Ich selbst bin nicht absolut sicher, daß es die allgemeine Klimaerwärmung wirklich gibt.
Servus Safran,
die Klimaerwärmung ist eine messbare physikalische Größe. Es geht um die über 30 Jahre gemittelte Durchschnittstemperatur. Seit ungefähr 1680 geht es mit der Durchschnittstemperatur der Erde bergauf. Man kann mittlerweile (mit recht groben Fehlergrenzen allerdings) bis 2000 Jahre in die Vergangenheit die Durchschnittstemperaturen ermitteln. Daher weiß man, neben direkten Quellen, die Witterungsereignisse aufgezeichnet haben, dass es im Mittelalter recht warm war. Korreliert man das mit allen Quellen, die man lokal zur Verfügung hat und gleicht das mit Baumringanalysen ab (usw.), wird ein Bild daraus.
Seit ca. 150 Jahren messen wir (die Menschheit) aber direkt und systematisch Witterungsdaten, aus denen man dann Klimadaten mitteln kann. Und daran erkennt man ganz wertneutral, dass sich das Klima ändert. Muss es ja auch irgendwie, denn Klima ist was dynamisches, wie es Wetter ja auch ist.
Hier ein Link zu einer Abbildung eines wahrscheinlichen Temperaturverlaufs der letzten 2000 Jahre (bezogen auf die Nordhemisphäre): 002-temp-kur-2000.jpg
Es stammt aus dem Paper
Moberg, A., D.M. Sonechkin, K. Holmgren, N. Datsenko & W. Karlén (2005) Highly Variable Northern Hemisphere Temperatures reconstructed from low- and high-resolution proxy data.- Nature, Vol. 433, No. 7026, pp.. 613-617, 10 February 2005.
Es fehlen daher die Daten von 2000 bis jetzt.
Die große Frage ist, ob wir Menschen Mitschuld am Klimawandel haben. Hier wird kontrovers diskutiert, wobei ich persönlich davon - anhand der Messdaten, die zur Verfügung stehen - überzeugt bin.
Ich könnte versuchen, den Teufelskreis des Wassergehalts der Atmosphäre und des von diesem ausgelösten Treibhauseffekts zu erläutern. Oder die Rolle des CO2, oder das Problem des jetzt auftauende Permafrostbodens. Das würde aber alles viel zu weit führen.
Daher nur kurz der Unterschied zwischen Klima und Witterung.
Die Jahre 2003 und 2018, die beide bei uns durch eine Omega-Wetterlage definiert sind, die für lang anhaltende extreme Hitze und Trockenheit sorgten, ist eine an und für sich zufällige Witterungssituation, die zwar sehr unwahrscheinlich ist, aber immer mal auftreten kann (und auch in der Vergangenheit auftrat). Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas auftritt, hängt aber durchaus vom Gesamtklima ab, denn es geht darum, inwiefern z.B. der Jetstream mäandert und das hängt von der Temperaturdifferenz zwischen Polen und Subtropen / Tropen ab. Trotzdem kann es reiner Zufall sein, dass 2018 so war, wie es war. Auch, dass es innerhalb von so kurzer Zeit zweimal dazu kam. Auch, dass 2004 ebenfalls ungewöhnlich war. Auch, dass der März 2019 über 3° über dem langjährigen Durchschnitt lag. Dass wir jetzt aber schon den 13. Monat in Folge haben, der über dem langjährigen Durchschnitt lag, sieht mehr nach Trend aus (auch in heißen Jahren kann ein Monat kühler als der Durchschnitt sein - es wird ja alles vom Zufall überlagert). Und schaut man an, wann die 10 heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung stattfanden, wird man sich wundern.
Und wer gar nicht sicher ist, ob es wärmer wird, muss nur die Entwicklung der Gletscher anschauen. Natürlich hängen die auch vom Niederschlag ab, nicht nur von der Temperatur. Aber es ist auffällig, dass weltweit die Gletscher schmelzen.
Dort, wo ich als Jugendlicher noch auf dem Eis stand, ist jetzt nur noch Schlamm und der Gletscher einen weiten Fußmarsch entfernt (Beispiel Pasterze - ich war geschockt, als ich neulich hingefahren bin... vorher war ich Ende der 80er Jahre dort direkt am Gletscher).
Oder wer mal ins Zillertal geht und auf die Berliner Hütte wandert... Man kann dort erkennen, wo die Gletscher um 1640 herum waren. Von dort hat man einen mehrstündigen Marsch vor sich, bis man an die Reste des Schwarzensteinkees kommt (nur als Beispiel - ich hatte diese Wanderun 1984 gemacht und da waren es viele viele Stunden).
Nein, der Klimawandel ist messbarer Fakt. Vorher ging es bergab, von der Mittelalterlichen Wärmeperiode bis zur Kleinen Eiszeit und seitdem wieder bergauf (das ist relativ normal). Seitdem wir aber den Teufelskreis einseitig anheizen, geht es sehr viel schneller und steiler nach oben. Und mittlerweile fällt es auf. Und kommt der nächste wirklich kalte Winter, was nur ein lokales Phänomen wäre, heißt es schnell, dass das mit dem Klimawandel nicht stimme. Wir nehmen eben nur die Witterung wahr und mitteln nicht über die letzten 30 Winter. Daher fühlt es sich für uns so an, als wäre es immer schon so gewesen, mal heiß, mal kalt. Durchschnitte berechnet unser Hirn nicht so gerne.
Liebe Grüße,
Christoph
