Pfingstexkursion im östlichen Rhön-Randgebiet

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 658 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Maronisto.

  • Die Rhön war vor Jahrzehnten ein Pflanzen-, insbesondere Orchideen-Paradies.

    Deshalb waren wir voller Hoffnung, im Gebiet um Herpf-Melkers über Pfingsten einiges an schönen Funden zu machen. Aber weit gefehlt. Ungeachtet der überwiegenden Intensiv-Wirtschaftsgrünländer und -äcker waren dutzendweise nur verfilzte Halbtrockenrasen zu finden gewesen, die von Schlehe, Wolligem Schneeball, Weißdorn und, und, und .....in Besitz genommen werden. Und dann überall die sinnentleerten Propagandalehrtafeln der Biosphärenreservatsverwaltung. Jedenfalls fanden wir dort in 3 Tagen kein einziges Exemplar einer Offenland-Orchideenart. Nur in einem Waldstück und an einigen Waldrändern wurden wir fündig - überwiegend Bleiches Waldvögelein und Großes Zweiblatt. Von unserem Fund des Langblättrigen Waldvögeleins zeige ich hier allerdings kein Foto.

    Im Übrigen war auch pilzmäßig nichts los.

    Augenfällig war das Kneipen-Sterben. In einem Gasthof der früher zur Sorte "gut bürgerlich" gehört haben dürfte, gab es zwar keine regionalen Gerichte wie z.B. Rhönschaft-Braten, dafür aber u.a. Pizza in Hülle und Fülle.

  • Hallo,


    ja, so ist das nun mal. Was bin ich froh, bereits vor vielen Jahren viel gesehen zu haben.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Kauz,

    all diese Beobachtungen, die ich bestätigen kann (für mich ist die Rhön nur eine knappe Stunde entfernt), sind m. E. leider nicht auf die Rhön beschränkt, sondern verallgemeinerbar. Ich kenne die Orte und finde die Naturschönheiten meiner Kindheit nicht wieder, wenn ich heute hinfahre. Ein einziges Trauerspiel! Wie Steffen sagt, bin auch ich froh, das alles noch gesehen zu haben, und wie bedaure ich die junge Generation, die dies nicht mehr erleben kann und wird. Aber vielleicht vermissen diese es gar nicht, zum einen, weil sie nicht darum wissen, zum andern, weil sie in digitalen Welten leben, die sie vielleicht ähnlich erfüllen, wie für mich und viele meiner Altersgenossen dies die Natur getan hat.

    Nostalgische Grüße, Rainer

  • Auf der Rückreise wollte ich meiner Frau zur Hebung der Stimmung das Flächennaturdenkmal "Burglehne" am Nordrand von Gräfenroda zeigen, das mir vom inzwischen verstorbenen Sachgebietsleiter Naturschutz des Ilm-Kreises vor 10 Jahren voller Stolz präsentiert worden war. Hunderte Orchideenexemplare mehrerer Arten waren aufgrund der Verbuschung auf ca. 10-20 Ex. zusammengeschrumpft. Die haben es nicht mehr im Griff, und zudem fehlt es für die Landschaftspflege an Geld und Personal.

  • Auf der Rückreise wollte ich meiner Frau zur Hebung der Stimmung das Flächennaturdenkmal "Burglehne" am Nordrand von Gräfenroda zeigen, das mir vom inzwischen verstorbenen Sachgebietsleiter Naturschutz des Ilm-Kreises vor 10 Jahren voller Stolz präsentiert worden war. Hunderte Orchideenexemplare mehrerer Arten waren aufgrund der Verbuschung auf ca. 10-20 Ex. zusammengeschrumpft. Die haben es nicht mehr im Griff, und zudem fehlt es für die Landschaftspflege an Geld und Personal.

    Hallo,


    ich hoffe, ihr wart in Gräfenroda in der dortigen Eisdiele. Das ist Thüringens zweitbeste Eisdiele, laut Umfrage. Ich war dort schon oft, da ist alles sehr lecker. Und einen super Flammkuchen haben die auch.

    In Gräfenroda wurde auch der Gartenzwerg erfunden; Museum vor Ort.


    Und einen Katzensprung weit weg in Geraberg ist das Thermo- & Barometer-Museum. Wer sich halbwegs für die Sache interessiert – der muss da hin. Ich hatte das Glück, dort vor Ort die Frau als „Aufseherin“ zu haben, welche zu DDR-Zeiten die Idee zu einem kontaktlosen Thermometer hatte. Diese Art Thermometer wurde also in der DDR in Thüringen geboren und war Weltspitze.

    Was in diesem Museum zu sehen ist, das ist unglaublich. Was mir bis dato auch nicht bewusst war, ist, dass zum Beispiel jedes Thermometer eine Einzelanfertigung ist; die Skala.


    Orchideen-Flächen: Ich war einmal in Thüringen und traf Leute, welche händisch Schlehengestrüpp entfernt haben. Ich suchte Pilze. Zwei Mann und ein riesiges Gebiet. Das waren Männer von einem Orchideen-Verein. Die meinten: Wenn wir nicht versuchen würden, das Schlehengestrüpp etwas im Zaum zu halten, wäre in 2, 3 Jahren alles zugewachsen. Die waren sich jedoch bewusst, dass sie das allein nicht schaffen können …

    Jetzt ist die gute Frage: Wer soll die Flächen freihalten? Dazu würde es deutlich mehr Personal bedürfen. Und ehrenamtlich oder gänzlich kostenfrei kann das keiner leisten. Es bräuchte Arbeitskräfte, welche wir nicht haben, und Gelder, welche wir auch nicht haben. Und das wäre auch Handarbeit; das will gleich gar keiner mehr machen. Und es bräuchte ein Naturbewusstsein bei jungen Leuten und Kindern. Auch das sehe ich, von Ausnahmen abgesehen, schwinden.

    Na ja, was soll's, ich werde es nicht ändern können.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Ach, beides gibt es schon. Das alte Klagelied ist dem eher geringen Stellenwert von Landschafts- und Naturschutz geschuldet ("soft skills"). Der Vereinsschwerpunkt von früher ist spätestens seit der nächsten unsinnigen Verwaltungsregelflut gedrosselt. Da verändert sich die Kultur natürlich mit...