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letzter Beitrag von Beorn am

Problemfälle 2018

  • Hallo in die Runde!


    Im Laufe eines Jahres sammeln sich ja immer einige mehr oder weniger undefinierbare Funde an. Teils kritische Arten, teils untypische Kollektionen, oder man kommt halt einfach nicht auf die richtige Lösung.

    Einen Abnehmer haben meine persönlichen Rätselpilze ja schon (danke, Frank!), aber die Dokumentationen können ja immer noch ein paar Anhaltspunkte bieten (merkmale des Frischmaterials), und vielelicht lässt sich das eine oder andere schon mal so ganz gut eingrenzen.


    Alle Bilder im Folgenden sind anklickbar, und lassen sich in großer, schöner und vollständiger Ansicht in einem externen Fenster oder Tab öffnen.

    Fangen wir mal mit was Braunsporigem an.


    1.)

    Gefunden am 20.10.2018
    Nordschwarzwald, Eyachtal, feuchter bis nasser Satndort an liegendem, stark morschem Nadelholzstück

    vergesellschaftet mit Bulbillomyces farinosus


    Vorläufig habe ich das mal Tomentella atroarenicolor getauft.
    ---> Der darf seinen Namen so behalten

    Müsste eigentlich schon hinkommen, wenn das tatsächlich die richtigen zystiden sind und sich die Skeletthyphen in den Rhizomorphen einfach gut versteckt haben, so daß ich die nicht nachweisen konnte.








    2.)

    Der nächste stammt vom 08.12.2018
    Gefunden im Odenwald bei Wachenheim (Poppental)
    an liegendem, noch größtenteils berindetem Fichtenstamm


    Optisch ist das erstmal eine glasklare Serpula himantioides. Aber auch da schaut man ja rein, und irgendwie stolperte ich dann über Leucogyrophana pulverulenta, und bin nun verunsichert: Die sollte sich nämlich vom wilden Hausschwamm (Serpula himantioides) dadurch unterscheiden, daß sie keinerlei Skeletthyphen entwickelt (auch nicht in den Rhizomorphen) und kleinere Sporen hat.
    Nun hat dieser Fund hier aber keinerlei Skeletthyphen (auch nicht in den Rhizomorphen) und ziemlich kleine Sporen.
    Mit Ursula Sauter habe ich mich auch darüber unterhalten, und auch sie meint, daß das vielleicht auch eine Frage der Fruchtkörperreife sein könnte, und ob L. pulverulenta nicht tatsächlich nur innerhalb von Gebäuden vorkommt, und ob die nicht auch makroskopisch noch mal anders aussehen sollte.
    Jedenfalls nenne ich das erstmal Serpula himantioides, wüsste dann aber nicht mehr, wie man solche Kolletionen von Leucogyrophana pulverulenta unterscheiden könnte.

    ---> heißt weiterhin Serpula himantioides, Sporen sind so schon zu groß für Leucogyrophana pulverulenta und bei juvenilen Kollektionen von S. himantioides sucht man Skeletthyphen wohl oft vergeblich.













    3.)

    Im Folgenden wird es dann hellsporig.

    Ein Fund vom 01.11.2018
    Kaiserstuhl an den Osthängen zwischen Bahlingen und Endingen auf ehemals terassiertem, aber mittlerweile mit Rotbuchen, Ahorn, und einigen Weichhölzern bewachsenes Gelände, vulkanischer Löß
    an liegendem Laubholzstück
    Der Fruchtkörper ist ziemlich jung, hat aber schon reichlich Sporen und im Subikulum ziemlich auffallende, schlanke Skeletthyphen. Damit komme ich zu Fibricium, und wenn ich die zystiden weginterpretiere, dann wäre ich bei Fibricium subceraceum. Was schön passen würde, aber eigenltich würde ich einige Elelemte gerade im Bereich der Warzen doch lieber als Zystiden interpretieren.

    ---> nach Untersuchung von Frank Dämmrich so bestätigt










    4.)

    Dann noch ein Fund aus dem Sommer, vom 12.05.2018
    Viernheimer Heide, dickes, liegendes Stammstück von Kiefer
    Hatte ich eigenltich schon als Aphanobasidium pseudotsugae abgelegt, aber im Nachinein erschienen die Sporen doch ein wenig abweichend (minimal länglicher), und die Basidien sind kurz, was dann auch zu Aphanobasidium subnitens führen könnte. Was Elia Martini >dazu abbildet<, könnte schon auch passen.

    Aphanobasidium pseudotsugae hatte ich allerdings auch erst zwei Mal, dann aber jeweils mit etwas längeren Basidien (bis ca. 25µm).
    Aber ob das wirklich ein tragbares Trennmerkmal ist? Oder vielleicht auch reife- bzw. wetterabhängig? Immerhin fand ich dieses Aphanobasidium cf pseudotsugae zu einer Zeit, als der Sommer schon damit beganan, alles Leben aus den Wäldern zu brutzeln.

    ---> Das Problem der Trennung von Aphanobasidium pseudotsugae und Aphanobasidium subnitens ist vorerst nicht lösbar. Wenn sich die Sporenform als signifikant erweisen würde, dann hier Aphanobasidium pseudotsugae, subnitens hätte demnach keine apikal verschmälerten Sporen.








    Womit die "Krusten" erstmal durch wären, morgen an gleicher Stelle kommen noch ein paar Porlinge.



    LG; Pablo.

  • Guten Abend!


    Denn mal weiter mit ein paar Porlingen.


    5.)
    Ein Fund vom 23.09.2018
    Kaiserstuhl am Nordhang unterm "Totenkopf", Rotbuchenwald auf vulkanischem Löß;
    liegender, optimalmorscher Rotbuchenstamm und vergesellschaftet mit Phlebia nothofagi.

    Der Fall sollte eigentlich klar sein, jedenfalls sehe ich keine Alternativen zu Skeletocutis kuehneri, auch wenn die normalerweise eher an Nadelholz wachsen sollte und die Fruchtkörper hier unverhältnismäßig dick und knubbelig sind.

    ---> Bestimmung von Frank: Skeletocutis odora (hat nix zu tun mit Sidera vulgaris, naturalement)!
    Skeletocutis kuehneri demnach an Nadelholz und mit noch etwas schmaleren Sporen









    6.)

    Nun wird's interessanter.
    Die folgenden drei Porlinge stammen allesamt von einer MAK - Exkursion am 27.10.2018
    Langental bei Altleiningen / Höningen; ein relativ naturbelassener Talgrund mir recht guter Durchfeuchtung und wechselndem Baumbestand
    Der erste gehört in die Gruppe von Arten um Antrodia serialis, aber:
    Die Fruchtkörper fühlen sich zunächst mal ungewöhnlich an, nämlich in der Haptik im Frischzustand eher wie Rhodonia placenta, warum ich anfangs auch an eine farblose Kollektion dieser Art dachte. Auch im makroskopischen Habitus ist die Ausprägung der Knubbel nicht ganz passend, denke ich, weil auch bei sehr jungen antrodia serialis s.str. schon oberseits blassbräunliche und anders Strukturiete Hutkanten gebildet werden - sobald der Fruchtkörper nicht mehr komplett resupinat wächst.
    Mikroskopisch ist das ein schwieriges Pflaster. Nach "Studies in the Antrodia serialis group" von Spirin, Vlasak & Miettinen in Mycologia 2017 käme ich mit dem makroskopischen Aussehen, nahezu fehlenden kristallbeschopften Zystidiolen und zumindest Ansätzen von Bindehyphen im subikulum am ehesten zu Antrodia primaeva, wobei ich die Sporenmerkmale nicht so ganz nachvollziehen kann (auch "typische" Antrodia serialis sind so variabel, daß die da gut passen können).
    Ökologisch passt aber Antrodia primaeva nicht wirklich. Das ist halt kein borealer, unberührter Urwald dort...
    Also erstmal Antrodia cf serialis, aber schon eiine seltsame Kollektion und wie weit Antrodia primaeva wohl tatsächlich verbreitet ist, und ob immer und überall sauber von Antrodia serialis s.str. getrennt...?
    ---> Bestimmung von Frank: Antrodia serialis

    Wenn auch makroskopisch etwas wunderlich ausgeprägt, was man dem Pilz aber durchaus mal zugestehen sollte in so einem ungewöhnlich trockenen und warmen Jahr.








    7.)

    zwei Wochen vor der MAK - Exkursion war ich schon mal mit Freunden in dem Tal unterwegs. Der Folgende Porling fiel mir da auch auf, aber wir waren schon auf dem Rückweg und beim Kratzen wurde es dann auch zögerlich rötlich / rotbraun, also habe ich den mal einfach makroskopisch als Physisporinus sanguinolentus links liegen gelassen. Bei der MAK - Exkursion dann wieder kurz gekratzt, kein Röten mehr feststellbar und irgendwie sah der stellenweise schon komisch aus.

    Also eingepackt und reingelinst, und tja... Zystiden soll halt Physisporinus nicht haben. Bei Oxyporus sind die Zystiden eher hymenial ausgeprägt und die Farbverläufe sind anders. Also Rigidoporus, und dann wirds heikel.

    Das Substrat ist unbestimmt, ein stark verrotteter Baumstumpf im Talgrund, ziemlich feucht, Laubholz, würde ich sagen, Erle wäre naheliegend, aber das ist Spekulation.

    Nach Vampola & Vlasak in Czech Mycology 2012 bin ich irgendwie bei Rigidoporus pouzarii hängen geblieben. Auch, weil Makroaufnahmen in der Erstbeschreibung einfach so gut passen. Was nicht ganz passt, sind die Sporengrößen; bei Rigidoporus undatus und R. ulmarius hatte ich aber auch jeweils irgednwelche Porbleme. Kein Wunder, das sind alles ziemlich seltene Arten, zu denen man kaum schöne Dokumentationen findet.

    Also als persönlicher Arbeitstitel erstmal Rigidoporus cf pouzarii.
    Bestimmung von Frank: Physisporinus vitreus

    Oha. Demnach hatte ich bisher nur deutlich jüngere Kollektionen untersucht, und die Ausprägung der zystidenartigen Elemente darf nach Ryvarden wohl fakultativ so vorkommen. Interessant, macht aber die Erkennung einiger Rigidoporus - Arten nicht unbedingt leichter.










    8.)

    Der Dritte von der Exkursion am 27.10, auch unten im Talgrund, diesmal oben auf einem liegenden, stark morschen und teils bemoosten Nadelholzstamm.
    Den würde ich im Grunde ziemlich sicher für Oligoporus floriformis halten, auch wenn die Fruchtkörper oberseits etwas komisch ockerbraun sind.

    Der hat - vor allem mikroskopisch - aber seine Tücken, und sieht durch die Linsen ja aus wie...

    ...aber erstmal zum Oligoporus floriformis aus dem Langental im Pfälzer Wald.
    Bestimmung von Frank: Passt, trotz ungewöhnlich brauner Färbung, was aber bei dem wohl beim Antrocknen passieren darf, und Trockenheit gab's da ja mehr als reichlich.









    9.)

    Mikroskopisch erinnert mich das total an zwei Funde, die ich zugeschickt bekommen habe. Und zwar der erste mal von Beli 1, den ich hier nochmal im Bild zusammenfassen will.

    Also Belis von vom 06.09.2018;

    Gaden bei Waging am See, an liegendem "Zaunpfahl" in einem Waldstückchen.

    Da bleibe ich schon wieder irgendwie bei Tyromyces cf wakefieldiae hängen. Interessant, daß der sich von Oligoporus floriformis mikroskopisch kaum unterscheidet, sondern vorwiegend durch Farbverläufe, Fäuletyp und eine möglicherweise etwas andere Konsistenz.

    Die Aufnahmen vom Frischmaterial sind von Beli, habe ich nur mal ein wenig "zusammengefasst".
    ---> Bestimmung von Frank: Oligoporus balsameus
    Hatte sich ja schon angedeutet, siehe weiter unten wegen übersehenen Zystiden.








    Mikroskopisch erkenne ich als einzigen, signifikanten Unterschied die durchgehend (in Kontext und Trama) überwiegend dickwandigen Hyphen, sowie makroskopisch eine etwas andere Haptik und ein anderes spezifisches Gewicht im Exsikat, nach den Bildern fällt auch eine andere Farbgestaltung der frischen, vitalen Fruchtkörper auf.

    Kann natürlich trotzdem sein, daß beides das Gleiche ist, aber irgendwie glaube ich schon, daß 8.) und 9.) zu verschiedenen Arten gehören.


    Zu 9.) gehört meiner Ansicht nach übrigens noch ein anderer Pilz, den ich vorletztes Jahr zugeschickt bekommen hatte, und den ich fast schon wieder vergaß.

    Und zwar das, was Matthias >im Nachbarforum< gefunden hatte. Die Angabe des Finders zur Größe ("30cm") müsste man in Gedanken wohl mit einem "cf" versehen, das Stückchen Pilz, das ich habe, lässt doch auf einen etwas kleineren Pilz schließen. Mikroskopisch ist es ein Zwilling von Belis Fund, farblich können die Frischen Pilze jeweils schon Extremausprägungen von unterschiedlichen Enden der Variationsbreite einer einzigen Art sein.

    ---> Bestimmung von Frank: Da passt Tyromyces wakefieldiae.



    10.)

    Also, einer wäre da noch, den mir Joe geschickt hatte, nur leider fürchte ich fast, daß der seine Identität nicht presigeben wird, ohne mehr über Substrat und Begleitpilze zu erfahren (von denen wir nichts wissen). Die Gattung ist ziemlich klar, es ist eine Antrodiella spec., aber nach etlichen Stunden, die ich mit der kleinen Gattungsmonografie von Miettinen, Niemelä und Spirin in Mycotaxon 2006 gekämpf habe, ist mir der Kopf geplatzt, und ich schwimme verwirrt zwischen diversen Arten, die sich teils nur anhand Wirtspilz, Nuancen in den Hyphenstrukturen und Sporengrößen und Formen unterscheiden. Details, die schweirig zu beurteilen sind, ohne entsprechende Arten schon mehrmals selbst beobachtet zu haben.

    ---> Einschätzung von Frank: Antrodiella spec.
    Macht makroskopisch den eindruck einer Antrodia, gehört mikroskopisch aber zu Antrodiella. Durchaus wunderlicher Fruchtkörper, der aber vermutlich unbestimmbar bleiben wird.






    Das also wären für's erste die übriggebliebenen Probleme des letzten Jahres...

    Vielleicht können wir da was rausreduzieren, Frank, was nicht zwingend untersucht werden muss (weil zB schon nach Bildern absehbar, auf was es hinausläuft oder weil absehbar, daß keine morphologische Bestimmung möglich ist).


    Andere Problemfälle sammeln sich leider schon wieder an, aber manchmal klären sich Funde auch auf, wenn man sie etwas sacken lässt und dann nochmal unvoreingenommen beobachtet. Pilze brauchen halt auch Zeit.



    Lg; pablo.

  • Hallo Pablo,

    bin nun wieder zu Hause und habe mir mal deine Bilder zu den Funden angeschaut. Deine Dokumentationen sind immer sehr gut, trotzdem kann ich bei einigen Funden nur was sagen, wenn ich sie auch in der Hand halte.

    1.) T. atroarenicolor kann ich voll zustimmen.


    2.) abgesehen von den fehlenden Skeletthyphen läßt sich S. himantoides gut durch die Sporenmaße von L. pulverulenta trennen:

    L. pulverulenta 5,5 -7 x 3,5-4 µm,  S. himantoides 9-12 x 5-6,5 µm, wird wohl eine junge S. himantoides sein.


    3.) Fibricium subceraceum ist durchaus möglich, würde ich mir aber gern nochmal ansehen.


    4.) Aphanobasidium pseudotsugae ist sehr häufig und frisch an einen typischen   Apothekergeruch zu erkennen. Da bei deinen Mikromerkmalen auch

    A. subnitens möglich wäre, bitte schicken.


    Nun zu den Porlingen:

    5.) passt makroskopisch und ökologisch nicht zu Skeletocutis kuehneri, eher würde Skeletocutis odora (vulgaris) passen. Zu mir. :-)


    6.) Wenn Cartilosoma nicht passt, fällt mir momentan nix ein. A. primaeva ist eine nordische Art, die ich nicht kenne. 


    7.) Physisporinus vitreus hättest du am Standort schon an seinen unangenehmen Geruch erkennen können (ähnlich Fomitopsis pinicola)

    Rigidoporus pouzarii ist möglich, zumindest makroskopisch. Habe schon zwei Funde zum Vergleich, also zu mir.


    8.) Die Sporen und der Habitus würden zu O. floriformis passen, die braune Oberfläche eher nicht, also zu mir.


    9.) Makroskopisch und mikroskopisch würde hier auch Oligoporus balsameus gut passen, bei dem die Zystiden gern kollabieren!


    10.) Antrodiella ist eine "schmutzige" Gattung. Ohne Wirtsangabe und Begleitpilze, wie du schon selbst schreibst, wird es schwer.

    Hier könnten z. B. Antrodiella pallescens oder A. faginea in Frage kommen. Also....

    LG

    Frank



  • Hallo die herren,

    Zu pilz 10 kann ich leider nichts mehr beitragen, substrat ist höchstwahrscheinlich fichte, auf begleitpilze hab ich nicht geachtet/war mir damals auch nicht bewusst.

    Immer wieder faszinierend wie viel Arbeit in der Pilzbestimmung steckt und wie toll das hier im Forum präsentiert wird:thumbup:

    Lg joe

  • Hallo, Frank!


    1: Super, dann freue ich mich mal über eine für mich neue, schön bestimmbare Tomentella. :)

    Wenn du den Beleg für deine Sammlung brauchst, schicke ich den gerne mit, vermute aber, daß du davon sowieso schon ausreichend eigene Belege hast.

    2: Ok. Und demnach fällt mit den Sporengrößen die Leucogyrophana endgültig raus. Hefte ich dann also als Serpula himantioides ab, und vergleiche mit weiteren Funden dieser absolut unseltenen Art. Nehme ich mal aus dem Paket, weil der Beutel ohnehin zu viel Platz wegnimmt.

    3: Macht sich auf den Weg zu dir.

    4: Ich muss wieder mehr auf Gerüche achten! Auch der bleibt im Päckchen.


    5: Oho, das klingt auch spannend. Bei der blieb ich glaube ich auch mal hängen, muss mal nachgucken, warum ich die dann wieder ausgeschlossen hatte.

    6: Cartilosoma denke ich eher nicht. Bei rene-hentic ist zumindest die Röhrentrama normalerweise viel deutlicher monomitisch (und die sollte schon eher an Laubholz wohnen, dazu beobachte ich bei der eine klare Tendenz zur Hütchenbildung). Bei ramentacea käme die Hyphenstruktur in der Röhrentrama besser hin, aber die ist mir bisher mit größeren Poren und deutlicher zylindrischen Sporen begegnet, dazu mit einer abweichenden ökologischen Amplitude (in meiner Gegend regelmäßig an ansitzenden bzw. frisch abegfallenen, initialmorschen und noch berindeten Kiefernästen und dünnen Stämmchen). Mikroskopisch waren Funde von auch makroskopisch eindeutigen Antrodia serialis eigentlich am nächsten dran - mit den oben beschriebenen Abweichungen. Auch an Oligoporus s.l. (also die placenta - Ecke) hatte ich im Blick, weil da ja auch im alter mal mehr und mehr sklerifizierende Hyphen auftauchen können (erscheint dann gelegentlich dimitisch / pseudodimitisch), aber da würden die Sporen von der Größe her schon den Rahmen sprengen. Ich schick's mal mit, vielleicht habe ich auch einfach was übersehen oder falsch interpretiert.

    7: Erneut: Mehr schnuppern muss ich. Von Physisporinus vitreus hatte ich zwei Funde, die makroskopisch doch etwas anders aussahen, also durchaus auch mit so einem hyalin - bläulichen Schimmer beim Frischmaterial. Die Zystiden hatten mich dann endgültig von Physisporinus weggebracht, wo ich dann fast mehr bei einem kleinsporigen sanguinolentus gewesen wäre als bei vitreus (eben wegen dem makroskopsichen Aussehen). Aber P. sanguinolentus bräunt bzw. schwärzt halt ach massiv im Exsikat, der hier nicht.

    8: Hm, Witterungsverläufe? Es war da schon noch mal reichlich warm in den Wochen davor, und natürlich auch extrem trocken. Bin ich mal gespannt, wo der am Ende eingeordnet wird.

    9: Aha. Klar, wenn Zystiden kollabiert, dann ich völlig auf der falschen Spur. Die Zeit nehme ich mir heute abend doch noch mal, da ein paar präparate zu machen, ob nicht doch was zu finden ist.

    10: Vielleicht, wenn du an dem Stamm nochmal vorbei kommen solltest, Joe...?
    Ich kann den mitschicken, Frank, aber viel Sinn macht es wohl nicht, sowas wäre dann wohl ein Fall für eine Sequenzierung, wenn man diese Kollektion unbedingt bestimt haben müsste.


    Also Resumee: Danke für die Vorab - Einschätzungen, Frank!

    Damit kann man mal um zwei Pilze reduzieren, vielleicht auch drei, wenn wir die Antrodiella auch mal außen vor lassen.
    Allerdings addiere ich in Gedanken gerade mal noch einen, der mich derzeit verrückt macht. Muss ich noch eine Doku zusammenkleben, die kann ich morgen hier reinstellen.



    LG, Pablo.

  • Guten Abend!


    Also, etwas zerknirscht stelle ich fest: Zystiden bei 9.) vorhanden:


    Spindelig bis angedeutet lageniform, vor allem apikal etwas dickwandig, Kristallkappen im Exsikat nicht feststellbar.
    OK, die sind recht spärlich vorhanden, eigentlich nur direkt an den Röhrenmündungen / Porenrändern; muss man also unter Umsänden etwas suchen. Dennoch ärgerlich, die übersehen zu haben.
    Passt dann insgesamt jedenfalls schon gut zu dem, was Spirin, Zmitrovich & Wasser in Mycotaxon 97 / 2006 als Oligoporus balsameus definieren.

    Ich lass den trotzdem mal drin im Packerl, zudem da ja noch die 9b.) wäre, also >Matthias Porling<, wo ich natürlich auch nochmal reingeguckt habe, und nun noch weniger draus schlau werde. Zystiden finde ich da nach wie vor nicht (Zystidiolen aber durchaus), dennoch ist das was Anderes als Oligoporus balsameus (Hyphen sehen in der Nachbetrachtung doch anders aus, stellenweise mit komischen Auswüchsen wie Tyromyces kmetii). Bei dem bin ich nach wie vor ratlos...


    Folgendes hatte ich ja oben schon angedroht.
    Also anhänge ich mal noch Nummer

    11.)
    Fund vom 12.01.2019
    Waldpark Mannheim (Gelände mit Auwaldcharakter)

    an liegendem bis hängendem Laubholzstamm schräg über einem nassfeuchten Graben
    Fruchtkörper frisch ziemlich dick, weich wachsartig, komplett weiß; Moos überwachsend; auf glatter Unterlage glatt bis unregelmäßig warzig, aber keineswegs grandinoid, zähnchenförmig oder sowas. Beim Arbeitstitel bin ich momentan noch nicht weiter als Sistotrema spec.; auch wenn's womöglich noch nicht mal eine Sistotrema ist.










    Bringt mich noch um den verstand, dieser Pilz. Wenn es eine Sistotrema wäre, dann hätte die aber eine ganz andere Vorstellung als ich davon, was mit "Basidien urniform" gemeint wäre. Allerdings sind - auch wenn die reifen Basidien (mit Sporen / Sterigmen oben dran) größtenteils tubular + unregelmäßig eingeschnürt sind - die Basidiolen schon sistotremaartig, mit ihrer Birnenform (dicker Bauch und schlanker Hals oben drauf).
    Dann ist da noch die Situation mit diesen komischen, zystidenartigen Hyphidien, und zudem einige irregulär ausgeprägte elemente im Hymenium, die allerdings weil ohne erkennbaren Inhalt (egal in welchem Medium) auch deformierte Basidien sein könnten.

    Problem: Wenn ich das als Sistotrema mit Zystiden interpretieren würde, käme eigentlich nur noch Sistotrema coroniferum in Frage, den ich erst einmal untersucht habe, und da waren die Zystiden schon ganz anders ausgeprägt und größtenteils schon in KOH mit schön refraktärem Inhalt.
    Wenn ich das als Sistotrema ohne Zystiden interpretiere, käme mit den Sporen eigenltich nur noch brinkmannii in Frage, wo mir selbst bei jungen Kollektionen stets eine ganz andere Wuchsform begegnet ist. Eben grandinoid, mit kleinen bis großen, +/- regelmäßig angeordneten Zähnchen. Das sieht hier schon ganz anders aus.

    Wenn ich das nicht als Sistotrema interpretiere (weil die reifen Basidien eben nicht urnenförmig sind), dann käme im Grunde nur noch Sistotremastrum in Frage, und in der Gattung würde ich bis auf suecicum quasi alles ausschließen, suecicum aber kenne ich noch nicht persönlich, würde ich aber eigentlich auch ausschließen, weil die Sporen bei mir zugänglichen belastbaren Zeichnungen doch etwas anders aussehen und die Art vorwiegend an Nadelholz vorkommen soll...

    Den packe ich jedenfalls mal noch bei.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,


    deine Exsikkate sind gut angekommen. Den Problemfall 11.) habe ich schon mal unters Mikroskop gelegt und meine Ergebnisse decken sich mit deinem- es bleibt ein Problemfall! Es ist zwar mikroskopisch eine Sistotrema, aber makroskopisch sehr befremdend. Ich werde ihn für eine Sequenzierung aufheben. Es gibt noch eine Galzinia vesana mit ähnlichen mikroskopischen Merkmalen, aber da muss ich erst mal Literatur versorgen.


    Beste Grüße

    Frank

  • Hallo, Frank!


    Ui, hoffentlich machen die anderen Pilzchen in dem Päckchen weniger Schwierigkeiten.

    Die Galzinia - Idee ist allerdings intressant. Mit der Sporenform und der Form der Basidien kam mir so eine Idee, die ich aber ganz früh vom Tisch geschoben hatte. Mir war gar nicht bekannt, daß es da Arten mit mehr als 4-sporigen Basidien gibt. Also auch wenn's für diese Kollektion nicht zum Ziel führt: Gut zu wissen, daß es da zumindest eine Art gibt die das kann. Weil wenn man die Art mal unterm Mikro hätte, würde man die mit einem gängigen Gattungsschlüssel (FE12 oder CoNE) nie erreichen, weil Galzinia da nur über 4-sporige Basidien erreicht wird.


    Wegen der Sequenz: Nur, wenn's ohne nenneswerten Mehraufwand maal irgendwann reinpasst. Es kann ja auch sein, daß das ein komisch ausgeprägter Fruchtkörper einer "ganz normalen" Sistotrema - Art ist. Klar, mit etwas verwachsenen Basidien (die Basidiolenform ist dagegen ja schon klassisch), aber eine Sistotrema brinkmannii mit verunglückter makroskopischer Wuchsweise würde ja mit den Sporen auch passen, ebenso wie eine Sistotrema coroniferum, die das mit den Zystiden irgendwie vergessen hat.

    Bildungsabweichungen können ja durchaus vorkommen. Ein Gewinn wird es natürlich, wenn man solche Abweichungen irgendwo einer Art zuordnen kann, was dann eben das Verständnis dieser Art erweitern kann.



    LG, Pablo.

  • N'Abend in die Runde!


    Mittlerweile hat Frank sich die Funde angeschaut.

    Oben sind nun die Namen eingefügt, jeweils mit kleinen Kommentaren.

    zusammengefasst:
    Die Sistotrema bleibt rätselhaft.

    1 & 2 waren schon ohne Exsikatuntersuchung einschätzbar
    3 = Fibricium subceraceum

    4 = siehe oben: Die trennung von Aphanobasidium pseudotsugae und Aphanobasidium subnitens ist problematisch und wäre weiter zu untersuchen.


    5 = Skeletocutis odora

    6 = Antrodia serialis s.str.

    7 = Physisporinus vitreus!

    8 = Oligoporus floriformis
    9a = Oligoporus balsameus
    9b = Tyromyces wakefieldiae

    10 = Antrodiella spec.



    LG, Pablo.

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