Einige Flechten in der Toskana

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  • Liebe Flechteninteressierte,

    ich möchte euch einige wenige Funde aus der Toskana vorstellen, die ich dort im Mai machen konnte. Da es für mich alles Erstfunde sind, freue ich mich natürlich über Kommentare.


    (I)

    Ich beginne mit einer schwierigen Diploschistes. Fundort war ein Gesteinsaufschluss an einem Hohlweg. Schwierig, da sie nicht eindeutig auf Moos/Flechten oder eindeutig auf reinem Fels wächst. Das Gestein dort ist überwiegend silikatisch, sodass ich zunächst von D. scruposus ausgegangen bin. Offenbar gibt es dort aber auch Kalkadern im Gestein und an einigen Stellen scheint es, dass diese Flechte epiphytisch wächst, sodass ich mittlerweile doch D. muscorum vermute. U.a. C. symphycarpa könnte ein Wirt sein.




    Hier in Nachbarschaft zu Cladonia symphycarpa





    K Reaktion: erst gelblich, dann rasch rotbraun. Die Rx scheint leider kein valides Trennkriterium bei Diploschistes zu sein.




    (II)

    An einer Hafenmole fand ich auf Kunststein diese adrette "Schriftflechte" i.w. S. (nicht verwandt mit Graphis). Es handelt sich um Arthonia calcarea, eine Flechte, die auch gelegentliche Salzwassergischt erträgt.







    Von dort startete ich eine kleine Wanderung zu einem Kap. Dort fand ich auf einem ins Meer ragenden Felsen eine bunte Vielfalt von halotoleranten maritimen Flechten.


    Als erstes fallen natürlich die bizarren Strauchflechten der Gattung Roccella auf. Im Altertum waren diese Flechten gesuchte Rohstoffe für den roten Farbstoff Orseille (Orcein). Sie wachsten auf Vertikalflächen von wassernahen Felsen, die zumindest zeitweise Meeresgischt abbekommen.


    (III)

    Aufgrund der überwiegend rundlichen Arme und blaugrünen Farbe handelt es sich hier um Rocella phycopsis.







    C+ rot




    (IV)

    In etwas geschützterer Lage fand sich eine Flechte, die mich stark an Squamarina cartilaginea erinnert hat.

    Ist es aber nicht ;) es ist natürlich ebenfalls eine halotolerante Art: Solenospora holophaea.

    Dazwischen die am Meer allgegenwärtige Xanthoria aureola und Buellia subdisciformis.



    trocken


    feucht




    IKI



    (V)

    Dann gab es noch eine unscheinbare Flechte mit schwarzen Apothecien. Sowas ist ja gerne mal Tephromela atra- aber hier war ich aufgrund des Standorts gespannt was die Mikroskopie ergibt. Und siehe da, diesmal wars eine Rinodina, aufgrund C-K- wohl gennarii.





    (VI)

    Zum Schluss noch ein Fund einer Krustenflechte von einer Wanderung auf einen kleinen küstennahen Berg (sicher ohne Salzeinfluss;)

    Der Untergrund silikatisch (getestet). Sonnen und Wind-exponier auf Vertikalfläche. Mit dieser Flechte habe ich mich wirklich lange herumgeschlagen. Sporen fand ich nicht. Dafür eigenartige schwarze Strukturen, deren Identität ich bisher noch nicht klären konnte.

    Makroskopisch und vom Standort her passt Pertuaria rupicola forma coralloidea sehr gut, siehe hier.

    Allerdings sollte sie C+ und P- negativ sein. Sie reagiert aber C negativ und K sowie P+ (gelb-gelborange), was über Italic zu Lepra (corallina) führt, die makroskopisch aber doch anders daher kommt. Ich schrieb also Alain Gerault an, der sie am ehesten für eine mediterrane Form von Lepra corallina hält.





    K


    P


    C


    Querschnitt


    Phtobiont chloroccoid


    leider keine Sporen


    unbekannte Strukturen, Parasit?




    Falls jemand von euch dazu noch was einfällt- ich bin für Hinweise dankbar.


    So das wars, ich hoffe es war was für euch dabei,

    viele Grüße, Ingo










































































    Kennt jemand noch die hidden Tracks auf den alten Scheiben? ;D


    unbestimmte aber dekorative Flechte auf einem Felsen an der Hafenmole

  • Hallo Ingo,


    vielen Dank für den schönen, kleinen Rundgang durch Flechten Elbas.

    Da bekomme ich direkt Lust auch mal wieder loszuziehen nach längerer Pause.


    Es freut mich, dass du die mediterrane Lepra noch bestimmen konntest!


    Mich beeindruckt insbesondere die Solenospora - die Gattung ist mir bis dato fremd.

    Offenbar gibt es eine verwandte Art auf der Fränkischen Alb (S. candicans, lt. Italic Placolecania candicans) auf Dolomit im Trockenrasen.

    Vielleicht bist du schon daran vorbei gegangen, sie ähnelt auch manchem Foto bei flüchtigem Blick einer stark breiften Toninia oder Diplotomma. Also Augen offen halten!


    LG, Martin



    P.S. "Was sind denn bitte schön hidden Tracks auf alten Scheiben?

  • Hallo Ingo, wie interessant wieder!

    Ich bin gern mitgegangen.Mir gefällt auch die Solenospora besonders gut! Mal schauen, was ich hier an der Ostsee so seh ;)

    KaMaMa ich glaube hidddn tracks hat was mit Schallplatten zu tun, vielleicht so was wie wenn beim Film nach m Abspann noch was kommt? :/

    LG Hilmi

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (PC 100 - 10 (fürs APR 2020) = 90 - 15 (APR 21) = 75-10 (APR22) = 65 + 7 (APR 22 Auflösung) - 5 (Rätsel-Gedicht)= 67 - 10 (APR 23) = 57 + 5 Gnanzierung = 62 - 10 (Ast-Wette gegen Björn) = 52 - 10 (APR 24)- 1 (legaler Bestechungsversuch im Vorfeld des APR zugunsten GI)= 41 + 21 (Thorwulf Spende)= 62 + 38 (Hannes2 Spende) = 100 PC :gbravo: + 3 Gnolmengastfreundlich = 103-15 (APR 25) = 88+ 1 Nannettenrätsel=89 + 3 Jammerei auf hohem SchwarzhexxNiveau = 92+ 3 (Platz 20 APR25)=95

  • Hallo Martin, ja hat sich alles ein bisschen gezogen.. aber das schöne ist ja, dass man sich mit den Flechten Zeit lassen kann ;)

    Danke für den Hinweis auf S. candicans. Die ist allerdings so unauffällig im Vergleich, dass sie wohl deutlich schwerer zu entdecken sein wird.

    Zu den Hidden Tracks - ja Hilmi, genau, manche Bands haben auf ihren Alben nach dem letzten Stück noch eine Zugabe versteckt, die man nur entdeckt hat wenn man die LP/CD noch ein paar Minuten weiterlaufen hat lassen. Dann ging plötzlich wieder was los. Das haben viele Grunge Bands gerne gemacht, aber auch schon Pink Floyd oder The Clash vorher.

    Lieben Gruß,

    Ingo