Lindtneria leucobryophila (Syn.panphyliensis)

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  • Hallo zusammen,

    Lindtneria, eine für mich neue Gattung, mit gleichzeitig stark warzigen aber auch glatten Sporen in derselben Art.

    20.04.26 St. Wendel (neu für Saarl.?) an Laubholzast.


    Anhand der Dokumentation von Elia Martini in aphyllo.net ist es

    Lindtneria leucobryophila (Henn.) Jülich (1977), der L. panphyliensis Bernicchia&Larsen (1990) als Synonym aufführt.

    Fundbeschreibung:

    Frkp auf bodenliegendem Laubholzast mit Moos, frisch leuchtend gelb- schwefelgelb (nicht weißcreme), dünn, weichhäutig, weichwarzig- odontoid bis schwach kleinstachelig (kaum glatt), schwach filzig und leicht vom Substrat zu lösen.Mit bräunlichen Rhizomorphen, Subikulum spinnwebartig.

    Zur Farbewiedergabe: Mein Smartphone brachte den gelben Farbton nicht richtig rüber, so dass ich korrigieren musste, wie man unschwer sieht. Trotzdem fehlt hier noch etwas an dem richtig leuchtenden Schwefelgelb des Frkp. (Exsikkat bleibt gelb).





    Mikro:

    Sporen 6,6-8,5(10)x3,5-4,5(5) µm, cyanophil, elliptisch bis schmalelliptisch, von unregelmäßig grobwarzig stachelig, schwach gratig bis nur rau oder auch glatt.

    In den Rhizomorphen gelegentlich große wurstförmige, aber auch kugelige blasige Zellen (siehe Fotos).

    Basidien mit klein-bis großkörnigem cyanophilen Inhalt, mit Schnallen

    Hyphen mit Schnallen hyalin, dünnwandig 3-8 µm, wobei ich subhymenialen und subikulären Hyphen nicht eindeutig zuordnen konnte (> siehe Mikrofotos u.a. mit dem spinnwebenartigen Subiculum)






    Zu Synonym L. panphyliensis

    Über den Artrang scheint es in Fachkreisen verschiedene Meinungen zu geben.

    Wenn Merkmale (> aus Internet-Dokus) wie:

    weißlich bis cremefarbene Frkp, alt meruloid bis porig, gleichmäßig feinwarzige Sporen ohne Grate, für L. leucobryophila sprechen, wäre mein Fund eigentlich L. panphyliensis zuzuordnen. Eine einheitliche klare Trennung über Hyphen konnte ich bei Bernicchia oder auch im Schlüssel von Alick Henrici nicht ersehen. Ist die variable Artauffassung, wie aufgeführt bei Pi.-Deutschland.de, der aktuelle Stand oder gibt es etwas Neues dazu?

    Vielleicht kann Frank Dämmrich zu diesem Thema etwas sagen.

    Übrigens gibt es seit paar Tagen den 2ten Band von Corticioid fungi of Europe, von KH Larsson & Leif Ryvarden, der auch Lindtneria beinhalten müsste. Wäre interessant zu wissen, wie dort die beiden „Arten“ abgehandelt werden. Vielleicht hat schon jemand Zugriff auf den Band? :/


    Gruß Armin

  • Servus Armin,


    Lindtneria trachyspora ist bei mir gar nicht so selten, nur wächst die gerne unterirdisch. Lindtneria leucobryophila habe ich selbst erst einmal aufgesammelt – im Rahmen eines Kartierungsprojekts, bei dem ich alles, was corticioid war, mitgenommen habe. Der Fruchtkörper war bei der Aufsammlung blasser, nur schwach creme und die Sporen waren breiter. Ich würde der Ausprägung der Pigmentation aber nicht zu viel Gewicht geben.


    Ich wäre, ohne die Kollektion von dir selbst in Händen gehabt zu haben, gemäß des Artikels von Fraiture: https://www.researchgate.net/p…opsis_du_genre_Lindtneria

    wegen der Schnallen an der Basidienbasis bei Lindtneria leucobryophila oder L. flava. Fraiture unterscheidet diese beiden Arten anhand des Länge-Breite-Quotienten der reifen Basidien (und L. flava hat wohl etwas breitere Sporen). Ich würde mich nicht wundern, wenn da dann L. leucobryophila s.str. bei rauskäme.


    Hier gibt es eine Phylogenie von Lindtneria, aber ich komme leider nicht an die beiden Paper ran: https://phytotaxa.mapress.com/…le/view/phytotaxa.712.3.6 und https://phytotaxa.mapress.com/…le/view/phytotaxa.710.2.5


    Lindtneria ist eine spannende Gattung, nah mit Stephanospora verwandt (Stephanosporaceae, Russulales). Bei Lindtneria trachyspora habe ich nach Ektomykorrhizen gegraben (bzw. Prof. Agerer, der hat die Proben untersucht), aber leider kam bei zwei Stichproben nichts heraus (was nichts heißen muss). Ektomykorrhiza ist auf alle Fälle eine nicht außer Acht zu lassende, mögliche Ernährungsform.


    Ich würde an deiner Stelle nochmal Basidien messen und dann mit dem Schlüssel von Fraiture vergleichen.


    Toll finde ich, wie du die Rhizomorphen angeschaut hast (machen viel zu wenige). ich selber mikroskopiere da (bzw. generell) lieber in Wasser, ohne zu färben, da ich den Lebendzustand sehen möchte. Dass Zystiden an Rhizomorphen auftreten, ist nicht ungewöhnlich, sie werden nur kaum wo beschrieben. Die großlumigen Hyphen in den Rhizomorphen dienen dem Wasser- und Stofftransport.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    danke für deine Ausführungen.

    Über Bernicchia bin ich in die Gattung Lindtneria eingestiegen und hier passten die 5-6ym breiten, schwach ornamentierten Sporen von flava nicht zu meinem Bild, wie aber auch nicht die abgebildeten Sporen zu L.leucobryophila.

    L. panphylienis kommt da gut hin genau wie auch bei bei Elia Martini, allerdings synonymisiert mit L. leucobryophila.

    Danke für den Link👍, Fraiture kannte ich nicht, solch ein Abhandlung habe ich gesucht. Ich werde mir das in Ruhe anschauen und evtl. nochmals gezielt mikroskopieren (..Basidien etc). An die anderen Paper komme ich leider auch nicht.


    Und ja, ich übertreibe es manchmal mit der Farbe. Bei den Cortis ist das oft nicht so schlimm, bei den Ascos wäre es eine No-Go. Versuche mich zu bessern🫡

    Gruß Armin

  • Kurzes Zwischenergebnis:

    Vermessen habe ich noch nichts aber,

    ....mir ist aufgefallen, dass beim Artikel von Fraiture L. panphyliensis ohne Schnallen geschlüsselt wird und bei Bernicchia eindeutig mit Schnallen, was auch bei Fraiture erwähnt wird. Hhm, Wat nu ??


    Ich habe eindeutig Schnallen an den Basidien (siehe Mikrofoto), dann wäre L. panphylieniss schon mal raus (nach Fraiture)? 🤔

    Gruß Armin

  • Hallo Armin,


    in der Originalbeschreibung ist Lindneria panphyliensis mit schnallenlosen Basidien beschrieben (not observed), was auch Bernicchia erwähnt. Sie zählt aber ihre Funde mit Schnallen an den Basidien auch zu dieser Art. Seltsam!

    Ich bin mir aber mit Gerard Trichies und Eia Martini einig, dass L. panphylliensis ss. Berniccia nur ein Synonym zu L. leucobryophila ist. Die Sporenform und Ornamentation sind nicht so zu trennen, wie Bernicchia das zeichnet.

    Ich bin gespannt. was im 2. Band von "Corticioid fungi of Europe" dazu drin steht und hoffe auf Klärung dieses Problems.


    LG

    Frank

  • Hallo Frank,

    ja, das ist alles etwas zu "schwammig" für ein belastbares Ergebnis.

    Wenn zudem die Sporen (und andere mikroskp. Elemente) keine Unterschiede aufzeigen, ist

    L. leucobryophila (inkl. Syn. panphyliensis)

    sinnvoll und vernünftig.

    Aber schauen wir mal wie Larsson +Ray das Thema abhandeln (DNA?).


    Bis dahin versuche ich noch die Basidienverhältnisse nach Fraiture abzuklären, weil nach dieser Aufschlüsselung, noch flava möglich wäre (?)

    Ausgehend von der Oberflächenstruktur im Schlüssel Fraitur, passt mein Fund aber nur zu der Beschreibung "panphyliensis" (Hymenophore papillate to odontioid)

    Gruß Armin

  • Hallo Armin,


    Lindtneria flava soll nach Bernicchia ein unregelmäßiges poroides Hymenophor haben. Eine Lindneria mit so einem Hymenophor und elliptischen Sporen habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Gerard Trichies, der den Typus gesehen hat, sieht auch hier "nur" ein Synonym zu

    L. leucobryophila.


    LG

    Frank

  • Wie angekündigt, jedoch mit etwas Verspätung😌:


    Meine Überprüfung der Basidien zum Abgleich mit der Lindtneria Bearbeitung von "Fraiture" im kritischen Umfeld leucobryophila.

    Kurzergebnis: keine größere Erkenntnisse, aber zumindest weitere Details zum Fund.


    5 Präparate und N=30 im Vergleich mit den Angaben bei Andre Fraiture


    Basidien (µm)                               Q

    Eigener Fund (N=30): 28-38 x 8-11(12) 2,5-4,3 (4,8) / Qm = 3,4

    Fraiture:

    leucobryophila 30-45(55) x (6)7-10 / 4,7-5,6

    panphyliense 20-25 x 9-11 /2,25 (<2,7)

    flava 28-38(47) x (8)9-13 / 3-4,2

    > flava i.O., wird jedoch mit porigem Hymenophor beschrieben

    > panphyliense hat zu kleine, stark gedrungene Basidien

    > leucobryophila zu länglich, Q zu groß


    Leucobryophila (Aphyllo.net): 30-50 x 7-10 > siehe Anmerkung


    Anmerkungen:


    Eine gute Übereinstimmung besteht mit L. flava. Jedoch passt die für L. flava angesagte porige Oberfläche nicht zu meiner Lindtneria.


    Keine Übereinstimmung habe ich mit den nach "Fraiture" sehr kleinen, gestauchten Basidien zu panphyliense mit Q =2,25. Aber auch die sowie mit größeren, länglichen Basidien von leucobryophila mit einem Q von 4,7-5,6 passen nicht.


    Im Gegensatz zu meiner ersten mikroskopischen Überprüfung, wo ich kein besonderes Augenmerk auf die genauen Basidienverhältnisse gelegt habe, wird nun deutlich, dass speziell die Basidien von meinem Fund auch nicht so richtig mit der Beschreibung, inklusive Skizze bei Aphyllo.net übereinstimmen.

    Elia Martini beschreibt und skizziert die Basidien zu leucobryophila als schmal, keulenförmig von 30-50x7-10 ym.

    Wie auch auf den angefügten Fotos ersichtlich, sind die Basidien bei meiner Lindtneria etwas kleiner, breiter bzw. gedrungener.

    Zur Basidienform noch der Hinweis, dass die Basidien in der Mitte öfters eingeschnürt, manchmal etwas verbogen und junge Basidien stark gedrungen sind.



    Ich lass das einfach mal so stehen. Evt. ergibt sich später noch einen sinnvollen Bezug (oder auch nicht🙄) zur Abhandlung im neuen Band von Larsson und Ryvarden und einem Résumé zu meiner Lindtneria.


    Gruß Armin