Beiträge von KaMaMa

    Hallo Mikromeister,


    genau das ist die hier eingesetzte und von mir gemeinte hypochoridhaltige "Flechtenreagenz": D.......x.

    Hatte ich vielleicht in Anführungszeichen setzen sollen...

    Davon habe ich wirklich genügend zuhause. ==Gnolm7


    LG, Martin

    Hallo Christine,


    da hast du völlig Recht und es gibt überhaupt keinen Grund sich schämen zu müssen!

    Arten der gleichen Gattung sehen sich häufig sehr ähnlich.

    Pilze, Flechten, Moose sicher auch, sehen sich teilweise überaus ähnlich.

    Und weil die Unterscheidung nicht trivial ist, tauschen sich Interessierte in Foren wie diesem darüber aus - oder nicht? :gzwinkern:


    LG, Martin

    Hallo Christine,


    Cladonia parasitica kann man hier ausschließen, denke ich.

    Vermutlich hast du einen (noch) sterilen Thallus einer häufig vorkommenden Cladonie gefunden.

    Solche sterilen Puschel kann man oft an Baumstämmen im Wald beobachten.

    Ich habe aber mich immer vor deren Bestimmung gescheut, weil die Bestimmung von Cladonien ohne Podetien ein reichlich schwieriges Unterfangen ist!

    Da lohnt es sich um den Baum herum oder am Nachbarbaum zu schauen, ob nicht doch irgendwo ein entsprechender Thallus mit Podetien ist.

    Ich fürchte, deine Cladonie lässt sich so nicht bestimmen - leider...


    Die seltene C. parasitica kommt an alten, morschen Eichen- und Edelkastanienstubben vor, nur gelegentlich an lebenden Bäumen.

    Die Grundschüppchen sind sehr klein; sind stark zerschlitzt, wirken körnig bis koralloid, viel feiner als auf deinen Fotos, fast sich sorediös auflösend.

    Die niedlich kleinen, verzeigenden Podetien sind ohne Becher, oben mit Käueln bräunlicher Apothecien.

    Sie reagiert P+ kräftig orange, K+ gelb.

    Vom Habitus her sieht sie also anders aus als dein Fund.

    Hier ein paar Fotos von einem Fund letztes Jahr (leider ohne Maßstab):

    Foto A1 C. parasitica auf morschem Eichenstubben

    Bild A2 Probe mit sehr feinen, zerschlitzten, körnigen Grundschüppchen


    Bild A3 Apothecien von C. parasitica

    Hallo Frank,


    die wollen 7€ Eintritt für diese winzige Burg?

    Dann schaue ich mich wohl lieber im Wald drum herum mal um.

    Dort findet sich bestimmt Vergleichbares an Bäumen und Steinen.


    Ist die Kapelle dahinter vielleicht zugänglich?


    LG, Martin

    Hallo Tomentella !


    Viel mehr als Björn kann ich leider auch nicht beitragen.

    Der Fund sieht schon sehr nach einer Flechte mit lirellen-förmigen Fruchtkörpern aus - sprich, die FK gehören aller Wahrscheinlichkeit zum Thallus.

    Grundsätzlich wäre es immer gut, den Algentyp (Trentepohlia vs. coccoide Grünalgen) zu kennen.

    Prinzipiell halt ich einen Trentepohlia-Algenpartner hier für wahrscheinlich(er).

    Die Sporen, die du zeigst, sind sechszellig, querseptiert mit eher eckigen als ovalen Sporenfächern, das schränkt schon ein.

    Graphis hat ovale Fächer und sollte dann vermutlich nicht in die engere Auswahl kommen.

    Graphis-Sporen mit ovalen Sporenfächern


    Damit kommen immer noch einige artenreiche Gattungen in Betracht:

    Spätestens jetzt wäre ein vielleicht FK-Querschnitt hilfreich, um zu prüfen, ob das schwarze Excipulum U-förmig unter dem FK hindurchgeht.

    Dann läge vermutlich Opegrapha vor, ansonsten kämen Arthonia und Enterographa (hier wären die Sporen aber vermutlich zu schlank) in Betracht.

    Enterographa hat aber breitere Sporen und fällt damit aus der engeren Betrachtung.

    Sporen von Arthonia sind, was ich nachlese meist kürzer als bei dem Fund.

    Die Arten mit passender Sporenlänge sehen makroskopisch anderes aus als dein Fund.


    Für das Erschlüsseln muss man viele Details beachten, die leider in den Angaben oben fehlen.

    Innerhalb der Gattungen sind dann meist noch Färbetests mit div. Chemikalien verlangt.

    Insofern ist beim derzeitigen Stand natürlich keine genauer Bestimmung möglich.


    Dennoch denke ich, die Gattung Opegrapha könnte hier stimmen:

    Sporengröße und Form könnten recht gut zu einer der drei Arten O. vermicellifera, O. niveoatra oder O. vulgata passen.

    O. vermicellifera z.B. kommt hier bei mir, ein paar Kilometer flussauf der Burg Hornberg nicht ganz selten vor.

    Vergleiche mit Opegrapha!



    Burg Hornberg?! :gidee:

    Die Burg wollte ich schon lange mal besuchen, denn ich fahre alle 2 Wochen darunter vorbei - habe allerdings bisher noch nie angehalten.


    Dein Fund läd gerade dazu ein, das endlich mal nachzuholen.

    Bei der Gelegenheit könnte ich mir natürlich diese Flechte näher anschauen und ein Pröbchen ziehen.

    Eibenrinde kenne ich als sehr stark abblätternd, das sollte den Baum also nicht stören. g:D

    Allerdings sind die Eiben in meinem Garten nicht ganz so alt.

    500-jährige Eiben gibt es an/in der Burg vermutlich nicht sehr viele, oder?

    Meiner Recherche nach steht sie unmittelbar an einer hohen Mauer und sollte leicht zu finden sein.


    Wie schaut es denn da oben mit Parkmöglichkeiten aus?


    LG, Martin

    Hallo Benjamin,


    abgesehen von der bombastischen Fuligo, die "nur" ein Schleimpilz ist, hast du doch echte Pilze gefunden und zeigst sie sogar auf deinem Foto! Denn ein Cladonien-Reigen umtanzt den goldenen Schleimpilz.


    Die Cladonien können zwar farblich und von der Größe her nicht mit der Fuligo mithalten, sind aber trotzdem eines Blickes wert:


    LG, Martin


    Ich weiß natürlich, was du meinst:

    Im Moment ist es wieder einmal verheerend trocken und entsprechend nix los im Wald.

    Glùckwunsch, Wulf!


    Ein paar hast du aber zum Aussporen stehen lassen, hoffe ich.

    Sonst haben die Gnolme und Waldfeen irgendwann keine Hocker und Tischchen mehr. ==Gnolm4


    LG, Martin

    Hallo Elisabeth,


    vielen Dank für die Mitnahme in diesem interessanten Wald. Wirklich schöne und die mich seltene, großteils ungesehene und toll fotografiere Pilze zeigt du uns hier.

    Ein sehr schöner, lebhafter Bericht!

    Ich bin gespannt, ob ich auch einmal so etwas Interessantes entdecken darf.


    LG, Martin

    Hallo Claus,


    zur Artstimmung kann ich leider nicht beitragen, wollte aber meine Freude über die sehr guten Mikroskopbilder zum Ausdruck bringen: Das Sporenornament ist wirklich sehr schön eingefangen, sogar der amyloide Hilarfleck ist deutlich zu erkennen!

    Super. Ich wollte ich bekäme da so gut hin.


    LG, Martin

    Hallo Sandra,


    X. parietina ist in Bild 7 sogar 2x zu sehen! Einmal groß am linken Bildrand und einmal am oberen Bildrand noch sehr klein, aber schon mit Apothecien.


    Die Hautptunterschiede sind:

    Lappengröße, Apotheciendichte und Ap.-verteilung - weniger die Apotheciengröße:


    X. parietina ist großlappig, hat einen mehr oder minder breiten FK-freien Thallusrand und wächst in die Breite. Das gilt auch für noch kleine Flechtenlager! Sie kann sehr groß werden, wie vermutlich jeder weiß.


    P polycarpa bleibt klein, hat winzige Läppchen - wobei neben ihr die Physcien (graue Flechten in Bild 9ff) grobschlächtig wirken. Die sehr üppig gebildeten Apothecien reichen bis zu Thallusrand und darüber hinaus, verdecken das Lager u.U. vollständig! Dadurch wirkt diese Flechtenart fast buschig. Thalli mit wenigen Apothecien geben den Blick frei auf einen fein strukturierten Thallus, der aus aufsteigenden Apothecien-Initialen besteht (Bild 7 rechts, etwas weiter entwickelt Bild 9).

    Ferner bleibt P. polycarpa ziemlich klein und weit hinter den Abmessungen einer X. parietina zurück.


    Ich hatte bis dahin größere Flechten gesucht, vermutlich war das der Fehler und ich konnte P. polycarpa nicht finden. Die Dinger sind vergleichsweise winzig! Wenn man die kleinen Farbtupfer ignoriert, findet man sie vermutlich nicht. In der Literatur wird eine Thallusgröße bis 2cm angegeben!


    Beim letzten Ausflug auf den Katzenbuckel habe ich P. polycarpa auch im Odenwald, weitab der Großstadt, an den Stämmen von Birnbäumen entdeckt.


    LG, Martin

    Hallo!


    Neulich habe ich einen Riesenporling in der Küche zubereitet.

    Soweit, so gut.

    Nur, dass der Teller, auf welchem ich den rohen Pilz liegen hatte, unansehliche grau-schwarze Spuren aufweist, die beim normalen Spülen in der Spülmaschine nicht weggehen. Auch Scheuermilch bringt nichts!



    Eventuell bleichen - das habe ich noch nicht probiert...


    Weiß jemand Rat?


    LG, Martin

    Nachtrag:


    Ich bin mir sicher, die Lösung gefunden zu haben, die Antwort kann so nahe liegen...

    P+ orange-rot hätte mich gleich stutzig machen sollen! ==Gnolm12

    Auf den Birnbäumen leben auch Cladonien!


    Auf einer anderen Rindenprobe finde ich folgenden kleine Thallus:

    Wiederum ein relativ kleiner Thallus mit genau diesem Habitus, aber jetzt auch mit kleinen Podetien!

    Bild N1 Gleicher Thallus-Typ mit gestieltem, bäunlichem Fruchtkörper

    Reaktionen sind P+ orange-rot, K- (nicht gezeigt).


    Bild N2 Eine Cladonia!


    Bild N3 Habitus und Chemie sprechen für C. fimbriata (gleichmäßig soredlöse Podetien, unberindet)


    Ausgreifte C. fimbriata waren natürlich auch zu finden.

    Bild N4 Feinsorediöse Cladonia fimbriata an bemoostem Eichenstamm knapp über Bodenniveau


    Jetzt weiß ich endlich, wie eine noch kleine und sterile C. cf. fimbriata aussieht! ==Gnolm4 ==Gnolm5


    LG, Martin

    Hallo!


    Folgende sterile Flechte fand ich diese Woche auf Birnbaumborke (Südausrichtung, mittlere Stammhöhe).

    Bei der Einordnung der Flechte in eine Gattung tue ich mich schwer.

    Ich bin mir nicht sicher, wie man diesen Thallus bezeichnen muss, ist er sorediös, isidiös, schuppig, (grob) leprös, koralloid?

    Handelt es sich um Gonizysten? Die Form der Körnchen variiert von schuppig bis kugelig.

    Ich denke, dass die kräftige rote P-Reaktion beim Eingrenzen helfen muss.

    Die Teilschlüssel für sterile Flechten orientiern sich erst nach dem morphologischen Aufbau, was in diesem Fall unübersichtlich ist.


    Der Baum war Teil einer Obstbaum-Alle neben einer Gasstätte kurz unterhalb des Gipfels des Katzenbuckels, eines erloschenen Vulkaschlots im südlichen (Buntsandstein-)Odenwald.

    Auf der Borke des Baumes fanden sich nebe der gesuchten Flechte auch P. acetabulum, H. scalaris, A. punctata, P. tiliacea, L. carpinea, P. tenella etc.

    Zumindest an der Borke der benachbarten Birnbäume ferner P. serrana, P. submontana, P. polycarpa, C. concolor, C. xanthostigma u.a.

    Bild 1 Birnbäume unterhalb des Katzenbuckel-Gipfels (Gipfel 626m)

    Bild 2 U.a. die ockerfarbene H. scalaris war regelmäßig auf der Birnbaumborke zu finden


    Folgendes Borkenstück habe ich als Probe mitgenommen.

    Um diese Flechte dreht sich die Anfrage:

    Farblich erinnert die Flechte an H. scalaris...

    Bild 3 Flechte mit koralloid-isidiös anmutender Oberfläche (Farbe sehr änhlich zu H. scalaris)


    ... ist aber völlig anders strukturiert.

    Der Thallus besteht aus sehr weichen, annähernd kugeligen bis schüppchenartigen Untereinheiten, die sich zu einem schwammig-koralloid-schuppigem (?) Thallus zusammensetzen.

    Ein wie auch immer gearteter randlicher Übergang fehlt, die Flechte endet abrupt.

    Bild 4 Schuppiger Flechtenthallus zuoberst ocker, tiefer grün, zwischen den Schuppen weiß


    Bild 5 Kugelige, isidienartige Strukturen neben schuppigen Strukturen


    Bild 6 Dreifarbiger Thallus (weiß-grün-braun). Die braunen Stellen reagieren P+rot


    Bild 7 Einzelne Algenpakete schimmern durch die Oberfläche


    Der Thallus ist sehr dick (um 1mm), locker-luftig und sehr weich:

    Bild 8 Querschnitt durch Thallus, schwammartiger Aufbau


    Bild 8 Querschnitt durch Thallus, der (wozu auch immer) allmählich in die Höhe zu wachsen scheint.


    Die Tüpfeltests ergeben:

    K+ gelblich, stellenweise braun

    C+/- (gelb)

    P+ rot an den bräunlich berindeten, obersten Thalluspartien

    Bild 9a P+ orange-rot


    Bild 9b einige Minuten später: P+ rot


    Bild 10 C+/- schwach gelb(lich) an einigen Stellen, die mit einem Taschentuch aufgenommene Flüssigkeit färbt den Zellstoff nur sehr schwach gelb


    Die K-Reaktion ist makroskopisch kaum zu beurteilen, weswegen ich sie unter dem Mikroskop wiederholt habe:

    Bild 11 Reaktion mit KOH: K+gelb/rotbraun. Flechte blutet gelb in die Lauge aus. Teile färben sich kräftig orangebraun.


    Erinnert jemanden von euch der Fund an irgend eine bekannte Flechte?


    LG, Martin

    Hallo Nobi,


    vielen lieben Dank dafür, dass du dir die Zeit nimmst, auf meine Fragen so ausführlich zu antworten!

    Das ist alles sehr interessant: Und wenn man die Zusammenhänge so gut erklärt bekommt, wie von dir, so weckt dieses natürlich weiteres Interesse.


    Im Moment bin ich noch mit den Flechten und zwischen durch auch mit den großen Pilzen vollauf beschäftigt, aber ich bin sicher, der Tag wird kommen, an welchem ich nach einer neuen Inspiration suchen werde. Da hat du mir jedenfalls faszinierende, erste Einblicke gewährt.


    Bis dahin wünsche ich eine geruhsame Nacht!

    LG, Martin

    Hallo Nobi!


    Wieder ein sehr schöner Beitrag, danke!


    Bestimmt wieder eine dumme Frage, aber fruktifizieren manche Dungpilze jahreszeitlich bedingt?


    Viele der Dungpilzsporen haben dunkle, dickwandige Sporen, die bestimmt eine ganze Weile an Licht und Luft überdauern können - aber viele Monate werden sie vermutlich nicht durchhalten. Bei derartig exponierten Substraten spielen Feuchte und Temperatur der Außenwelt sicher eine wichtige Rolle für die Entwicklung.


    Trotzdem vermute ich, dass bestenfalls fakultative Dungbewohner, die nicht den Magen-Darm-Trakt passieren müssen, deren Sporen also nur zufällig nach der Ausscheidung darauf gelangen, eine jahreszeitliche Häufung zeigen.


    Wie ist denn das?

    Bestimmt gibt es hierzu Literatur.


    LG, Martin

    Hallo Nobi,


    auch für diesen schönen Beitrag meinen herzlichen, wenn auch späten Dank!


    Hatten ich den zweiten Teil gleich gelesen, hattet ich mir wohl zumindest einen Großteil meiner Frage zum ersten Teil sparen können! ==Gnolm4


    Wieder ein spannender Beitrag mit sensationellen Mikroskopfotos von dir.


    Toll für mich als Fachfremden ist auch die Angabe, nach welcher Reifezeit die Pilze auftreten, wie lange also man sich gedulden muss, eher bestimmte Arten auftreten. Denn, wer weiß, vielleicht lege ich oder jemand anders auf deine Anregung hin ja auch ihre erste Dung-Feuchtkammer an...


    LG, Martin

    Hallo Nobi,


    vielen herzlichen Dank für deinen großartigen Bericht, auf den ich erst jetzt aufmerksam geworden bin.

    Insbesondere die Sukzession der Pilzchen in den kleinen Biotopen ist beeindruckend.


    Vielleicht darf ich eine Frage hierzu stellen?


    Du schreibst, du musstest einige der Proben bald entsorgen wegen Insektenlarven-Befalls (vermutlich wolltest du die Tierchen auch nicht zuhauf in der Wohnung haben), mit der Begründung, dass die Proben so frisch und jung waren.


    Darf ich diesen deinen Kommentar bezüglich der Frische so verstehen:

    Ich nehme an, der tierische Befall gehört mit zur normalen Sukzession auf Dung, aber nicht jeder Kotballen ist wohl gleich betroffen.

    Ich nehme weiter an, wenn die Proben nicht so frisch gewesen wären, wären die Fliegen ausgeflogen oder erbeutet gewesen und die Würmchen ausgekrochen.

    Aber du hättest nicht diese Pilze beobachten können, weil sie sich eben nur auf derartig frischem Dung entwickeln.


    Wobei in der Feuchtkammer eventuell die Abfolge eine andere sein könnte, wie in freier Natur ..


    LG, Martin


    So, und jetzt lese ich noch deine zwei Folgeberichte, auf die ich mich freue! ==Gnolm8

    Hallo Kupfergraben,


    nein nein, ich mache das nur als Hobby.

    Einen Lichenologen wäre so ein blöder Fehler sicher nicht passiert, geschweige denn dass er das auch noch postet!

    Ich übe, und beim Schreiben muss man die Gedanken sammeln, erkennt die Fehler besser.


    Lichenologen gibt es im Forum schon auch. Von denen bekommt man allerdings hier wenig mit, denn die haben bestimmt Wichtigeres zu tun, als sich mit so Pillepalle zu beschäftigen. ==Gnolm4


    LG, Martin

    Hallo,


    Asche auf mein Haupt!


    Ich habe den Rohrreiniger heute auf X. parietina gegengetestet und: auch hier eine unerwartete Reaktion "C+" orange beobachtet.

    Mit einem ungebrauchten, frischen Fläschchen des gleichen Rohrreinigers bleibt die Reaktion bei X. parietina aus: C-, wie es sich gehört!

    Offenbar ist der Inhalt des benutzten Fläschchens für Farbreaktionszwecke nicht mehr benutzbar; sei es, dass ich es unwissentlich kontaminiert habe, oder sich der Inhalt im Laufe der Wochen verändert (Lichteinfall).


    Es spricht also vermutlich nichts (mehr) gegen A. pyracea!


    LG, Martin

    Hallo,


    nach zwei Nachmittagen Irrungen und Wirrungen hoffe auf Hilfe bei der Bestimmung einer orange-früchtigen Caloplaca, denn sie reagiert C+ rot im Epihymenium, was sie aber vermutlich nicht sollte...


    Zum Fund:

    Gefunden in mitten in Berlin-Adlershof neben dem Großen Windkanal an lichtreich stehendem Pappel-Stumpf.

    Bild 0 Fundort


    Auf der Borke eine Flechtengemeinschaft aus Xanthoria parietina, Physcia adscendens, Phaeophyscia orbicularis, Lecidella spec (unbestimmt) und verm anderer gelbfrüchtiger Caloplaca spec (unbestimmt, nicht in Bild 1).

    Bild 1 Blick auf Borkenstück vor Ort bei Tageslicht mit deutlich orange-früchtiger Caloplaca


    Bild 2 Lupenbild in Kunstlicht: Ältere, gedrängt stehende, unförmige, sich überwachsende, gewölbte FK (bis >= 1mm Durchmesser)

    und junge FK mit deutlich erhabenem, etwas hellerem Rand


    Bild 3 Trockener Thallus zwischen den Apothecien gefeldert, unscheinbar weißlich-grau, dickere Stellen gelblich.


    Bild 4a FK seitlich mit gelblichem Rand, Thallus weißlich mit etwas dickeren, gelblichen Inseln (= Ap.-Initiale?)


    Bild 4b Weitere FK mit scheibenfarbigem Eigenrand und weißlich-gelblichem Thallusrand

    Algen auch trocken hindurchschimmernd


    Bild 4c Apothecien nochmals von Seite


    Bild 5 Apothecien nass - Thallusrand mit durchschimmernden Algen


    Bild 6a Apothecienrand und -scheibe (Bildeinsatz oben links) K+ purpur, Thallus stellenweise K+ purpur (gelbe Inselchen reagieren)


    Bild 6b Andere Stelle ebenfalls K+ purpur an vormals gelblichen Thallusstellen


    Bild 7 Hymenium in Wasser mit orange-gelbem Epihymenium,

    Asci (4)8-sporig, Sporen 13,0-14,0-16,0 x 6,5-7,5-8,2 µm,

    Septum 4,5-6,0-7,0 µm,

    Sporenwand nicht auffällig dick.


    Bild 8 Epihymenium VERMEINTLICH C+ orange-rot bis rot (!) vgl. Originalzustand in Wasser in Bild 7.

    Tatsächlich scheint der verwendete Rohrreiniger nicht mehr für Farbreaktion zu gebrauchen zu sein, da er entweder kontaminiert oder gealtert ist.


    Bild 9 Epihymenium K+ purpur (nirgends blau)


    Bild 10 Apothecienschnitt; Excipulum proprium Breite um 45 µm, Excipulum thallinum um 40 µm



    Mit dem Schlüssel in DFD für Caloplaca, TS2 (Substrat Rinde/Holz) komme ich über

    1* Th. nicht isidiös/sorediös

    19* Ap. K+ purpurn

    20* Ap.rand zeorin/biatorin gelb, orange, ...

    24 Thallus gelb .. graugelb, K+ rot, Ap. mit orange/gelb gefärbtem Rand

    25* Th. nicht rosettig, gelappt

    26 Ap. C+, groß (1-2 mm), tief orange bis rötlich, jung mit blassgelbem Thallusrand, ... zu Gyalolechia flavorubescens (?).

    Geheuer ist mir diese Bestimmung gar nicht, sie fußt hauptsächlich auf C+ rot und führt zu einer ex. seltenen Flechte, die zwar hauptsächlich auf Pappelrinde vorkommen soll, aber in humider Lage, und als anitrophil bis max. mäßig nitrophil gilt - das passt mMn gar nicht zu Berlin - weder von der Feuchtigkeit her, noch von der Stickstoffbelastung.

    Die Flechtenfotos zeigen Exemplare mit deutlich gelbem Thallus, was ebenfalls nicht passt.

    Irgendwo habe ich gelesen, dass der Ap.rand bei ältere FK unverändert deutlich bleibt, passt auch nicht!


    Biegt ich im letzten Schritt das Schlüssels allerdings anders ab, gelangt man über

    26* Ap. C-!

    zu:

    27 Gelber Th., reduziert auf kleine Flecken um Ap., sonst Th. grau und sehr dünn; Ap 0,3-1,0mm, orange-gelborange, mit deutlichem weißlich-gelblichem Th.rand; gewöhnlich nicht gedrängt; Exc. prop. 35-70µm, Exc. th. 50-80µm. => Caloplaca/Athallia pyracea.

    Das passt alles wirklich gut bis sehr gut zum Fund, nur die Beobachtung C+ rot will nicht passen!


    Auch die Art-Beschreibung zu Athallia pyracea empfinde ich als überaus passend:

    An Allee- und Straßenbäumen, auf Rindenstegen (!) von Populus (!), ziemlich nitrophil (passt besser zu Berlin!), mäß.- sehr photophil (Stammbereich 1m über Boden an alleinstehendem, hochastigem Baum, jetzt Stubben!), im Xantherion parietinum (!).

    Hautpsächlich in kalkreichen und luftreinen Gebieten.

    Selbst die Abbildungen in Büchern (Thallus mit kleine gelben Inseln) passen wie die Faust aufs Auge, aber:


    Den Test mit C habe ich insgesamt vier Mal durchgeführt, 3 davon unter dem Deckglas.

    in Kontamination meines Rohrreiniger-Tröpfelfläschchens schließe ich eigentlich aus. (Edit: Genau das ist aber tatsächlich hier der Fall! Also C- A. pyracea)

    Darf das Epihymenium von Athallia pyracea auf C+ rot reagieren?

    Weiß jemand dazu etwas?

    Sonst würde ja alles gut passen...


    VG, Martin

    Hallo Ditte,


    vielen lieben Dank für die ausführlichen Erläuterungen!

    Ja, der Pilz ist alt, das, aber vieles andere mehr habe ich kennen können, nicht zuletzt durch deine Erklärungen.

    Insofern hast sich das schon gelohnt!


    Nochmals Danke an alle!


    LG, Martin

    Hallo Matthias,


    du hast natürlich Recht, der FK hat seine beste Zeit gesehen, der Sporenabwurf war entsprechend mager.


    Aber ich freue mich immer, wenn ich etwas entdecke, und da kann auch bei den kleinen Braunen nicht immer vorbeigehen.

    Das sind ja durchaus hübsche Kerlchen, die durch ihre düstere Farbe ihr Dasein meist unerkannt fristen dürfen und nicht abgesammelt werden.


    Gerade ist außer Täublingen und Kartoffeln nicht so viel los im Wald. Ich glaube, ich wende vorerst mich wieder den Flechten zu.


    VG, Martin