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letzter Beitrag von Jürgen am

unbekannter Pilz

  • Leider habe ich keine Digitalkamera. Ich muß also versuchen meinen unbekannten Fund zu beschreiben.


    Ich war gestern im Wald. Pfifferlinge, Rotfüße, Hexenröhrlinge und viele Semmelstoppeln. Und dann ein mir völlig unbekannter roter Röhrenpilz. Die kleinen kugelig, die größeren Tellerartig mit samtiger Oberfläche. Gelbes Fleisch, gelbe Lamellen welche nur schwach blau anlaufen und nicht am Fuß anwachsen . Der Fuß gleicht in den Proportionen denen eines Rotfußes. Er ist gelblich und hat zur Kappe hin eine leicht rötliche einfärbung.


    Besser kann ich es nicht beschreiben. Hat jemand eine Idee? Ach ja, leider stehen die Pilze im Mischwald, also Fichten, Tannen, Eichen und Buchen. Jedoch etwas mehr zu den Fichten hin.

  • Hallo rincewind,


    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum :alright:!


    Bei deinem Fund wird es sich wohl um einen Filzröhrling (Xerocomus) handeln. Um welchen es sich handelt, wird man aber schwer bis überhaupt nicht sagen können, wenn kein Bild vorhanden ist. Ein paar Fragen habe ich aber noch, damit es etwas leichter wird:


    (1) Wie hat sich das Fleisch im Querschnitt verfärbt?
    (2) Laufen die Poren netzartig am Stiel herab?
    (3) Welche Farbe hat das Fleisch (hell/dunkelgelb)?
    (4) Ist die Huthaut rissig?


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo rincewind,


    auch von mir zuerst einmal
    Herzlich Willkommen im Forum


    Zitat von rincewind


    Leider habe ich keine Digitalkamera.


    Schade, das erschwert den Versuch einer Pilzbestimmung erheblich. Frage: Hast du ein Handy mit Kamera?
    ------------------------------------------



    Jetzt zu deinem UMO (unbekanntes Mykologisches Objekt):


    Vorbemerkung:
    - Ich gehe davon aus, dass es ein Röhrling ist und du ;)mit "gelben Lamellen" vermutlich gelbe Röhren" gemeint hast.
    - Und ich hätte nach deiner Beschreibung auch eine "Gattungs-Vermutung", die ich zur Diskussion (evtl. mit Art-Namen) stelle , wenn einige Fagen zu deiner Beschreibung geklärt snd:


    (1) "roter Röhrenpilz"
    - Was eigentlich ist an dem Fruchtkörper rot ?
    ---> Der Hut ?
    ---> Kannst du das Rot etwas näher beschreiben (evtl. durch ein Bild eines beliebigen Pilzes aus einem deiner Pilzbücher)?


    (2) "(Hut) ... mit samtiger Oberfläche."
    ---> Dieser Hinweis ist wichtig.
    ---> Kann ich daraus schließen, dass der Hut "trocken" und nicht "klebrig", "schierig oder "schleimig" ist?


    (3) "Gelbes Fleisch"
    - In Hut und Stiel?
    - Blass gelb/gelblich oder intensiv gelb?


    (4) gelbe Lamellen welche nur schwach blau anlaufen und nicht am Fuß anwachsen
    ---> Leuchtend oder blassgelb?
    ---> Blauen nur die Lamellen bei Druck oder auch Hut-/Stielfleisch?


    (5) Der Fuß gleicht in den Proportionen denen eines Rotfußes. Er ist gelblich und hat zur Kappe hin eine leicht rötliche einfärbung.
    ---> Welcher Rotfuss (da werden zwischenzeitlich mehrere Arten unterschieden)?
    ---> Den, der im Stiel kaum rot zeigt?


    (6) Ach ja, leider stehen die Pilze im Mischwald, also Fichten, Tannen, Eichen und Buchen. Jedoch etwas mehr zu den Fichten hin.
    ---> Ja , das haben UMO's so an sich, dass man dern Mykorrhizapartner oft nicht eindeutig klären Kann.
    ---> Kannst du etwas über die Höhenlage und den Säure-/Nitratgehalt des Bodens beitragen?


    (7) Besser kann ich es nicht beschreiben.
    ---> Du musst dich da nicht entschuldigen. Deine Beschreibung :alright: zeigt m.E. immerhin , welcher Röhrlings-Gatttung man deinen Fund vermutlich zuordnen muss.
    ---> Das Hauptproblem dabei ist, dass frühere Sammelarten in der von mir vermuteten Gattung zwischenzeitlich stark in egenständige Arten aufgesplittet wurden und :crying: teilweise nur mikrospopisch sicher trennbar sind.
    ---> Und zu allem Überfluss wurde erst 2006 eine neue Art abgespittet und kreiert.


    Grüße
    Gerd

  • Hallo Gerd,


    deine sehr gut aufgestellte "Frageliste" möchte ich nur noch mit folgenden Fragen ergänzen (habe ich bei meiner Liste leider vergessen):


    ---> Sind im Querschnitt in der Stielbasis rote Punkte zu sehen?
    ---> Werden die Poren zum Stiel hin leicht langgezogen/labyrintisch?
    ---> Welche Farbe hat der Myzelfilz ("Flaum") an der Stielbasis?
    ---> Sind die Poren jung leuchtend gelb oder eher schmutzig gelblich?
    ---> Ist die Huthaut glatt oder runzelig?
    ---> Sind die Fraßstellen im Hut rötlich umrandet?


    rincewind: Wenn du es jetzt schaffst, die von mir und Gerd gestellten Frage größtenteils zu beantworten, dann könnte man vielleicht sogar über die Art spekulieren.


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Gernot,


    es ist klar, dass du und auch Meinhard die gleiche Gattung vermuten wie ich.


    Mir kam es bei meinen Fragen erst einmal darauf an, die Gattung sicherzustellen.


    Dennoch danke , dass du eine Reihe weiterer Fragen gestellt hast, die für eine Arteingrenzung sehr wichtig sind.


    Grüße
    Gerd


    & rincewind:


    Ein Hinweis:


    - Ich habe nach der Röhrenfarbe gefragt und Gernot nach der Porenfarbe. Da gibt es einen Unterschied:


    Porenfarbe = Farbe, wenn man auf die Röhrenmündungen schaut, also vom Stiel her die Hutaunterseite betrachtet.


    Röhrenfarbe = Farbe der Gesamt-Röhren, die man bei durchgeschnittenem Fruchtkörper mit Blick quer zum Stiel beurteilen muss.


    Zusatzfrage: Sind die Poren rel. groß oder eher kleiner ?

  • Erst mal vielen Dank für die vielen Antworten.


    Nun hat das mit den Bildern doch noch geklappt.







    Zugegeben, der Pilz hat etwas gelitten seit Sonntag...:P


    @emmess nein, Ziegenlippe kann ich ausschließen.


    @Pete Longhorn


    1 Das Fleisch hat sich nicht verfärbt, nur die Poren
    2 sie berühren den Stiel nicht
    3 Hellgelb
    4 nein


    Punkte habe ich nicht gesehen
    nein
    Ist leider nicht mehr dran
    Glatt
    rotbraun


    @ Gerd


    Sorry, muß natürlich Röhren heissen–¦:shy:


    1 Die Huthaut. Darunter ist eine Dunkelgelbe schicht und dann Hellgelbes Fleisch. Wie dunkelroter Samt mit einem Stich ins kupferne


    2 ja, der Hut ist trocken und auch nass nicht schleimig


    3 im Hut. Der Stil fällt eher ins braune


    4 blassgelb bis beige. Laufen nur auf Druck an und auch nur die Poren


    5 äähm, DER Rotfuß? :hmmm:Also unten Braun und nach obenhin gelblich werdend mit roten Flocken


    6 da mir der Wald nicht gehört kenne ich seine Chemie leider nicht. Wir sprechen vom mittleren Schwarzwald etwa 450m Höhe.



    Eher kleinere Poren





    Na, da bin ich ja mal gespannt, ob ihr aus meinen Antworten einen Pilz basteln könnt

  • Hallo rincewind,


    :hmmm: Könnte ein Blutroter Röhrling - Xerocomus rubellus sein, (wegen der rötlichen Hutfarbe) schließe jedoch den Rotfuß - Röhrling - Xerocomus chrysenteron nicht aus. Beide verfärben sich im Anschnitt aber etwas bläulich.


    Bis dann...


    Andreas

  • Hallo zusammen,


    rincewind: Erstmals herzlichen Dank für deine vielen zusätzlichen Invormationen :alright:!


    Beim Pilz kommt meiner Meinung nach nur X. rubellus in Frage, X. chrysenteron hätte im Stiel rötliches Fleisch und in diesem Alter wohl schon eine aufgerissene Huthaut. Eine Frage noch an ricewind: Wie lange hast du zwischen dem Durchschneiden des Pilzes und dem Fotografieren gewartet?


    Zitat

    äähm, DER Rotfuß?


    DEN Rotfuß gibt es nicht, du meinst vermutlich Xerocomus chrysenteron (Gemeiner Rotfußröhrling). Weiters werden noch X. cisalpinus (Starkblauender Rotfußröhrling), X. pruinatus (Stattlicher/Bereifter/Herbst-Rotfußröhrling) und X. porosporus (Falscher Rotfußröhrling) unterschieden.


    Andreas:

    Zitat

    Beide verfärben sich im Anschnitt aber etwas bläulich.


    Das stimmt nicht, X. chrysenteron ss. str. (im strikten Sinne) verfärbt sich nie. Bei Funden mit im Querschnitt blauenden Fleisch muss man dann in Richtung X. cisalpinus weiter suchen.


    Nachtrag:


    X. chrysenteron bläut nie bis höchstens ganz schwach im Hut oder im oberen Stielbereich.


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Andreas,


    Zitat

    Über Xerocomus cisalpinus ist wohl noch sehr wenig bekannt, Hmmm er wurde ja auch erst vor kurzem neu vorgestellt.


    dass wenig über diese Art bekannt ist, kann ich mir nicht vorstellen, schließlich ist sie mikro- und makroskopisch klar von den anderen Arten zu trennen und wurde von Thomas Lehr und Jürgen Schreiner recht ausführlich und genau in "Xerocomus cisalpinus für Deutschland nachgewiesen" bearbeitet.
    Dass diese Art erst vor Kurzem vorgestellt wurde ist richtig, sie wurde von Ladurner & Simonini 2003 beschrieben.


    Zitat

    Vorher war er wohl unter Xerocomus chrysenteron fo. gracilis bekannt.


    Auch das ist richtig, die früher beschriebene X. chrysenteron fo. gracilis wird jetzt als konspezifisch mit X. cisalpinus betrachtet.


    Schöne Grüße
    Gernot

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