Servus Hagebutte,
wie Stefan schon schrieb: durch die Möglichkeit, günstig zu sequenzieren, ist die gesamte Systematik der Pilze im Umbruch. Da es sich zudem um ein ganzes Reich handelt, wirst du auch nirgends eine in allen Punkten aktuelle Einteilung finden. Auch mykobank und index fungorum helfen da nicht, da sie, was die Systematik angeht, logischerweise auch deutlich hinterherhinken.
Was also hilft?
Entweder nur auf hlöherer Ebene anzufangen - da gibt es Fachartikel (natürlich auf englisch) - oder du schaust in den Tree of life - Fungi - da hast du den Grundstammbaum der Pilze und kannst dich durchklicken. Z.B. Basidiomycota - Basidiomycota
Du wirst oft solche Gießkannenstammbäume finden - es ist schwierig, die Verwandtschaftsverhältnisse untereinander aufzudröseln.
Der Tree of Life geht bis zu den Ordnungen, aber nicht weiter. Und da wird es auch schwierig.
Nehmen wir die Russulales - in den Bilderbüchern und anderer Populärliteratur (wie Lüder & Co.) findet man da meist nur Täublinge und Milchlinge, es gehören aber auch Gattungen wie Stereum, Peniophora, Gloeocystidiellum, Auriscalpium, Lentinellus, Hericium, Heterobasidion, Bodarzewia, um nur ein paar zu nennen, auch dazu. Oder man definiert die Rangstufe anders und würde Peniophora und weitere als Peniophorales ansehen und in eine Überordnung der Russulomycetidae zusammenfassen (oder so ähnlich).
Konkret ist das in der Phallales/Geastrales/Gomphales-Verwandtschaft so - macht man eine Ordnung draus oder doch drei getrennte, die in eine Überordnung oder Unterabteilung gehören (usw.)?
Und hat man die Ordnung definiert, ist in vielen Bereichen die Familienaufteilung ein Chaos.
Nehmen wir die Agaricales...
Das, was früher eine Gattung war (z.B. Omphalina) ist jetzt auf mehrere Ordnungen(!) verteilt - in diversen Gattungen und in diversen Familien. Und manche Einteilung wird kritisch diskutiert - drei Mykologen, fünf Meinungen oder so.
Im Moment muss sich der Pulverdampf erstmal wieder lichten, damit man die molekularen Daten mit ökologisch-evolutionsbiologischen Daten verschneiden kann. Mal schauen, was alles stabil bleibt.
Die aktuelle Familieneinteilung z.B. innerhalb der Agaricales ergibt schon Sinn, wenn man etwas tiefer geht und auch Stoffwechselwege mit einbezieht - oder die Anatomie, die Lebensweise usw. Das wiederum erfordert aber ein sehrt tiefes Verständnis und sehr viel Wissen, um da etwas durchzusteigen.
Das Hauptproblem sind die fehlenden Merkmale - man kann bei Pilzen kaum etwas homologisieren, da Pilze primitivst aufgebaut sind und nicht einmal Gewebe ausbilden. Bei Pflanzen ist es leichter, mit Ordnungs- oder Familienmerkmalen zu arbeiten, wobei sich aber auch da vieles getan hat, seit man sequenziert. Schau mal die Monocots an - da wurde einiges umgestürtzt.
Ach ja, bei den Ascomyzeten ist es übrigens noch extremer, was die Neuerungen angeht.
Die Idee, vom Groben ind Detail zu gehen ist aber genau richtig! Lass dich nicht entmutigen... ich würde nur empfehlen, kleiner anzufangen. Nimm beispielsweise eine der Familieni in den Agaricales (z.B. die Wachblättler) und schau dir da die aktuellen Stammbäume an und die enthaltenen Gattungen - du wirst da viele Gemeinsamkeiten finden und ein Gefühl für die Familioe aufbauen können - obwohl sie genetisch sehr schwach definiert ist.
Liebe Grüße,
Christoph