Hallo, Besucher der Thread wurde 389 aufgerufen und enthält 6 Antworten

letzter Beitrag von Sebastian_RLP am

Auswahl Cortinarienfunde APV-Treffen von Samstag, 19.09.21

  • Hallo zusammen, am Samstag gab es wieder ein APV-Treffen in der Eifel, im Blick waren insbesondere auch die Kalkgebiete. Mit dem bestimmen komme ich gar nicht nach, hier mal Zwischenstände, insbesondere mit Cortinarien, zu denen auch eine Bestimmungsanfrage gehört.


    01 Cortinarius splendens (Zwei Funde, einer ausschließlich unter Laubbäumen)


    KOH 10% dunkelrot


    02 Cortinarius largus (Kalklaubwald, öfter, teil in großen Hexenringen)


    03 Cortinarius flavovirescens im Jungstadium. Hier waren wir etwas zu früh dran, dennoch war ein deutlicher Mehlgeruch und -geschmack sowie die Farben auch wegweisend. Da müssen wir wohl in einer Woche nochmal wiederkommen, um die Fruchtkörper in ihrer vollen Pracht zu bewundern:


    KOH 10%


    04 Cortinarius infractus (zügig bitterer Geschmack, Kalklaubwald)


    Eigentlich noch nicht in bestimmungsfähigem Zustand, aber sehr wahrscheinlich 05 Cortinarius rapaceotomentosus, da von der Stelle wohl bekannt und Klumpfuss mit braunem Hut. Auch da müssen wir wohl in einer Woche nochmal wiederkommen.



    Vom Nächsten 06 Cortinarius varius habe ich leider nur leidliche Studioaufnahmen, da wir den so im Vorbeigehen (die Bäuche knurrten) noch entdeckt und mitgenommen haben. Chromgelbfärbung im Fleisch mit 10% KOH


    Ansonsten gabs einige Telamonien (5 Arten, die sich gut dokumentieren ließen habe ich eingesteckt, aber schon an der ersten verzweifle ich. Ich habe mit Funga Nordica geschlüsselt und komme trotz sorgfältigem Schlüsseln nicht zum Ziel. Ich lande regelhaft in Telamonien und dort in Key L, komme dann aber entweder zu Cortinarius turgidus, der zwar makroskopisch und von der Ökologie einigermaßen passt, aber weder von den Sporen noch vom "sparse veil". Biege ich vorab im Schlüssel ab, lande ich noch bei Cortinarius alborufescens, der von den Sporen gar nicht passt.


    Mit Telamonia in Flandern lande ich noch bei Cortinarius tabularis, da passen dann die Sporen ganz gut (Der Weg im Schlüssel geht eben auch über die Sporen), aber so recht zufrieden bin ich damit auch nicht. Der Pilz weißt keinerlei Blautöne auf (wohl nicht unbedingt ein Muss) und die Lamellen stehen beim Bildvergleich bei meinem Fund weiter auseinander. Auch die Hutstruktur mag nicht recht passen. Also irgendwie stecke ich da in der Sackgasse. Vielleicht habt ihr noch eine Idee:


    Hier mal die Infos zum Pilz:


    Vorkommen im Laubwald (Fundort nicht zwingend reiner Kalk), verschiedene Hotspots mit immer wieder unterschiedlichen Laubbäumen, insbesondere Hainbuchen, aber auch Eichen, Buchen in der unmittelbaren Umgebung. Keine Birken, keine Hasel oder so.


    Fruchtkörper fleischig, hell, weiß mit zarter hellbräunlicher Note (siehe Bilder). Auffällig das Universalvelum mit ausgeprägtem Gürtel (an torvus erinnernd) und gut sichtbarer Bänderung. Lamellen einen hellbraunen, fast schon leicht oranglichen Ton, breit, eher etwas auseinander. Velum weiß bei ganz jungen Fruchtkörpern.

    KOH 10%-reaktion schwarzbraun


    Gruppe in altem Zustand:


    Sporen 7,5-8x5,5-6µm grobwarzig


    Für hilfreiche Tipps wäre ich dankbar.

    Vielleicht reiche ich später noch andere Telamonien nach, mal sehen wie es zeitlich passt.


    LG Sebastian

  • Hallo, Sebastian!


    Cortinarius splendens mit krass roter KOH - Reaktion auf dem Hut? ich fürchte, da kann was nicht stimmen. Mit so einer Reaktion dürfte das eher in die elegantissimus - Verwandschaft gehören. Das Fleisch wäre dann im Schnittbild aber nicht durchgehend leuchtend gelb (kann aber auch vor allem in Stielbasis und Hut gelblich sein).

    Mit der etwas undeutlich ausgeprägten Knolle: Vergleiche mal vage mit Cortinarius olearioides, aber Bestimmungen in der Gruppe können krass sein, vor allem wenn man keine ganz jungen fruchtkörper zur Verfügung hat.

    Cortinarius splendens wäre das hier:


    KOH ist hier nicht drauf auf dem Bild, aber die Reaktion ist quasi negativ.


    Dagegen Cortinarius olearioides (cf):



    Cortinarius elegantissimus:



    Cortinarius bergeronii:




    Cortinarius aureofulvus (cf):




    in der Gruppe (Lamellen gelb + nie mit Blauton, KOH auf Hut und Stielbasis rot, Trama nicht oder nur in Stielbasis und Hutfleisch gelb) gibt es noch ein paar mehr Arten wie zB Cortinarius alcalinophilus und Cortinarius cedretorum, bei ein paar Arten (bergeronii, cedretorum, selten elegantissimus) hat man bei ganz jungen fruchtkörpern bläuliches Fleisch in der Stielspitze, teils im Hut und manchmal auch außen am Stiel, ohne ganz junge Fruchtkörper und ohne Sporengrößen wird's schwierig in der Gruppe.


    Schleierling No. 5 kann nicht Cortinarius saporatus sein, oder?



    Lg; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    vielen Dank für die wie immer sehr detaillierten und gut dokumentierten Ausführungen. Wirklich toll!


    Hier habe ich wohl zu flott einen Haken dran gemacht. Leider waren das einzelne, schon fortgeschrittene Fruchtkörper. Junge Fruchtkörper waren nicht mehr zu sehen. Das Fleisch war schon durchgehend gelb. Habe den uralten Fruchtkörper nochmal aufgeschnitten, aber der ist schon gut mitgenommen. Man kann aber noch erahnen, dass das Fleisch eher nicht hell war .... hier nochmal unter Weißlicht:



    Die Sporen könnten sehr gut zu dem passen, was du bei olearioides zeigst (und was in FN steht, S.785): grob warzig, amygdaloid - 10,8x6. Das konnte aber auch gut zu splendens passen (auch wenn der jetzt wegen der KOH-Reaktion auf dem Hut ausscheidet, habe da leider keine verlässliche Quelle konsultiert)


    Die KOH-Reaktion im Fleisch passt auch zur Beschreibung in FN blass graurosa im Fleisch (siehe Hutfleisch), "more reddish in base of Bulb"


    Vor dem Hintergrund der Fruchtkörperstadien werde ich da jetzt keine weiteren Versuche unternehmen. Aber dennoch bin ich da jetzt für die Zukunft mit umfassenderem Wissen gerüstet!


    Dein Vorschlag zu 05 würde makroskopisch gut passen. Das der im Grunde nur so benamst wurde, weil er wohl bekannt sei von der Stelle hatte ich ja geschrieben. Ich habe in dem Stadium keine Bestimmungsversuche vorgenommen und habe die Fruchtkörper auch stehen lassen. Ggf. müsste man da am Wochenende nochmal nachschauen ....


    LG und nochmals danke, Sebastian

  • Hallo, Sebastian!


    Das erste Bild lassen wir mal unbeobachtet - da hatte ich eben kurz einen Schrecken bekommen und schon fast vermutet, in einen ganz falschen Pilz gebissen zu haben. :gplemplem:

    Aber das zuletzt gezeigte Bild erscheint schon einigermaßen farbecht, und das ist im Stiel definitiv zu viel gelb für eine Art aus der oben vorgeschlagenen Gruppe.

    Damit sollte das schon was aus der Umgebung splendes, citrinus usw. sein. Die Sporen gehen dazu ja auch in Ordnung, nur die KOH - Reaktion ist halt echt untypisch. Keine Ahnung, wie das kommt. Vielleicht irgendein Artefakt?


    Wegen dem anderen (saporatus?): Kann das sein, daß Karl eben gerade >hier< die gleiche Art angefragt hat?
    Sind die beiden Funde von der gleichen Exkursion?
    Wobei dein Fund ja schon recht deutliche Velumflecken auf dem Hut hat, und auch eher ockerlich als gelb gefärbt ist...



    LG; Pablo.

  • Hmm,


    Es bleibt also ein Rätsel. Aber auch wenn der auf dem Hut nach längerer Zeit oliv wird, ist die direkte Reaktion reproduzierbar rot.



    Na, da bin ich mir nicht sicher, ob es sich bei Karl um die gleiche Art handelt. Die Unterschiede hast du angesprochen. Eine gemeinsame Exkursion hatte ich noch nicht mit Karl. Wäre sicher sehr interessant. Ich kann mir aber vorstellen, dass er an der ein oder anderen Stelle der Kalkeifel, an denen wir da unterwegs waren auch schon vorbeigekommen ist.


    Die Diskussion seines Fundes ist jedenfalls sehr interessant. Ich müsste bei dem anderen nochmals vorbei ...


    LG Sebastian

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.