Servs Tuppie, servus alle,
ich erinnere mich noch an den Sternenhimmel in den Anden in über 4000 Meter Höhe oder auch an den Sternenhimmel in Patagonien. Glasklare Luft, kaum Lichtverschmutzung... nur gab es damals keine Möglichkeit, g'scheit zu fotografieren. Als ich diese Forschungsreisen gemacht hatte (mykologische Reisen natürlich), war noch die Zeit der Analogfotografie.
Heute sieht das ganz anders aus. Man kann per Digitalkamera auch Hunderte von Einzelfotos machen und die dann eben miteinander verrechnen bzw. diese aufaddieren. Dafür erzeugt der Chip in der Kamera ein Hintergrundrauschen - aber das kann man mittlerweile auch wieder rausrechnen lassen. Die Software gibt es kostenlos.
Sprich: jeder, der eine Kamera mit gutem Objektiv hat und zudem ein Stativ, der kann heute Astrofotos machen, die früher ohne Teleskop nicht möglich gewese wären.
Da Bergwald gerne weitere Fotos sehen will, zeige ich noch einen Klassiker vor: Messier 51 - das ist eine Spiralgalaxie, die mit einer kleinere Galaxie zusammengestoßen ist und dadurch verformt wurde. Das Galaxienpaar steht im Sternbild der Jagdhunde, unterhalb der Deichsel des sog. Großen Wagens.

Man muss hier wieder das Bild anklicken, um es größer zu sehen. Ich habe hier keinerlei Nachführung verwendet, also die Erddrehung nicht ausgeglichen, sondern viele viele Einzelbilder zu je 0,6 Sekunden Belichtungszeit gemacht, dann gestackt und mit Photoshop nachbearbeitet.
Man sieht die Spiralarme, die etwas zusammengestaucht wurden und auch die Verbindung zur zweiten Galaxie knapp rechts oberhalb, wenn man genau hinschaut. Der Kern der größeren Galaxie ist sehr hell - man nennt solche Galaxien auch Seyfert-Galaxien. Da sitzt ein riesiges Schwarzes Loch, das Unmengen an Materie einsaugt, wodurch sehr viel Strahlung erzeugt wird.
Um die Spiralarme mit einem Teleskop direkt sehen zu können, müsste man sehr viel Geld ausgeben und ein wirklich großes Teleskop kaufen. Mit einer Spiegelreflexkamera plus Teleobjektiv, Geduld und PC geht es aber auch so. Ganz wenig oval sind die Sterne aber noch (wegen der Erddrehung). Da ich mittlerweile einen mechanischen Nachführapparat habe, werde ich das Foto wiederholen, wenn mal wieder ein klarer Himmel ohne Mond sein sollte (spätestens im nächsten Frühjahr, denn im Sommer steht diese Galaxie bei mir in Richtung Augsburg mit entsprechender Lichverschmutzung). Ich habe nur nach Süden einen fast unverschmutzten Himmel (und Süden ist am Wichtigsten).
Für diejenigen, die sich tiefer auskennen, das Bild nochmal, aber hier mit einem Stern, den ich dank der aktuelle Datenbanken (gab es früher auch nicht) und den aktuellen Missionen wie z. B. Gaia2 nachschlagen konnte und dessen scheinbare Helligkeit nachschlagen konnte.

Bis zur 6. Größenklasse können wir Sterne mit dem bloßen Auge sehen. Fünf Größenklasse Unterschied bedeuten die 100fache Helligkeit - ein Stern erster Größenklasse ist 100 mal heller als einer der 6. Größenklasse und entsprechend 10.000 mal heller als einer der 11. und 1.000.000 mal heller als einer der 16. Größenklasse.
Als ich früher mit meinem (kleinen) Teleskop beobachtet hatte, kam ich knapp über 10. Größenklasse. Mit dem (teuren) Achtzöller meiner Schule bis knapp über die 14. Größenklasse - und das schafft man per Foto auch ohne Teleskop.
Natürlich kann man auch mit einem Teleskop fotografieren, dann kann man viel lichtschwächere Strukturen nachweisen. Aber dann muss die Nachführung sehr genau sein, das Teleskop darf nicht wackeln - die nötige Montierung ist entsprechend teuer und der Aufwand groß. Die Fotos, die ich hier zeige, kann hingegen jeder, der ein Stativ und eine Kamera besitzt, selber machen. Die Nachbearbeitung in Photoshop ist etwas tricky, aber es geht ;-).
Als letztes zeige ich noch einen Kugelsternhaufen - diese Objeke umkreisen unsere Milchstraße. Messier 4 steht recht niedrig über dem Horizont. Man kann ihn in einem Fernglas gut als Nebelfleck sehen. Mit einer Kamera kann man aber schon die ersten Sterne dieses Haufens auflösen. Ich finde ihn ziemlich hübsch.

Auffällig ist das senkrechte Band aus mehreren Sternen (10. Größenklasse). Daran kann man Messier 4 immer sofort erkennen. Direkt links unterhalb dieses Bandes sieht man einen länglichen Stern - das sind zwei Sterne, die sehr nah beieinander stehen - dafür ist meine Objektivlinse zu klein, um die in zwei Einzelsterne aufzulösen.
Liebe Grüße,
Christoph