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QGIS für Pilzfreunde Teil 15 – Punkt- und Linienobjekte bearbeiten

  • Willkommen in Teil 15 der Forumsreihe „QGIS für Pilzfreunde“!


    Hier die Übersicht über alle Teile dieser Forumsreihe


    In Teil 16 wird behandelt: GeoTIFF aus aktueller Ansicht erzeugen


    Ziel für heute: Wir wollen Punkt- und Linienobjekte im Kartenfenster verschieben bzw. in ihrer Kontur verändern. Im vorliegenden Fall stammen der Punktlayer und auch der Linienlayer von GPS-Messungen aus dem Hochwald, die nur eine begrenzte Genauigkeit von ca. ± 15 aufweisen, so dass bei Kenntnis ihrer wirklichen Lage eine Korrektur angeraten erscheint.

    Als Hintergrundlayer nehmen wird die OpenTopoMap, als Projekt-KBS wird ETRS89 / UTM Zone 32N EPSG:25832 gewählt (Bild A1).

    Für die Bearbeitung müssen die Digitalisierungswerkzeugleiste und die Erweiterte Digitalisierungswerkzeugleiste sichtbar sein. Falls nicht, können wir sie sichtbar machen, indem wir sie im Ansicht-Menü > Werkzeugkästen mit einen Haken versehen (Bild A2):






    Das Vorgehen in der Übersicht:
    A) Punktobjekte (Pilzfunde) verschieben
    B) Linienobjekte (Umriss des gesamten Kartierungsgebietes) korrigieren


    Fangen wir also an:


    A) Punktobjekte (Pilzfunde) verschieben

    Es handelt sich um den Spreadsheet-Layer mit Fotolinks aus Teil 14. Hier das zugrunde liegende Excel-File, in dem ich noch die Spaltenüberschriften so verändert habe, dass sie nach Konvention (Wichtige Hinweise) nur aus Kleinbuchstaben und dem Unterstrich (Underscore) bestehen: fundliste_or_nach_norm.xlsx


    Den Objektdaten liegen GPS-Daten mit ca. ± 10-15 Metern Genauigkeit zugrunde. Das Layer-KBS ist WGS84 EPSG:4326, wie es vom GPS-Empfänger geliefert wurde. Dies zeigt das Layereigenschaften-Untermenü Informationen:



    Es soll nun der Fundpunkt (Hypholoma fasciculare), von dem der kleine pinkfarbene Pfeil wegzeigt, in Pfeilrichtung verschoben werden.
    Dazu bleibt der Layer im Layerfenster aktiviert, und es wird der Editiermodus (Stift-Werkzeug) eingeschaltet. Nun aktivieren wir noch das Werkzeug Objekt verschieben aktiviert, worauf der Cursor die Form eines Kreuzes annimmt:



    Das Verschiebenerfolgt, indem man erst auf den zu verschiebenden Punkt und dann auf das Ziel clickt. Ergebnis:



    Es ist auch möglich, mehrere Punkte gleichzeitig um einen bestimmten Weg zu verschieben. Dazu aktiviert man als erstes eines der Auswahlwerkzeuge, z.B. die Polygon-Auswahl. Durch Clicken und Ziehen lassen sich sehr elegant mehrere Punkte gleichzeitig selektieren. Die Auswahl wird durch Rechtsclick abgeschlossen.



    Jetzt aktiviert man das Verschiebe-Werkzeug und clickt dann z.B. 10 mm neben den selektierten Punkten, worauf ganz feine, „schwebende“ Punkte zu sehen sind. Mit dem Cursor, ohne gedrückte Maustaste, fährt man nun soweit, bis die schwebenden Punkte ihr Ziel erreicht haben.



    Ein letzter Mausclick fixiert sie schließlich.
    Sind alle Verschiebungen abgeschlossen, muss man diese Änderungen durch clicken auf Layeränderungen speichern übernehmen. Danach kann man den Editiermodus abschalten (Stiftwerkzeug).



    Während der Edtierungen kann man Aktionen mit <STRG> + Z rückgängig machen.



    B) Linienobjekt (Umriss des Kartierungsgebietes) editieren

    Es handelt sich um die Umrisslinie des gesamten Kartierungsgebietes, Layername Altholz Oberer Reutweg. Wenn wir und durch Doppelclick auf den Layer im Layerfenster die Eigenschaften, und hier die Informationen ansehen, erkennen wir, dass dieser Linienlayer durch einen GPX-Import entstanden war:



    Problem: Diese sogenannten „GPX-Layer“ sind in QGIS nicht editierbar.
    Ein Ausweg: wir generieren aus dem GPX-Layer ein Shapefile-Layer - Shapefile-Layer sind editierbar!
    Wie das funktioniert, können wir untenstehender Bilderfolge entnehmen.

    Wichtig ist, dass wir vorher einen Ordner für Shapefile-Exporte innerhalb des Projektbereiches angelegt haben.

    Wir beginnen im Layerfenster mit einem Rechtsclick auf den GPX-Layer Altholz Oberer Reutweg und selektieren die Funktion Exportieren > Objekt speichern als ... (Bild B2):




    Im erscheinenden Menü Vektorlayer speichern als... stellen wir alles nach Bild B3 ein und clicken dann auf den Browse-Button oben rechts:




    Weiter geht es nach Bild B4 und Bild B5:





    Nach dem Clicken auf OK ist ein neuer Layer altholz_oberer_reutweg entstanden.

    Layereigenschaften > Information zeigt uns, dass die Quelle des neuen Layers tatsächlich ein Shapefile mit Linienobjekten ist:




    Den „GPX-Layer“ können wird jetzt löschen und mit dem soeben erstellen „Shapefile-Layer“ weitermachen:

    Über Layereigenschaften > Symbolisierung geben wir der Linie eine auffälligere Farbe und größere Dicke. Anschließend die Buttons Anwenden und OK clicken:




    Zum Editieren des Linienlayers halten wir den Layer aktiv und selektieren den Editier-Modus (Stift-Werkzeug). Die Ecken der Linienkontur bezeichnet man als Stützpunkte oder Knoten.

    Um die Stützpunkte zu bearbeiten, clicken wir auf das Knotenwerkzeug. Der Cursor nimmt daraufhin die Form eines Kreuzes an (Bild B8). Wir haben nun folgende Möglichkeiten:

    a) Stützpunkt löschen: auf einen Stützpunkt clicken, dann die Entf-Taste.

    b) Stützpunkt hinzufügen (Bild B8): auf der Linie, auf der neue Stützpunkt entstehen soll, doppelclicken und Cursor bei nicht gedrückter Maustaste an die neue Position führen (Bild B8). Sobald die Zielposition erreicht ist, nochmals clicken.

    c) Stützpunkt verschieben (Bild B9): auf dem zu verschiebenden Stützpunkt einfach clicken und Cursor bei nicht gedrückter Maustaste an die neue Position führen (Bild B9). Sobald die Zielposition erreicht ist, nochmals clicken.





    Wir bearbeiten die Umrisslinie, bis sie etwa das Aussehen nach Bild B10 hat.

    Nun noch Layoutänderungen speichern und den Editier-Modus verlassen:



    Danach können wir das Projekt speichern und QGIS verlassen.



    Zusatznotizen:


    A) Der Button Layeränderungen speichern darf nicht mit Projekt speichern verwechselt werden!

    B) Flächenförmige Objekte (Polygone) lassen sich ebenfalls entsprechend editieren.



    Das war’s für heute


    Über Fragen und Anregungen würde ich mich freuen - und bitte meldet mir, sollte etwas unklar oder fehlerhaft dargestellt sein!



    Viel Erfolg!


    Bernd




    Glossar, Abürzungen:

    ASCII - American Standard Code for Information Interchange

    BW – Baden-Württemberg

    Canvas - Fenster; Landkarte; Anzeige. siehe auch unter: map canvas, QGIS canvas

    CSV - Comma Separated Values; einfach strukturierte Textdatei

    DGM – Digitales Gekändemodell, Gebäude und Bewuchs sind eliminiert; engl. DTM

    DGMx - Digitales Geländemodell mit x Metern Gitterweite

    DOM – Digitales Oberflächenmodell

    DTM - Digital Terrain Model

    EPSG - European Petroleum Survey Group Geodesy

    ETRS89 / UTM (Universal transverse Mercator) - Flächengetreues KBS in der Einheit Meter, d.h. geeignet zum Messen von Strecken und Flächen

    Gauss-Krüger - Flächengetreues KBS in der Einheit Meter, allerdings inzwischen vielfach durch ETRS89 / UTM ersetzt worden

    Georeferenzierung (Geocodierung, Verortung, Geotagging) - Einen Datensatz, z.B. ein Foto oder eine Karte, mit Koordinaten versehen

    GeoTiff - Georeferenzierte Bilddatei, quasi ein Standard für Rasterdaten

    GIS – Geoinformationssystem

    GNSS - Global Navigation Satellite System

    Google Maps - Online-Kartendienst von Google LLC

    GPX (GPS eXchange Format) – für Datenaustausch mit GPS-Empfängern

    GRASS - Geographic Resources Analysis Support System

    HTML - Hypertext Markup Language

    KBS – Koordinatenbezugssystem

    KML (Keyhole Markup Language) - Austauschformat für Geodaten, vorgesehen für Google Earth (aber auch für GPS-Empfänger nutzbar)

    KMZ - dasselbe wie KML, lediglich in komprimierter Form

    Lidar (Light Detection And Ranging) – Laser-Scan der Geländeoberfläche

    LiMT – Linke Maustaste

    Map Canvas - Karte; Kartenfenster, also der Bereich, in dem die Karte angezeigt wird

    m.ü.NN. - Meter über Normal Null

    Open Data – Für jedermann frei nutzbar zur Verfügung gestellte Daten

    OSM – OpenStreetMap

    Passpunkte – Referenzpunkte beim Georeferenzieren von Karten

    Plugins - Programmerweiterungen

    Projektbereich - Gesamtbereich des QGIS-Projektes im Rechner, beinhaltet das gesamte "Ordnergebäude" inklusive der Projektdateien und aller Daten; hier in der Forumsreihe ist es der Ordner \_QGIS für Pilzfreunde\ mit sämtlichen Unterordnern und Dateien. Will man ein QGIS-Projekt auf einem anderen Rechner laufen lassen, so braucht man lediglich den Projektbereich zu kopieren!

    Projektdatei - Datei mit Endung .qgs, über die QGIS gestartet wird. Sie enthält die Projekteigenschaften, die Verknüpfungen zu den im Projekt enthaltenen Layern und vieles mehr. Sie enthält jedoch nicht die Daten

    QGIS – Kostenfreies, sehr mächtiges GIS

    QGIS canvas - QGIS-Arbeitsfläche, QGIS-Kartenfenster

    Rasterlayer - Layer, bestehend aus bildhaften, pixelcodierten Geodaten

    ReMT – Rechte Maustaste

    Schummerung – Pseudo-3D-Darstellung durch Schattenwurf

    Shape, Shapefile - Grafikdatei zum Darstellen von Punkten, Linien und Polygonen (Flächen). Shapes sind georeferenziert.

    Tiles – Karten min Form sogenannter „Kacheln“

    URL – ein Internet-Link oder die Adresse einer Website

    UTM - Universal Transverse Mercator, siehe auch ETRS89

    Vektorlayer - Layer, bestehend aus vektorcodierten Geodaten, d.h. aus Punkten, Linien und Polygonen (Flächen)

    WFS - Web Feature Service

    WGS84 - World Geodetic System 1984

    WGS 84 EPSG:4326 – globales KBS, bei GPS-Empfängern verbreitet, nicht zum Messen geeignet

    WGS 84/ Pseudo-Mercator EPSG:3857 – globales KBS für WMS-Einbindungen, nicht zum Messen geeignet

    WMS (Web Map Service) – Internet-Schnittstelle für Landkarten

  • Hallo,

    ich habe eine Frage der anderen Art. Angenommen ich habe mehrere Punkte in einem Layer erstellt, wie verbinde ich die Punkte miteinander und lass mir an dieser Linie am besten auch noch die Messskala anzeigen? Genaugenommen geht es um Grundwasserstände, durch die unterschiedlichen Höhen an verschiedenen Messstellen soll die Grundwasserfließrichtung und die entsprechenden Isohypsen ermittelt werden. Ich scheiter leider nur schon daran die Punkte zu verbinden. Diese QGIS Reihe hier ist für mich bis jetzt die verständlichste im Netz und so hoffe ich auf eine Antwort =)

    Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße, Marie

  • Hallo Marie,

    da ich selber noch kein QGIS-Profi bin, kann ich nur auf dieses Video verweisen, in dem erklärt wird, wie man Punkt-, Linien- und Flächenlayer erstellt. Hoffentlich hilft es dir weiter!

    Liebe Grüße

    Bernd

  • Hallo,


    Linien aus Punkten erstellen geht bei mir.

    Hier der Weg.

    Grundsätzlich können shape-layer ja nur Punkte oder Linien oder Polygone enthalten.

    Zunächst habe ich ein layer mit Punkten.

    Dann also neues layer anlegen: Reiter layer > layer erstellen > shapedatei-layer anlegen > Typ Linie auswählen.

    Dieses neue layer anclicken > Editiermodus einschalten (Bleistiftsymbol) > Objekt hinzufügen und die gewünschten Punkte verbinden (beenden mit rechter Maus-Taste).

    Speichern des bearbeiteten layers nicht vergessen.


    Zur Beschriftung der Länge des Linienzuges brachte web-Suche "qgis line length label" sofort brauchbare Treffer siehe folgende Anleitung QGIS How to label individual sides of polygon - Geographic Information Systems Stack Exchange.


    Das youtube-video hatte ich mir nicht angeschaut, es fehlte mir die Zeit. Daher auch keine screenshots.


    Viel Erfolg

    Gruß

    Günter

    Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben. (A. Gide)

    Einmal editiert, zuletzt von GünterS ()

  • Hallo Anne,


    ich vermute, du möchtest wissen, was man mit einer GIS-Software, wie z.B. QGIS, anfangen kann.

    Im Lexikon der Geografie von spectrum.de habe ich hier einen schönen Aufsatz unter dem Titel: Der Begriff "GIS" gefunden.


    Ich selber werde QGIS benutzen, um räumliche Zusammenhänge von Pilzfunden eines best. Kartierungsgebietes darzustellen, z.B.:

    a) Funde einer best. Pilzart in Bezug auf die räumliche Ausdehnung der Pflanzengesellschaften

    b) Funde über der Bodenartenkarte und der Geolog. Karte

    ....

    Da es sich bei einem meiner Kartierungsgebiete um ein Moor handelt, wäre auch eine Darstellung der Funde über den Grundwasserständen von Interesse.


    Weißt du, wo man die Grundwasserstände eines bestimmten Gebietes bekommen kann?


    Viele Grüße - Bernd :kaffee:

  • Hallo Bernd

    Danke für die Hilfe und die Aufklärung, damit weiss ich nun wozu das Programm dient. :thumbup:

    Soweit möchte ich beim Pilzesammeln gar nicht gehen dass ich noch alles katalogisiere "wie , wann, wo"

    Die guten Pilze nehme ich mit und hau sie in die Pfanne und die schlechten lass ich stehen.

    Wünsche dir noch schöne Ostertage.

    Grüßle anne

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