Beiträge von Juergen-M

    Hallo Michael,


    momentan ist das tatsächlich noch etwas chaotisch, aber letztlich gehen alle Daten in die pilze-deutschland.de Kartierung ein, da die DGfM diese unterstützt, vorantreibt und alle Daten (auch aus den KRIEGLSTEINER-Atlanten und BAWÜ-Bänden) dort eingespeist werden. Manche Daten aus brd.pilzkartierung sind noch nicht in pilze-deutschland drin, und umgekehrt ist es auch so. Von einigen Florenwerken (z.B. Enderles Pilzflora des Ulmer Raumes) sind die Daten auch noch nicht eingespeist (weder in brd.pilzkartierung noch in pilze-deutschland.de). Wenn man also Funddaten für seine Region recherchiert, muss man ein paar Quellen abchecken: pilze-deutschland.de, brd.pilzkartierung, die regionalen Florenwerke (sofern welche existieren), und letztlich die Herbarien. Am besten kontaktiert man noch zusätzlich den Kartierungsbeauftragten, weil die DGfM viel mehr Daten hat, als veröffentlich sind (manche Daten stehen unter Urheberrecht!). Soweit mal meine Kenntnisse zu dieser Sache.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Cornelia,


    hier mal ein Farbstoff, den Phytoparasiten-Leute so verwenden:


    "Der Farbstoff, den ich als Wittmann's Blau bezeichne, wurde von Wolfgang Wittmann 1970 in den "Pflanzenschutzberichten" publiziert. Wir verwenden den Farbstoff im Alltag für die rasche Diagnose von Pflanzenkrankheiten, die Pilzstrukturen werden deutlicher sichtbar als nur durch Wasser- oder Glycerinpräparate.


    Anbei das Rezept:
    30g Chloralhydrat CCl3CH(OH)2
    20 ml Milchsäure (90%ig)
    5ml Alkohl abs.
    0,03g Anilinblau
    0,02g Chlorazol black E"


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    Klaus Siepe hat meinen Fund als Typhula sphaeroidea bestätigt. Es ist sehr wahrscheinlich der dritte Nachweis für Baden-Württemberg. Vermutlich ist die Art nicht selten, und kommt auf verschiedensten Substraten vor; von krautigen Stängeln (Rubus) bis dünnen Laubholzzweigen (Esche, Buche ...).


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Harald,


    herzlichen Dank für den Schlüssel und Deinen Tipp, super! Auch euer Fund ist klasse und fotografisch schön in Szene gesetzt. Das scheint wohl ein Erstnachweis für euer Bundesland zu sein (evtl. von Deutschland?). Mit Deinem Schlüssel von Myko-Key komme ich sehr gut zu T. sphaeroidea. Könntes Du mir die Email von Klaus Siepe mailen, ich hab von ihm leider keine Kontaktdaten.


    beste Grüße
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    bin mir mit der Bestimmung hier nicht so richtig sicher, da ich mit der Gattung Typhula noch nie Berührung hatte. Vielleicht gibts hier ja jemand, der die öfter mal findet und da was sagen kann. In der Funga Nordica gibts ja einen umfangreichen Schlüssel, wenn man jedoch die Artikel von Klaus Siepe in alten Z-Mykol-Ausgaben zu seinen Typhula-Funden liest, bekommt man den Eindruck, dass es doch nicht so leicht ist, hier Namen zu vergeben.




    Typhula spec. (sphaeroidea?)



    Fundort: Laubmischwald mit Eichen und eingestreuten Fichten auf Braunerde Terra Fusca über Süßwasserkalk. Gesellig auf optimalmorschen, feucht liegenden Buchenästchen eines Reisighaufens (auch Stapelholz).



    Basidiocarp 3,0-3,5 x 0,3-0,5 (Stiel) mm, keulig gestielt, Köpfchen 1,2-2,0 mm breit, keulig - rundlich, seitlich platt, weiß - cremefarben, glatt, frisch weich - gallertig. Stielchen apikal weißlich - cremefarben, basal bräunlich, zylindrisch, aus jeweils einem Sklerotium entspringend, Stielrinde etwas feinfilzig, samtig, vom Köpfchen deutlich abgesetzt, und meist gleich lang oder etwas länger als die Köpfchen. Sklerotium im Substrat eingesunken, stets unter der Rinde, Cortex schwarzbraun, nicht auffallend skulpturiert, Epidermis in Aufsicht aus puzzel-förmigen Deckzellen bestehend.



    Sporen [95% –• 8 –• SAP –• v –• H2O(nat) ] : 9,4 - 11,4 - 13,4 x 4 - 4,7 - 5,3 µm, Q = 1,9-2,4-3,0; Vm = 129 µm ³; ellipsoid, glatt, hyalin, amyloid. Basidien 41-53 x 10-15 µm, keulig, 4-sporig, Cytoplasma mit Jod gelborange. Hyphensepten mit Schnallen. Hyphen der Stielrinde etwas dickwandiger und oft mit Kristallen besetzt.

    Hallo Tannenzäpfle,


    es kommt immer darauf an, warum und wo gekalkt wird. Die Landwirte kalken ihre Agrarflächen nämlich auch, vor allem dolomitischer Kalk (mit Magnesium) wirkt auch als mineralischer Dünger. Bei uns werden Fichtenmonokulturen hauptsächlich wegen der Düngewirkung gekalkt, und dass man die eher kränklichen und standortfremden Bäume noch ernten kann, bevor man wieder umstellt auf Mischbestände. Die Kalkung, um eine fortschreitende Bodenversauerung (und deren Folgen) zu verhindern, ist etwas anders zu bewerten, zeugt aber letztlich auch nur von einem anthropogen herbeigeführten Ungleichgewicht ... um es mal angenehm zu formulieren.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Ralf,


    wenn Evolution nicht gerichtet ist, und auch nicht mit menschlichen Wertbegriffen beschrieben werden ... sollte, warum unterstellt Du dann dem Homo sapiens eine evolutionäre Erfolgsgeschichte? ;) Was ist "erfolgreich" daran, wenn eine Spezies es vermag sehr viele Nischen zu besetzen;-) Ich habe übrigens nicht Mensch mit Pilzen verglichen, sondern nur die Frage gestellt, warum wir in Bezug auf unsere Mitgeschöpfe gerne von Funktionen sprechen; die Funktion von Pilzen (allgemein), die von Pflanzen, von Bodenbakterien usw usf. Aber wenn es um uns geht, ziemlich sprachlos bleiben. Das ist so wunderbar sortiertes Schulwissen, wo jedes Tierchen sein Plaisierchen hat, der Mensch aber unterbewußt außerhalb rangiert. Wir sind es schon gewohnt, die Naturphänomene mechanistisch zu sehen. Wie Ingenieure. Ich ertappe mich ja selbst dabei, wie ich bei Führungen auf die verschiedenen ökologischen "Aufgaben" von Pilzen und Pflanzen eingehe, um da eine Faszination zu erzeugen. Natürlich hast Du meiner Ansicht nach Recht, wenn Du schreibst, dass Natur aus Anpassung und Zwangsläufigkeit besteht. Andere beschreiben es als "Zufall und Notwendigkeit".


    Grüßle
    Jürgen


    kritisches Thema. Als Anhänger des Kreationismus kann ich Deiner obigen Aussage vom ökologischen Mehrwert des Menschen nicht zustimmen. Der Mensch kann kein Reinfall sein. Tiefer möchte ich allerdings auf dieser Plattform nicht in diese Thema hineingehen. Aber vielleicht meine Meinung etwas humorvoll darstellen:


    Die Funktion des Menschen: einfach nur im Paradies mit dem Schöpfer abhängen und sich an seiner Schöpfung (u.a. die Pilze) zu erfreuen.
    Schuld an allem, was bis heute schief gelaufen ist, haben die Vegetarier: Hätte Eva anstatt der Frucht damals einfach die Schlange verspachtelt, wäre wir alle noch im Paradies.


    Hallo Kozaki,


    religiöse Vorstellen haben ja nicht gerade dazu beigetragen, den Mensch als Teil der Natur zu begreifen. Fast alle stellen ihn ja hierarchisch an die Spitze einer "Wertepyramide". Inwieweit der Kreationismus das betreibt, weiß ich allerdings nicht. Ich vermute aber, dass er die Sonderstellung des Menschen nicht aufgibt;-). Was von mir vorschnell in Abrede gestellt wurde, möchte ich noch korrigieren. Natürlich lebt der Mensch auch als Teil eines Faktors in einem ökologischen Netzwerk. Man betrachte nur die Parasiten oder symbiontischen Darm- und Hautbewohner mit der Lupe;-) Wenn der Homo sapiens allerdings von heute auf morgen vom Planeten verschwinden würde ... mitsamt seinem Gott;-) würde sich der Planet ganz normal weiterdrehen ....und wäre in kürzestes Zeit wieder etwas paradiesische als vorher;-)


    Es gibt über die Paradiesgeschichte übrigens eine Verschwörungstheorie: Die Schlange ist der natürliche Bewohner des Paradieses. Sie hat keine Hände, keine Arme und keine Beine ... sie braucht sie nicht, weil im Paradies überall die Früchte wachsen, und man nur ein Maul braucht, um sie zu essen. Sie lebt vollkommen im Einklang mit dem Paradies. Und jetzt schaut euch mal die beiden ersten Menschen an: Sie haben Hände, Arme und Beine, einen Mund zum sprechen und ein großes Gehirn. Wozu? Der Rauswurf aus dem Paradies war schon "impliziert";-)


    Grüßle
    Jürgen

    Vielen Dank für eure Einlassungen. Dass der Homo sapiens eine schlechte Bewertung bekommt, hatte ich nicht anders erwartet;-) Der "ökologische Wert" von Pilzen ist tatsächlich unbestreitbar evident, vor allem hinsichtlich der Evolution der landbewohnenden Pflanzen. Was mich an der Frage nach der "Funktion" von Pilzen ein bisschen ins Grübeln gebracht hat, ist, dass wir Naturfreunde und Pilzbegeisterte dies ja immer unterbewusst in den Vordergrung stellen, wenn wir andere davon überzeugen wollen, wie "wertvoll" Pilze sind. Dass sie einfach nur da sind, und uns mit ihrer Formenvielfalt begeistern, wird dann meist nebensächlich behandelt. Alles muss immer eine "Funktion" haben, irgendwem oder irgendwas "dienlich" sein (letztlich am besten der unausgesprochenen Krone der Schöpfung). Ich stelle mir vor, dass man vielleicht mal eher von der ästhetischen Seite her, die Bedeutsamkeit der Pilze versucht zu vermitteln, Formen, Farben, Konstruktionen, Ernährungs + Verbreitungsstrategien. Dass der Mensch - vom ökologischen Mehrwert her betrachtet - ein totaler Reinfall ist, dürfte klar sein, aber auch er ist ein faszinierendes Wesen;-)


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    vielleicht ergibt sich hier ein kleiner philosophischer Gesprächskreis, würde mich freuen;-) Neulich wurde mir von jemandem, der mit Pilzen gar nichts am Hut hat, die (nicht allzu seltene und auch nicht selten so formulierte) Frage gestellt, was denn die Pilze für eine "Funktion" hätten. Ich hab dann natürlcih gleich mal reflexartig mein Erklärungsstandardprogramm über Pilz-Ökologie abgerufen, war aber ob der Frage doch auch etwas nachdenklich gworden. Was wäre denn, wenn jetzt eine andere Spezies diese Frage über den Menschen gestellt hätte?


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    vorab: Ich halte von der ganzen Bäumebeschneidere garnichts, und auch nicht von der Theorie, dass man einen bereits mit Pilzen befallenen Baum großartig "retten" kann;-) Kambium und Splintholz "wehren" sich gegen Pilzbefall durch Wasser oder zumindest hoher Feuchtigkeit - die Myzelien mögen das nicht, jedenfalls von Holz abbauenden Pilzen (Im Kambium und in den Holzstraheln des Splintholzes können aber z.B. Hefen leben und sich davon ernähren). Da das Kernholz wenig Wasser enthält, ist das in erster Linie das Hauptsubstrat holzzerstörender Pilze. Wird von einem Baum vornehmlich das Kernholz langsam abgebaut, wird er innen dann schließlich hohl, und bekommt eine "Röhren-Statik";-), kann aber trotzdem noch lange stehen! Hier würden dann mechanische, stabilisierende Maßnahmen helfen, den Baum noch lange leben zu lassen.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Pilzhai,


    ich denke schon, dass Deine Beobachtungen mit den Pflegemaßnahmen zu tun haben können. Ich kann das seit einigen Jahren schon hier auf meinen Wacholderheiden beobachten, die größtenteils "klassisch gepflegt" werden; also alles wegschneiden, was nicht Wacholder ist, und maschinelle Mäharbeit ... dabei fahren nicht selten moderne Traktoren (also Boliden!) mit Mähbalken auf die Wiesenflächen und verdichten den Boden. Die Biodiversität ganz allgemein und insbesondere bei typischen Wiesenpilzen büßt schwer ein! Mehrere Effekte sind dafür verantwortlich: Änderung des Mikroklimas durch Beseitigung von Sträuchern, Hecken, Solitärbäumen. Bodenverdichtung. Ungünstige Entwicklung der Rasengesellschaft durch manuelle oder maschinelle Mahd, Eintrag von Stickstoff, Austrocknung der Böden .... die angrenzenden Waldränder werden im Zuge der Pflegearbeiten auch oft ausgelichtet.


    Grüßle
    Jürgen
    [hr]
    Achja, nochwas. Diese Fixierung auf Orchideenaspekte, und die damit relativ aufwändige "Pflege", führt irgendwann zu dem, was viele skeptische Naturliebhaber spöttisch "Orchideen-Golfrasen" nennen;-) Man kann halt alles übertreiben, auch den Naturschutz.

    unterstützt den Europäischen Pilztag,


    der von Karin Montag iniziierte Europäische Pilztag, der jedes Jahr am vierten Samstag im September stattfindet, und das Thema Pilze bei jung und alt populär machen soll, muss medial unterstützt werden. Der Wikipedia-Artikel des Europäischen Pilztages soll wegen "Irrelevanz" gelöscht werden ... aus irgend welchen unerfindlichen und auch schwer durchschaubaren Gründen ... vielleicht einfach nur, weil ein Supermoderator oder "Operierender Thetan" das einfach so will: Löschen, was ihm nicht wichtig scheint. Wie wir wissen, ist Wikipedia eine Meritokratie, wo es eine handvoll sehr einflussreiche Gruppen und User gibt. Lasst uns die Bemühungen um den Umweltschutz nicht von bürokratischen "Wissens-Wächtern" kaputt machen. Auf unserer Pilzflora unterstützen wir den Pilztag mit einem Link. Wenn nur jeder zweite oder dritte Pilzverein dies auch so macht, steigt der Impact-Faktor bei den Suchmaschinen.
    http://www.pilzflora-ehingen.d…g___Europaeischer_Pilztag


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Birgit und Stefan,


    Lactarius uvidus hat im Gegensatz zu den anderen zwei Verwechslungskandidaten L. luridus & violaceus, im Sporenornament stumpfe oder abgerundete Grate! http://www.pilzflora-ehingen.d…flora/arthtml/luvidus.php
    das wohl beste und eindeutigste Merkmal ist aber das Huthautpigment: L. violaceus = membranär, L. luridus = intrazellulär (gleichmäßig), L. uvidus intrazellulär (vakuolär).


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo mikromeister,


    gschmacklich gewinnen Steinpilze, wenn man sie trocknet, und in einem einigermaßen luftdichten Glas mindestens ein halbes Jahr "reifen" lässt. Dadurch erhält man meiner Erfahrung nach, das volle Steinpilzaroma. Bei frisch getrockneten (Stein)Pilzen bewirken dann während der Lagerung und Reifung die verlangsamten enzymatischen Abbauprozesse das Entstehen dieser Aromen. Frische Steinpilze kommen am besten rüber, wenn man sie zusammen mit eingeweichten, gereifeten getrockneten zusammen schmort oder brät.


    Grüßle
    Jürgen

    Ergänzend zu Stefans Ausführungen:


    Der Paterzeller Eibenwald ist nicht natürlich, sondern ein historischer Eibenbestand. D.H. diese Eiben wurde früher für die Holzernte aufgeforstet, ich denke mir so im ausgehenden Mittelalter. Eiben kommen aber in Buchen-Tannenwälder auch natürlich vor! Allerdings nicht in dichten Beständen sondern einzeln. Dieser Baum kann noch mit geringster Lichtintensität wachsen, weshalb er z.B. bei uns auf der Schwäbischen Alb oft in naturnahen Buchenbeständen gepflanzt wird. Der Paterzeller Eibenwald ist wirklich ein Erlebnis, jedoch muss man auf dem Rundweg bleiben, da ein Naturdenkmal ... außer man hat eine Sondergenehmigung, wie die Tagungsteilnehmer.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Helmut,


    diese Form finde ich bei uns auch in normalen montanen Fichtenforsten mit Lärchenbeständen! Ich habe mich bisher jedoch gescheut, das S. bresadolae zu nennen;-)


    Grüßle
    Jürgen