Hallo Lukas,
prinzipiell richtig so wie Du es darstellst.
Allerdings sind nicht an jedem Fruchtkörper immer alle Merkmale gleichzeitig zu sehen, schon gar nicht auf Fotos. Da kommt dann eben die Erfahrung ins Spiel, ob ich das Fehlen einzelner Merkmale als Ausschlusskriterium für eine Bestimmung beurteile, oder als Variationsbreite, oder als Darstellungsproblem des Fotos.
Die vergängliche Volva, die als graue Flocken am Stielgrund bleibt sowie die zylindrische Stielbasis und auch die freien Lamellen sind Merkmale, die ich an diesen Bildern nicht sehen kann. Die starke Hutriefung, das Vorhandensein eines Velum universale und der Gesamteindruck genügen mir aber, um das Teil als Scheidenstreifling anzusprechen. Ich kann in diesem Fall auf die anderen wichtigen Merkmale verzichten. Aber das ginge natürlich nicht wenn es um eine Pilzberatung gehen würde. Abgesehen davon, dass der Fruchtkörper eh zu alt wäre, würden mir da die genannten Merkmale fehlen, um SO sicher zu sein, dass ich jemanden den Pilz essen lassen würde. Bilderraten im Forum ist eben doch etwas anderes als eine Essensfreigabe - aber das nur am Rande, denn darum ging's ja auch gar nicht.
Für die Bestimmung als Riesen-Scheidenstreifling genügen mir dann die flockigen grauen Hüllreste auf dem Hut, das hat in dieser Form sonst keiner, höchstens noch Amanita friabilis (Erlen-Scheidenstreifling), der aber extrem selten ist und nur in naturnahen Erlenbruchwäldern vorkommt, kleiner ist und etwas andere Färbung hat.
Ach ja - Disclaimer -
ob es tatsächlich nur einen Riesen-Scheidenstreifling gibt, oder ob Amanita ceciliae, Amanita strangulata und eventuell noch unbeschriebene Taxa hier eine Artengruppe bilden, die sich zwar molekular aber (noch) nicht morphologisch trennen lässt, das weiß der Dachs.
beste Grüße,
Andreas