Hallo und ein gutes Neues Jahr wünsche ich!
Über Silvester habe ich einen Kurzausflug ins Fichtelgebirge und zur Münchberger Gneismasse unternommen.
Dort kommen viele interessante Gesteine vor, was auf spezielle Funde hoffen lässt.
Blöderweise hat es bei Ankunft begonnen zu schneien und schon am Tag nach der Anreise war das Land unter einer dünnen, aber geschlossenen Schneedecke verborgen.
Flechten zu finden, ist damit natürlich ganz erheblich erschwert, denn auch wenn man einige Quadratzentimeter vom losen Schnee befreit, sieht man eben nur genau diese Stelle - jeglicher Überblick fehlt...
Trotzdem und gerade durch den Schnee hat die Landschaft ihren besonderen Reiz.
Bild 1 Der Schneeberg gilt als höchster Berg Frankens. Nicht nur der Gipfelbereich ist abgesehen von den Wegen Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden.
Bild 2 Das "Fundament" des Aussichttsturmes ist ein naturbelassenener, überbauter Granitblock, auf dem sich Umbilicarien tummeln.
Bild 3 Umbilicaria deusta in Mengen, mit Raureif überzogen
Bild 4 Mindestens zwei, vielleicht drei oder gar vier Umbilicaria-Arten auf einem Foto?
Bild 5 Erinnert an Hypogymnia, ist aber schmallappiger, relativ dicht anliegend, nicht hohl, Enden gebräunt und nicht an Rinde wachsend:
Brodoa intestiniformis zwischen den Umbilicarien ist ein Eiszeitrelikt
Einige Kilometer weiter nordöstlich gelangt man aus dem Granit-Gneis-Bereich ins Land des grünlichen Prasinits:
Bild 6 Lockerer Baumbewuchs auf Serpeninit-Halde
Bild 7 Grüner Serpenitint (Prasinit) mit reizvoll kontratierendem Flechtenbewuchs
Bild 8 Candelariella vitellina kommt in großen Mengen auf den Felsen vor
Bild 9 Weg durch Kiefern - die Bäume sind im Fichtelgebirge erstaunlich flechtenarm!
Dafür sind die Felsen dicht mit Flechten überzogen.
Sogar A. ciliaris (eigentlich eine Rindenflechte) konnte ich auf einem der Felsen erkennen, jedoch an keinem Baum...
Bild 10
Bild 11 Stellenweise liegt der Schnee schon reichlich dick
Bild 12 Chloritschiefer-Felsen
Bild 13 Psilolechia lucida (Bildeinsatz, auf Silikat) kann von von der unbereiften, schwarzen Microcalicum arenarium befallen werden. Leider ist meine Probe verschollen.
Bild 14 Eine violette Kruste - eventuell eine Lecanactis
Einige wenige, günstig gelegene Stellen sind kaum vom Schnee bedeckt oder gar schneefrei, wie hier:
Bild 15 Serpentinit-Fels
Bild 16 Orange Caloplaca mit graubraunem Thallus, ev. Rufoplaca subpallida
Bild 17 Orange Caloplaca, gelbe Cadelariella und Physcia
Bild 18 Diploschistes scruposus, umrahmt von Leprocaulon microskopicum
Bild 19 Falsche Rentierflechten, Cladonia subrangiformis
Bild 20: Physcia mit Lippensoralen auf basischem (SiO2-freiem) Silikat. Da keine KOH-Reaktion eintritt, offenbar keine P. dubia, sondern P. subalbinea.
Bild 21 Xanthoparmelia conspera besitzt große, braune Apothecien und Isidien
Bild 22: Ein schöner Farbtupfer ist gelb-orange Xanthomendoza huculica
Bild 21 Irgendwann muss ich mich ernsthaft mit Moosen beschäftigen
Bild 22: Keine Flechte, kein Moos, trotzdem schön anzusehen - ein Steinbrechgewächs
Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug Spaß gemacht.
LG, Martin
