Welcher Stereum (Schichtpilz)?

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 599 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ralf Go.

  • Hallo zusammen,


    am 22. September waren wir im Bienwald (Rheinland-Pfalz) auf dem Schaidter Westwallweg bei regnerischem Wetter unterwegs.

    In einerm größeren naturbelassenen Abschnitt war als Massenpilz auf hauptsächlich Buchenzweigen ein sehr farbenprächtiger Schichtpilz zu bewundern. Zunächst hatte ich den Pilz ohne nähere Untersuchung als Schmetterlingstramete angesprochen.Nachdem ich jedoch einen Fruchtkörper entnommen hatte und mir die Unterseite angeschaut habe, kam eine Tramete nicht mehr in Betracht. Jetzt, zu Hause, komme ich mit der Bestimmung nicht recht weiter. Als Schichtpilz mit gelber Randzone kenne ich eigentlich den Striegeligen- oder Zottigen Schichtpilz Stereum hjirsutum.

    Der von mir gefundene Pilz hat jedoch keine striegelige oder zottige Hutoberfläche sondern erscheint recht glatt oder höchstens samtig.

    Nun habe ich gelesen, dass beim Samtigen Schichtpilz Stereum subtomentosum bei Anfeuchtung (es war regnerisch) der Hutrand, der eigentlich weißlich ist, gelblich verfärben soll. Bei "Fundkorb" befindet sich ein Foto, das in den Farben meinem Pilz sehr nahe kommt.

    Hier die Fotos:


    Bild 1: Die Fruchtkörper mit gelbem Rand, in der Mitte ein FK von unten (weißer Rand)



    Bild 2: Etwas überbelichtet, zeigt nicht die wahre Farbenpracht


    Bild 3: Hier weiß ich nicht, ob das eine andere Art ist mit den ohrenförmigen Hüten (rechts oben der typische Pilz aus Bild 1 und 2)


    Ich tendiere dazu, dass der Pilz auf Bild 1 der Samtigen Schichtpilz Stereum subtomentosum ist.

    Was meinen die Fachleute?


    Vielen Dank fürs Drüberschauen!


    Viele Grüße

    Reinhard

  • Hallo Reinhard,

    aud Erfahrung kann ich sagen, dass man schon recht ordentliche Präparate hinzaubern muss, ansonsten sucht man sich einen Wolf nach den Acanthozystiden.

    Stereum insignitum ist mittlerweile recht häufig geworden und auffällig in dichten Reihen an Buche zu finden, wogegen Stereum subtomentosum eher andere Laubbäume bevorzugt und zudem beim Reiben des Hymeniums chromgelb anlaufen soll. Eine andere Methode, wie man die beiden Arten unterscheiden könnte, ist im Fundkorb beschrieben.

    Nach meiner Anschauung ist der Pilz oben dann eben St. insignitum.


    Beste Grüße

    Harald

  • Hallo Björn und Harald,


    ich möchte mich hiermit noch bei euch für eure Beiträge herzlich bedanken.

    Ich gehe davon aus, dass anhand der Fotos makroskopisch nicht geklärt werden kann, welcher Schichtpilz es sicher ist.

    Habt eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit.


    Liebe Grüße

    Reinhard

  • Moin ihr Lieben,


    wahrscheinlich ist meine Frage ziemlich blöd. Ich stelle sie trotzdem..


    Kann mir jemand von euch erklären, wie ich von einem Schichtpilz ein vernünftiges Pröbchen für die Mikroskopie hin krieg? Bisher habe ich hauptsächlich Ascos und Hyphos mikroskopiert. Mir fehlt in dieser Richtung hier einfach das Hnow-How, würde mir solche Teile aber trotzdem gern mal genauer ansehen .. :/


    Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich? :)


    LG, Ralf

  • Hallo zusammen,


    zunächst einmal stimmt es natürlich, daß man bei obigem Fund nur mit Mikroskopie letzte Sicherheit bekommt. In Anbetracht des Fundortes in der Nähe von Karlsruhe ist S. insignitum aber auf jeden Fall die wahrscheinlichste Option. Die Art ist sehr wärmeliebend und ich weiß, daß z.B. in der Umgebung von Wiesbaden S. insignitum um ein Vielfaches häufiger ist als S. subtomentosum.


    Zum Mikroskopieren: Man kann versuchen, mit der Nadelspitze etwas Material von der Fruchtschicht zu kratzen und quetscht dann sehr ordentlich. Alternativ kann man mit der Rasierklinge einen Schnitt durchs Hymenium ziehen, absetzen, dann mit einem leicht dazu verdrehten Schnitt noch mal ansetzen, so daß man einen sehr schmalen Winkel zwischen den beiden Schnitten hat. Am Schnitt der Schnitte findet man dann meistens eine sehr dünne Schicht, die sich mit einer Nadel auf den Objektträger transferieren läßt.


    Björn

  • Kann mir jemand von euch erklären, wie ich von einem Schichtpilz ein vernünftiges Pröbchen für die Mikroskopie hin krieg?

    Hi Ralf,


    gerade wer sonst mit Ascos hantiert, hat sich vielleicht angewöhnt, nur alle paar Monate mal die Rasierklinge zu wechseln.

    Für Schichtpilze und Porlinge einfach jedes mal eine ganz frische Klinge nehmen?


    Ich schneide den Fruchtkörper großzügig an, so dass eine gerade Ausgangskante entsteht, und man den Rest noch gut Freihand greifen kann.

    Die Rasierklinge im 45°-Winkel halten, und auf sich zu ziehen und dabei vom Fruchtkörper möglichst dünne Scheibchen abraspeln.

    Ich mache so 10-20 Raspel, bevor ich unter dem Bino gucke, welche Stelle besonders dünn geraten ist, so dass es sich lohnt, sie unter das Mikro zu legen.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Moin Wolfgang,


    woher weißt du das mit der Rasierklinge? Bei den Präpariernadeln (Spritzennadeln) verhält sich das übrigens auch so. :D Ich werd die dann beim Schichtpilz mal wechseln. :)


    Danke dir für deine schöne Erklärung! Ich glaube das kann ich mir vorstellen und versuche das beim nächsten Schichtpilz mal so zu handeln..


    LG, Ralf