Hallo in die Runde,
seit Jahrzehnten hatte ich den Wunsch, den in Deutschland vorkommenden Gelben Frauenschuh (Cypripedium calceolus) einmal live zu sehen.
Corne war vor ein paar Tagen bereits an einem Standort und hat
Als dann am Montag auch noch ideales Wetter war, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes alles stehen und liegen gelassen und bin ins Nachbarland Thüringen gedüst.
Schon am Parkplatz wurde mir klar, dass ich hier richtig bin: Kennzeichen aus Dresden, Magdeburg, Erfurt, Apolda – gefühlt die halbe Republik war vertreten. Und das an einem Montagmorgen gegen 9 Uhr! Als ich mittags zurückkam, waren es sogar noch deutlich mehr Fahrzeuge.
Die große Kamera habe ich bewusst zu Hause gelassen – für solche Motive leistet das Smartphone ja mittlerweile auch gute Dienste.
Im Habitat angekommen, traf ich auf vier ältere Leute – Einheimische und die Dresdner. Schnell kamen wir ins Gespräch, und das erwies sich als äußerst interessant. Ich konnte einiges über die Orchideen und die Entwicklung des Gebietes erfahren. Einer erzählte, dass er als Kind noch ganze Sträuße von Frauenschuhen mit nach Hause gebracht hat und der Wald früher voll damit stand. Heute ist das leider nicht mehr so – aber dazu gleich mehr.
Gleich zu Beginn begegnete uns die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), eine mykoheterotrophe Orchidee. Wer mag, kann dazu
Außerdem waren ständig verschiedene Formen des Purpur-Knabenkrauts (Orchis purpurea) zu sehen.
In unserer kleinen Gruppe gab es zwei „Erstlinge“ im Hinblick auf den Frauenschuh – einer davon war ich. Und tatsächlich entdeckte ich gleich zu Beginn eine einzelne Pflanze, vermutlich dieselbe, die auch Corne gesehen hatte. Wenig später folgten weitere Pflanzen am Hang, einige Meter entfernt. Meine Begleiter beruhigten mich jedoch: „Da musst du nicht extra hoch – es kommen noch welche direkt am Weg. Viel besser zum Fotografieren.“
Und tatsächlich: Es folgten prächtige Gruppen des Gelben Frauenschuhs – ein absoluter Traum!
Was uns dabei auffiel: Die Frauenschuhe wuchsen ausschließlich dort, wo das Gestrüpp entfernt worden war. Das alte Material war hangaufwärts an den Bäumen aufgeschichtet – ein deutlicher Hinweis auf Pflegemaßnahmen.
Man erklärte mir, dass das Gebiet früher dem NABU gehörte und später an eine Privatperson verkauft wurde. Offenbar war das große Areal für den NABU nur schwer zu pflegen – zumindest war das unsere Vermutung.
Einig waren wir uns aber in einem Punkt: Nur wenn das Gestrüpp und der Unterwuchs regelmäßig zurückgedrängt werden, haben die Orchideen dort auch weiterhin eine Chance. Es darf die Frage gestellt werden, ob der Eingriff in die Natur gerechtfertigt ist oder man ihr freien Lauf lassen sollte.
Auf unserer Tour konnten wir viele beeindruckende, teils große Bestände des Gelben Frauenschuhs entdecken. Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können – die Pflanzen standen in voller Blüte; Idealzustand.
Erfreulich war auch: Wir konnten keine beschädigten oder abgerissenen Pflanzen entdecken. Es scheint also zu funktionieren, dass Besucher respektvoll mit dem Bestand umgehen. Klar, einige haben verbotenerweise den Weg verlassen und vor einigen besonders schönen Gruppen sind Gebetsteppiche entstanden … Aber das ist eben mal so.
Auszug aus dem
Die Pflanze lebt mit einem Pilz der Gattung Rhizoctonia in Symbiose. Die Ernährung erfolgt jahrelang über diesen Pilz, bevor das erste grüne Blatt nach etwa vier Jahren angelegt wird. Bis zur Blühreife können 16 Jahre vergehen.
Auf dem Rückweg begegneten mir schließlich noch große Bestände des Wiesensalbeis (Salvia pratensis) sowie ein Riesen-Buschwindröschen.
Ich hätte dort noch viel länger verweilen können – aber leider war die Zeit begrenzt.
Das war’s für heute,
viele Grüße,
Steffen
