickt
    Fleisch: beige-weißlich, an der Stielspitze etwas violett
    Geruch: schwach spermatisch
    Sporen: 9,75-10,75 x 5,5-6,0
    Pleurozystiden mit Kristallschopf reichlich vorhanden, Hals meist recht lang, Wände dick und mit KOH gelb reagierend


    stärker belichtet




    Sporen in Wasser x1000(Öl)





    Pleurozystiden in Wasser x400






    Lamellenschneide mit verd. KOH x400




    Was meinen die Inocyben-Spezialisten dazu?


    Danke und Liebe Grüße,


    Thiemo

    Hallo,


    ich hatte vom Lachsreizker bisher nur im Wald ein kleines Stückchen gekaut. Meines Empfindens nach, bekommt er einen unangenehmen leicht herben Nachgeschmack, ähnlich zum blattwanzenartigen Geruch des Eichen-Milchlings (Geruch und Geschmack geht ja beides über die Riechrezeptorn ;) ). Der Edel- und Wechselblaue Kiefernreizker sind geschmacklich deutlich besser, wie auch der Fichtenreizker.


    LG Thiemo

    Hallo,


    hab ein paar Tage nicht hier reingeschaut und den Beitrag jetzt erst entdeckt.


    Ich schwanke hier zwischen R.laricina und R.nauseosa. Will man es nicht bei R.nauseosa agg. belassen, würde ich aufgrund des dunklen Sporenpulvers und der deutlich gratigen Sporen zu R.laricina tendieren. Neben Marxmüller schreibt auch SARNARI, dass dieser unter Fichte kommen kann, nicht nur Lärche.

    Es ist schon so wie Oehrling schreibt, auf den exakten Namen festnageln muss man ihn dann selber.

    LG Thiemo

    Hallo,


    bei diesem Pilzchen bin ich heute völlig verunsichert gewesen, in welche Gattung es zu stecken ist. Mein erster Gedanke ging in Richtung Schüppling auch wenn komplett ohne Schuppen.
    Dies hat sich dann auch bewahrheitet und bei der Art komme ich auf den Nadelschüppling Pholiota spumosa. Seht ihr das auch so?


    Gefunden am Erdboden in einem Kiefern-Fichten Nadelwald mit einzelnen Buchen
    Hut: Mitte leicht gebuckelt, bräunlich, zum Rand gelb, klebrig, am äußersten Rand mit sichtbaren Velumresten, Durchmesser 4-5cm
    Lamellen: gelb
    Stiel: Spitze neongelb (analog zum Grünblättrigen Schwefelkopf), dann zur Basis zunehmend bräunlich befasert

    Geruch: eigenartig würzig/erdig (erinnert mich entfernt an Cortinarius nanceiensis)
    Sporen: Mittelwert 7,25 x 4,25mü, Keimporus sichtbar


    Meine Kamera schluckt beim fokusieren leider immer die Gelben Farbtöne



    Hier noch mal unscharf, aber farbechter:



    Zystiden in Wasser x400



    Zystiden ohne Verfärbung in KOH 3% x400




    Sporen in Wasser x1000(Öl)



    Danke für euer Interesse. :)


    LG Thiemo