Hallo, Besucher der Thread wurde 533 aufgerufen und enthält 6 Antworten

letzter Beitrag von Beorn am

Kleine Runde durch den Kalklaubwald

  • Nachdem es um Jena monatelang sehr trocken war, gab es seit letzter Woche endlich wieder Pilze. Nicht überall, aber zumindest dort wo sie die Feuchtigkeit wegen eines engen Tals besser hält. Die Tour diente vor allem dem Sammeln von Arten für eine Pilzausstellung, deshalb war wenig Zeit für Dokumentation und Bestimmung. Ich war zuvor in einem anderen Kalkbvuchenwald; dort gab es tatsächlich nur wenige Stinkrüblinge; davon abgesehen war der Wald leer: Umso mehr habe ich mich gefreut, in dem zweiten Wald viele Arten finden zu können. Hier einige Impressionen.


    1) Auf dem Weg gab es bereits einen trivialen Erstfund für mich: den Schwefelporling im besten Zustand. Habe ich tatsächlich noch nie zuvor gefunden.



    2) Ein Schleierling mit auffällig gelber Farbe in allen Teilen des Fruchtkörper, auch im Fleisch; bei Buche. Für mich eine Phlegamtie um C.elegantissimus herum (Sektion fulvi)?



    3) Ein weiterer Schleierling, den ich an diesem tag häufig gefunden habe und der ein typischer Begeliter der Buchen auf Kalk ist: der Buchen-Klumpfuß (C. anserinus).



    4) Ein weiterer Schleierling, den ich gar nicht einsortieren konnte. Auffällig gelbe Hutfarbe aber heller Stiel und helles Fleisch (soweit man das noch bei diesem Zustand bewerten kann).



    5) Der Brandige Ritterling (T. ustale) in einer wundervollen Kollektion war auch zugegen. Oder Doch T. ustaloides? Eichen in der Umgebung können auf jeden Fall nicht ausgeschlossen werden.



    6) Ein weiterer Fund hat mich genarrt. Von oben dachte ich eher an eine weiße Tricholoma, die Blick unters Hütchen hat aber die Gattung veraten: Semmelstoppelpilze. Hier vermutlich Hydnum albidum.



    7) Ein häufiger Vertreter im Kalkbuchenwald ist der Igelstäubling. Ein sehr fotogener Pilz :-)



    8) Ein leider einzeln stehender Erdritterling mit einer auffälligen Hutschuppung und kräftigem Geruch nach Pfefferstreuer. Ich habe ich als Tricholoma squarrulosum abgespeichert. Der Stiel durchaus schuppig, allerdings ohne dunkle Zeichnung sondern eher rau.



    9) Über diesen Fund habe ich mich besonders gefreut: der Getropfte Schleimschirmling (Limacella guttata). Ist der nicht erst vor kurzem in eine neue Gattung verschoben worden?



    10) Die Herkuleskeule war an diesem Tag ein wahrer Massenpilz.



    11) Zwei weitere Schleierling, die einige Meter auseinander standen, und bei denen ich mir nicht einmal sicher bin dass sie zusammen gehören. Der Geruch war irgendwie auffällig, aber ich konnte nicht so recht ergründen wonach.



    12) Zum Abschluss ein weiterer Schleierling, den ich rein optisch in die Sektion Telamonie sortiert hatte. Auffällig fand ich die grünen Farben im Hut, Stiel und Lamellen. Ein Wissender hat mich korrigiert: es ist ein Hautopf, und zwar der Grünblättrige Hautkopf (Cortinarius olivaceofuscus).



    Was gab es sonst noch (ohne Foto):

    • Amanita phalloides in Massen (ich habe sicher 50 Fruchtkörper gefunden)
    • Hygrophorus penarioides - für mich ein neuer Standort, aber unverkennbar die Art. H. penarius durfte ich letzte Woche beim F2-Kurs kennenlernen: sehr ähnlicher Habitus aber anderer Gericht und teils bitterer Geschmack.
    • Tricholoma album in großer Anzahl und vielen Fundstellen
    • nach Kohl stinkende Rüblinge
    • Mycena pura
  • Hallo, Thomas!


    Mein Beineid. Die Kalkgebiete bei mir in der Umgebung sind verödet. Da ist praktisch null Aktivität von mykorrhiza - Pilzen in diesem Jahr.

    2) Sieht eher aus wie Cortinarius splendens, elegantissimus wäre nicht ganz so gelb im Schnitt. Ein Tropfen KOH hätte da auch geholfen.

    4) Kann natürlich ebenfalls C. anserinus sein. Oder ein anderes Phlegmacium. In dem Entwicklungsstadium sehen nahezu alle Phlegmacien mit gerandeter Knolle identisch aus. Darum braucht man ja junge Fruchtkörper in einer Kollektion, weil die Fruchtkörper in dem Alter eine Bestimmungscchance von 0% bieten. :gzwinkern:

    5) Tricholoma ustale ist richtg. Ustaloides hätte eine Pseudoringzone.

    8) Tricholoma squarrulosum ist das nicht (Geruch in dem Punkt egal). Tricholoma squarrulosum ist viel dunkler und wolliger. Rötet der denn tatsächlich?

    11) Links könnte Cortinarius olidus sein, rechts eine Art der Multiformes, also irgednwas um Cortinarius talus und Nachbararten. Oft riecht da die Stielbasis beim Rubbeln nach Honig.


    LG; Pablo.



  • Hallo Thomas,

    Kalkbuchenwälder habe ich hier leider nicht. Schön, dass du deine Funde zeigst. So hab kann wenigstens virtuell einige der Bewohner kennenlernen. Die Herkuleskeule würde ich gern mal selber finden und Grüne Knollenblätterpilz wenigstens wieder einmal life sehen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hallo, Thomas!


    Mein Beineid. Die Kalkgebiete bei mir in der Umgebung sind verödet. Da ist praktisch null Aktivität von mykorrhiza - Pilzen in diesem Jahr.

    [..]

    8) Tricholoma squarrulosum ist das nicht (Geruch in dem Punkt egal). Tricholoma squarrulosum ist viel dunkler und wolliger. Rötet der denn tatsächlich?

    Hallo Pablo,


    hier war es ähnlich: trocken und keine Pilze. Manche Gebiete sind jetzt klatschnass, aber es fehlen die Pilze. Im "Rautal" in welchem ich unterwegs war, ist es allerdings etwas anders; hier hält sich die Feuchtigkeit viel besser.


    Zu 8) - welche Art käme denn bei dem pfeffrigen Geruch noch in Frage? T.Orirubens hat diese Noten nicht, stattdessen aber eine süßliche Komponente, die mein Fund nicht hatte. Auf Röten oder auch bläuliche Flecken an der Stielbasis (die sich meist erst nach vielen Stunden einstellt) habe ich leider nicht geachtet - wir hatten ja eine Ausstellung aufzubauen.

  • Hallo, Thomas!


    nachdem die in einem anderen Thema (warst doch du, oder?) noch so einen ganz Ähnlichen gezeigt hast, der doch schon eher an squarrulosum erinnert...

    Dem fehlten auch die grauschwarzen Flocken am Stiel. Das war der Punkt, der mich am meisten irritiert hatte. Allerdings hatte ich squarrulosum auch erst ein Mal in der Hand, und das sah dann so aus:


    Schon krass, der Stiel, oder?
    Muss aber nicht so sein, denke ich. Man sollte nicht von einem Fruchtkörper versuchen, die komplette Variationsbreite einer Art abzuleiten.
    Weil eine vernünftige Alternative hätte ich nicht im Angebot, und auffallend sind ja (neben dem Geruch) auch die stark wolligen Hutränder, die dein Pilz ja eben auch hat, sowie die komische, dunkle Hutschuppung.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    ja, das war ich :-) Bei meinem zweiten Fund gab es zumindest an der Stielspitze einige schwärzlichen Schuppen. Letztes Jahr gab es einen schönen Fund dieser Art bei der BMG-Tagung; hier nochmal ein Bild. Da ist der Stiel schon deutlicher schuppig.


  • Hallo, Thomas!


    Genau. Das wäre jetzt das Idealbild, so wie ich mir perfekte squarrulosum vorstelle. Danke, daß du das Bild nochmal gezeigt hast. Die Hutoberfläche passt ja wie angebügelt auch zu deinem diesnjärhigen Fund - aber die Stielbekleidung könnte ja auch tendenziell einfach vergänglich sein.



    LG; Pablo.

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.