Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Chris,


    aber gerne doch! Auch wenn es manchmal etwas frustrierend ist, dass früher vermeintlich einfache Arten heute nicht mehr so ohne weiteres ansprechbar sind... Für diejenigen unter uns, die kartieren wollen, kann das schon etwas nervig sein. Man muss heutzutage eben mehr auf Aggregatsebene arbeiten. Und das passt ja sehr gut bei deinem Fund - insofern: richtig bestimmt ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris,


    als Neonectria coccinea agg. ja, als Neonectria coccinea s.str. nein, denn es gibt eine zweite Art, Neonectria punicea, die klassisch nicht unterscheidbar ist. Um Neonectria coccinea und Neonectria punicea zu unterscheiden, muss man eine Kultur anlegen - da geht es dann z.B. über die Wachstumsgeschwindigkeit auf PDA-Medium.

    Es gibt noch zwei weitere Arten in dem Aggregat, die aber in Europa nicht vorzukommen scheinen: Neonectria microconidia aus Fernost und Neonectria faginata aus Nordamerika.


    Genetisch betrachtet bestehen beide europäischen "Arten" aus mehreren Taxa (kryptische Arten), die aber aufgrund fehlender Bestimmbarkeit (keine Trennmerkmale) nicht als neu beschrieben wurden.


    Wir Amateure können hier nur auf Aggregatsebene arbeiten.


    Literatur dazu:

    Yuuri HIROOKA, Amy Y. ROSSMAN, Wen-Ying ZHUANG, Catalina SALGADO-SALAZAR & Priscila CHAVERRI (2013):

    Species delimitation for Neonectria coccinea group including the causal agents of beech bark disease in Asia, Europe, and

    North America. Mycosystema 32(3): 485-517.


    Der Schlüssel in dem Artikel sieht wie folgt aus:


    Artenschlüssel des Neonectria coccinea Aggregats (aus Hirooka et al. 2013, ins Deutsche übertragen)


    1. Myzelwachstum >15mm bei 30℃ in 7 Tagen auf PDA············································································ 2

    1. Myzelwachstum <15mm bei 30℃ in 7 Tagen auf PDA············································································ 3


    2. Makrokonidien 1−7 mal septiert; an Fagus; in Europa und Asien (ein Isolat aus Japan) ···· Neo. coccinea

    2. Makrokonidien 1−8 mal septiert; nur aus Asien bekannt (China und Japan)··················Neo. microconidia


    3. Makrokonidien 1−7 mal septiert, 5fach septierte Makrokonidien 50–70μm lang auf SNA; an diversen verholzten Wirten in Asien (China und Japan), Europa und Nordamerika ··························· Neo. punicea

    3. Makrokonidien 1−8 mal septiert, 5fach septierte Makrokonidien 80–90μm lang auf SNA; nur von Fagus in Nordamerika bekannt·········································································································Neo. faginata



    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris und Stefan,


    das Substrat ist Tilia - kann man an dem starlk ausgeprägten Bast erkennen - und auf einem Foto sieht man noch den Fruchtstand. Vuilleminia hätte wachsige Fruchtkörper, fällt also völlig weg. Ehrlich gesagt sehe ich hier mehr eine mechanische Verletzung (Sturm? Wildverbiss?)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,

    Aber so wie das eben läuft, scheint mir das Entscheidende eben die Zusammenarbeit zu sein. Man kann nicht von den morphologisch versierten Hobbymykologen erwarten, daß sie so schlüssig mit Sequenzen arbeiten können, wie ausgebildete Genetiker, und von den auf jenem Gebiet hochqualifizierten Biologen kann man nicht unbedingt erwarten, daß sie eine so spezielle morphologische Formenkenntnis entwickelt haben, wie manche "Feldmykologen".

    ganz genau. Das muss und das kann man auch nicht erwarten (und umgekehrt). Wenn die Genetik aber bereits vorgeliefert wurde, dann kann man auch als Nichtgenetiker diese Ergebnisse lesen und nutzen. Wie z.B. hier. Wenn zu erwarten ist, dass mindestens zwei Arten in Europa vorkommen und hier sogar schon eine Idee, wie man sie morphologisch trennen kann, vorgegeben wurde, dann kann man da problemlos aufspringen und genau das prüfen: lassen sich zwei (oder mehr) Arten durch Merkmalskorrelation trennen?

    Dafür braucht man keine Institution, sondern muss nur in der Lage sein, sich auch so zu vernetzen.


    Die Vernetzung ist meiner Ansicht nach das entscheidende Stichwort, und ich sollte das Fass eigentlich nicht aufmachen, kann mich aber schwer zügeln: Da wäre eine Institution sehr wünschenswert, die sich eben dieser Vernetzung widmet, und zB gezielt Dokumentationen mit Belegen sammelt und archiviert.

    Das ist zwar eine nette Idee, aber nicht einmal nötig. Jeder kann ja sein eigenes Privatfungarium führen. Später, sollte das Ganze Ergebnisse liefern, kommen die Belege dann eh in eine öffentliche Sammlung. Man kann sich aber auch so absprechen, verabreden bzw. sich austauschen. Vernetzung war früher viel schwieriger - das ging nur über Tagungen oder Briefkontakt. Heute gibt es E-Mail, Foren usw.


    Zur Zeit finde ich das schon etwas ünubersichtlich, weil es sich auf so viele unterschiedliche private Seiten, Foren, FB - Gruppen usw. verteilt.

    Das ist der Vor- und der Nachteil der Möglichkeiten des Internets. FB z.B. halte ich für völlig ungeeignet. Es ist eine temporäre Erscheinung und als soziales Netzwerk ausgelegt. Inhalte in den FB-Gruppen sind wohl nur tagesaktuell, dann rutschen sie ins Nirvana. Ich bin ganz bewusst in keiner Facebook-Gruppe. Ich sehe da mehr Schaden als Nutzen. Vielleicht bin ich da auch schon zu altmodisch.

    Wichtig ist nur, dass die Daten dauerhaft greifbar sind. Wenn jemand (wie z.B. Hias alias Interhias) seine Ergebnisse auf seiner privaten Seite sammelt, aber prinzipiell für Zusammenarbeit bereit ist, ist beides großartig. Und wenn andere in Foren ihre Ergebnisse zeigen, auch sehr gut.

    Das einzige, was wirklich "gefährlich" wäre: wenn man Daten verstecken würde, weil man Angst hat, jemand anderes nimmt sie einem weg. Oder wenn gestritten würde, wer bei einem Paper an welcher Stelle steht.


    Man muss sich nur überlegen und entscheiden: Hat man Lust, auch selber zu forschen oder will man nur jeweils versuchen, die Forschungsergebnisse anderer nachzuvollziehen. Letzteres wäre z.B. reines Bestimmen (um z.B. zu kartieren oder auch für sich selbst, für die eigene Bildersammlung). Ersteres ist das, was ich spannend finde - tiefer zu gehen, mehr zu erfahren, sei es hinsichtlich der Ökologie, der Variabilität, der Abgrenzung zu anderen Taxa usw.

    Klar, deshalb bin ich ja auch Mykologe geworden. Nur, weil ich den Beruf gewechselt habe, ist diese Neugierde, dieser Forscherdrang ja nicht schupps weg. Ich kann gut nachvollziehen, wenn andere Amateure nicht auch selber forschen wollen. Ist zeitaufwändig, man bekommt kein Geld dafür, man hat erschwerte Bedingungen, weil man schlecht an Literatur oder an Belege rankommt. Und auch da kann man sich durch privates Vernetzen gegenseitig helfen. Wer will, soll Hilfe bekommen, logo. Und wenn dann eine Institution da wäre, die das wertneutral fördert, wäre das toll. Das würde ich mir auch wünschen. Nur ist das Leben kein Wunschkonzert und es geht auch ohne.


    Letzten Endes gibt es ja mehrere "Institutionen", die Zusammenarbeit fördern. Dazu gehört ja auch das Veranstalten von Tagungen oder die Herausgabe von Fachzeitschriften. Die Förderung sollte halt der Sache wegen erfolgen, was nicht immer der Fall ist. Sobald es dann innerhalb der Institution zu Machtkämpfen kommt und weniger die Sache als die Politik im Vordergrund steht, dann war's das. Deshalb fällt manchmal auch die Zusammenarbeit zwischen Universitäten / Arbeitsgruppen schwer. Ich habe da in der Unizeit manches mitbekommen.


    So eine Art "Cloud" hat den Vorteil, dass keinerlei Strukturen, die irgendwem irgendeine Form der Politik ermöglichen, im Weg sind. Gerade über Foren könnte man sich so gut vernetzen, dass es laufen würde. Die Foren selbst müssen nur lang genug existieren - ich denke da an das Fungiworld-Forum - was da an Input verloren gegangen ist...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    die pinke Reaktion ist nichtssagend, da das die Reaktion mit Proteinen ist. Ich hatte das Foto der zystidenartigen Elemente so interpretiert, dass es dort dunkelviolett-schwärzlich wird. Das wäre dann eine Reaktion mit Sesquiterpenen - wenn es andere Stoffe gibt, die auch schwarz mit SV reagieren, wäre das natürlich interessant und logischerweise nicht auszuschließen. Drum finde ich es ja so bemerkenswert in diesem Fall.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Felli,


    bis auf den Begriff "Variante von" passt deas Zitat doch. Diplodia ist der Name der NFF. Als noch nicht galt "one fungus, one name", haben insbesondere die Fortleute von Diplodia gesprochen, da die NFF weitaus häufiger als die HFF ist. Sphaeropsis ist aber als Gattungname älter als Diplodia, weshalb der Pilz jetzt eben offiziell Sphaeropsis sapinea genannt wird, auch wenn er als NFF angetroffen wird.


    Die Aussage, dass er an Nadeln häufig ist (b. wergen) ist ja auch richtig. Nur heißt das eben nicht, dass der Pilz nicht auch wonaders vorkommt und häufig ist. Ich habe z.B. in Rothschwaig regelmäßig die Kiefernzapfen, die da liegen, angesehen (du warst ja mal mit dabei) - und da finde ich Sphaeropsis sapniea eben regelmäßig an den Zapfen, weil ich die eben mit der Lupe absuche und dann die "schwarzen Dinger" per Mikroskop untersuche.


    Man macht sich gerne ein unvollständiges Bild - diejenigen, die ständig Nadeln ansehen, gehen von einer (reinen) Nadelart aus. Die, die die Zapfen ansehen, gehen von einem Zapfenbewohner aus. Und die, die auch mal tote Kiefernzweige ansehen, schreiben, dass es eine Art an Totholz ist. Und alle haben recht - und die Art ist schon im lebenden Baum vorhanden und löst da eben potentiell Schadsymptome aus (Diplodia-Triebsterben mit Nadelschütte).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,



    Ob sich die gloeopleren Hyphen bei Phlebia (die es ja bei diversen Arten gibt) mit SV anfärben lassen, habe ich noch nie probiert. Vorstellbar wäre das allerdings schon.

    vorstellbar - klar. Aber man müsste dann klar umdenken. Die positive Reaktion ist ja der Nachweis von Sesquiterpenen, die primär bei den Russulales i.w.S. vorkommen. Wenn auch Phlebia (und andere nicht-Russulales-Vertreter) SV-positive Elemente enthalten, dann ist wird es schwieriger, die Ordung der Russulales zu definieren.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    das Sequenzieren geht halt relativ einfach und schnell. Natürlich gibt es auch da Vieles zu beachten und um saubere Stammbäume zu berechnen, braucht man ein großes KnowHow - allein das Alignment hat oft der Teufel gesehen. Dennoch ist es mittlerweile relativ einfach, da nicht mehr so teuer, viele Proben in den Sequenzer zu geben, einen Baum zu rechnen (notfalls lässt man ein paar Proben wieder raus, damit der Baum stabiler ist...) und das zu publizieren. Die klassische Methodik ist da viel langsamer und aufwändiger.


    Bei dem Skeletocutis-nivea-Aggregat wurde zumindest versucht, auch klassische Methoden zusammen mit der Genetik anzuwenden. Früher war das noch auswändiger - man hat ja früher erst versucht, Merkmalskorrelationen zu finden, um daraus morphologisch Arten zu definieren und hat das dann genetisch gerpüft, ob das Komzept standhält. Jetzt sequenziert man erst und schaut dann, ob man nachträglich Merkmale findet, die mit den Clades korrelieren. Das geht schneller, dafür kann es aber sein, dass man nicht genau genug hinschaut und dann doch etwas übersieht. Es fehlt ja dieses Entdeckergefühl (ich nenne es mal so), in einer Artengruppe bei Null anzufangen und erstmal diverse Merkmale durchzugehen, dabei erst die Typen durchzuarbeiten usw.


    Früher waren aber auch die klassisch Arbeitenden Spezialisten Einzelpersonen oder kleine Arbeitskreise. Heute hat man den Vorteil der "Cloud". Das heißt, es kann, nachdem z.B. bei Skeletocutis nivea agg. Arten genetisch definiert wurden, jeder versuchen, eigene Kollektionen zu analysieren und nach neuen Merkmalen zu suchen. Und meint man, Erfolg zu haben, kann man das in Foren mitteilen und nach weiteren MitstreiterInnen suchen, die das dann wieder überprüfen. Durch die potentiell große Anzahl an Amateuren, die die genetischen Clades nachträglich mit Merkmalen oder ökologischen Präferenzen füttern könnten, wäre eine Möglichkeit vorhanden, eine neue Form der Amateurmykologie zu etablieren - nämlich "genetischen Arten" ein echtes Gesicht zu geben.

    Nur mal rein hypothetisch - es gebe eine chemische Reaktion, mit der man zwei Arten doch trennen kann, nur ist sie noch nicht gefunden worden. In dem Fall schafft das vielleicht diese "Cloud". Gerade für sowas ist Offenheit wichtig - man ist als "Spezialist" ja manchmal in der eigenen Spezialisierung gefangen. Beispiel: wer prüft bei Filzröhrlingen nach Amyloidie? Dabei gibt es in Deutschland eine Filzröhrlingsart mit amyloiden Sporen. Sie ist nur nicht beschrieben (ich hatte nur einen Einzelfruchtkörper, habe aber nie mehr einen weiteren gefunden . die Amyloidie hatte ich unter anderem Lothar K. live gezeigt - war spannend). In Nordamerkia gibt es zwei weitere amyloide Arten, die schon lange bekannt sind.

    Das nur als Beispiel - wer weiß, vielleicht gibt es eine besondere Reaktion. Oder eine Geruchskomponente. Oder doch irgendwas Anatomisches?


    Bei Hyphoderma setigerum s.l. sieht das leichter aus - da gibt es eine Reihe möglicher Merkmale: Sporengöße und -form, Basidenmaße, Form der Septocystiden (z.B. Längen der Zellen), innerer Aufbau des Fruchtkörpers, Makroskopie des Fruchtkörpers (z.B. Papillen isoliert stehend, vereinzelt oder durchgehend grandinioid), Dicke des Fruchtkörpers, Substrat usw.

    Und es deutet sich an, dass hier was zu machen ist (siehe Nilsson et al. 2003).


    Es ist gut zu wissen, dass hier ein Aggregat vorliegt, da bin ich ganz bei dir, Pablo. Und jetzt könnte "die Cloud" anfangen, aktiv zu werden und Einzelfunde gut zu dokumentieren. Hat man genügend Dokumentationen, kann man die übereinanderlegen, vergleichen, Merkmale korrelieren (auch mit einer Korrespondenzanalyse - das hätte z.B. ich drauf) - und im Falle von Korrelationen dann gezielt Belege sequenzieren lassen... et voilá, vielleicht hat man dann gemeinsam eine Lösung.


    Oder das Ganze machen Spezialisten und es dauert länger.


    Das betrifft natürlich alle, die neugierig auf Ergebnisse sind. Also Amateurmykologen, die sich gerne in solches Neuland stürzen und gemeinsam solche Aggregate angehen wollen. Andere werden von den neuen Artenaggregaten, die im Moment nicht klassische greifbar sind, vielleicht abgeschreckt. Mir selbst tut es nicht weh, hinter einen Namen ein "agg." zu setzen, habe aber die Neugierde, auch bei Aggregaten weiter zu gehen und einfach mal zu schauen, was einem unterkommt. Deshalb recherchiere ich auch viel Literatur und versuche grob, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Deshalb hatte ich auch das Thema mit "Hpyhoderma setigerum als Aggregat" im BMG-Forum begonnen und da auch die kryptischen Arten hingewiesen bzw. das auch hier mit angestoßen.


    Wer sich also in so ein Aggregat reinfuchsen will, dem empfehle ich eher nicht, mit Skeletocutis zu beginnen, sondern z.B. es hier zu tun, bei der "good old" Hyphoderma setigerum.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Erich,


    leider kann man anhand des Fotos Tremella mesenterica nicht bestätigen. Es gibt eben auch Tremella aurantia, auf die Stefan bei seiner Frage nach Stereum hinaus wollte. Und aufgrund des Substrats Baumstumpf ist das dann eher wahrscheinlich als Tremella mesenterica.


    Zu den Wirten:

    Tremella mesenterica parasitiert an Peniophora,

    Tremella aurantia parasitiert an Stereum (hirsutum)


    Ohne Mikroskop wird man hier aber nichts machen können.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Felli, Stefan et al.


    Sphaeropsis sapinea wächst auch sehr häufig an Kiefernzapfen, aber ebenso an Ästen / Holz und natürlich auch an Nadeln, aber eben nicht nur an Nadeln. An alten Kiefernzapfen ist sie wirklich sehr häufig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beisammen,


    sehr interessant! Dann heißt das, dass auch bei Phlebia SV-positive Zystiden / Hyphenenden auftreten können (siehe Bild in Beitrag 4)?! Oder hattest du, Björn, zwei verschiedene Arten gesammelt, die beide keine Schnallen haben?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Frank,


    Nilsen et al. (2003) zeigen, dass die europäischen Hyphoderma setigerum-Aufsammlungen aus - abgesehen von den jetzt neu beschriebenen Arten aus Fernost oder auf anderen Kontinenten heimischen - zwei genetisch sehr deutlich getrennten Clades besteht. Clade "1a" ist demnach eine großsporige, H. setigerum s.str. eine kleinersporige Sippe. Und beide kommen bei uns in Europa / Deutschland vor, nur hat "1a" eben noch keinen Namen. Yurchenko & Wu (2014) gehen darauf zwar nicht oder nur kaum ein, aber vermutlich, weil sie eben primär den asiatischen Raum im Fokus haben und deshalb bei den Sporen von H. setigerum dann wieder ein bis 14 µm in Klammern im Schlüssel angeben. Das heißt aber m.E. nicht, dass hier schon alles geklärt ist.


    Deshalb finde ich es super von Mario, hier explizit die kleinersporige H. setigerum s.str. vorzustellen. Mit "übersehen" hat es ja auch wenig zu tun. Die "Art" h. setigerum war halt anhand der sehr typischen Septozystiden so leicht zu bestimmen, dass man ja kaum versucht hatte, irgendwelche Merkmale zu korrelieren. Das ist ein Vorteil der Genetik - sie kann einen darauf bringen, wo nötig, doch genauer hinzusehen. Ich finde das richtig spannend. Wenn man ganeu hinschaut, ergibt sich vielleicht auch ein eigenes Verbreitungsbild?! Oder doch ein Zusammenhang mit makroskopischen Merkmalen. Oder mit anderen anatomischen Details. Das zu testen, ist spannend.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Wilfried,


    ich habe Antrodiella onychoides erst einmal selbst gefunden. Es ist eine sehr seltene Art. Was gut dazu passt, ist das relativ dicke Fleisch, das dieser Porling bekommen kann und die Art und Form der Poren. Hier ein Vergleichsbild von mykologie.net: Antrodiella onychoides (Outkovečka bezpřezkatá) . im Querschnitt sieht es dann dreieckig aus.

    Zu den Schnallen hat Pablo schon alles geschrieben. Das müsste klarer rausgearbeitet werden (dadurch ist die Art leicht bestimmbar).


    Was war denn der mögliche Wirt?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    dann wünsche ich dir viele tolle Funde im Schwarzwald! Offenbar sind die Schwarzwälder sehr zurückhaltend und schreiben nichts... ;)

    Aber Hornberg ist doch für dich ums Eck. Da gibt es doch den Arbeitskreis Mykologie Mittlerer Schwarzwald. Frag doch mal bei Björn Wergen nach, wann sich der Arbeitskreis wo trifft. Lohnt sich bestimmt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus ihr beiden,


    ich finde gerade so eine Diskussion wertvoll. Für mich sieht es auf dem Foto auch wie ein feines Velum universale aus, was Parasola ausschließen würde. Das kann aber auch eine Fehlinterpretation des Fotos sein. Das macht aber noch spannender, was diese feine, weißen "Mehlstaubflöckchen" sind. Gibt es solche Strukturen, die ein Velum universale vortäuschen würden, bei Parasola?


    Ich denke hier übrigens nur auf der Gattungsebene nach, die Artbestimmung würde ich mir bei Tintlingen so nicht zutrauen. Ich will aber versuchen, die Gattungsmerkmale nachzuvollziehen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Hagen,


    natürlich gibt es Hybridisierungen bei Pilzen, sogar bei Großpilzen. Ich kann ganz konkret die Gattung Flammulina nennen - dort ist es anhand der Sequenzen gezeigt worden, dass es Hybride gibt. Kreuzungstests zeigen auch eine teilweise Krfeuzbarkeit (wobei witzigerweise Flammulina velutipes und die sehr ähnliche Flammulina elastica nicht hybridisieren, Flammulina elastica und Flammulina polulicola sich aber kreuzen können (die sind anatomisch deutlich unterschiedlich).

    Suillus bresadolae / Suillus nueschii sind meines Wissens auch Hybride zwischen Suillus grevillei und Suillus viscidus, wobei ich da jetzt nicht weiß, ob das auch anhand der Sequenzen gezeigt wurde.

    Man weiß, dass bei vielen Gattungen Kreuzungsbarrieren nicht zu 100% gelten. Im Hebeloma-crustuliniforme-Formenkreis ist die Barriere bei ca. 95% (wenn ich's noch richtig im Kopf habe) - also zwischen den meisten Vertretern. Das bedeutet, dass es durchaus zu Kreuzungen kommen kann. Ob die sich dann aber durchsetzen können und Populationen aufbauen, ist halt die Frage.


    Bei Flammulina weiß ich es, weil ich da für eine eigene Publikation (in der Mycologia Bavarica) selber entsprechend recherchiert hatte: Hahn C (2016): Bestimmungsschlüssel zu ausgewählten Gattungen II. Die Gattung Flammulina.- Mycol. Bav. 17: 7-24.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Markus,


    vielen Dank für deine Anmerkungen! Es freut mich, dass doch noch eine (weitere) Rückmeldung kommt. Ganz offensichtlich wird die Gattung sehr stziefmütterlich behandelt bzw. nur wenige beschäftigen sich mit ihr.


    Die Sporen sind mir für die beiden Klassiker viel zu unrund - bei R. applicatus (der ja zudem einen Stiel haben müsste) ind R. trichotis (den ich wirklich mit dem schwarzen Filz kenne) waren bisher immer runde Sporen dabei - neben breit ellipsoiden. Hier habe ich gar keine runden Sporen, sondern nur breit ellipsoid bis ellipsoid.

    Die Fruchtkörper hatten sicher Nachtfröste abbekommen, waren aber frisch und wuchsen in einer wäremeren Phase (bis auf, wie gesagt nachts). Jedenfalls hatten sie nur diesen Kristallüberzug - auch im Mikroskop waren keine Filzhaare zu sehen. Das würde zu R. striatulus passen, aber nicht der Rest der Makroskopie.


    Irgendwie passt gar nichts. Ich habe ja den Beleg und schau mal, was sich ergibt. Vielleicht finde ich nochmal frische an der Weide oder in der Umgebung. Und manchmal lösen sich solche Probleme von allein. Und wenn dann doch der Frost die Fruchtkörper entfilzt hat, dann steht man da wie der Ochs vorm Berg und schlüsselt sich ins Nirvana.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Mario,


    und es kann definitiv nicht sein, dass die Sporen doch (schwach!) amyloid sind?


    Ich bin mir ziemlich sicher, dass dein Pilz in die Ordnung Russulales gehört, finde da aber nichts passendes. Gloiothele lactescens hat halt keine Schnallen, sieht aber sehr ähnlich aus (im Mikroskop und kann auch recht dicke Fruchtkörper bilden) - vergleiche hier: MycoDB : Fiche de gloiothele lactescens


    Ich würde daher die Suche auf Russulales beschränken. Mehr kann ich aber leider auch nicht sagen...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    im Moment bildet sich über dem Atlantik ein Blockadehoch aus, das wohl dafür sorgt, dass ein Tiefdruckgebiet von Skandinavien nach Süden zu uns abtropft. Es wird durch ein Hoch über Russland blockiert, sodass sich recht wahrscheinlich eine Troglage einstellt. Das bedeutet, ein Tief, eingekeilt zwischen zwei stationären Hochs, sodass wir dauerhaft Regen und Schmuddelwetter bekommen. Diese Trogwetterlagen nehmen zu, sodass es häufiger als früher zu Dauerregen oder Dauerdürre kommt.

    Bevor es zum Trog kommt, scheint so um den 12. März ein Zwischenhoch schönes Wetter bringt, bevor dann der Trog gebildet wird. Davor besteht immer wieder Orkan-Gefahr. Unwetter sind sehr wahrscheinlich.


    Warum war es im Sommer 2018 so trocken-heiß? Der Sommer 2018 war eine stabile Omegawetterlage, bei dem ein Hochdruckgebiet über Deutschland / Mitteleuropa stationär wurde, also das genaue Gegenteil. 2003 war das auch schon so und man sprach von einer Jahrhundertwetterlage. Das Jahrhundert war kurz bis 2018... Auch hier liefert der Klimawandel eine Begründung - so wird der Jetstream schwächer, mäandert deshalb mehr, weil die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und Polen sinkt. An den Polen wird es zu warm.


    Zurück zu uns... Jedenfalls sieht es so aus, als würde der März alles andere als zu trocken bei uns. Ich gehe aber davon aus, dass dafür der April und Mai wieder sehr warm und trocken sein werden (ohne Datenhintergrund, nur meine Befürchtung).


    Schau mer mal...


    Liebe Grüße,

    Christoph