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letzter Beitrag von Maria am

Tramete? Und wenn ja welche?

  • Hallo Ihr Lieben,


    heute fand ich an einer lebenden Fichte die nachfolgenden Pilze. Die Pilze sind weich, elastisch, riechen irgendwie "frisch". Sie ließen sich sehr leicht abbrechen.
    Ich habe jetzt ein wenig gesucht was dies sein könnte, habe aber das Problem, dass bei den meisten evtl. in Frage kommenden Pilzen die Farbe nicht stimmt und auch die Konsistenz des Pilzes. Allerdings weiß ich natürlich nicht, wie sich der Pilz im Laufe der Zeit verändert. Was könnte ich denn da gefunden haben?





    Auf Bild 3 sieht man an der Bruchstelle eine grüne Farbe - die war wirklich vorhanden ist nun aber einige Zeit danach nicht mehr zu sehen.


    Auf der anderen Seite das Stammes gab es noch mehr - könnte dies vielleicht die Reihige Tramete (Antrodia serialis) sein?


    Vielen Dank schon einmal für Eure Hilfe.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    Das sieht eher nach einem Saftporling (Oligoporus s.l.) aus, wozu auch deine beschreibung der Konsistenz besser passt.
    Da kann ich dir aber wenig Hoffnungen machen, was eine makroskopische Bestimmung angeht. Man könnte noch über den Geschmack (nach einigen Sekunden kauen bitter oder mild bleibend) und die Reaktion mit schwefelsäure ein paar Hinweise bekommen, aber die wesentlichen Merkmale liegen da im mikroskopischen Bereich.


    Der an der anderen Seite des Stammes sollte ein Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum s.l.) sein. Wenn das Substrat Laubholz wäre, dann auch im strengen Sinne, also Heterobasidion annosum "s.str.", an Nadelholz müsste man theoretisch drei Arten unterscheiden, was aber meistens nicht wirklich so funktioniert, wie es sollte.



    LG; Pablo.

  • Danke Pablo


    Ich habe jetzt ein wenig über die Saftporlinge gelesen und mir Fotos angesehen und dabei stellt sich mir eine Frage. Der Pilz den ich gefunden habe besteht eigentlich nur aus Röhren. Auf den Fotos der Saftporlinge die ich mir angesehen habe sieht dies irgendwie nicht so aus.


    Und dann ist gerade etwas passiert - ich habe mir die Röhren gerade noch einmal angesehen und sie mit dem Finger ein wenig bewegt - die Stelle verfärbt sich leicht ins grünliche! Ist dies normal?


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    Naja, was ist bei Pilzen schon normal? ;)
    Aufschlussreich wäre jetzt zB die Tatsächliche Größe des Pilzchens und eben das Substrat (Laub- oder Nadelholz).
    Klar gibt's Saftporlinge, bei denen eine Verfärbung ins grünlichblaue charakteristisch ist. Allerdings mehr als eine Art, wobei der hier für Oligoporus caesius (= Postia caesia = Blauender Saftporling, das wäre die Nadelholzart, nur selten an Laubholz) schon insgesamt zu schwach gefärbt wäre. Eher denkbar wäre dann Oligoporus alni (= Postia alni = fastblauer Saftporling, die Laubholzart):


    Das sind aber alles eher kleine, recht zerbrechliche und weiche Pilze.
    Nur Olipoporus subcaesius (südeuropäische Art an Laubholz) müsste etwas kräftiger und dicker werden und kaum mal grünblau verfärbend.
    Was auf vielen Internetseiten und in diversen Büchern als Oligoporus subcaesius (oder Postia subcaesia) bezeichnet wird, ist meistens Oligoporus alni.


    Solche verfärbungen können aber gelegentlich auch untypisch entstehen, zB durch Bakterienbefall.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    der Pilz wuchs wie schon gesagt an einer lebenden Fichte.


    Zur Größe:
    Hutfleischdicke vorne am Pilzrand: 0,3 cm
    Hutfleischdicke an der Abbruchstelle: 0,7 cm
    Röhrenlänge durchgehend 1,0 cm
    Länge von der Abbruchstelle bis zum Pilzrand: 3,0 cm


    Ich danke Dir ganz herzlich für Deine Mühe Pablo. Das ist wirklich toll!


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    So gut es geht, versuche ich gerne, mit der einen oder anderen Idee zu helfen. Umso mehr natürlich bei solchen Pilzen, die mich halt sowieso speziell interessieren. :)
    Mit deinen Angaben könnte ich mir da schon gut den "Fastblauen" vorstellen, wirklich sicher wird's halt erst durch die Mikromerkmale. Das sollte dich aber nicht frustrieren, sondern anspornen: Auch wenn man bei diesen Pilzen erstmal einen Großteil makroskopisch nicht bestimmen kann, werden es selbst ohne Mikroskop nach und nach mehr werden, die man erkennt oder zumindest irgendwie eingrenzen kann.


    Wenn's um Porlinge und Rindenpilze geht, da kannst du auch jederzeit Fruchtkörper trocknen und mir bei Gelegenheit zuschicken. In vielen Fällen kommt dann schon ein zuverlässiger Name raus, was ja auch hilfreich ist, dann kann man die Beobachtungen, die man da gemacht hat, schon mal mit einer Art verknüpfen.



    LG, Pablo.

  • Hallo, Maria!


    Der Fastblaue ist nicht Oligoporus subcaesius, sondern Oligoporus alni.
    Wenn Fichte das Substrat ist, wäre der Blauende (Oligoporus caesius) der Wahrscheinlichere. Man kann sich da wohl nicht völlig auf das Substrat verlassen, aber es gibt in der Sporenbreite einen recht konstanten Untschied.


    Wenn du da nochmal vorbei kommst, mach doch noch zwei oder drei Überischtsaufnahmen von dem Baumstumpf. Manchmal kann man das auch schon so mit Bildern klären, ob Laub- oder Nadelholz. Ideal ist natürlich, wenn irgendwo noch Rinde an dem Stumpf wäre.


    Falls du es nicht eilig hast und dich in den kommenden Wochen eh noch mehr mit solchen Pilzchen beschäftigen willst, würde ich dir raten, den zu trocknen und beiseite zu legen. Da sammeln sich bestimmt noch ein paar Fragezeichenpilze an, und die alle in einem Päckchen ist schon mal Porto gespart. ;)



    LG; pablo.

  • Hallo Pablo,


    dies war kein Baumstumpf sondern ein lebender Baum! Es war ein Nadelbaum und ich bin der Meinung, dass es Fichte war. Die Nadeln kann man auch auf den Fotos erkennen. Und ich bin mir nach wie vor ganz sicher das es ein lebender, kompletter Nadelbaum war :)


    Gerne gehe ich die Tage noch einmal dorthin und mache Fotos von der Baumrinde und von der Baumkrone :)


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    OK then! :alright:
    Wenn du das Substrat erkannt hast, glaube ich dir das aber so oder so. An lebenden Bäumen tauchen saftporlinge sonst eher selten auf, aber da muss man auch mit der Auswirkung des Wurzelschwammes rechnen: Dadurch dürfte das Holz zumindest teilweise schon stark geschädigt, wenn nicht sogar partiell abgestorben sein und dadurch auch für einen Saftporling angreifbar.



    LG; Pablo.


  • Hallo Pablo,


    ich habe mich gerade mit einem hiesigem Pilzfreund verabredet - morgen wollen wir uns unter anderem diesen Pilz mitsamt dem Baum noch einmal genau ansehen. Und dann werde ich natürlich berichten :)


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Ihr Lieben,


    es ist mir ja hochgradig peinlich aber ich habe mich, was den lebenden Baum angeht, richtig gründlich getäuscht :shy:  
    Der Pilz wächst an einem Baumstumpf und ich bitte Euch um Entschuldigung.


    Allerdings ist es in der Tat eindeutig Fichte.


    Ein Pilzfreund der sich sehr gut auskennt hat mich heute begleitet und er meinte, dass es sich wahrscheinlich nicht um einen Saftporling handelt. Er meinte, dass es evtl. sogar der Nördliche Schwammporling (Climacocystis borealis) sein könnte.


    Was meint Ihr?


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Maria,
    an den Nördlichen Schwammporling "glaube" ich nicht (ich hatte den allerdings erst zweimal): der hätte sehr große, sehr unregelmäßige Poren (falls du noch frische Pilze oder nicht ganz zusammengeschrumpelt-getrocknete Pilze hast, wäre die Anzahl der Poren pro mm interessant), Climacocystis hätte (in gutem Zustand) eine erkennbare Duplexstruktur und wirkt auf der Oberseite (sofern gut erhalten) eher leicht striegelig ... und der riecht wirklich "lecker" (und schmeckt auch angenehm, nicht bitter) - so Verfärbungen habe ich da auch noch nicht gesehen.


    Du schriebst was von grünlichen Verfärbungen (sehe ich auch an einer Stelle), aber hauptsächlich sehe ich bräunliche Verfärbungen (?), auf den unteren Bildern, meine Idee wäre eigentlich Postia/Oligoporus fragilis (? aber vielleicht ist dafür die Bräunung nicht ausreichend)

  • Hallo abeja,


    der Pilz, ich habe heute noch einmal ein Stück mitgenommen, riecht total lecker nach Pilz. Und, ich habe ihn gerade probiert, er ist nicht bitter.
    Pro mm sind es vielleicht 3x3 Poren.


    Das letzte, vierte, Bild ist ein anderer Pilz. Der Pilz um den es hier geht ist relativ weiß. Die Huthaut hat einen leichten gold-bräunlichen Schimmer und der Rest ist creme-weiß.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Ahoi!


    Der zweite Pilz (viertes Bild) dürfte ja relativ klar sein.
    Bei dem anderen glaube ich auch nicht so recht an Climacocystis. Im Alter werden da die Poren schon regelrecht labyrinthisch. Komplett ausschließen mag ich es hier nicht, aber da sind andere Arten eher wahrscheinlich. Oligoporus fragilis (Postia fragilis) müsste schon deutlicher röten, das passiert da auch wirklich direkt beim Anfassen. Ältere Fruchtkörper sind dann meistens ziemlich umfassend rotbraun gefleckt und überlaufen, die Art halte ich hier ebenfalls nicht für besonders wahrscheinlich.



    LG, Pablo.

  • Hallo, Maria!


    Prima, machen wir so. :alright:
    Du kannst dir ruhig etwass Zeit assen, vor Neujahr komme ich vermutlich kaum dazu, den zu bearbeiten, wenn er hier ankommt. Aber ich freue mich drauf und bin schon mal gespannt, was rauskommt. Das Thema verschiebe ich mal ins "Spezialforum" für Porlinge und Rindnepilze, dann ist es leichter wiederzufinden (rutscht nicht so schnell nach unten).



    LG; Pablo.

  • Hallo, Maria & alle, die es interessiert!


    Bei der Untersuchung kam ich bei Oligoporus tephroleucus (= Grauweißer Saftporling = Oligoporus lacteus = Milchweißer Saftporling) raus.
    An einer Stelle ist zwar tatsächlich ein grünlichblauer Fleck, aber das geht wohl eher auf eine Bakterienkolonie zurück, denn der Rest des Fruchtkörpers verfärbt lediglich ins Gelbliche an den Poren.


    Makroskopisch nicht zu untescheiden wäre der Kurzröhrige Saftporling (Tyromyces chioneus), der aber etwas breitere Sporen und ein etwas anderes Hyphenbild hat.






    LG, Pablo.

  • Danke Pablo :)


    Ich verstehe jetzt allerdings eines nicht so wirklich und frage daher ganz naiv nach:
    Oligoporus tephroleucus (= Grauweißer Saftporling = Oligoporus lacteus = Milchweißer Saftporling) ?


    Vielen Dank schon einmal für die Erklärung.


    Liebe Grüße und ein wunderschönes und pilzreiches Jahr 2018


    Maria

  • Hallo, Maria!


    Das versteht vermutlich auch eh die Mehrheit aller Leser nicht:

    Oligoporus tephroleucus (= Grauweißer Saftporling = Oligoporus lacteus = Milchweißer Saftporling) ?


    Das soll bedeuten, daß das alles eine Art ist. Vier Namen (Synonyme), aber immer der gleiche Pilz. :)
    Man kann sich streiten, ob man die rein weißen irgendwie von den ockerlich oder grau gefärbten abgrenzen will, aber da es wohl so ziemlich alle Übergänge bei den Farben zu geben scheint und ansonsten kein konstantes Trennmerkmal, dürften das bestenfalls unterschiedliche Farbformen sein und sollten dann auch so geführt werden, also als "forma" lacteus und nicht etwa als eigenständiges Taxon.



    LG; Pablo.


  • Danke Pablo


    Und jetzt soll Mal einer widersprechen, wenn ich sage, dass dies mit den Pilznamen gelegentlich ;) total verwirrend ist :D

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