Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    ich werde aufgrund der Sonnenfinsternis auch erst mit 20-30 Minuten Verspätung zum Meeting dazustoßen. Ich kann dann allerdings etwas Braunes präsentieren, das es in NRW seit 1933 nicht mehr gegeben hat.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag war ich an der deutsch-niederländischen Grenze in der Nähe von Emmerich-Elten unterwegs. Dort gibt es viele Maisfelder und damit natürlich auch den Maisbeulenbrand Ustilago maydis, den ich hier vorstellen möchte. Während der Pilz meistens die weiblichen Blüten/Fruchtstände befällt, kann er manchmal auch die männlichen Blüten befallen. Diese werden dann verweiblicht und bilden die typischen, großen Gallen des Brandpilzes aus. Darin finden sich zahlreiche einzelne, ellipsoide Sporen, die feinstachelig ornamentiert sind.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Galle am männlichen Blütenstand


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo Ria,


    ein Vergleich mit dem Vorjahr ist durchaus schwierig, denn dieser Sommer ist extrem trocken und pilzarm in den meisten Gegenden, während es im letzten Jahr durchaus auch im Sommer mal geregnet hat. Neben dem Forum an sich gibt es ja auch noch die Zoom-Meetings am Mittwoch und da stelle ich zum Beispiel keine Abnahme von Aktivität fest.


    Björn

    Hallo zusammen,


    und noch ein Brandpilz aus Prag. Ustilago syntherismae befällt die Fingerhirse Digitaria sanguinalis und sorgt dafür, daß statt einer Blüte ein Brandpilzsorus gebildet wird, der anfangs von einer weißen Hülle umgeben ist und bei Reife die schwarze Sporenmasse freigibt. Der Pilz kommt in Prag an verschiedenen Stellen vor, aber längst nicht in jedem Bestand des Wirtes. Hat man aber erstmal eine Stelle mit dem Pilz gefunden, ist er dort dann meistens auch sehr üppig vorhanden. Die Sporen werden einzeln gebildet, sind ellipsoid und mit feinen Stacheln ornamentiert.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Details der infizierten Blütenstände


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    und hier der nächste Rostpilz aus dem NSG Prokopské údolí. Es handelt sich um Puccinia cesatii, einem Rost der das Bartgras Bothriochloa ischaemum befällt. Ein Wirtswechselpartner ist nicht bekannt, es ist also vermutlich so, dass der Pilz mit seinen Uredosporen oder als Myzel in seinem Wirt überwintert. Der Rost bildet dunkel orange-braune Lager auf den Blättern aus. Teilweise finden sich auch eher schwarz-braune Lager, in diesen werden dann Amphisporen gebildet. Die Uredosporen sind rundlich, relativ dickwandig und haben 4-5 Keimporen. Die Amphisporen sind den Uredosporen ähnlich, aber etwas dunkler gefärbt und noch dickwandiger. Mit Puccinia pseudocesatii gibt es noch eine Verwechslungsart auf diesem Wirt, die aber keine Amphisporen ausbildet und bei der die Uredosporen nur 2-3 Keimporen besitzen.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Uredien auf den Blättern


    Uredosporen in Wasser


    Amphisporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    und weiter geht es mit den Phytos aus Prag. Im NSG Prokopské údolí konnte ich am 26.7.2024 und am 28.7.2026 jeweils Uromyces onobrychidis auf Onobrychis viciifolia finden. Der Rostpilz vollzieht einen Wirtswechsel und bildet im Frühjahr seine Aecien auf derformierten Pflanzen von Euphorbia cyparissias aus. Im Sommer und Herbst bildet er dann Uredien und Telien auf Onobrychis. Die Uredien sind braun, frei und pulverig, die Uredosporen sind orangebraun, stachelig und haben 3-5 Keimporen.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Uredien auf den Blättern


    Uredosporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    bei meinem Aufenthalt in Prag war ich am 26.7.2026 auch wieder mal im Naturschutzgebiet Divoká Šárka, wo sich ein kleiner Fluß tief in den Fels eingegraben hat. Oben auf den Kuppen gibt es dann schöne magere Halbtrockenrasen, die zumindest teilweise einen deutlichen Kalkeinschlag zeigen. Dort wächst Elymus hispidus stellenweise in großen Mengen und an fast allen diesen Stellen findet man zahlreiche Pflanzen, die mit Tilletia controversa befallen sind. Befallene Pflanzen sind meistens kleiner als gesunde, üppiger bestockt und die Blütenstände erscheinen etwas gespreizt. Außerdem sieht man dann bei genauerer Betrachtung die rötlichbraune Sporenmasse hervortreten. Wie alle Arten der Gattung Tilletia produziert auch Tilletia controversa Trimethylamin, d.h. der Pilz und damit auch die befallenen Pflanzen riechen intensiv nach altem Fisch. Die Sporen sind ein absoluter Hingucker. Relativ groß, rund, mit netzartzigem Ornament und zusätzlich noch von einer Schleimhülle umgeben.


    Interessanterweise scheint der Pilz dort nicht nur häufig, sondern auch sehr stabil vorzukommen. Vor 2 Jahren konnte ich ihn an gleicher Stelle auch schon finden und bei iNaturalist gibt es eine weitere Beobachtung, die noch etwas älter ist.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Befallene Ährchen


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    auf meiner Reise zu einer Konferenz in Prag habe ich am 25.7.2026 einen Zwischenstopp im Berliner Raum gemacht und dort u.a. den Park von Schloß Sanssouci besucht. Ziel war neben dem Schloß ein Brandpilz, den ich dann auch an den in der Z. Mykol. veröffentlichten Koordinaten gefunden habe: Sporisorium montaniense an Eragrostis minor. Der Wirt ist ein relativ unscheinbares Gras, das sich oft in Pflasterfugen findet. Durch den Befall mit dem Brandpilz bildet es nicht seine charakteristischen Blüten aus, sondern hat stattdessen Brandpilzsori in den angeschwollenen Enden der Triebe. Bei Reife platzen die Sori auf und geben die dunkle Sporenmasse frei. Die Sporen sind sehr feinwarzig, rund und einzeln.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Detailaufnahme der befallenen Pflanzen


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich war vor einer Woche einen Tag lang auf Durchreise in Berlin. Es war warm und trocken, aber trotzdem konnte ich sehr schöne Pilzfunde machen:


    Myriostoma coliforme


    Sawadaea tulasnei ex Acer platanoides


    Sawadaea bicornis ex Acer campestre


    Thecaphora saponariae ex Saponaria officinalis


    Und das absolute Highlight zum Schluß, ein Pilz der auf einem Gehweg in Köpenich wuchs: Sporisorium montaniense ex Eragrostis minor


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich bin diese Woche auf einer Konferenz in Prag. Hier gibt es jede Menge tolle Pilze, die ich dann aber erst nächste Woche zeigen kann.


    Björn

    Hallo Ria,


    um Schnallen an generativen Hyphen bei solchen Porlingen zu suchen, würde ich immer ein kleines Fitzelchen der Porenschicht mikroskopieren (dabei aber nicht die Porenöffnungen nehmen, sondern eher bei einem Schnitt wie von dir unten gezeigt etwas aus dem Poreninneren kratzen). Das ganze dann mit Phloxin B anfärben, da erkennt man dann anschließend schon mal, was wirklich generative Hyphen sind, denn Skeletthyphen und Bindehyphen haben in der Regel sehr dicke Wände aber wenig Lumen und nur das Zellinnere wird ja von Phloxin angefärbt.


    Nach dem Auswaschen dann einen Tropfen 3% KOH auf den gefärbten Pilz geben und das Ganze mit Nadeln zerzutzeln. Porlinge sind ja nunmal aufgrund der verwobenen Hyphen sehr fest und alles, was man vorher mit den Nadeln auseinanderzieht, macht einem hinterher das Leben nicht unnötig schwer. Anschließend Deckglas drauf und mit einem Radiergummi ordentlich quetschen und drücken um das Pilzmaterial noch weiter auseinander zu dröseln. Am Ende überschüssige Flüssigkeit absaugen und suchen.


    Björn

    Hallo Olaf,


    hier geht es glaube ich nicht darum, daß man nach Pilzforum(.eu) sucht und Google einen dann hierhin bringt, sondern eher darum, daß man verschiedene pilzverbundene Thematiken mit Google sucht und dann nie Treffer findet, die auf dieses Forum verweisen.


    Björn

    Ich kann mir aber kaum vorstellen, daß sich an der Webseite in letzter Zeit viel geändert haben wird und in der Vergangenheit tauchte das Pilzforum ja durchaus oben in der Googletreffer-Liste auf. Gefühlt ist die Googlesuche in letzter Zeit aber auch tatsächlich deutlich schlechter geworden. Google setzt halt immer mehr auf KI...


    Björn

    Hallo zusammen,


    grundsätzlich teile ich ja die Meinung, daß Qualität sich durchsetzt und daß Leute deshalb auf dieses Forum hier stoßen sollten. Allerdings muß einem auch klar sein, daß es mittlerweile mit Google ein klares Suchmaschinenmonopol gibt. Wenn das Pilzforum dort (aus welchem Grund auch immer) nicht mehr auftaucht, dann werden viele Leute auch nicht mehr hierhin finden. Klar gibt es noch Mund zu Mund Propaganda, aber die setzt ja auch voraus, daß man sich persönlich mit Leuten aus diesem Forum hier austauscht.


    Man kann natürlich auch umgekehrt argumentieren, daß es vielleicht ganz schön ist, daß nicht Hinz und Kunz hier über das Forum herfallen. Denn dadurch bleibt der sehr familiäre und für das heutige Internet so untypische freundliche Umgang miteinander erhalten.


    Björn