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letzter Beitrag von Beorn am

Coriolopsis gallica = Braune Borstentramete

  • Coriolopsis gallica (Fr.) Ryv.
    Braune Borstentramete
    Synonyme hier:
    http://www.speciesfungorum.org…ecies.asp?RecordID=311820


    Basidiomycota --> Agaricomycetes --> Incertae sedis --> Polyporales --> Polyporaceae--> Coriolopsis --> Coriolopsis gallica


    Fruchtkörper: an Unterseiten von liegenden Stämmen und dicken Ästen teilweise resupinat oder halb-resupinat mit kleinen, nur 1-3 cm abstehenden Hutkanten, ansonsten Hüte einzeln oder reihig nebeneinander oder dachziegelig übereinander, bis 5-10 cm (teilweise größer) breit, bis 6 cm abstehend, bis 2 cm dick an der Ansatzstelle.
    Oberfläche deutlich striegelig haarig, viel grobhaariger als Trametes hirsuta, Haare nicht senkrecht abstehend, sondern überwiegend nach vorne gerichtet.
    Farbe bräunlich, teilweise zoniert, trocken ausbleichend.
    Zuwachskante frisch heller als Hutoberfläche, scharf und etwas nach unten zeigend, an der Kante auch verkahlend.


    Poren: grob, nur 1-2-3 Poren pro mm (untersch. Lt.-angaben, nachgemessene 1 pro mm vorgefunden), unterschiedlich geformt, etwas eckig, anfangs hell, dann schnell bräunlich


    Fleisch: Trama braun, relativ hart und zäh (lt. Literatur holzig-korkig), man erkennt immer (bei jedem Feuchtigkeitszustand, auch bei ganz jungen Pilzen) im Schnitt eine braune, (meist rostbraune) filzig-auffasernde Schicht direkt oberhalb der Röhren.
    Röhren lt. Lit. bis 1 cm lang (schon länger gesehen), je nach Alter und Feuchtigkeit mittelbraun bis schwärzlich-braun.
    Trama färbt mit KOH (und auch mit anderen starken Laugen) sofort schwarz, die Färbung verschwindet wieder.


    Speisewert: kein Speisepilz


    Geruch: schwach pilzartig/ unbedeutend


    Geschmack: -


    Sporenpulver: weiß (hyalin), inamyloid (keine Färbung mit Melzer's Reagenz)


    Vorkommen: ganzjährig, besonders im Herbst Neubildung (meine Funde überwintern), wärmeliebende, bisher in Deutschland seltene Art, lt. Literatur an diversen Laubhölzern, gern an Esche, nicht an Nadelholz
    Meine Funde bisher alle im Laubmischwald, Hochrhein 300-400 m, Südhanglage, unterschiedliche Licht- u. Feuchtigkeitsverhältnisse, meist auf Buchentotholz, seltener auf Eschentotholz und Eichentotholz.
    Weißfäuleerreger


    Verwechselungen: Blasse Borstentramete, Trametes trogii (Syn. Coriolopsis trogii), bestes Unterscheidungsmerkmal: helle Trama, färbt nicht mit KOH (und anderen Laugen).
    Eventuell - falls flächig wachsend - auch Verwechslung mit Datronia mollis (grobporige Datronie) möglich. Diese ist aber deutlich dünner und weicher, hat keinen braunen Filz sondern eine dünne schwarze Linie oberhalb der Röhrenschicht, riecht leicht süßlich-obstartig und bildet manchmal Hutkanten mit schwarzer Oberfläche aus.


    Bilder:
    Pilz1

    Schnitt von Pilz 1 und andere typische Schnitte (jung, älter, trocken, feucht)


    Pilze 2, teilweise flächig wachsend, sehr junge Fruchtkörper u.a.


    Pilze 3 (u.a.) , deutlich abstehend, mit Laugenreaktion


    Pilze 4, reihig wachsend

  • Hallo.


    Da stelle ich gerne noch was dazu.
    Sommer 2013 im Schwarzwald, Höhenlage über 800 m, Buchenscheit in Holzstapel:


    Odenwald, ca. 300m üNN; ebenfalls an Buche:


    Oberrheinebene, Dossenwald bei Mannheim; an Birke:



    LG, Pablo.

  • Bei Coriolopsis gallica habe ich auch eine Ergänzung, und zwar habe ich die "Verkahlung" beobachtet.
    Ich fand eine Gruppe von kleinen, dünnen aber wohl schon älteren Exemplaren (an morschem liegenden Buchenstamm), wegen des schlechten Wetters und der ungünstigen Lage des Stammes habe ich keine Übersichtsaufnahme vor Ort gemacht, sondern nur einen Pilz abgezupft.
    Erst dachte ich, zum dritten Mal Trametes cervina (Trametopsis cervina), die hirschbraune Tramete, gefunden zu haben, so ähnlich sahen die Wuchsanordnung und die Hüte von oben aus.
    Die Oberfläche war gelblich-braun geworden, sehr scharfkantig zulaufend und fast vollständig verkahlt.
    Oberseits nur noch unebene, leicht riefige nach vorne gerichtete Strukturen, die kaum als Reste von Haaren zu erkennen sind.
    Die Unterseite (Poren) und die Trama sahen dann aber eindeutig nach Coriolopsis gallica aus, mit Lauge gab es auch die schwarze Verfärbung.


    Neue Bilder v. Januar 2014

  • Noch eine Ergänzung:
    ich hatte im Januar berichtet, dass eine Gruppe von Coriolopsis gallica fast völlig die striegeligen Haare verloren hatte. Eindeutig war die Sache aber doch wegen der Unterseite und wegen der im Schnitt erkennbaren braunen filzigen Fasern.


    im April wiederum bin ich an einer (mir schon bekannten) Pilzgruppe dieser Art (vgl. Pilze 4 oben) vorbeigekommen, diese hatten nach dem milden Winter zwar nicht ihre Haare, dafür aber ihre Oberflächenfarbe eingebüßt.




  • Ahoi!


    Was mir so am Rande auffiel die letzten Tage:
    Coriolopsis gallica kann auf Druck röten. Jedenfalls das Hymenium bei frischen, fertilen Fruchtkörpern. Das sieht ein wenig ähnlich aus wie bei Daedaleopsis confragosa und kann auch noch etwas deutlicher ausfallen als auf dem ersten Bild erkennbar ist:


    Mikrodoku dazu:



    LG, Pablo.

  • Hallo.


    Eine Kollektion an halb vergrabenem Laubholz an einem matschigen Fußweg im Auwald.
    Leider komplett steril, weder Sporen noch irgendwelches Hymenium zu finden. Aber dafür mal ein Bildchen von den cyanophilen Skeletthyphen.




    LG; Pablo.

  • Hallo,
    die Braunen Borstentrameten habe ich jetzt im Mai 2017 auch an verschiedensten Orten wieder im frischen Zustand gesehen.
    Oft als großflächiger teils resupinater Bewuchs und mit nur sehr kleinen Hutkanten.


    Der braunfaserige Innenaufbau ist natürlich jeweils überprüft, wenn auch nicht fotografiert.
    Alle 3 Funde waren an liegendem Eschenholz, die ersten beiden Fotos sind "geblitzdingst", auch um die Strukturen noch etwas deutlicher zu machen.


    Das Flecken (braun-rötlich) bei Berührung konnte man da auch gut nachvollziehen.


    Bilder liegen in 1200 Pixel Breite vor, durch Anklicken vergrößerbar.


    01 (geblitzt)


    02 sehr bodennah, schräg von unten fotografiert (geblitzt)


    03 Holzstück gedreht

  • Moin!


    Da hatte ich neulich eine Kollektion mit geotropem Wuchs.
    An einem ziemlich dicken Rotbuchenast, der wohl mal gedreht wurde. Der Hutfilz wächst die nach oben zeigenden Poren schon gut zu, unten hat sich das Hymenium schon wieder prächtig entwickelt.



    LG; Pablo.

  • Ahoi!


    Hier hätten wir mal beide (Coriolopsis gallica & Coriolopsis trogii) an einem Rotbuchenstamm:


    Fruchtkörper von C. gallica:


    Fruchtkörper von C. trogii:


    Beide nebeneinander, man vergleiche die Farbe der Kontextfasern:



    LG, Pablo.

  • Hallo, jetzt also diese C. gallica (von hier Mischwald mit Mikado) noch separat. Drei Pilze unterschiedlichen Alters, der älteste war oberseits voller Moos. Alle an toter, liegender Esche im gleichen Waldstück.

    Oberseite


    Unterseite


    Schnitt


    Schnitt mit KOH frisch


    Und weil der Farbton so gut passt, noch einen Schnipsel von Hapalopilus nidulans zum Vergleich dazugeholt, und Graupeln, auch frisch

    Ach ja, nach 15 Minuten ist die Färbung an dem ältesten Pilz wieder verschwunden, die anderen sind geringfügig heller geworden, unter Beibehalt des pinken Tons. Also wohl doch ein Altersphänomen.


    LG, Bernd

  • Hallo, Bernd!


    Hui, die farbliche Ähnlichkeit mit Hapalopilus ist schon bemerkenswert. Der Gedanke kam mir gestern auch schon kurz.

    Aber natürlich sieht Hapalopilus in einer Menge merkmale schon ganz anders aus. Deins sind schon alles Coriolopsis gallica. Und das Violett ist wirklich merkwürdig.
    Wenn es recht ist, kann ich deinen Beitrag auch ins >bestehende Portrait< verschieben. Auf einem von Abejas Bildern meine ich bei der KOH - Reaktion übrigens auch so einen Anflug von Violett zu erkennen. Und ich werde das in Zukunft auch häufiger testen.



    LG, Pablo.

  • Hi.


    Erleddischt. :thumbup:

    Schadet auch nichts zur Wiederfindung deines Beitrages mit der KOH - Reaktion, wenn man das mal wieder sucht. Das Portrait ist zum Glück recht leicht zu finden via Suchfunktion.



    LG; Pablo.

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