Es tut sich was im Auenwald - aber nur dort

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  • Liebe Pilzmenschen


    Nach wirklich langer Dürre hats hier im Schweizer Mittelland wohl mindestens 70 mm geregnet in den letzten 14 Tagen. Zeit mal nachzusehen im Wald! Letztes Wochenende war noch die grosse Leere. Heute hatte unser Pilzverein eine Exkursion angekündigt. Wir waren etwas nervös...


    Und es gab dann in dem Mischwald mit viel Fichten auch nicht wirklich was:

    1)

    Egal, erzählen konnte unser Pilzkontrolleur auch dazu so einiges... nur Speisepilze waren kaum darunter: einige Wiesenchampignons und ja tatsächlich, ein paar Fichtenzapfenrüblinge. Alles Saprobionten mit Ausnahme des Mehltaus. Kein einziger Mykorrhizapilz!


    Ich wollte es nach diesem nicht so erspriesslichen Resultat jedoch wissen und fuhr mit dem Velo ins feuchteste Gebiet in der Nähe. Ein kleines Bachtal mit einigen sumpfigen Bereichen. Und tatsächlich: Schon am Wegrand leuchtete mich etwas an:

    2)

    Meine Freude war grösser als die meiner Handykamera. Einige Amethystschuppige Pfifferlinge Cantharellus amethysteus lugten ziemlich verdreckt aus der Erde. Das sind die die absoluten Standardpfifferlinge hier. Aber das sind die ersten, die ich diese Saison zu Gesicht bekommen habe!


    Weiter gings da und dort mit Mehlräslingen Clitopilus prunulus:

    3)

    Der wohl unfotogenste Grosspilz: häufig spiegeln sie und dieses grelle Weiss ist zu viel für mein Handy.


    Eine Freude fürs Auge sind immer wieder diese versteckten Eier hinter den Bäumen:

    4)

    Oder auch die ausgebreitete Version davon:

    5)

    Wurzelnde Bitterröhrlinge Caloboletus radicans gabs da und dort. Das ist der einzige Röhrling, den ich in den letzten Wochen ab und zu an einem Wegrand in unmittelbarer Gewässernähe gesehen hab. Die wachsen halt oft nicht unbedingt dort, wo man nach Pilzen sucht.


    Vereinzelt gabs frische Lungenseitlinge Pleurotus pulmonarius (an recht frischem Totholz):

    6)

    Aber der Pilz des Tages, der immer wieder an einem komplett vermoderten Baumstamm auftauchte, war der Ohrförmige Seitling Phyllotus porrigens:

    7)


    8)

    Den hatte ich zuvor noch ganz selten gesehen, aber jetzt hat er definitiv Saison!


    Oh, was schaut denn da für eine Kleiner aus dem schlammigen Boden?

    9)

    Das wird bald ein prächtiger Netzstieliger Hexenröhrling Suillellus luridus (denn die stehen sonst oft an dem Platz). Es begegnete mir kurz darauf noch ein zweiter, der bereits eindeutiger aussah.


    Nun betrat ich den deutlich feuchtesten meiner Steinpilzplätze. Es wird ja jetzt wohl keine...

    10)

    Oh, doch! Es gibt sie noch!! Wer hätte das gedacht? Ich glaubte, die seien in diesem Sommer nur oberhalb 1500 m zu finden.

    Leider war die Freude schnell vorbei:

    11)

    Ein zweiter in ähnlich prächtiger Grösse und Festigkeit war zu zwei Dritteln von den Schnecken aufgefressen und sein Innenleben war mit dem ersten identisch.


    Oh, was für ein stattlicher Mehlräsling da drüben...

    12)


    13)

    Nein, welch eine Freude: Ein Fransiger Wulstling Amanita strobiliformis direkt an einem Bächlein! Das ist erst mein Zweitfund.


    Also wenn es hier Röhrlinge und Amaniten gibt, dann müssten unter den Erlen da eigentlich auch diese da wieder zu finden sein:

    15)

    In der Tat. Eher rar, an dem Platz sehr zuverlässig: Gyrodon lividus, der Erlengrübling!


    Und upps, da drüben wartet doch tatsächlich noch der Sensemann in Grün:

    16)

    In bescheidener Grösse zwar, aber doch ein vollwertiger Grüner Knollenblätterpilz Amanita phalloides (meine Handykamera glaubt nicht, dass er grün war, doch er wars, ich kanns bezeugen:-)


    Hmmmm, plötzlich doch ganz viele Mykorrhizapilze... dann schau ich doch noch kurz, ob die Espenrotkappen Leccinum leucopodium aufgewacht sind.

    17)

    Tatsächlich, sie gucken schon raus! Ich lass ihnen noch zwei Tage:-) (am liebsten hätt ich Schneckenkörner gestreut...)


    Tja, Hoffnung keimt auf! Es brauchte zwar wirklich sehr bachnahe, meist sumpfige Waldbereiche für alle Pilze ausser die Eierschwämme und die Mehlräslinge, aber immerhin dort spriessen so einige Klassiker endlich aus dem Boden. Es ist eine wahre Freude!


    Aber wo sind die ganzen Täublinge, die sonst den Waldboden zuverlässig bedecken? Warum traf ich an den bekannten Stellen in dem Gebiet keine Hainbuchen-Raufüsse? Die Sommersteinpilz- und die Satansröhrlingsstellen waren alle noch leer. Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen passiert; einerseits am Himmel - aber noch vielmehr unter dem Boden.


    Solltet ihr Fehler finden, so korrigiert mich bitte. Ein paar Fragen hab ich auch noch, die stelle ich noch separat. Ich hoffe, meine Zeitreise in die frühere Normalität hat euch gefallen!


    Liebi Grüess und viel Geduld euch allen

    Andreas

  • Hi Andreas,


    schöner Bericht!


    Ich war die Tage auch mehrmals in meinen Auwäldern und kann bestätigen, dass es so gut wie keine Mykorrhiza-Pilze gab (ein paar Sclerodermas und ein einziger Lactarius controversus - sonst nix!) gab. Ich habe dieses Jahr glaube ich noch nicht mal einen ollen Krempling gesehen.


    Aber immerhin kamen einige Saprobionten - schön mal wieder was anderes als nur Phytos zu finden. :)

    Wiesenchampignons und Wiesenstäublinge schieben auf den Freiflächen auch gerade arg.


    Deine Nummer 9 könnte vielleicht auch Suillellus mendax werden wollen, aber ohne Gewähr. Und bei deinen Ohrförmigen Seitlingen würde ich eher Stummelfüßchen vermuten - das gallertfleischige futtert hier bei mir jedenfalls gerade ordentlich Totholz.


    LG,

    Schupfi

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  • Lieber Schupfi

    Merci für deine Reaktion! Hm, mit den Stummelfüsschen verunsicherst du mich jetzt. So genau hab ich mir ehrlich gesagt nicht alle angeschaut. Am Strunk könntest du recht haben. Die waren wirklich klein. Aber die anderen? Ich hab hier noch ein paar Fotos. Was meinst du dazu?

    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    das sieht doch super aus. Von solchen Funden kann ich derzeit nur träumen. Hier schwirren fast nur Champis und Boviste herum.

    Deine Nummer 9 könnte vielleicht auch Suillellus mendax werden wollen

    Das glaube ich nicht. Da fehlt mir dieses eigenartige Rot auf der Huthaut das der zumindest bei mir immer hat.


    VG Jörg

  • Hallo Andreas,


    danke für's Zeigen und Mitnehmen!


    Da habt ihr doch tolle Funde gemacht. Einer steht auf meiner Wunschliste, Gyrodon lividus, der Erlengrübling.


    Hier geht's auch ganz langsam los mit Pilzen. Hoffentlich kommt morgen noch etwas Regen, es sind ein paar Liter angesagt.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Andreas

    Toller Bericht, ja wir haben so ziemlich etwa das gleiche gefunden auf unseren Exkursion. Ich sehe auch keine Ohrförmige Seitling (Pleurocybella porrigens) bei deinen weiteren Bilder kann man die braune Sporenfarbe bereits erahnen. Ich bin auch bei einer Crepidotus sp. Art.

    In höheren Lagen kann man durchaus, viele schöne Funde machen. LG Andy

  • Danke für eure Feedbacks!


    Schupfnudel

    CH-Andy

    Zu den Stummelfüsschen/Ohrförmigen Seitlingen: Ich habe von zwei Exemplaren versucht Sporenpulverabdrucke zu machen. Es kam sehr wenig... aber was kam, war weisslich. Gallertartig und gummiartig dehnbar sind die Exemplare auch nicht. Das spräche für Ohrförmige Seitlinge.

    Ich versuche gelegentlich, noch einen besseren Sporenpulverabdruck hinzubekommen.

    Das sind die zwei Hauptkriterien fürs Auseinanderhalten, oder? Falls man das aufgrund der Lamellen tun könnte: Oben stehen ja mittlerweile Detailfotos.


    Merci für alle weiteren Hinweise!


    LG Andreas

  • Tja, ihr hattet wohl recht - wie meistens:

    Das ist wohl eher braun als weiss:-)

    Stummelfüsschen also.

    Ich muss dringend lernen, was mit "gallertartig und gummiartig" in Bezug auf Stummelfüsschen gemeint ist. Die Begriffe sind mir ja eigentlich klar, passen nach meinem Tastsinn jedoch nicht auf diese Pilze...

    LG Andreas