Beiträge von Oehrling


    Freie, rosane Lamellen machen aus dem kleinen Holzbewohner einen Dachpilz (Pluteus spec).
    Alles schon ziemlich vergammelt, teils schimmelig. Möglicherweise eine Art Weichritterlinge, aber da muss ich noch nachlesen.


    Der Dachpilz könnte aufgrund der deutlich sichtbaren Hutschuppen etwas Besseres als der Rehbraune Dachpilz sein, aber eine Artvermutung habe ich nicht, dazu kenne ich die Dachpilze zu wenig.


    Die "Weichritterlinge" sehen mir ein bisschen nach Lepista sordida aus.

    Hallo Erebus,
    du bist ohne Frage ein ganz großer Pilzfotograf, viel besser als ich jemals sein werde. Aber ich wollte einmal sachlich und kritisch hinterfragen, wie du auf die in deinem Beitrag geposteten Pilznamen kommst? Ähnlichkeitsvergleiche mithilfe von Pilzbildern? Zuruf von Kollegen, die den Pilz nicht live gesehen haben?
    In einem Parallelthread läuft gerade eine interessante Diskussion über Expertenaussagen, Imagetransfer bei Experten und Expertenverantwortung, vielleicht schaust du da mal rein?


    Zu diesem Beitrag, der wie schon gesagt, außerordentliche fototechnische Qualität aufweist:
    07: wahrscheinlich nicht Clitocybe gibba, der wäre am Stiel heller
    08 + 09: wie kann man Inocybe godeyi vermuten, ohne den Pilz ausgegraben und die Stielbasis beurteilt zu haben? (zu Beorns Frage: Inocybe godeyi ist für einen Risspilz mittelgroß und hat eine Basisknolle, Inocybe erubescens ist für einen Risspilz groß und hat eine zylindrische, evtl. sogar verjüngte Stielbasis)
    17 + 18: alles innerhalb der Variationsbreite des Netzstieligen HR
    24: fast alle 6 bis 8 Schildborstlingsarten sehen makroskopisch so aus, ohne Mikroskop ist nur eine Gattungsdiagnose möglich
    31 + 32 + 33: Ockerbraune Becherlinge, die alles mögliche sein können, ohne die Jodraktion unterm Mikroskop ist nicht einmal die Gattung sicher
    34: makroskopisch sehen die mit dem schuppigen und wenig filzigen Hut eher wie T. scalpturatum aus - wurde der Geruch geprüft?


    Ich hoffe, du bist mir nicht böse, dass ich etwas Wasser in den Wein kippe, und hätte einen Tipp für dich: arbeite mit einem guten Pilzbestimmer zusammen, mit dem Pfund deiner fotografischen Kompetenz kannst du dabei wuchern - ihr zwei wärt das Traumteam schlechthin, und bei weitem nicht das erste, das so arbeitet.

    Wenn die Lamellen (das sind die kleinen Blättchen unter dem Hut)rostorange sind, könnte man in der Gattung Conocybe (Samthäubchen) suchen, wenn sie mehr trüb graubraun sind, eher in der Gattung Bolbitius (Mistpilz). Die Art geht beim besten Willen nicht.

    Das ist klar zu beantworten: genauso. Bist du selber auf irgendeinem Gebiet Experte, rollen sich dir oft die Fußnägel hoch, sobald was über dieses Fachgebiet im Fernsehen kommt, oder in der Tageszeitung steht. Journalismus ist Hochgeschwindigkeitsproduktion unter Kostenreduzierungsaspekt, das merkt man den Sendungen/Artikeln schon an.


    Bei dieser Sendung besteht das Problem allerdings nicht in der Unwissenheit eines Experten - das wäre ja auch ein Widerspruch in sich -, sondern in der Abwesenheit eines Experten, in der Hoffnung, dem Publikum würde das Fehlen von Expertise nicht auffallen. Dies ist ja auch bei 98 % der Zuschauer so.


    Der Redakteur der Sendung hat mutmaßlich vor der Sendung den bedauernswerten Christian Frank angewiesen, nebenher ein bisschen was über Pilze zu erzählen, gerade das, was einem in den Sinn kommt, als lockere Kochstubenplauderei sozusagen. Dem Frank ist wahrscheinlich nicht klar, dass das Pilzthema zu eisglatt für eine Plauderkonversation ist, das hat ihm natürlich auch keiner gesagt, sonst hätte er sich auf dieses Spiel sicher nicht eingelassen.


    So geht Fernsehen heute, ist ja nicht nur bei Pilzen so.

    Ich habs schon im anderen Thread geschrieben, aber hier noch mal. Macht euch bitte per Google über Pleurocybella porrigens schlau, bevor ihr im Sommer auf Austernpilzjagd geht. Über diesen Pilz sind einige nicht so schöne Geschichten im Umlauf.

    Langsam, Leute. Das sind nicht alles Austernpilze, was da wie Ohren an den Baumstämmen hängt. Der Austernpilz ist zunächst einmal ein Winterpilz, und echte Austernpilze dürften im Juni ähnlich selten sein wie Schneeflocken.


    Wer jetzt vorhat, Austernpilze zu sammeln, sollte zunächst vorsichtshalber nach Pleurocybella porrigens googeln, wäre mein Ratschlag.

    Der Typ, der diesen ganzen ... ähem ... über Pilze absondert (wohlgemerkt: nicht übers Kochen!), heißt Christian Frank und ist ein Kochexperte. Von einem Pilzexperten Christian Frank habe ich dagegen nie gehört, der scheint nach seiner Sprechweise und den verwendeten Ausdrücken sein ganzes Wissen aus den Pilzsammelgängen mit seinem Vater zu beziehen (sagt er ganz am Anfang!).


    Die Sendungsmacher wollten wohl das Geld für einen Pilzexperten sparen, nach dem Motto: über Pfifferlinge, Champignons und Steinpilze weiß eh jeder Mopps Bescheid, das muss auch mal so gehen. Wer Tim Mälzer guckt, will eh nichts über Pilzkunde lernen. Für viele Profiköche sind Pilze ein Futter wie vieles andere, die wissen gar nicht, dass bei Wildpilzen das übliche aromaschonende Heißschwenken/Anbraten in Butter oft nicht ausreicht.


    Mälzer hat übrigens die Aussage, dass man alle Speisepilze roh essen könnte, später in Frage gestellt, wenn auch nicht mit der gebotenen Entschiedenheit. Besser wäre es gewesen, wenn Mälzer diese problematische Aussage (und einige andere auch) gegenüber Frank vor der Sendung angesprochen hätte. Mälzer weiß, soweit ich gehört habe, relativ viel übers Pilzesammeln, ist wohl auch schon mit Experten in den Wald gegangen, da hätte sicher ein kleiner Wissenstransfer stattgefunden.

    Eine der beiden Inocyben steht jetzt im PilzepilzeForum zur Ansicht. Es handelt sich um einen Glattsporer mit Pleurozystiden, der meinem Farbempfinden nach violette Töne am Stiel hat. In Frage kommen z. B. Inocybe griseolilacina oder Inocybe pusio.

    Rada
    Danke für die Informationen über das, was du mikroskopiert hast bzgl. der Psathyrella.


    > von der Feststellung solltest Du Dich trennen. Es gibt durchaus Psathyrella mit hyalinen oder sehr hellen Sporen.


    Hättest du da Artnamen? Die würde ich gerne in der Literatur nachschlagen. Ich hatte nämlich bisher auch gemeint, dass Psathyrellen ausnahmslos dunkelsporig sind. Und dass etwas Psathyrellenartiges mit hyalinen Sporen in eine hypothetische Gattung "Leucopsathyrella" (oder so ähnlich) gesteckt würde, wenn es denn vorkäme.


    > Ich halte diesen Pilz jedenfalls für eine Psathyrella, bis jemand was besseres weiß. Ich schließe auch eine Wachstumsstörung nicht aus, wie sie z.B. bei Lyophyllum connatum schon öfter gesehen habe.


    Die hätte ich jetzt glatt als Lyophyllum connatum angesprochen, vor allem, wenn sie parfümiert-süßlich gerochen hätten und mit Eisensulfat grauviolett reagiert hätten.


    Beorn
    Nach meiner Erfahrung erkennt man unterm Mikroskop z. B. keine Färbung bei gelbsporigen Täublingen, cremesporigen Trichterlingen, rosasporigen Rötlingen. Risspilz- und Cortinariussporen kommen normalerweise ockergelb rüber, desgleichen Ackerlingssporen. Champignonsporen sind kräftig altrosa. Richtig mittel- bis dunkelbraun sind Psathyrella-, Psilocybe- und Tintlingssporen. Bei Psathyrellasporen ist oft noch ein Stich ins Purpurviolette dabei.

    Lass den Gitterling ruhig bei den Phallaceae stehen. Die Unterscheidung, ob Phallaceae oder Clathraceae, ist meines Erachtens rein akademisch und geht über die Hobbypilzkunde hinaus. Für den Hobbypilzkundler gehört alles Stinkend-schleimig-schwammig-poröse zusammen.


    : aber der Boden ist wirklich nix dolles.


    Je schlechter der Boden, umso besser ist er für Mykorrhizapilze. Gedüngten Boden mögen nur relativ wenige Pilze, z. B. Tintlinge, Düngerlinge oder Champignons. Bei mir kommt nie Dünger in den Garten, und ich habe jetzt nach 8 Jahren bestimmt schon 10 Pilzarten drin.

    Roter Gitterling
    Clathrus ruber Micheli:Persoon


    Ordnungsgruppe: Gasteromyceten
    Ordnung: Phallales
    Familie: Clathraceae


    Beschreibung des Fruchtkörpers:
    Aus einem Hexenei von 2 - 3 cm Durchmesser, mit reichlich weißlichen Rhizomorphen an der Unterseite und schmutzig weißer Exoperidie entwickelt sich nach oberseitigem Aufreißen der letzteren durch Streckung ein freudig erdbeer- bis himbeerrot gefärbtes, schwammig-poröses, gitter- bzw. netzartiges, glühbirnenförmiges Rezeptakulum, welches bis 10 cm hoch werden kann. Auf der Innenseite des Rezeptakulums befindet sich die dunkel-olivgraue, schleimig-schmierige, widerlich nach Katzendreck riechende Gleba, mittels der sporenverbreitende Insekten, z. B. Schmeißfliegen, angelockt werden sollen. Die Exoperidie bleibt nach dem Aufreißen am Grund des Fruchtkörpers, manchmal auch als lappiger Rest auf dem Rezeptakulum erhalten. Während das Hexenei einige Wochen im unreifem Zustand an der Bodenoberfläche überdauern kann, erfolgt das Aufreißen der Exoperidie, die Streckung des Rezeptakulums und das Vergehen des Fruchtkörpers innerhalb eines bis zweier Tage.


    Der Gitterling sollte nicht mit dem Tintenfischpilz (Clathrus archeri) verwechselt werden, dessen Rezeptakulum im Jungstadium ebenfalls gitterartig verwachsen sein kann, sich dann später aber in die charakteristischen fünf Arme trennt.


    Vorkommen und Verbreitung:
    Der Gitterling kommt fast weltweit in den wärmeren Regionen der Erde vor und ist dort relativ stark verbreitet. Andere Clathrus-Arten kann man auch in tropischen Regenwäldern finden. Sein Hauptverbreitungsgebiet in Europa liegt in den Mittelmeerländern. Im Europa nördlich der Alpen ist der Gitterling sehr selten und kommt im Freien nur an wärmebegünstigten Standorten (z. B. Oberrheinische Tiefebene) und zusätzlich in Gewächshäusern vor. Er lebt als Humussaphrophyt von zersetztem Falllaub und Holzresten.


    Bekannte Fundorte im Südwesten Deutschlands sind der Frankfurter Palmengarten sowie die Wilhelma in Stuttgart (dort jeweils in Gewächshäusern). Laut "Großpilze Baden-Württembergs, Band 2" tauchte der Pilz im Freiland in Weinheim/Bergstraße sowie in Neckargerach nahe Heidelberg auf. Hinzu kommt nun der hier vorgestellte Fund aus Heilbronn. Michael/Hennig/Kreisel, "Handbuch für Pilzfreunde" geben einen Fundort in Berlin an. In Krieglsteiners "Verbreitungsatlas der Großpilze" werden 23 deutsche MTB angegeben, in denen der Pilz auftrat, die nördlichsten Vorkommen davon liegen am Nordrand der Lüneburger Heide. Es gab im Freiland in Deutschland bisher keine Funde oberhalb von 200 m NN.


    Unten ist ein Exemplar in vollreifem Zustand abgebildet. Bilder eines Hexeneies und eines un- bzw. halbreifen Exemplares sind derzeit auf der Seite http://www.pilzvereinheilbronn.de zu sehen.

    Ihr schaut aber schon danach, dass Eike seine Schulsachen geregelt bekommt... zumindest so lange, bis man Pilzbestimmung zu einem Beruf machen kann. :/


    Eike
    Viel Spaß mit deinem Mikroskop!