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letzter Beitrag von Jürgen am

40. Fundbericht - 08.08.2007

  • Hallo liebe Pilzfreunde,


    Tja, gestern sagte ich noch , das ich wohl aufgrund der momentanen Trockenheit nicht mehr in den Wald gehe, habe es mir heute doch anders überlegt und fanden neben ein paar Steinpilzen und Pfifferlingen auch noch einen Filzröhrling.


    Hier die Funde von heute:



    Fichtensteinpilze - Am Standort unter Buchen und Kiefern



    Hier der Filzröhrling, wuchs unter Buchen - Ich tippe mal auf Xerocomus rubellus - Blutroter Filzröhrling (Kappe Aprikosenfarbig) - Nicht am Standort fotografiert.



    Hier wie üblich - das Mixfoto



    Meister Lampe


    Bilanz von heute: 5 Fichtensteinpilze , 1 Marone , 1 Handvoll Pifferlinge und zwei Filzröhrlinge


    Die Suche geht weiter.


    Bis dann...


    Andreas

  • Hallo Andreas,


    herzlichen Glückwunsch zu deinen tollen Funden :alright:!


    Ich werde in nächster Zeit wohl nicht mehr in den Wald gehen, da es heute und gestern nicht geregnet hat, obwohl der Herr Wetterfrosch was anderes versprach :hmmm:...


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hi Gernot,


    Ich danke dir für deine Antwort und für deine Gratulation :alright:


    Hier hat es heute morgen nur ein wenig :rain: War wohl zu wenig :(


    Kannst du nochmal den Filzröhrling anschauen ? Liege ich richtig mit dem Blutroten Röhrling - Xerocomus rubellus ?


    Bis dann...


    Andreas

  • Hi Andreas,


    deine Fundberichte sind einfach die besten. Wie machst du das nur?
    Jedenfalls herzlichen Glückwunsch.
    Ich werde mich nach über zwei Wochen erfolglosem Suchen am Wochenende mal in die Heide aufmachen.


    Lieber Gruß,
    Meinhard


    P.S.
    Eine Frage noch: immer wieder lese ich bei Funden von Fichtensteinpilzen: "... unter Buchen und Kiefern ..."
    Wieso dann der Name?

    Erfahrungen sammelt man wie Pilze: einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist.

    Einmal editiert, zuletzt von emmess2006 ()

  • Hallo Meinhard,


    Zitat

    Eine Frage noch: immer wieder lese ich bei Funden von Fichtensteinpilzen: "... unter Buchen und Kiefern ..."
    Wieso dann der Name?


    das ist eben das "Übel" mancher deutschen Namen, dass sie einfach nicht genau genug sind und auch in die Irre führen können. Da gibt es leider genug Besipiele, ich nenne mal ein paar:


    Nadelholz-Häubling (Galerina marginata)-> soll angeblich auch auf Laubholz wachsen, obwohl Breitenbach/Kränzlin Vorkommen auf Laubholz auf Verwechslungen mit anderen Arten zurückführen.


    Fichten-Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)-> wächst auch auf vielen anderen Laub- und Nadelhölzern.


    Kiefern-Braunporling (Phaeolus spadiceus)-> wächst auch auf anderen Nadelhölzern.


    Birken-Porling (Piptoporus betulinus)-> wurde auch schon auf anderen Laubhölzern gefunden.


    Hollunderschwamm (Judasohr/Auricularia auricula-judae)-> wächst auf vielen anderen Laubhölzern und selten sogar auf Fichte


    etc, etc...


    Bei den Steinpilzen ist es eben das Gleiche, der Fichten-Steinpilz wächst bei Tannen, Birken und Buchen genau so (vielleicht hat da jemand eine genaue Liste?), der Eichen-Steinpilz (Sommer-Steinpilz) wächst in subalpinen Lagen auch im reinen Fichtenwald und der Kiefern-Steinpilz kann auch bei Fichten vorkommen.


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Andreas,


    da du mich gebeten hast, mir deinen Filzröhrling anzschauen, habe ich das jetzt gemacht ;).


    Für mich passt X. rubellus ganz gut, denn für ihn sind die mit Zähnchen herablaufenden Poren, sowie die zugespitzte Stielbasis meines Wissens nach recht typisch.


    Allerdings können auch andere Filzröhrlingsarten recht ähnlich aussehen:


    ---> Xerocomus communis (declivitatum) (Eichen-Filzröhrling): Kann auch Hüte mit starkem Rotton haben, allerdings ist da immer ein Braunton dabei. Weiters hat er in er Stielbasis karottenrote Pünktchen (welche aber nicht immer vorhanden sein müssen).


    ---> Xerocomus armeniacus (Aprikosenfarbiger Röhrling): In Deutschland sehr selten und oftmals auch schwierig von rubellus zu unterscheiden. Typisch für ihn sind die leuchtend gelben Poren sowie das in der unteren Stielhälte orangegelbe Fleisch. Allerdings sind diese beiden Merkmale oft nur schwach ausgebildet, sodass er sich von rubellus durch den robusteren Habitus unterscheiden lässt.


    ---> Xerocomus ripariellus (Ufern-Filzröhrling): Ist in Deutschland auch sehr selten und hat eine aufgerissene Huthaut. Die Farben können zwar ähnlich rubellus sein, er lässt sich aber eben durch die rissige Huthaut, das Vorkommen auf feuchten Standorten, das weiße und nur in der unteren Stielhälfte blauende Fleisch von rubellus unterscheiden.


    ---> Xerocomus fennicus: Die Art wurde z.B. in Belgien nachgewiesen und ist ripariellus sehr ähnlich, wenn nicht sogar mit ihr identisch. Sie soll sich vorallem durch die abgestutzten Sporen von ihm unterscheiden.


    Das waren jetzt mal alle mir bekannten Arten, die X. rubellus ähnlich sein können. Du kannst ja mal nach den bei den jeweiligen Arten angeführten Merkmalen deinen Fund untersuchen, da man auf dem Foto leider keine Fleischverfärbungen sieht (bei unbestimmten Röhrlingen bitte immer mitposten).


    - Vielleicht melden sich noch die Experten Jürgen oder Thomas zu deinem Fund.


    Nachtrag 29. August 2007:


    Mein Beitrag wurde auf die Antwort von Jürgen abgeändert.


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo zusammen,


    Ersteinmal vielen Dank für eure Gratulationen :)


    @ Gernot ->


    Das Fleisch lief im Anschnitt leicht bläulich an und der Hutrand war schon leicht rissig oder aufgerissen, (Xerocomus armeniacus - Aprikosenfarbiger Röhrling) ???? Jedoch fehlt mir für den Aprikosenfarbiger Röhrling, der oberhalb rötliche Stiel und unterhalb die gelbliche Stielfarbe :hmmm: Ich glaube oder nehme es an, das es sich hierbei um den Blutroten Röhrlíng - Xerocomus rubellus handelt. Auf jedenfall ist es für mich ein Erstfund :)


    Bis dann...


    Andreas

  • Hallo Gernot


    Zitat von Pete Longhorn


    Nadelholz-Häubling (Galerina marginata)-> soll angeblich auch auf Laubholz wachsen, obwohl Breitenbach/Kränzlin Vorkommen auf Laubholz auf Verwechslungen mit anderen Arten zurückführen.


    - Leider kommt G. marginata auch (selten) an Laubholz vor, sogar zusammen mit dem Stockschwämmchen. G. marginata wird deshalb in neuerer Literatur nur noch als Gift-Häubling bezeichnet.
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    Zitat


    Fichten-Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)-> wächst auch auf vielen anderen Laub- und Nadelhölzern.


    - :alright:, das ist ein Allesfresser und Kosmopolit. In Baden-Württemberg [Lit 1] ist das Hauptsubstrat Fichte, in weitem Abstand gefolgt von Rotbuche, Weißtanne, Waldkiefer, Birke und Erle; das Spektrum ist beachtlich:


    Acer (1), Alnus (50), Betula (54), Carpinus (4), Castanea (1), Corylus (3), Fagus (130), Fraxinus (7), Malus (16), Paulownia (1), Populus (3), Prunus (22), Pyrus (2), Quercus (4), Salix (6), Tilia (1), Ulmus (3), indet. Laubholz (26).


    Abies (67), Larix (9), Picea (591), Pinus (55), Pseudotsuga (2), Tsuga (2), indet. Nadelholz (41).


    - In neuerer Literatur wird diese Art "Rotrandiger Baumschwamm" genannt.
    ------------------------------------------------


    Zitat


    Kiefern-Braunporling (Phaeolus spadiceus)-> wächst auch auf anderen Nadelhölzern.


    :alright:, Nach [Lit 1] "Nadelholz, vorzugsweise Pinus, in weitem Abstand gefolgt von Picea":
    Abies (6), Larix (15), Picea (46), Pinus (251), Pseudotsuga (6), indet. Nadelholz (11)


    - Kiefern-Braunporling wird weiterhin auch in der neuen Literatur benutzt.
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    Zitat

    Birken-Porling (Piptoporus betulinus)-> wurde auch schon auf anderen Laubhölzern gefunden.


    :P, alle von mir eingesehenen Autoren (Lit 1, 2, 3, 4) sind sich einig darüber, dass diese Art streng an Birke gebunden ist.


    - Zu beachten ist, dass nach [Lit 1] die ähnliche P. quercinus in der BRD nachgewiesen wurde. In Finnland wurde nach [Lit 2] noch P. pseudopopulinus (an Pappel) nachgewiesen.


    Nach [Lit 1] "In Kultur werden Basidiocarpien auch auf Fagus- und Picea-, nicht aber auf Pinus-Holz gebildet"
    -----------------------------------------------


    Zitat


    Hollunderschwamm (Judasohr/Auricularia auricula-judae)-> wächst auf vielen anderen Laubhölzern und selten sogar auf Fichte


    :alright:"Schwarzer Hollunder" ist mit Abstand das häufigste Substrat, seltener an div. anderen Laubbäumen, einen Hinweis auf fichte habe ich nicht gefunden.
    - Eingebürgert hat sich der Name "Judasohr"



    Schöne Grüße
    Gerd


    -Muss leider weg und werde mich später in einem getrennten beitrag noch zum Fichten-steinpilz äußern.
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    [Lit 1] KRIEGLSTEINER (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Band 1, Ulmer-Verlag


    [Lit 2] JÜLICH (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze, Kleine Kryptogamenflora band IIb/1


    [Lit 3] BUTIN (1996): Krankheiten der Wald- und Parkbäume. Diagnose - Biologie - Bekämpfung, Thieme-Verlag


    [Lit 4] JAHN (1979): Pilze die an Holz wachsen.

  • Hallo Gerd,


    danke für deine weiteren Substratangaben :alright:!


    Zitat

    "Schwarzer Hollunder" ist mit Abstand das häufigste Substrat, seltener an div. anderen Laubbäumen, einen Hinweis auf fichte habe ich nicht gefunden.


    ich habe gerade nachgeschaut, kann aber leider den Hinweis auf Fichte nicht mehr finden. Ich habe aber noch in "Der große BLV Pilzführer für unterwegs" von Ewald Gerhardt folgenden Hinweis gefunden: "selten auch auf Nadelholz". Ich werde noch nach dem Hinweis auf Fichtenholz weiter suchen, denn ich bin mir sicher, dass ich ihn irgendwo gefunden habe :hmmm:...


    Zitat

    Eingebürgert hat sich der Name "Judasohr"


    Das ist mir natürlich klar, ich wollte nur gezielt den Namen "Hollunderschwamm" benutzen ;).


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Gernot,


    Zitat von Pete Longhorn


    ich habe gerade nachgeschaut, kann aber leider den Hinweis auf Fichte nicht mehr finden. Ich habe aber noch in "Der große BLV Pilzführer für unterwegs" von Ewald Gerhardt folgenden Hinweis gefunden: "selten auch auf Nadelholz".


    - Voilà , ich habe in [1] nachgeschaut, welche Substrate für das Judasohr (Auricularia auricula-judae) bei der BW-Kartierung genannt wurden:


    Zitat


    Wirte bzw. Substrate: In Mitteleuropa hauptsächlich an Schwarzem Holunder (vgl. den volkstümlichen Namen "Holunderschwamm" und das lateinische Epithet "sambuci"). Insgesamt wurde der Pilz in Baden-Württemberg an 30 Baum? und Straucharten (25 Gattungen der Phanerogamen) festgestellt, darunter ist auch eine Nadelbaumart (Fichte):


    -Acer (29), Acsculus (1), Alnus (2), Berberis (2), Carpinus (13), Castanea (1), Cornus (2), Corylus (6), Crataegus (2), Euonymus (13), Fagus (44), Fraxinas (16), Juglans (4), Malus (1), Platanus (1), Populus (9) 5), Prunus (5), Quercus (3), Ribes (2), Robinia (8), Salix (16). Sambucus (392), Tilia (1), Ulmus (6), indet. Laubholz (40).
    - Picea abies (4, wohl nur "Übersteiger").


    ----------------------------
    Nach [2]

    Zitat

    "auf Laubbäumen (oft Sambuca nigra)"


    ---------------------------


    Nach [3] sieht es in USA etwas anders aus:


    Zitat

    "very widely distributed on both hardwoods and conifers"



    Grüße
    Gerd


    Literatur:


    [1] Krieglsteiner (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 1


    [2] Jülich (1984): Kleine Kryptogamenflora


    [3] Arora (1986): Mushrooms demystified

  • Hallo Gerd,


    vielen herzlichen Dank fürs Nachschauen :alright:!


    Ich bin froh, dass am Ende doch noch ein Hinweis für ein Vorkommen auf Picea (Fichte) gefunden wurde. Eine Frage hab ich dazu noch: Was bedeutet "Übersteiger" bei "- Picea abies (4, wohl nur "Übersteiger")."?


    Schöne Grüße
    Gernot

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