Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Daniela,


    du hast eine Mail... ;)


    Lophiostoma macrostoma hat farblos-hyaline Sporen, die einfach septiert sind. Erst überreif können sie sehr blass bräunlich werden und weitere Septen einziehen. Chester & Bell haben eine andere Interpretation der Art, die nach deren Arbeit - also später - lectotypisiert wurde, daher anders festgelegt wurde (steht bereits in Holm & Holm). Chester & Bell ist ja aus dem Jahr 1970 und daher nicht wirklich aktuell. Man muss da immer mit neuerer Literatur abgleichen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Daniela,


    nach Bild allein vermag ich da nicht wirklich helfen zu können, da ich nicht sehen kann, ob Anhängsel vorhanden sind. Eine Schleimhülle erkenne ich auf dem Foto, meine ich. Das Substrat passt jedenfalls gar nicht zu L. semiliberum und die Sporen sind zu breit. Ich denke da eher an L. macrostomum. Die Anhängsel sind nicht gerade lang, sollten aber natürlich nachweisbar sein.


    Auch wenn ich die Gattungszerlegung nicht gut nachvollziehen kann, würde ich dir empfehlen, mit Thambugala et al. (2015) die Familie / Gattung zu schlüsseln - und dann z.B. mit Holm & Holm (1988) zu vergleichen.


    Wenn du mir deine E-Mail-Adresse per PN schickst und dein Mailaccount große Dateien nimmt, kann ich dir gerne weiterhelfen,was Literatur angeht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    klar kann man Morcheln züchten. Es gibt da mehrere bekannte Verfahren. Offensichtlich klappt das mittlerweile gut. Gebt einfach mal "Morchella cultivation" in google ein. Da findet ihr dann z.B. solche Bilder wie auf der Seite hier: https://www.mycopia.com/blog/2…vation-of-morel-mushrooms


    oder das hier auf youtube:


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    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rudi...


    Um ernsthaft klimabedingte Veränderungen an einem Fundpunkt/in einem Biotop zu dokumentieren, müsste man andere Variablen einigermassen fixieren. Aber da es zumindest in meinem Gäu, praktisch keine Wälder ohne menschliche Beeinträchtigung gibt, ist das illusorisch bis utopisch. Ich kann mir aber vorstellen, dass in Bereichen mit Prozessschutz und größeren Flächen in Nationalparks die Veränderungen dokumentiert werden können.

    und genau deshalb laufen entsprechende Projekte im Nationalpark Bayerischer Wald. Die Untersuchungstransekte zeigen durch deren Höhengradienten durchaus entsprechende Arealänderungen auf - nur gibt es eben viele andere Einflussfaktoren. Das Problem ist halt wieder, dass Klima gemittelt ist, aber die Witterung schon allein Einfluss haben kann.


    Eins der Probleme: Myzelien können ja schon vorhanden sein, nur klappt es z.B. aus Konkurrenzgründen nicht mit der Fruktifikation. Ein heiß-trockener Sommer und plötzlich sieht man Fruchtkörper, dabei gibt es das Myzel vielleicht schon länger.


    Wir sehen bei Pilzen eben nur, ob sie Sex haben, nicht aber, ob sie auch ohne leben und "schon da" sind. Jedenfalls nicht ohne DNA-Blindproben. Und es ist überraschend, was man so alles findet, wenn Bodenproben blind sequenziert werden.



    Servus Safran...


    Hätte mal einer eine Komplettliste der wärmebegünstigten Arten, damit ich die überhaupt mal alle, soweit ich sie erkennen würde, in der Ausbreitung beobachten könnte.

    Der genannte Wabenporling, Kaiserling, fransiger Wulstling, südlicher Ackerling sind mir noch gar nicht in Deutschland begegnet, der südliche Ackerling aber in China, aber da in einem echt wärmebegünstigten Gebiet.

    Komplettlisten - schwierig... und was verstehst du unter wärmebegündtigt? Konkret: Hypholoma fasciculare, der Grünblättrige Schwefelkopf, ist sicher nicht wärmeliebend, sondern kommt fast überall vor. Trotzdem zeigt sich, dass er in Geborgslagen plötzlich selten wird (ab bestimmter Höhenstufe). Ergo kann er als Indikator dienen.


    Und für mich sind Arten "wärmeliebend", die für andere indifferent sind. Hier in Oberbayern ist das "wärmeliebend", was im Alpenvorland wächst, aber nicht an Nordhängen oder in den Bergen. Für einen Bewohner des Rheingrabens ist wohl eher der Kaiserling oder der Ölbaumpilz "wärmeliebend". Man muss es im Verhältnis zu anderen Arten im Gebiet sehen.


    Der Wabenporling ist bei mir weit verbreitet. Ich würde ihn nicht als wärmefordernd erkennen. Im Bayerischen Wald war lange Zeit Fehlanziege. Inzwischen ist er aber selbst da angekommen. Aber warum? Breitet er sich entlang der Flüsse aus, weil es wärmer wird oder gibt es andere Gründe für die Ausbreitungstendenz?


    Bei einer Komplettliste wären wohl auch viele Arten dabei, bei denen die "Wärmeliebe" eine Scheinkorrelation ist.


    Russula nigricans ist wiederum so häufig bei mir, unabhängig von warm oder kühl, dass ich ihn nicht als Wärmezeiger erkennen würde. Vielleicht ist er es aber durchaus in gewissem Maße. Ob die Ausbreitung bei dir jetzt aber daran liegt, dass es wärmer wird oder weil sich andere Strukturen in den Wäldern, die du begehst, ändern (Sukzession), ist nicht einfach abzuklären. Das Thema ist anspruchsvoll.


    Überhauptvorkommen des Gifthäublings, der auch immer häufiger wird. Jahrelang bin ich dem erfolglos nachgejagt- jetzt ist er fast häufiger als das Stockschwämmchen, aber meist eher kleinere Grüppchen. Die Ausbreitung des Gifthäublings wurde bei uns aber vielleicht auch deshalb erschwert, weil hier fast nur Laubwälder Den ursprünglichern Namen Nadelholzhäubling hatte er vermutlich nicht ganz ohne Grund- alle unsere Funde übrigends an Laubholz.

    Aber die sind doch wohl beide keine wärmebegünstigten Arten, oder?


    Ich hatte mich immer schon am Namen "Nadelholzhäubling" gestört. Solange ich pilzlich denken kann, ist er bei mir ein typischer Buchenwaldpilz, der häufiger an Buche als an Fichte vorkommt. Ich bin aber auch in Kalkbuchenwäldern aufgewachsen. Wer aus einer Fichtenregion stammt, der wird ihn als Nadelholz bevorzugend wahrnehmen. Er nimmt einfach alles, der Name ist m.E. völliger Blödsinn, wei er dazu verleitet, Stockschwammerl an Laubholz ohne genaueres Prüfen zu sammeln.


    Am meisten schüttelt es mich, wenn ich irgendwo lese, dass er früher nur an Nadelholz wuchs, später aber gelernt hat, auch Laubholz zu nehmen... Eine sehr gewagte These.


    Aber auch hier ist es alles andere als trivial. "Der" Gifthäubling ist ein Aggregat (egal, ob man Arten draus macht oder Ökotypen bzw. Varietäten) - es kann gut sein, dass innerhalb des Aggregats eine Einnischung substratabhängig erfolgte. Dann muss nur ein anderer Ökotyp (bzw. eine andere kryptische Art) zufälligerweise zuwandern und sich ausbreiten - und für den Beobachter sieht es dann so aus, als wäre die vorher vorhandene Population auf ein andere Substrat umgesprungen und breite sich aus.


    Vielleicht sind meine ganzen Buchenholz-Gifthäublinge eine andere Kleinart... wer weiß? Hier kommt eben das Problem der Taxonomie dazu, die die Auswertung erschwert.


    Daher ist es besser, statt mit zu langen Artenlisten zu arbeiten (bei denen zu viele Scheinkorrelationen hinter der Platzierung auf der Liste stehen), sich mit wenigeren, dafür klareren Zeigerarten zu beschäftigen. Und dennoch kann es sein, dass die Pilze stärker auf Nitratzuwachs als auf Erwärmung reagieren. Mykorrhizapilze sind daher hier etwas kritisch. Vielleicht sollte man Holzbesiderler als Zeiger verwenden...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Felli,


    Trichocybe puberula hatte ich schon seeehr lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war in Raitenhaslach bei einer Exkursion vom Till, als es die AMIS noch nicht gab (damals hieß er noch Clitocybe puberula). Hias hatte, glaube ich, noch ein oder zwei Aufsammlungen - ich meine vom Taubenberg. Und dann war's das wohl schon... Toller Fund!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Peter / Malone,


    Barune Büschelraslinge war eh nie im Rennen, da das Ektomykorrhizapilze sind. Bei Rhodocollybia prolixa (der Drehstilige) ist noch keine Mykorrhiza nachgewiesen, aber bei Rhodocollybia butyracea, weshalb ich auch hier davon ausgehe, dass auch Gattungsgenossen Mykorrhizapilze sind (auch die Ökologie stellt ein - oft nicht unwichtiges - Merkmal dar).


    Gymnopus müsste ja passen, auch wenn Bildbestimmung immer so ne Sache ist.


    Um Gymnopus dryophilus einzuloggen, wären die Cheilocystiden nötig. Die Sporenmaße habe ich gerade nicht im Kopf, aber dass die in dem Bereich liegen, wurde ja sicher geprüft, sonst wäre ja die entsprechende Aussage nicht gefallen.


    An Gymnopus luxurians hatte ich wegen des Standorts und der auffallenden Büscheligkeit gedacht. Mit Gymnopus dryophilus kann ich moch natürlich auch anfreunden.


    Gymnopus ocior hatte ich auch schon auf Rindenmulch, aber den kenne ich nur mit gelberen Stielen (die Lamellen müssen nicht gelb sein!) und mit dunkel rotbraunen Hüten. Aber in dem Artenkomplex helfen wie gesagt die Cheilocystiden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Podaxis ist klar, nur ist die Artbestimmung in Namibia sehr schwierig, da Podaxis pistillaris ein Artenaggregat ist mit noch zu beschreibenden Arten. Als Podaxis pistillaris s.l. kann man den aber festzurren. Ist in Namibia ausgeprochen häufig und wurde mir auch schon aus Namibia mitgebracht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    dass das Forum hier ein kommerzieller Betrieb leitet, ist ja allen bekannt. Ob Takumi für seine Dienste bezahlt wurde oder ehrenamtlich tätig war, weiß ich nicht und geht mich auch nichts an. Da es aber eben ein von einer Firma geleitetes Forum ist, obliegt es allein der Leitung, zu entscheiden, wer im Auftrag der Leitung als Admin fungieren kann, darf, soll.


    Ob eine Sperrung des Users Takumi nötig war - anstatt nur die Funktionen abzuschalten - kann ich mangels Hintergrundwissens natürlich auch nicht einschätzen. Ich würde mal davon ausgehen, dass da ein Grund vorliegen muss, denn warum sollte eine Firma jemanden kicken, der für die Firma das Forum s lange technisch betreute - und offenbar sind ja sehr viele mit der Administration zufrieden.


    Man sollte sich denoch immer bewusst sein, dass solche Foren eine oft kurzlebige Sache sind.


    Betreibt eine Privatperson ein Forum, kommt es vom Netz, wenn diese keine Lust, Zeit oder anderweitig Ressourcen mehr hat (ich denke an Fungiworld, was ich echt schade fand).

    Betreibt es eine Firma, kommt es vom Netz, wenn sich herausstellt, dass die Werbung nicht den Kosten gegenüber ausreichend ist. Was ja auch nachvollziehbar ist. Warum sollte eine Firma ein Forum betreiben - es sei denn, der Firmenchef ist selbst aktiver Pilzkundler, der mitdiskutiert und das Forum auch so halten will - dann wäre es wieder ein Privatforum, das nur eine gesicherte Finanzierung im Rücken hat.

    Betreibt es ein Verein, dann kann es (hoffentlich) langlebiger sein. Wobei es da auch damit steht und fällt, ob sich im Verein ein Admin (oder zwei) und Moderatoren finden. Zumindest wird es, wenn viele Beiträge enthalten sind, höchstens einschlafen, aber als Infoquelle erhalten bleiben.


    Ich gehe natürlich davon aus, dass die Beiträge hier mal ganz weg sein können. Deshalb veröffentliche ich z.B. die Schlüssel, die ich zusammenstelle, erstelle oder zumindest übersetze, im Forum des Vereins, dem ich vorstehe. Da bin ich mir sicherer, dass sie auch in 10 Jahren noch auffindbar sind, auch wenn ich selber nicht mehr im Vorstand des Vereins sein sollte.


    Ob es so ist, dass Vereinsforen länger leben, wird sich zeigen. Es gibt auch Sonderfälle wie bei der DGfM, wo es jetzt das (glaube ich) dritte Forum ist nebst Verlust der alten Beiträge.


    Wie auch immer, ich sehe die Angelegenheit gelassen, wobei ich auch zugeben muss, dass eine kommentarlose Löschung sehr ungünstig ist. Es würde ja eine Standardaussage reichen mebst Dank für die bislang getätigte Arbeit. Und selbst wenn letzteres höflich geheuchelt wäre (was ich nicht glaube), würde das eine bessere Außenwirkung ergeben. Und es hätte Spekulationen aller Art erstmal eingedämmt. Da ich das Forum hier nicht leite, geht mich letzten Endes auch das nichts an. Ich beteilige mich aber auch an keinen Spekulationen, weder pro noch kontra Takumi.Warten wir's ab. Sollte das Forum für die Firma lukrativ sein, wird sie einen anderen Admin finden und es wird hier weitergehen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Dann ist es halt so. Wobei ein Weiterbetreiben ja offenbar gewünscht wird.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich wäre auch eher bei Neolentinus lepideus.


    Neolentinus und Lentius sind übrigens nicht einmal näher miteinander verwandt. Neolentinus gehört zu den Gloeophyllales, ist also mit dem Seppidrahdium (Zaunblättling) verwandt. Dementsprechend verursacht Neolentinus eine Braunfäule und Lentinus eine Weißfäule. Lentinus ist also enzymtechnisch weit fortgeschrittener.


    Bei Pilzen an Holz lohnt es sich, auch auf den Fäulnistyp des Holzes zu achten. Man kann aber schlecht ein Brückengeländer zerlegen, um nach einer Würfelfäule, also Braunfäule, zu suchen, die ich hier im Holz vermute.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Rhodocollybia bildet Ektomykorrhiza, sollte also nicht in Mulch vorkommen (ohne Symbiosepartner). Vergleiche mal mit Gymnopus luxurians.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    die Fotos sind zwar schon etwas älter, aber das Myzel ist noch immer aktiv. Und wenn es von Jahr zu Jahr wärmer wird, wer weiß, vielleicht breitet er sich ja aus. Es geht um Imperator luteocupreus - früher Boletus luteocupreus. Imperator macht da schon mehr her, was den Namen angeht.




    Der Pilz ist farblich ziemlich variabel - typischerweise ist er gelbhütig mit kupferfarbenen Striemen, kann aber auch altrosa enthalten. Die Oberfläche ist nicht so stark "verpickelt" wie bei Imperator rhodopurpureus, der auch farblich variabel ist (die Trennung ist nicht einfach).


    Ich kenne selber nur einen eizigen Fundpunkt von Imperator luteocupreus. Die Fotos stammen von dort (Großraum München). Unter der gleichen Eiche wächst auch Imperator rhodopurpureus im engen Sinn. Man muss daher immer ein bisserl aufpassen bei der Bestimmung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris,


    ah - o.k., danke! Auf die Ascusreaktion hatte ich gar nicht geschaut. Ich finde Baeomyces rufus regelmäßig auf Stein (z.B. an Wegrändern), nur selten am Boden, drum hatte ich nachgehakt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris,


    schöne Aufnahmen! Wuchs die Flechte auf Stein? Direkt auf dem Boden gibt es mit Dibaeis baeomyces ja noch eine ähnliche Art (hieß früher ja auch mal Baeomyces roseus).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Dieter,


    für mich ist das auch Pholiota astragalina und sogar sehr typisch. Der Stiel ist für Hypholoma lateritium viel zu gelb. H. lateritium hätte einen basal rötlichen, sonst blass gelblichen Stiel, auf dem sich das Velum universale als farblich gelbere Bänder zeigt - hier siehst du ein kräftigeres, zottiges Velum universale auf dem Stiel, das gelb auf deutlich gelbem Grund (farblich kaum abgesetzt) ist. Und die Hutfarbe ist auch typisch.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich kann Pablo (fast) nur recht geben. Flammulina velutipes, Flammulina elastica, Flammulina rossica und Flammulina populina kommen zwar primär im inter vor, können aber das ganze Jahr über fruktifizierien. Und sie sind makroskopisch nicht trennbar, sehen alle gleich aus. Fl. rossica und Fl. populina sind aber mit dem Mikroskop gut unterschiedbar (und ganz einfach von Flammulina velutipes und Fl. elastica abzutrennen - ganz anderer Hutdeckschichtgrundaufbau!). Nur Flammulina elastica vs. Flammulina velutipes ist etwas heikel.


    Und Flammulina fennae (nicht die an Hauhechel) wiederum ist eine Sommerart, die aber sehr gut makroskopisch geht (und ebenso mikroskopisch, wieder wg. der Huthaut).


    Da aber bis auf Flammulina velutipes und Fl. elastica der Rest selten bis sehr selten ist (Fl. populina ist noch nicht einmal bei uns nach gewiesen, dürfte aber vorkommen), hat Pablo dann doch recht, denn Fl. velutipes vs. Fl. elastica geht makroskopisch nicht und per Mikroskop mit Ach und Krach... ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    der Ansatz ist natürlich gut - und es gibt/gab solche Ansätze auch. Das Problem ist die Datenlage.


    Beispiel:

    Polyporus mori, jetzt Neofavolus alveolaris, hat sich rasant ausgebreitet. Früher gab es ihn nur in den wärmebegünstigten Stromtälern, jetzt ist er selbst im kühlen Bayerwald angekommen. Manbraucht dafür aber flächendeckend Daten von sagen wir mal 1960 bis heute.

    Die häufigsten Arten werden weniger kartiert - und wenn, dan v.a. an besonderen Fundpunkten (Projekte, wo alles eh kartiert wird oder z.B. Funde im Gebirge in besonderen Höhenstufen...).


    Der einfachste Weg ist es, in einem Gebirge / Mittelgebirge den Höhen- und damit Temperaturgradienten zu nutzen. Dann kann man sehen, wie sich die Höhengrenzen im Vorkommen verschieben. Konkurrenzschwache Arten, die auf Kälte angewiesen sind, damit die Konkurrenz fernbleibt (z.B. "Phellinus" nigrolimitatus) werden an Areal verlieren. Wärmefordernde Arten wir z.B. "Phellinus" ferruginosus werden nach oben wandern. Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es beispielsweise von letzterem nur zwei Funde. Weiter unten Richtung Donau ist er - wie sonst auch - häufig.


    Ich habe zusammen mit Claus Bässler über die Thematik bereits vor Jahren Artikel geschrieben, in denen wir mögliche Kandidaten für solch ein Monitoring herausgesucht haben. Auch der Zimtfarbene Weichporling ist eine Möglichkeit. Man wird dafür aber ein Dauermonitoring brauchen bzw. z.B. alle fünf oder alle zehn Jahre die Verbreitung an einem solchen Höhengradienten prüfen müssen. Das ist aufwändig.


    Mit den Kartierungsdaten wird das m.E. nur schwerlich gehen. Zumal die Datengrundlage ja lückenhaft ist. Ein bisserl was geht aber - ich habe z.B. Hypholoma fasciculare mal anhand der Daten in der DGfM-Datenbank analyisiert und dessen Höhenprofil publiziert. Selbst er wäre geeignet. Aber eben nur da, wo die Höhe erreicht wird, die er jetzt aktuell nicht mehr packt (z.B. Alpen).


    Das Problem mit sich schnell ausbreitenden Arten wie z.B. Neofavolus alveolaris ist, dass man nicht weiß, ob es am Klimawandel liegt oder andere Punkte ausschlaggebend sind (wie bei Neophyten, Neomyzeten usw. - neuer Ökotyp, der entstanden sein kann etc.). Und dann sind da eben gerade die jetzt seltenen Arten interessant - z.B. Agaricus pseudopratensis oder Agaricus freirei - breiten sich die beiden aus? Mediterrane Arten nördlich der Alpen, sowas ist spannend.

    Oder kommt mittlereile der Giftige Hase bei uns vor (Gyroporus ammophilus) - Sandkiefernwälder mit Binnendünen sind da potentieller Wuchsort - oder die Küsten, wo es wintermild und sandig ist. Aber der ist bei uns noch(?) nicht nachgewiesen.


    Der Grundansatz ist sehr spannend. Im Nationalpark Bayerischer Wald werden dafür auch seit Jahren Daten erhoben. Ich denke, dass solche Projekte an Höhengradienten zielführender sind. Das kann man aber natürlich diskutieren ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    die beiden neuen Arten sind allerdings "Chinesen". Ob die bei uns vorkommen? Da Gyromitra ticiniana in dem Stammbaum nicht berücksichtigt wurde, hatte ich den Artikel hier gar nicht mit eingebracht.


    Nebenbei angemerkt - ich bin auf Lebenszeit Mitlgied in der MSA, die die Mycologia rausgibt. Falls jemand da ein Paper braucht, kann ich auch gerne weiterhelfen (falls Stefan nicht greifbar ist) ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Aber Tichonolopsis, deine angegegenenen Zeiten umfassen gerade mal 1000 Jahre, Was ist das denn in der Erdgeschichte und auch in der Menschheitsgeschichte. Eine geradezu lächerlich kurze Zeit! Es wird sicher auch schon voher mal größere Ausschläge gegeben haben. Und nein, mir ! beweisen Deine Diagramme auch nicht das Gegenteil (Für mich)

    Servus Safran,


    zunächst: "beweisen" kann die Wissenschaft gar nichts. Es könnte sein, dass das, was wir sehen, fühlen, messen, gar nicht real existiert. Es könnte sein, dass ich nicht existiere und du gerade all das träumst. Oder wir in der "Matrix" stecken (auf den Film bezogen). Das soll das Thema nicht lächerlich machen, sondern sol in Richtug Erkenntnistheorie gehen.


    Da ich Naturwissenschaftler bin, wehre ich mich explizit gegen den Ausdruck "Beweis" in der Physik oder der Biologie oder... Beweisführung geht in der Mathematik, da man Axiome vorweg festlegt und erzwingt.


    Doch zurück zum Thema... 2000 Jahre (nicht 1000) sind naürlich sehr kurz. Ich habe auch nie behauptet, dass so eine Temperatur wie jetzt noch nie da war. Der Planet Erde war schonmal deutlich wärmer. Jedenfalls geht man davon aus.


    Es ging mit darum, dass du nicht von einen Klimawandel überzeugt bist.


    Ich möchte dir nur zeigen, dass sich das Klima wandelt - und zwar ständig. Mal wird es kälter (von 800 bis 1620), mal wärmer (ab 1680 bis heute), mal wird es so kühl, dass es zu einer Vergletscherung kommt (hatten wir - du wirst genug Zeugnisse finden - Moränen, Gletscherschliff usw.), mal wird es so warm, dass die Gletscher verschwinden.


    Ich vermute du verwechselst da nur zwei Dinge - Klimawandel und Katastrophe.


    Ich zeige dir wertneutral, dass sich das Klima seit ca. 400 Jahren in Richtung immer wärmer wandelt. Damit zeige ich dir schlichtweg, dass sich das Klima wandelt. Du sagt, "1000 Jahre" seien zu kurz, daran könne man nicht erkennen, dass sich das Klima wandelt, weil es früher schonmal Ausschläge gab. Äh... diese Ausschläge sind ja ein Wandel. Vor dem Ausschlag z.B. kühl, beim Ausschlag warm - das ist eine Änderung, ein Wandel.


    Jetzt hatte ich auch versucht, dir zu erklären, dass ich keine Kurzzeitausschläge meine (also Witterung), sondern wirklich das Klima. Und da sind 400 Jahre deutlich. Und 2000 Jahre auch. Dass viel früher das Klima anders war, ist eh klar. Darum ging es aber nicht.


    Wenn du an den Grafiken nicht erkennen kannst, dass es seit über 400 Jahren im Schnitt wärmer wird, können wir die Diskussion abbrechen. Was man aber aus der Tatsache, dass es seit 400 Jahren im Schnitt wärmer wird, ableitet, das ist was anderes. Der Planet wird nicht untergehen.


    Eins ist aber jetzt schon klar - es wird teuer. Der Sommer 2018 kostet "uns Deutsche" Milliarden. Man zähle zusammen die Kosten für Ernteausfälle, Verlust an Wald, Waldschäden, Versicherungsleistungen usw. Allein die Waldschäden snd über eine Miliarde Euro.

    Für den Planeten ist das egal.


    Denkt man rein woirtschaftlich und ohne Umweltmoral, dann kann man sagen: hätte man früher reagiert und in Vermeidung finanziert, wäre es auf Dauer günstiger als der Volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Folgen des Klimawandels entsteht. Das ist aber eine politische Sichtweise.


    Die Gefahr von Kriegen wegen Migrationsbewegungen (Wassermangel in heißen Zonen, Wachstum der Wüsten) ist auch ein politisches Thema. Das kann passieren, muss aber nicht.


    Dass einige Arten aussterben, ist auf dem Planet Erde auch normal. Es gab immer wieder Massensterben. Mal durch Klimawandel (z.B. Kometeneinschlag - bewirkt auch Klimawandel), mal durch den Menschen direkt (Eutrophierung der Umwelt, Zerstörung von Lebensräumen, aktive Ausrottung von Tierarten). Auch das alles ist für den Planeten vernachlässigbar.


    Für die Politik ist es aber wichtig zu wissen, wie schnell sich zukünftig das Klima in welche Richtung wandelt, um reagieren zu können und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden zu minimieren. Leider verneinen manche Politiker das ganze Problem an sich und ducken sich immer noch weg. Wie man die zukünftigen Kosten und Probleme kleinhalten kann, ist schwer zu sagen.


    So, wie ich die datenlage interpretiere, sind die 2 Grad Begrenzung des Klimawandels vom Tisch. Das schaffen wir nicht. Warum war die Grenze so wichtig? Jenseits dieser Grenze können wir (Menschen) nicht absehen, in welche Richtung die Feedbackschleifen weiter gehen. Im Moment haben wir die Methanfreisetzung in der Arktis aktiviert. Das ist weitaus schlimmer als das CO2, das wir ausstoßen, nur hat das CO2 das mit verursacht. Hier kann man nichts mehr tun. Je mehr Methan, umso größer der Treibhauseffekt, je größer der Treinhauseffekt, umso wärmer, je wärmer, umso tiefer taut der Permafrostboden auf, je tiefer er auftaut, umso mehr Methan wird freigesetzt und der Teufelskreis ist geschlossen.


    Ich kann vieles nachvollziehen - dass man glaubt, es käme alles nicht so schlimm, wie manche fürchten (ist ja oft so). Oder dass wir Menschen gar nicht die Hauptschuld haben, sondern der rasante Temperaturzuwachs und der Zuwachs der CO2-Emissionen iene Scheinkorrelation sind (glaube ich nicht, für mich sind die Daten da zu klar). Nur zu negieren, dass sich das Klima ändert, das kann ich nicht nachvollziehen. Sehe ich einen Baum wachsen, kann ich ja auch nicht sagen, dass der Zeitraum von 10 Jahren zu kurz sei, das zu entscheiden. Es hätte ja mal noch größere Bäume gegeben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.


    Ob du aber glaubst, dass sich das Klima änder oder nicht, ist letzten Endes egal - ich will nicht missionieren. Für uns, den Planeten und die Zukunft ist es wurscht. Ich kann nur schlicht nicht nachvollziehen, wie man darauf kommt, dass das Klima immer konstant sei (Konstanz = kein Wandel, es bleibt gleich).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    immer wieder lese ich bei Beiträge in allen möglichen Foren, dass als Begründung für eine Synonymisierung oder für die "korrekte" Gattungszuordnung der Index Fungorum oder die MycoBank herangezogen wird. Das zieht sich irgendwie durch so vieles durch - bis hin zur Taxref-Liste, wenn ich da richtig informiert bin.


    Bevor ich darauf eingehe, möchte ich erstmal erklären, was hinter solchen Datenbanken steckt. Wer englisch kann, der kann diesen Artikel über MycoBank auch direkt nutzen: 26.pdf


    Früher gab es ein Problem: Ich möchte z.B. einen neuen Champignon beschreiben. Als Namen habe ich Agaricus adustus gewählt, weil er irgendwie schon sehr grau in den Lamellen ist, wenn er jung ist. Jetzt mache ich alles fertig - und siehe da, es stellt sich später heraus, dass es schon einen Agaricus adustus gibt.


    Das ist mehrfach passiert:


    Agaricus adustus Batsch 1793

    Agaricus adustus Pers. 1801

    Agaricus adustus J. Otto 1816

    Agaricus adustus Cooke & Massee 1889


    Ich hätte also zum fünften Mal den Namen verwendet.


    Früher musste man hoffen, die gesamte Literatur zu allen unter Agaricus beschriebenen Arten zu haben (und früher nannte man jeden Lamellenpilz Agaricus - es sind unglaublich viele Namen - über 6000!), um zu wissen, welche Name noch frei war.


    Ja, wenn es eine Datenbank geben würde, in der alle Namen gesammelt würden... Und ja, die gibt es, z.B. Index Fungorum oder MycoBank. So konnte ich eben beim Schreiben schnell alles raussuchen, was ich zu Agaricus adustus fand.


    Man will wissen, wo Agaricus adustus J. Otto 1816 beschrieben wurde? Kein Problem!

    Agaricus adustus J. Otto, Vers. Anordnung Beschr. Agaricorum (Leipzig): 51 (1816)


    Ein Klick in der Datenbank - und man hat's.


    Bei Mycobank steht es ohne Abkürzung:


    Agaricus adustus J. Otto, Versuch einer auf die Ordnung und den Stand der Lamellen gegründeten Anordnung und Beschreibung der Agaricorum: 51 (1816)

    Und dazu noch die Gesamtpublikation mit Seitenzahlen:


    Otto, J.G. 1816. Versuch einer auf die Ordnung und den Stand der Lamellen gegründeten Anordnung und Beschreibung der Agaricorum. :1-106


    Man kann bei beiden Datenbanken sehen, dass der Name illegtim ist (da bereits besetzt) usw.


    Ideal wäre es, wenn jetzt auch noch ein Scan der Literaturstelle griffbereit wäre. Manchmal ist das sogar der Fall, aber nicht oft. Und Copy-Right bei jüngeren Publikationen.


    Kann sich jemand auch nur ansatzweise vorstellen, wie viel Mühe es macht, den Grunddatensatz zu erzeugen? Die ganzen alten Literaturstellen auszuwerten?

    Zum Glück gab es eine Zeitschrift - Index of Fungi - die versucht hat, alle Neubeschreibungen aus zumindest großen Journals zu zitieren - das war im Prinzip der Vorläufer der Datenbank Index Fungorum.


    Und wer steckt dahinter? Beim Index Fungorum ist es Kew - und hier genauer gesagt Paul Kirk. Er ist Ansprechperson, er bekommt alle Mails, wenn Fehler gemeldet werden. Soweit ich weiß, sind sie zu zweit. Paul Kirk ist Mykologe, forscht selbst und soll auch noch die Datenbank am laufen halten. Zum Glück finanziert Kew das.


    MycoBank hat de Luxus, ein größeres Team zu haben, aber größer meint im unteren zweistelligen Bereich. Im Moment wird alles über Konstanze Bensch koordiniert (Westerdijk Fungal Biodiversity in Utrecht). Aktuell sind dort 365920 Arten gespeichert (aktueller Stand).


    Wofür sind die Datenbanken also gedacht?


    1.) Sie helfen bei der Suche nach Originalbeschreibungen - man hat sofort die Literaturstellen mit Seitenzahl.

    2.) Sie helfen bei der Suche nach dem Typus - bzw. ob es einen gibt (bei historischen Arten)

    3.) Sie helfen dabei, für Neubeschreibungen noch freie Namen zu finden.

    4.) Sie helfen dabei, sofort zu sehen, ob ein Name gültig ist - und wenn nicht, warum. Hier ist nicht "aktuell" gemeint, sondern ob die Originalbeschreibung den Regeln des Nomenklaturcode entsprechen oder nicht.

    5.) Will man ein Epitheton umkombinieren, kann man auch sehen, ob das schon vorher geschah und ob die Kombination frei ist.


    Beispiel zu 4. - ich hatte mal einen Wasserkopf (Cortinarius) im Frühjahr unter Pappel gefunden. Cortinarius vernus s.str. konnte man ausschließen, er gehört aber in die Gruppe hinein. Jetzt gibt es einige "französische" Arten rund um den relativ jungen Cortinarius vernus. So z.B. Cortinarius petroselineus Chevassut & Rob. Henry, Docums Mycol. 12(no. 47): 59 (1982)

    Sowohl Index Fungorum als auch Mycobank geben an, dass der Name ungültig ist: Nom. inval., Art. 40.1 (Melbourne)


    IF (Index Fungorum) schriebt zum Beispiel: Nom. inval., Art. 40.1 (Melbourne)


    Man kann also im Melbourne-Code nachschlagen - Artikel 40 Absatz 1


    So geht es mit diversen weiteren Arten, die aus Frankreich beschrieben wurden, so weiter. Schließlich fand ich Cortinarius suberythrinus - und der Name ist gültig. Und älter als Cortinarius vernus... und älter als Cortinarius nevadovernus, den ich vermutlich fand und der daher vermutlich Cortinarius suberythrinus heißen muss.


    Früher hätte mich die Recherche eine halbe Ewigkeit gekostet. Jetzt suche ich in den Datenbanken die Grunddaten und kann sofort per Internet weiter recherchieren.


    Das ist ja sowas von praktisch!


    So, gibt es ein "6."?


    Hm, eventuell. Index Fungorum versucht, allen Namen die Familienzuordnung zu geben. Hier sind immerhin 560877 Arten enthalten (Stand jetzt).

    Der Versuch ist mehr als löblich, aber je mehr Namen in die Datenbank kommen, also um so besser sie wird, um die Punkte 1 bis 5 zu schaffen, umso schwerer ist es, für ein Zweimannteam, all diese Zuordnungen aktuell zu halten.


    Wo ist jetzt Flammulina? Physalacriaceae, klar. Und so steht es auch im Index Fungorum.


    Und Inocybe? Laut Index Fungorum (IF) bei den Inocybeaceae. Dem würde ich auch folgen... andere Autoren stellen sie aber in die Bolbitiaceae... Wer hat Recht?


    Ein drittes Beispiel: Psilocybe - bei IF in den Hymenogastraceae. Also nicht bei den Strophariaceae. Interessanterweise platzieren sie auch Gymnopilus dahin. Die Gattung wird von incertae sedis bis Strophariaceae bis Hymanogastraceae hin und her geschoben...


    Kann man also IF oder MycoBank hier folgen?


    Das wäre so bequem, eine eierlegende Wollmilchsau zu haben. So viele Taxa wie möglich mit allen Detaildaten und alle sogar mit Einordnung ins System... Tja, wie schafft man das zu zweit? Man nimmt einen der großen Übersichtsartikel (z.B. major clades of Agaricales...), also einen der großen Phylogenieartikel. Das nimmt man als Basis und dann ist gut. Und wenn Neuerungen auftreten? Dann dauert es, bis das übernommen wird.


    Der große Unterschied:


    Die Grunddaten sind klar und eindeutig und "nur" Recherchesache. Die Entscheidung, ob eine Beschreibung laut Code gültig ist, ist auch klar definiert. Die Entscheidung, welches Taxon mit welchem verwandt ist, kann man aber nicht exakt definieren. Je nach DNA-Region, je nach Auswertung der Daten, je nach Alignment, je nach Auswahl an Arten (etc.) hat man andere Ergebnisse. Hier muss man Artikel studieren und (!) evaluieren, bewerten, welcher Artikel besser ist. Und wer kann das am besten? Nur die Spezialisten. Das Team, das Datenbanken aktualisiert, kann sich nur in einem Teilbereich so gut auskennen. Daher sind solche Angaben meist etwas älter.


    Wer also wissen will, ob die Gattung Prunulus für die Rettichhelminge sinnvoll ist, darf nicht (!) in MycoBank oder IF schauen. Da wird man eben eine Entscheidung finden, die auch purer Zufall sein kann. Das äußert sich in unterschiedlichen Zuordnungen in den Datenbanken. Einmal pro Jahr gleichen sie sich ab, damit kein Chaos entsteht. Und welcher Version folgt man? Das muss sehr schnell entschieden werden.


    Noch schlimmer ist die Sache mit den Synonymen auf Artebene.


    Ich habe mal Tricholomopsis flammula gesucht (im IF) - da steht übrigens wirklich noch "Tricholomataceae". Das stimmt schon lange nicht mehr... Vermutlich sind es Typhulaceae - oder eine zu beschreibende Familie (da sieht man das Problem), aber ganz gewiss keine Tricholomataceae... MycoBank macht auch eine Tricholomataceae draus.


    Nun, dank des Artikels von Jan Holec aus dem Jahr 2009 erkennen beide Datenbanken die Art an. Schaut man anderswo (hiesige Literatur, deutschsprachig), wird man sehen, dass das nur eine mickrige Tr. rutilans sein soll. Das ist zwar absolut out und die Art ist sehr gut definierbar (auch mikroskopisch), aber selbst in der älteren Funga Nordica war sie nicht enthalten (in der neuen schon).


    Wie auch immer, die Entscheidung, ob das was Eigenständiges ist oder nicht, ist auch Diskussionssache. Da kann so eine große Datenbank nicht der letzte Schrei sein.


    Wer also IF oder MycoBank als Instanz ansieht, was Familienzugehörigkeit oder die Suche nach dem "current name" betrifft, hat vermutlich nicht verstanden, was die Datenbanken wirklich leisten und leisten sollen. Das mit dem "current name" ist ein Versuch, diese Infos aus neueren Artikeln rauszuholen. Da wird halt ein Artikel als Basis genommen - und wenn dann andere Artikel anders argumentieren, ist es Zufall, wann welcher der neueren genommen wird.


    Ganz schade ist es, wenn dann Enttäuschung geäußert wird, dass IF "mal wieder" nicht aktuell sei, weil die Synonymie doch Quark sei oder die Gattungzuordnung veraltet. Das ist dann ein bisser unfair. Man weiß doch, dass diese Infos mehr Zukunftsprojekt als belastbar sind.


    Und was die Familienzugehörigkeit betrifft... es ist schon ein Service, zu erfahren, dass Boletus albus ein Porling ist und kein Röhrling. Oder dass Agaricus adustus eine Russulaceae - dann weiß man sofort, dass das also der älteste Name für den Schwärztäubling ist. Steht aber irgendwo "Tricholomataceae", kann das heute alles sein. Die Familie ist mittlerweile sehr klein (Tricholoma, Lepista, Clitocybe...). Man weiß aber, wie es gemeint ist. Es ist eine Groborientierung, nicht mehr und nicht weniger.


    Daher mein dringender Appell:

    Nutzt die Datenbanken - sie sind extrem praktisch. Aber bitte nutzt sie nicht als Instanz für Systematik oder für Synonymisierungen (es sei denn, es sind durch den Code vorgegebene, da zwei Namen auf dem gleichen Typus beruhen).


    Ach ja, vielleicht das noch - wie schaffen die Datenbanken, aktuell zu bleiben?


    Mittlerweile werden alle Journals bzw. alle Autoren neuer Arten oder Erzeuger aller Umkombinationen gebeten, ihre neuen Namen / Kombinationen selbst in die Datenbanken einzugeben. Das Team checkt dann nur auf Plausibilität gegen (erschien die Zeitschrift usw.) - und das ist genug Arbeit. Daher sind die Teams sehr dankbar, wenn sie Nachricht bekommen, wenn Fehler enthalten sind. (Also richtige Fehler in den harten Daten, bitte nicht schreiben "ich finde aber, dass das schon eine eigene Art ist...". ;)


    Falls Fragen vorhanden sind, natürlich gerne - ist ja ein Diskussionsforum.


    Liebe Grüße,

    Christoph