Beiträge von Oehrling

    Oh, da hättest du wahrscheinlich keine gefunden. In Kroatien gibt es normalerweise erst ab Mitte Oktober Pilze in nennenswerten Mengen. Das ist dann eher was für einen Herbsturlaub.

    Die Schleierlinge auf deinem Link sehen in der Tat wie C. camphoratus aus.


    Bei der Angabe der Fleischfarbe von Cortinarien in Büchern ist zu beachten, dass diese sich stets auf junge, unreife Exemplare bezieht. Bei solch älteren Gesellen wie die in deiner Kollektion blasst das Fleisch einerseits aus und kann auch durch Oxidation einen rostorangefarbigen Ton bekommen (nicht bei allen Cortinarius-Arten, aber ganz stark z. B. bei C. infractus oder C. elegantissimus). Das bedeutet: bei einem jungen, unreifen C. camphoratus ist das Fleisch violett, und bei einem jungen, unreifen C. traganus safrangelb, d. h. orangegelb.


    Dann hast du noch gefragt, ob es nichts dazwischen gäbe? Bei Cortinarien (ca. 800 Arten in Mitteleuropa) kann es theoretisch immer etwas dazwischen geben, die Frage ist nur, wie das taxonomisch bewertet wird (andere Art, Varietät einer Art, nur Form einer Art?). Irgendwie violettlich gefärbte Dickfüße gibt es ziemlich viele. Allerdings nur einen, der so markant stinkt wie C. camphoratus. Könnte das Internet Gerüche transportieren, wäre der Fall innerhalb von drei Sekunden gelöst. Aber so musst du warten, bis mal jemand mit dir mitläuft, der C. camphoratus kennt, einen aufnimmt und zu dir sagt: Hier, halt mal die Nase dran, das ist der Bocksdickfuß. Ab diesem Moment hast du den Pilz "intus" und brauchst nie mehr dran rumzuraten.

    Auch wenn ich weiter oben nicht gegen Amanita crocea wetten wollte - gegen Amanita fulva würde ich auch nicht wetten wollen. Schon klar, A. fulva hat normalerweise keine Stielnatterung, aber dieser Stiel ist allgemein seltsam.


    Nur um mal von diesen Anzüglichkeiten wieder wegzukommen.

    Das halte ich auch für einen Gelben Knollenblätterpilz. Warum? Nun, auf die Velumflocken am Hut habe ich eigentlich nicht geschaut, weil die zu sehr variieren können, sondern auf die abgesetzt gerandete Stielknolle, bei der sogar noch ein, zwei Häutchen in die Höhe stehen, und bei der der Stiel bogenartig in die Knolle übergeht. Das ist für meine Begriffe eine typische Gelber-Knolli-Knolle. Dann könnte man noch an dem Pilz riechen, Kartoffelkeim-Geruch feststellen, und spätestens dann ist der Fall klar.


    Aber was ich unbedingt noch loswerden will: dieses Foto ist wirklich eine Augenweide, auch technisch sehr gut gemacht. Davon können sich all diejenigen anfragenden "Pilzanfänger" eine Scheibe abschneiden, die hier die ganzen neblig-trüben, unscharfen, gnadenlos überbelichteten Bilder von Pilzen mit abgeschnippelten Füßen einstellen. Leute: genau so hat ein Anfragebild auszusehen!

    Das Fleisch ist nicht safrangelb, und damit kann es augenscheinlich nicht der Safranfleischige Dickfuß (C. traganus) sein, dessen Fleisch in der Tat safrangelb wäre (siehe Foto unten). Die Farben der gezeigten Pilze, insbesondere auch das leichte Bräunen des Stielfleisches und die Geruchsbeschreibung, die sich wirklich übel anhört, scheinen eher auf den Bocksdickfuß (C. camphoratus) hinzudeuten.

    Tolle Begrüßung, schöne Fotos, großer Sammelerfolg - whow!


    Bei der Wissenserweiterung könntest du mit den ganzen Röhrlingen anfangen - da bringt das Erlernen weiterer Arten relativ schnell Erfolg, und du bekommst einen Blick für die Gattungssystematik. Lohnend ist gleich am Anfang auch die Beschäftigung mit den Amaniten (Wulstlingen). Der Bon/Parey wird dir dabei eine große Hilfe sein.

    Auf Bild Nr. 2 der rechte kleinere hat keinen Hutbuckel und auch keine glänzende Huthaut. Zumindest der sieht nicht wie Russula amara aus, sondern wie Russula amethystina (Jodoformtäubling). Ich würde also nicht ausschließen, dass die Pilze auf Bild Nr. 2 verschiedenen Arten angehören. Ansonsten bleiben die guten Tipps von Naan (bittere Huthaut) und Wirderer (Sulfovanillin).


    Die von JanMen gezeigten Pilze sind dagegen typische R. amara.

    Leute tun sich mit wenig vorschmeckenden, in der Nase flüchtigen Aromen leichter, wenn sie ein gutes Geruchsgedächtnis haben, sich also Gerüche einprägen können. Wenn man vorher weiß, was man schmecken/riechen soll, ist das Wiedererkennen des bekannten Sinneseindrucks das Spannende an der Sache. Wie arm die Leute dran sind, bei denen der Geruchssinn nicht gut funktioniert, kann derjenige ermessen, der mit Schnupfen und verstopfter Nase auf einem Galadinner war (wo leider keine Maggiflasche zum Nachwürzen auf dem Tisch zu stehen pflegt).


    Deswegen ist ein künstlich erzeugtes Steinpilz-, Trüffel-, Heidelbeer- oder Schinken-Aroma (ja, das gibt es tatsächlich - als wenn natürlicher Schinken nicht aromatisch genug wäre!), welches stark und plump vorschmeckt, für einen richtigen Feinschmecker auch in keinster Weise spannend, da es mit dem natürlichen Geschmack und den damit verbundenen Erinnerungen nur wenig Ähnlichkeit hat.

    Ich wollte noch etwas zu ein paar der gezeigten Pilze schreiben - wie immer ohne Essfreigabe oder sonstige Gewährleistung.
    Die ersten gezeigten Röhrlinge sind vermutlich Rotkappen.
    Die Täublinge mit dem braunroten Hut, den gelben Lamellen und dem roten Stiel dürften Rotstielige Ledertäublinge sein.
    Die kleinen Röhrlinge mit der aufgerissenenen Huthaut sind Rotfußröhrlinge, allerdings nicht mehr in Speisequalität. Man sieht dazu noch ein paar Parasole und einige für meine Begriffe ungenießbare Weißtäublinge und Eichenmilchlinge.


    So weit so gut. Doch was sieht man NICHT auf den Fotos? Da scheinen noch einige andere Pilzchen unklarer Arten in diesem Haufen zu sein. Was das alles ist, kann man natürlich nicht wissen.


    Vorschlag von mir: sammelt Herrenpilze, Eierschwammerl und Parasole wie ca. 98 % aller pilzsammelnden Österreicher, dann kann nichts schiefgehen. Und schönen Gruß an deinen Mann: man sammelt solche Pilze zum essen, von denen man zu 100% weiß, was es ist.

    Leider sind die Fotos vom Scheidenstreifling überbelichtet, so dass man nicht erkennen kann, ob die Scheide grau ist. Wäre dem so, könnte es der Grauhäutige Scheidenstreifling (Amanita submembranacea) sein. Sonst natürlich nicht.

    Zu Bild 3: gelbhütige Täublinge gibt es einige, ohne Angabe zu Schärfe und Sporenpulverfarbe ist da beim besten Willen nicht viel zu machen


    Interessieren dich diese Pilze wirklich, oder willst du nur Namen hören, die du dann nach ein paar Tagen wieder vergisst? Nur mal so.


    Freundliche Grüße
    Oehrling

    [quote='Calabaza','https://www.newboard.pilzforum.eu/board/index.php?thread/&postID=119182#post119182']
    > Sie bekam bislang von mir Steinpilze, Parasol blank (mit Ei aus der Pfanne), Parasol paniert aus der Pfanne wie ein Schnitzel, Fichtenreizker, Champignons aus der Pfanne und Champignons natur mariniert. Sie favorisiert eindeutig Parasolschnitzel.


    Meine (8) mag am liebsten Pfifferlinge, dann Steinpilze. Dagegen fand sie neulich gebratene Kiefernreizker scheußlich.


    > Bei Herbsttrompeten kann ich nicht mitreden, die habe ich bislang nicht gefunden. Weder im Laub- , Misch- oder Nadelwald. Liegt vermutlich am Boden hier.


    A-wah! Guckstu hier: westlich von Walddorfhäslach, Landstraße nach Böblingen, an dem Waldspielplatz auf der rechten Seite (unter den Strommasten), kurz nachdem die Straße in den Wald hineinführt. Sind bestimmt gerade frisch gewachsene da.[hr]
    Man kennt das Das-schmeckt-irgendwie-nach-nichts-Problem auch von anderen im Wortsinne kostbaren Lebensmitteln, z. B. Austern oder frischer Fisch in Sushi-Qualität (der völlig korrekterweise "nach nichts" zu schmecken hat). Leute, die hier nichts zu schmecken glauben, haben eben andere Vorstellungen von einem "guten" Geschmack und sollten das teure Geld in ein kräftiges Rindersteak, eine 100%-Schokolade, einen Stinkkäse oder ähnlich Aromastarkes anlegen.


    Die meisten Leute haben die Ansicht, dass ein guter Geschmack stets ein kräftiger Geschmack zu sein habe (je kräftiger desto besser?), weshalb sie auch glauben, teuer bezahlte aber aromaschwache Rohstoffe durch ein Gewürzfeuerwerk aufpeppen zu müssen. Dabei ist das mangelnder Respekt dem Rohstoff gegenüber und letztlich sinnlos rausgeschmissenes Geld. Habe ich mir einen exklusiven Rohstoff gekauft, dann will ich genau den schmecken (aha, so schmeckt das also!) und nicht irgendwelche Gewürze.


    Mir erschließt sich ferner nicht, wie man so etwas wie "Geschmackshitparaden" bei Pilzen aufstellen kann, nach dem Motto: Pilz A schmeckt am besten, dann kommt Pilz B, dann Pilz C. Bei mir ist es eher so: wenn ich in der aktuellen Saison Pilz A schon dreimal auf dem Teller hatte, dann will ich lieber Pilz B oder C als nochmal Pilz A, da ich diesen und seinen ach so tollen Geschmack über habe. Das bedeutet auch, dass ich Pilz-Mischgerichte aus Röhrlingen viel weniger interessant finde als z. B. ein Pfännchen Reifpilze, Grünspanträuschlinge (natürlich ohne Huthaut!) oder Krause Glucke.

    Ich Arsch habe im Österreich-Urlaub in den Hohen Tauern (Fichtenwald auf 1550 m NN) einen gefunden, den ich für einen Heringstäubling gehalten und fortgeschmissen habe, obwohl er nicht fischelte und mit Eisensulfat nicht grün wurde. Nicht mal fotografiert habe ich ihn.

    Nr. 2 ist einer der Kammtäublinge. Schade, dass du den Pilzen die Füße abgeschnitten hast. Wie soll man einen Scheidenstreifling erkennen, wenn die Stielbasis fehlt? Auch bei dem Kammtäubling fehlt dadurch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, nämlich ob an der Stielbasis rostbraune Verfärbung, gelbes Velum oder einfach nichts zu sehen ist.


    Bitte merke dir, dass man Pilze grundsätzlich erst putzt, NACHDEM sie bestimmt sind. Sonst weigert sich auch ein Pilzberater, dir zu helfen.