Hallo, Besucher der Thread wurde 211 aufgerufen und enthält 4 Antworten

letzter Beitrag von KaMaMa am

Clonostachys epichloë

  • Servus zusammen,

    mal wieder auf dem Weg zum Bahnhof fand ich heute am Wegrand einen morphologisch auffallend veränderten Gras- Horst. Die Blätter waren teils ziehharmonikaartig aufgefaltet und rötlich verfärbt. Bei genauerer Betrachtung fand ich als Übeltäter einen krustenartigen, die Halme komplett umschlingenden weisslichen bis gelben Belag.



    Entgegen meiner Erwartung war er nicht weich und abwischbar sondern recht hart und bei entsprechender Gewaltanwendung eher bröselig. Das erklärt sich aus der Tatsache, dass es sich hier nicht um einen oberflächlich wachsenden Rostpilz sondern um einen im Gewebe wachsenden endophytischen Kernpilz aus der Familie der Mutterkornartigen (Clavicipitaceae) handelt. Wie in dieser Familie üblich produziert auch er Alkaloide und macht das Gras damit für Wirbeltiere (Weidevieh!) aber wohl auch manche Insekten giftig. Da das Gras dadurch möglicherweise vor Fraß geschützt wird postulieren hier manche sogar eine symbiotische Beziehung zwischen Gras und Pilz. Das kann ich zumindest in meinem Fall nicht wirklich nachvollziehen denn offensichtich verhindert der Pilz, der im Landwirtjargon auch als Erstickungsschimmel bekannt ist, die Ausbildung der Ähren und hindert somit das Gras an der Fortpflanzung. Für mich ein No-Go für einen Symbiont. Zumindest dieses Gras betreffend ein klarer Parasit.



    In Deutschland kommen mehrere Arten von Gras-Kernpilzen (Epichloë) vor. Hier handelt es sich vermutlich um Epichloë typhina denn den Wirt konnte ich mit Hilfe von Bernd ( kruenta) als Knäuelgras (Dactylis glomerata) bestimmen und die Sporen zerfallen anscheinend nicht in Teilsporen so wie es die anderen vorkommenden Arten wohl machen.









    Zu meiner Überraschung hatte ich aber sogar einen doppelten Fang gemacht, denn auf einigen "Kolben" fanden sich schiesscheibenartige Konidienlager. Ein Hyperparasit!




    Jetzt wollte ich natürlich gerne probieren ob ich alle beide samt Grashalm auf ein Bild bekomme. Gar nicht so einfach bei der unterschiedlichen Konsistenz von Halm und Pilzen. Nach vielen gescheiterten Versuchen habe ich doch ein paar akzeptable Bilder hinbekommen wo sich zumindest die Beziehung nachvollziehen lässt hoffe ich.


    links erahnt man den Konidenrasen







    nachdem es sich um einzellige, glatte Konidien handelt, gehe ich von Clonostachys epichloë aus.


    Leider besitze ich keine besondere Literatur sondern habe mich an Jules Website, dieser schweizer Seite sowie diesem Wikipedia Artikel orientiert, der sich vor allem auf diesen Artikel von Leuchtmann et al. bezieht.


    Für Kommentare und Korrekturen bin ich daher dankbar,

    eurer Ingo



    Ps: wer hat das Alien im Halmquerschnitt gefunden?

  • Hallo Ingo, Knäuelgras gibt es hier sehr viel und die Epichloe daran ist auch recht oft anzutreffen. Heute wollte ich, gleich auf'm Hof, nur mal den in orange fotografieren und dabei ist mir der Belag aufgefallen, den ich eingedenk deines Beitrags dann auch gleich als Hyperparasiten eingestuft habe. Wenn ich mal ein Mikroskop habe oder jemand mit einem solchen vorbeikommt, kann ich das genauer prüfen (lassen :D). Aber diese to-do-Liste ist ohnehin schon sehr lang.


    LG, Bernd

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.