Andere Lentaria

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 680 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Snowwhite.

  • N'abend,


    angeregt durch den Thread von Felli zu einer Lentaria (Lentaria) und die Diskussion mit Rika und Armin ( UmUlmHerum , Argross ) habe ich eine Lentaria aufgesucht, die makroskopisch ähnlich aussieht. Als ich die vor 4 Jahren, auch Ende Oktober, gefunden hatte, hätte ich die aber in der Ecke Multiclavula verordnet. Das wurde dann relativ schnell klar, dass es eine Lentari sein muss. Einigermaßen schnell wiedergefunden. An umgefallener Esche in einem immerfeuchten Kerbtal eines Bächleins, Esche samt Rinde bemoost.

    Biotop

    Vor Ort


    Chemie

    Den Vorrednern folgend, zunächst KOH 20%, alle Proben sind Äste vom selben Pilz

    nach 7 min

    50 min

    51 min, jetzt noch mit KOH 3% (da gab es sofort eine Umfärbung nach rosa), Essig (kaum benetzend, ohn eFarbreaktion), Alk 50% (→braun)

    65 min

    110 min

    180 min, die Farbveränderung in Alk ist bleibend, der 3% Beleg ist auch trocken und platt


    fertig getrocknet und dunkel&kalt gibt es erst morgen


    Mikros, also erstmal in ganz, um zu schauen wo es welche Sporen gibt - wie man sieht, gibt es diese reichlich, fast überall 4-sporig angeordnet. Man wundert sich, wo dann diese vielen Sporen unterm Deckglas bleiben, nur kein Kontrast?


    damit ist Größe und Form schon relativ klar:

    KR: Sporen 5,5-6-6,5*2,5-3-3,5 µm, Q~2

    BWB, da sind auch nicht mehr Sporen zu sehen

    aber viele schöne Kristalle, die mal Entolomas werden wollten

    Melzers, naja, man kann einige Sporen erahnen


    Schnallen habe ich nicht gesehen, was aber nicht viel zu sagen hat, da ich kaum Stellen gesehen habe, wo man diese zuverlässig erkennen könnte. Ansonsten sieht die der von Felli ziemlich ähnlich.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    schöne Doku, vor allem die erweiterte Chemie mit KOH & CO!

    Dann bin ich mal gespannt, in welcher Farbe Deine Keulchen aus dem Kühlschrank kommen.

    Hier noch ein paar Sporen, Schnallen und Kristalle von meiner Lentaria albovinacea zum Vergleich, alles 800x, Sichtfeld-Ø = 160 µm.


    Herzliche Grüße – Rika





  • Servus Bernd,

    interessant die Farbreaktion, sieht wirklich aus wie bei meiner Kollektion.

    Wie bist du eigentlich auf Essig gekommen?


    Hallo Rika,

    bei deiner Kollektion sehen mir die Sporen leicht größer/ schlanker aus als bei meinem Fund.

    Aber der ist ja nun in guten Händen- mal schauen was raus kommt.


    Grüße

    Felli

  • N'abend,


    Erwartungsgemäß gab es keinen Sporenabwurf, obwohl ich da ein ganzes Bündel abgelegt hatte. Lentaria ist da etwas eigen, trotzdem ist mir nicht klar, wo die bleiben. Lösen die sich auf? Kollabieren die? An den Ästen der zum Abwurf gelegenen Exemplare konnte ich keine Sporen mehr sehen, im Durchlicht/Auflicht.


    Die Kühlschrankprobe (rechts) sah nicht wesentlich anders aus, zum Vergleich ein unbenutztes Exemplar (links) aus der Voratsdose

    nach ca. 2 h

    nach ca. 5 h ist der gekühlte Beleg gewelkt und dunkel

    nun das ganze mit Gefrierfach, links eine neues Exemplar, rechts das Gefrostete

    nach 12 min dunkel und welk


    Dass Lentarias dunkeln bei der Alterung, und dass das möglicherweise auch durch Kälte getriggert wird, hatte ich ja schon bei der anderen Lentaria, hier ganz in der Nähe (die ist jetzt schon ein paar Wochen dunkel und kommt auch im Sommer früher - Lentaria oder so - die muss ich nächstes Jahr mal neu bearbeiten. Die alten Belege lagen gut ein Jahr auf meinem Schreibtisch und blieben im Farbton bei beige-rosa ganz ähnlich wie im frischen Zustand, nur halt deutlich geschrunmpelt). Allerdings erscheint mir die Kühlschranktemperatur dazu zu warm, nichts was man nicht auch so in einer kühleren Herbstnacht hat. Also spielt wohl das Abmachen des Frk. noch eine Rolle.


    Normal, bei Zimmertemperatur getrockneter Frk.

    2 h

    3 h

    17 h


    Jetzt könnte ich höchstens noch nach Schnallen suchen.


    Wie ich auf Essig gekommen bin? Nun, wenn man mit einer Lauge testet, dann kann man auch mit einer Säure testen. Die bei Flechten eher verwendete HNO3 ist ja etwas schwierig erhältlich. Was also liegt näher als die haushaltsübliche, farblose Essigsäure. Es ist mir dabei schon klar, dass bei KOH die Reaktion mit K+ im Vordergrund steht, wie auch die mit NO3-, H+ und OH- sind trotzdem dabei und wirken. Wenn das Fläschchen leer ist, und es mit Essig nie irgendwelche interessanten Effekte gegeben haben sollte, dann kann man das eben verwerfen. Die meisten Chemikalien, wenn nicht alle, in der Mykologie, sind durch Probieren in Umlauf gebracht wurden. Eher nicht aufgrund quantenchemischer Berechnungen :D


    LG, Bernd

  • Die Dicke Hyphen fehlt ja auch noch. Diese bauchige hier erreicht 19 µm dicke am Bauch

    Schnallen

    sieht aus wie ne Schnalle, aber ob da auch eine Septierung ist?

    2 Kandidaten für Schnallen im Bild

    eindeutig


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    hier mal verschiedene Anmerkungen zu Deinen neuesten Resultaten:


    Zu Deinem Link "Lentaria oder so": Lentaria byssiseda kann das durchaus sein (L. a. und L. s. kommen hier nicht in Frage). Sie ist kompakter, nicht so wachsartig-durchscheinend wie L. albovinacea bzw. subcaulescens, deswegen trocknet sie auch anders.


    Zu Deinen aktuellen Tests mit Kälte:

    Um bei L. a. die rosa/violette Verfärbung zu provozieren, braucht es nur Dunkelheit, die Temperatur ist sekundär. Allerdings ist "frosten" im Gefrierschank bei > -18°C eine andere Geschichte, da passieren ganz andere Dinge, z.B. geplatzte Zellen.

    Ich habe mal 2 Deiner Fotos mit Weißabgleich nachbearbeitet – da sehe ich schon jeweils eine rosa/violette Verfärbung an den Astspitzen. Es könnte zwar noch etwas intensiver sein, aber es wird niemals so aussehen wie eine Clavulina amethystina. Diese albovinacea-typische Verfärbung haben bei mir nur ganz frische Frk. gezeigt, bei jedem weiteren Dunkel-Test wurde das Ergebnis schwächer.

    Auf Deinem Bild mit den vielen Frk. habe ich mit einem blauen Punkt einen Frk. markiert, der eventuell auch etwas rosa-violett sein könnte. Was für eine Behandlung war das? Und siehst Du das auf Deinem Originalbild vielleicht etwas besser?


    Tja, mehr kann ich dazu auch nicht sagen...


    Viele Grüße – Rika



  • Hallo Rika, das war das Stück mti KOH 3%, nachdem dieses schon wieder getrocknet war, etwa 60 min nachdem das KOH draufgegeben wurde. Das hatte recht schnell einen rosa bis ganz leicht violetten Ton (falls das keine Einbildung war). Zur Dunkelheit, die Belege in der Dose waren ja auf dem Transport auch dunkel, auch wenn das nur eine Stunde war. Wie schnell soll denn die Rückverfärbung erfolgen, nachdem sie aus der Dunkelheit ans Licht kommen, damit man sie anschauen und fotografieren kann? Mit den Farbtönen tue ich mich aber schwer, so richtig deutlich war da nichts und die Fotos unterm Kunstlicht, denen ich extra ein weißes Papier untergelegt hab, sind da auch nicht so aussagekräftig. Was ich sicher sagen kann, ist, dass die Belege ihre weiße Farbe verlieren und eher transparent werden - und transparente Objekte haben ja nochmal mehr Optionen für Färbungen, Absorption, Reflexion, Transmission ...


    Auf dem Bild sind links und rechts unbehandelte Exemplare. Dazwischen, von links Alk 50%, Essig 9% und KOH 3%, diese 3 gleichzeitig mit gleichartiger Pipette einen Tropfen zugegeben, rechts daneben KOH 20%, die 50 min früher mit den Tupfern, wie Andreas sie liefert, beträufelt wurde - da finde ich die Dosierung etwas, nunja, stochastisch.


    Ich bin mit dem Material jetzt durch, falls Interesse besteht, es sind einige luftgetrocknete Exemplare übrig. Eins ist sogar noch in der Dose.


    Ich könnte höchstens das verbleibende Exemplar bei Tageslicht nochmal mit KOH 3% malträtieren und zum Farbabgleich geeignete Euro-Scheine dazulegen.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich habe die Frk. immer über Nacht im Kühlschrank gehabt, auf feuchtem Moos in einem Schälchen ohne Deckel.

    Diese Verfärbung mit KOH 3% wäre also recht ähnlich wie die von Felli – interessant!

    Wenn Du noch mal Bilder mit KOH 3% machen willst, dann ist weißen Papier eigentlich das Beste – dann in der Software einen Weißabgleich und gut.


    Viele Grüße – Rika

  • N'abend,


    der letzte unverbrauchte Beleg lag nun 2 Tage in einer transparenten Filmdose auf dem Schreibtisch. Nicht hell, aber auch nicht dunkel. Bei Entnahme war der teils deutlich gefärbt, die Färbung besteht jetzt immer noch.


    LG, Bernd

  • Hi Rebecca,

    lange nix von Dir gehört...


    Das mit dem Violett-Werden in Dunkelheit wird L. albovinacea zugeschrieben, ja. Daher auch der wissenschaftliche Name. Bei den Funden von mir und Armin war es jedenfalls so, und die Sequenzierung hat es (im Rahmen der noch nicht durchsequenzierten Gattung) auch bestätigt. Wir wissen aber noch nicht, ob L. subcaulescens was eigenes ist oder vielleicht eine nicht-violett-werdende L. albovinacea-Variante.


    Herzliche Grüße – Rika

  • Danke Rika.
    Ich habe ein paar Hobbies dazu bekommen und das Jahr war ohnehin wegen Trockenheit uninteressant.
    Seit der Münchner Ausstellung bin ich unterwegs und die letzten Wochen einige Seltenheiten gefunden, die in der Österr. Datenbank hinterlegt sind.
    Das geht schnell in der Datenbank.
    Dieser Lentaria hatte ich erst falsch als Tremellodendropsis untersucht. Irmgard brachte mich auf Lentaria. Euer Diskussion war der Schlüssel.
    Dann habe ich gelernt wie wichtig es ist, kein geflocktes KOH zu haben....
    Ich bemühe mich um mehr Mikrobilder aber selbst mit klarem KOH und KR, immer noch frustrierend. Gestern ein zweiter Versuch mit Sporenabwurf.
    Der Pilz ist jetzt bestimmt und der Rest ist nur "Spaß". ^^

    Bergige Grüße!
    -Rebecca