Pilzzucht Anfänger - meine erste Kaffeesatzzucht

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 1.072 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Digitalpilz.

  • Hallo,


    vielleicht könnt ihr mir helfen. Ich habe einen ganz dummen Anfängerfehler gemacht und bin jetzt etwas überfordert:


    Für meine erste Kaffeesatzzüchtung habe ich mir ein Set für Austernpilze und eines für Rosenseitlinge gekauft. Für beide habe ich jetzt jeweils ein Eimerchen Brut im Kühlschrank stehen und im Wohnzimmer ein Gefäß mit angebohrtem Deckel (Auster gleich ein Eimer, Rose ein kleineres Töpfchen).


    Dummerweise habe ich beim Kauf nicht bedacht, dass die Brut laut Händler eine begrenzte Haltbarkeit hat. Und ich habe meinen Kaffeekonsum überschätzt.


    Das Austern-Eimerchen wird aktuell nach Anleitung alle 3 Tage mit Kaffeesatz gefüttert, aber das Rosentöpfchen habe ich noch gar nicht angefangen, weil der Kaffeesatz nicht für beide reicht.


    Damit mir die Rosenseitling-Brut nicht verkommt, würde ich sie gerne in dem mitgelieferten Töpfchen statt mit Kaffeesatz mit einem anderen Substrat starten und das Austernseitling-Mycel wie gehabt weiter füttern.

    Meine Idee wäre, zu schauen, ob ich in einer Zoohandlung Strohpellets her bekomme, die ich dann versuchen würde, im Backofen einigermaßen keimfrei zu bekommen. Oder gibt es da was sinnvolleres, was man im normalen Handel vor Ort bekommt?


    Edit: Ich habe noch einen Sack Kastanien rumstehen… :gkopfkratz: Aber das ist vermutlich als Substrat komplett ungeeignet und fällt unter die Kategorie „richtig dumme Idee“.


    Falls ich ein alternatives Substrat finde, kann ich dann die ganze Brut auf einmal reinmischen und dann ab ins Töpfchen, oder soll ich besser wie beim Kaffeesatz schichtweise vorgehen?


    Oder wäre es besser, beide Kulturen parallel mit Kaffeesatz zu ziehen, den aber ab sofort mit Strohpellets (oder was anderem?) zu strecken, damit’s für beide reicht?


    Danke schon einmal und schöne Grüße

    Dan (oder im Moment eher: DAU 8o)

  • Nachdem ich noch keine Antwort hatte, aber die Brut langsam weg muss, habe ich gestern in naivem Aktionismus im Zooladen eingekauft 😉


    Eine Packung Holzpellets (Kleintier-Unterstreu)

    Eine Packung Buchenhack (Terrarienstreu)

    und eine Packung Heu. Heupellets gab es nur in riesigen Säcken, deswegen das ungepresste. War nicht die beste Idee, siehe unten.


    Weil ich nicht wusste, was ich am besten nehmen soll, habe ich eine Mischung aus allen dreien gemacht. Ohne Plan, nach Gefühl, ich schätze mal 45% Holzpellets, 35% Buchenhack und 20% Heu.


    Die Holzpellets und das Buchenhack habe ich jeweils mit kochendem Wasser übergossen. Das Stroh habe ich dafür in den Messbecher gesteckt und dann zusammen mit dem Wasser versucht, die Halme mit dem Pürierstab klein zu kriegen. Das hat mal so gar nicht funktioniert. Stattdessen haben sich die Halme ums Messer gewickelt und den Pürierstab fast geschrottet.


    Danach habe ich alles zusammen gerührt und die gröbsten Heuhalme wieder rausgezupft (was dann am Ende die allermeisten waren).


    Das Ganze kam dann noch 20 Minuten in den Ofen und durfte danach abgedeckt auf dem Fensterbrett abkühlen, bevor ich die Rosenseitling-Brut reingemischt habe.


    Ich habe dann damit gleich 3/4 des Töpfchens voll gemacht anstatt wie bei den Kaffee-Austern schichtweise vorzugehen.


    Das war wahrscheinlich die fehlerhafteste Stümper-Vorgehensweise von allen, aber vielleicht überlebt das Mycel wie durch ein Wunder 😉


    Ich würde jetzt mal bis übermorgen beobachten, ob sich was tut. Ein Bisschen Brut habe ich noch. Wenn der erste Ansatz nichts wird, könnte ich es nochmal mit anderer Zusammensetzung probieren, müsste dann nur schauen, ob es gelingt, es so anzufüttern, dass ich das Töpfchen damit voll bekomme. Ansonsten wenn es was wird, fülle ich den Rest nochmal genauso auf.


    Die Kaffeeaustern machen sich übrigens gut, heute wird wieder gefüttert und das die Schicht von vorgestern ist wieder gut mit weißem Flaum bedeckt.

  • Hallo Dan,


    Schön dass du uns teilhaben lässt, auch wenn dir niemand auf deine Frage geantwortet hat. Vermutlich aus dem gleichen Grund, wie bei mir: keine Ahnung.


    Ich habe Rosenseitlinge mal auf Strohpellets gezogen, vorgegangen von ich dabei wie du. Allerdings natürlich ohne Pürierstab :cool:.


    Ich habe auch nur eine Schicht Brut eingezogen, das hat gut funktioniert.


    Dir viel Erfolg und gerne weitere Doku mit Bildern.


    LG Michael

  • Zwischenstand:

    Gestern habe ich mal wieder die Kaffeeaustern gefüttert und das *hüstel* „interessante“ Rosenseitling-Experiment fortgeführt.


    Das Rosenseitling-Mycel ist bei weitem nicht so gut angewachsen wie der Austernseitling. Auch habe ich dabei das Problem, dass der Kontrast zwischen dem hellen Mycel und dem hellbeigen Substrat nicht so deutlich ist, ich entsprechend vergleichsweise einen Blindflug fahre. Das ist beim Kaffeesatz echt super, da sieht man perfekt jedes Mycelfädchen.

    Dazu kam, dass ich mir sehr unsicher bin, ob ich vielleicht doch Schimmel züchte, oder ob das zarte Mycel auf dem Heu einfach nur gelblich/bräunlich/seltsam aussieht.

    Fotos habe ich keine, weil das die Handykamera noch schlechter einfängt als das Auge.


    Ich bin aber dann einfach auf Risiko gegangen, hoffe auf mein Anfängerglück und habe den Topf mit der restlichen Brut und frisch angesetztem Substrat voll gemacht.

    Entweder es wird was, oder halt nicht.


    Für das Substrat habe ich das Heu diesmal vor dem Aufgießen mit dem Küchenmesser klein gehackt (was eine richtige sch…öne Arbeit war, obwohl ich meine guten Messer immer scharf halte!).
    Das Verhältnis war dieses Mal schätzungsweise 50% gehacktes Heu, 40% Buchenhack und 10% Holzpellets. Alles ohne Plan irgendwie zusammengeworfen.

    Diesmal mehr Heu, weil ich das subjektive Gefühl hatte, dass das beim ersten Ansetzen am schnellsten besiedelt wurde. Die Buchenstückchen, weil ich mir gedacht habe, dass der Pilz vielleicht auch Holz mag. Und die Holzpellets, weil ich zwar nicht weiß was das für Hölzer sind, aber das sind so schön kleine Späne, dass ich sie als eine Art Kitt verwendet habe, um nicht zu viel Lufteinschlüsse im Substrat zu haben. Also doch ein Bisschen Plan, wenn auch nicht zwangläufig ein guter ;)


    Alles wieder kochend aufgegossen und dann noch ein Weilchen in den Ofen.


    Der Rosenseitling darf sich jetzt entsprechend erstmal ungestört über das Substrat her machen.


    Der Austernseitling wird noch eine ganze Weile brauchen, wenn ich nicht an Bluthochdruck aufgrund von inadäquatem Kaffeekonsum erkranken will.


    Ich habe ein Bisschen Sorgen, ob mir die Brut im Kühlschrank so lang durchhält, oder ob ich irgendwann anfangen muss zu strecken.

    Nur womit am besten? Heu (oaahhh, hacken…) oder Buchenhack - sind relativ große Stückchen, aber müsste er doch grundsätzlich „fressen“, oder?

  • Hallo Dan,


    Strohpellets sind prima, ich habe selbst oft genug Austernpilz damit kultiviert. Die brauchen auch, meiner Erfahrung nach, nicht im Backofen sterilisiert zu werden. Ich habe die immer einfach mit kochendem Wasser übergossen und nie Probleme gehabt. Was aber überaus wichtig ist, ist die richtige Menge Wasser! Verwendest du zu viel Wasser, wächst das Mycel schlecht bis gar nicht. Staunässe ist ganz schlecht für Pilze, das gilt auch für Roggensubstrat etc. Wenn irgendwo ein Pilz nicht wachsen will, ist meine erste Vermutung immer: Staunässe. ;)

    Grüße


    Oliver

  • Hi Oliver,

    Danke für Deine Einschätzung!


    Dann werde ich mal bei der nächsten Fütterung etwas Heu dazu geben.

    Pellets habe ich leider nicht, nur Kleintierstroh am Stück. Also wieder von Hand zerhacken. Das macht ungefähr so () viel Spaß. :gneutral:


    Staunässe könnte für den Rosenseitling tatsächlich ein Problem sein. Gerade habe ich festgestellt, dass das Substrat beim Auffüllen viel zu nass war und sich unterm Deckel ordentlich Kondenswasser angesammelt hat. Das Töpfchen stand Dank Ablauflöchern in einer Pfütze. Mal sehen, ob sich das durch die Löcher selbst wieder reguliert. Vielleicht bekomme ich auch noch etwas Feuchtigkeit raus, wenn ich den Deckel innen öfters abwische.


    Bei den Austern denke ich, dass es passen müsste, allerdings ist der Eimer undurchsichtig und hat keinen Ablauf. Dadurch dass ich aber immer abwechselnd Filterkaffee und Espresso trinke, ist der Kaffeesatz nicht ganz so nass.

  • Dan

    Hat den Titel des Themas von „Pilzzucht Anfängerfehler - zu wenig Kaffeesatz“ zu „Pilzzucht Anfänger - meine erste Kaffeesatzzucht“ geändert.
  • Hi Dan,


    also, du kannst so ziemlich alles nehmen, was Lignin und/oder Cellulose enthält. Ich hatte in der Stadtwohnung damals Strohpellets verwendet, weil die platzsparend unterzubringen, im Laden erhältlich und bequem in der Handhabung sind. Man kann aber ebenso ganze Strohballen verwenden oder eben einfach Stroh. Stroh wird oft fermentiert. Sollte man machen, wenn das Stroh nicht ganz frisch ist. Kleintierstreu sollte aber okay sein. Austernpilz wächst sogar auf feuchten Zeitungen, nur würde ich die dann nicht unbedingt essen. Stroh sollte nach Möglichkeit übrigens Bio sein, wer weiß, was da sonst alles drin ist. Pilze akkumulieren Giftstoffe, daher ist da etwas Vorsicht angebracht.


    Oft werden Zuschlagstoffe wie Gips und Kalk dem Substrat zugegeben. Muss man aber nicht unbedingt machen. Kalk hat einen Einfluss auf den pH-Wert.


    Grüße


    Oliver

  • Hmm, Bio ist mein Stroh leider nicht, aber es ist für Kleintiere. Insofern hoffe ich jetzt mal, dass es nicht allzu sehr belastet ist. Zumal ich es auch nur gemischt verwendet habe.


    Übrigens: Ich seh gerade, überall wo ich bisher “Heu“ geschrieben habe, meine ich Stroh! Ich weiß auch nicht, warum mein Hirn das immer durcheinander bringt :gomg:

    Stroh! Stroh! Stroh!

  • Ich vermute, dass Kleintierstreu nicht zu sehr belastet sein wird - hoffentlich. Anders sieht es womöglich bei Strohballen aus. Da kamen womöglich allerlei Gifte zum Einsatz, gegen Unkraut, Pilzkrankheiten und Insekten. Im Zweifel sollte man davon ausgehen, dass Pilze diese Giftstoffe aufnehmen und anreichern. Strohballen werden in der Pilzkultur normalerweise gewässert (für einige Wochen komplett unter Wasser getaucht, dann vor Verwendung gut abgetropft), so dass einiges an Gift sicherlich weggespült wird. Dennoch sollte man meiner Meinung nach am besten Bio-Strohballen verwenden.