Hallo,
sagt mal, sieht man im 2. Bild nicht sogar milchig weiße Tropfen an den Lamellen hängen, etwas recht unterhalb des Stiels?
LG, Martin
Hallo,
sagt mal, sieht man im 2. Bild nicht sogar milchig weiße Tropfen an den Lamellen hängen, etwas recht unterhalb des Stiels?
LG, Martin
Hallo Stefan,
danke für die Messanleitung!
Ich hatte die Sporen in Wasser gemessen (Bilder 6).
Die Sporen werden durch das Umrechteck ein bisschen größer, als von mir angegeben.
Ich habe wieder in Wasser nachgemessen und komme auf korrigierten Sporenmaße:
(7,5)7,5-8,0-8,4(8,5) x (5,0)4,9-5,4-5,8(6,2) µm bei N = 10; Q =1,5
Die Sporen bleiben damit wohl immer noch zu klein für I. praetervisa agg., passen aber für das I. mixtilis-Aggregat.
Die Sporenknubbel sind höher als 1µm (-1,5µm) und haben einen entsprechenden Durchmesser an der Basis (auch 1,0-1,5µm).
Ich zähle 7-8 sichtbare Knötchen und würde die Anzahl für beide Seiten damit auf etwas wie 12-15 ansetzen.
Die Stielbereifung liegt sehr dicht als Ring unterhalb der Lamellenansatzes vor (Bild 4)!
Dort hatte ich die Probe für das Mikroskop entnommen, Stielhaut und Lamelle hatte ich in verdünnter KOH gequetscht (Bilder 7-8).
Jetzt habe ich noch zwei weitere Stielhautstücke aus der Mitte und dem unteren Drittel des Stiels entnommen, um mikr. zu kontrollieren.
Es gibt an beiden Stellen und damit über die gesamte Stiellänge tatsächlich Kaulozystiden.
Deren Dichte ist aber nicht zu vergleichen mit der Menge am Lamellenansatz!
"Bereift" würde ich das nicht nennen, es könnte für I. mixtilis agg. hinreichen: "The stem has cystidia along its entire length...".
Die Sporengröße wäre für I. mixtilis passend.
Eine markante Knolle sehe ich leider nicht.
Ich könnte mit einen Pilz aus dem I.mixtilis-Aggregat vorstellen.
Eine Schlüssel hierfür hätte ich gefunden von F. Esteve-Raventós und Oertel et al. (2018).
Dort würde ich mich zu Inocybe occulta durchschlüsseln, der könnte vielleicht passen:
"
1) 1. Spores with Qm = 1.3–1.4, provided with clear and distinct protruding knobs (1–1.5 μm high)=> 4 ...
4) Spores with Qm = 1.4–1.5, generally more heterodiametrical; pileus without a lardy aspect, slightly sticky in humid conditions, sometimes subhygrophanous => 5 ...
5) Pileus darker, buff yellow, golden-yellow, orange-yellow or light brown, often with a subhygrophanous appearance; cystidia often with a sublageniform shape, often extending into a distinct neck, though sometimes variable, often > 50 μm long. — Widespread all over continental Europe, and also known from North America and Australia. . . . . . . I. occulta
"
Ich habe deshalb nochmals die Pleurozystiden- und Sporenvariabilität kontrolliert:
Die Pleurozystidenlänge vaiiert deutlich, ich finde sogar (Ausreißer-)Exemplare mit bis zu 90µm Länge!
Bild 11 Lamelle, Quetschpräparat
Bild 12 Typische Pleurozystiden mit Wandstärke
Was mich stört, ist die nicht erkennbar knollige Stielbasis.
Vielleicht habe ich falsch geschnitten: Ich habe das Messer an der hartnäckig erdverklebten Stielbasis angesetzt und in Richtung Hut durchgeschnitten.
Dabei verschmierte die Erde in die Schnittfläche hinein bis in den Fraßgang im Stiel und überdeckt vielleicht auch einen Teil der Stielbasis.
Nächstes Mal schneide ich wohl besser in der anderen Richtung.
Wie ist denn deine Meinung?
LG, Martin
Hallo!
Ich kann's nicht lassen und habe mir wieder einen Risspilz aus dem Wald mitgenommen.
Die Fotos im Wald sind leider hart an der Schmerzgrenze, weil sich meine Kamera zu dem Zeitpunkt verstellt hatte.
Die Pilze wachsen am Waldwegrand in einem Laubwald mit eingestreuten Nadelbäumen auf kalkigem Boden.
Im bewussten Waldabschnitt dominierten m.W.n Laubbäume. insbes. Eiche, Buche und div., Edelhölzer wie Ahorn und Linde.
Die Pilze "wurzeln" in der Erde zwischen kleinen Eichen- und Ahornpflänzchen.
Zum Geruch weiß ich nicht viel zu sagen, am ehesten vielleicht süßlich (1 Tag später und schon deutlich angetrocknet).
Bild 1 Pilzfund am Wegesrand
Bild 2 Pilz mit ocker-braunem, gebuckeltem Hut, Lamellen braun, weitstehend, Stiel gelblich/hellbraun
Zuhause ein paar Bilder am Fenster in Tageslicht:
Bild 3 Hut sand- bis strohfarben, radialfasrig, grob abschuppend, Zentrum (Buckel) orange
Bild 4 Durchmesser 5,5cm; Lamelletten vorhanden, Kaulozystiden nahe dem Lamellenansatz erkennbar
Bild 5 Durchmesser Hut 5,5 cm, Stiel 0,75 cm; Höhe 6,5 cm.
Hutfleisch weißlich, am Übergang zum Stielhellbraun, Stielfleisch gelblich. Schnittfläche verfärbt sich nicht.
Stielbasis (sehr) schwach verdickt / knollig.
Der durch das Schneiden erdverfüllte Hohlraum ist ein Fraßgang.
Die Sporen würde ich als knotig bezeichnen:
Bild 6a Sporen in Wasser. 7x5 µm große, elliptische Sporen mit knotigem Ornament: 6,3-7,0-7,7 x 4,6-5,0-5,4 µm²
Wie messe ich hier richtig? Inkl. Knoten oder ohne?
Bild 6b Sporen
Gelb gefüllte, merulliode Pleurozystiden sind in großer Zahl zu finden:
Bild 7a Lageniforme Pleurozystiden. Am Kristallschopf um 5µm Durchmesser, an dickster Stelle12-18µm.
Länge etwa 55-60µm
Bild 7b Die Pleurozystiden sind sehr dickwandig, um 2µm; zur Spitze hin noch deutlich dicker.
Die Kaulozystiden am oberen Stielende sind sehr ähnlich, aber ohne gelben Inhalt:
Bild 8a: merulliode Kaulozystiden, dickwandig mit ausgeprägtem Kristallschopf. Wandstärke um 1,5µm, zur Spitze hin dicker.
Länge bis 70µm
Bild 8b weitere Kaulozystiden
Ich weiß nicht, ob es etwas besagt, aber heute - einen Tag nach dem Fund - sind die Lamellen etwas violett eingefärbt.
Bild 9 Lamelle fast durchgetrocknet - mit Violettstich
Beim Abgleichn mit FoTE passt am ehesten das I. mixtilis - Aggregat oder I. praetervisa.
Bei I. praetervisa sollten die Sporen größer sein, für I. mixtilis passt mit die Stielbasis nicht:
Bild 10a Stielbasis im Schnittbild: knollig oder nicht?
Bild 10b Leicht verdickt mit zentralem Zapfen - gibt es sowas?
Falls sich jemand zum Thema äußern möchte, würde ich mich natürlich sehr freuen.
Den Pilz habe ich noch herumliegen, falls weitere mik. Intersuchungen hilfreich sein sollten.
LG, Martin
Hallo ans Forum!
Gestern bin ich meine Berliner Proben weiter durchgegangen und durfte Interessantes entdecken.
Was ich beim ersten Betrachten für Ansammlungen von Trentepohlia-Algen halten wollte, stellte sich als die Flechte Piccolia ochrophora heraus.
Die streng kreisförmige Form der Strukturen (Bild 2) machte mich zu Recht stutzig!
Fundstelle war ein ein Pappelstumpf, etwa 1,5m hoch, mit leicht abzulösender Borke.
Bild 1 Pappelstumpf auf dem Unigelände Adlershof in Berlin
Ein Stückchen Borke wanderte in meiner Tasche mit zu Lupe und Mikroskop.
In einem der Borkenrisse zwischen X. parietina, P. orbicularis und Lecania spec. befinden sich gelb-orange Apothecien auf einem unscheinbaren, weißlichen Thallus:
Bild 2 Lupenbild: Weißlicher Thallus und gelb-orange, stark bereifte Apothecien der Größe 150-400 µm (oben im Bild: Streichholzkopf)
Das sieht schon ohne Mikroskop sehr nach Piccolia ochrophora aus, die ich bislang nicht kannte.
Frei nach DFD:
Es handelt sich dabei um die einzige Art dieser Gattung, die in Mitteleuropa vorkommt und gilt hierzulande als ziemlich selten.
Ander Arten der Gattung leben in (sub)tropischen Regionen.
Die Flechte soll in lichten Wäldern und an freistehenden Bäumen die weiche Borke von Holunder, Pappel oder Weide bevölkern.
Sie sei vom Flachland bis in die submontanen Regionen in ganz Deutschland zu finden.
Weitere Eindrücke:
Bild 3 Lupenbild: Ein Teil der Apothecien scheint einen dünnen, gelben hochstehenden Rand zu besitzen, mithin sind sie biatorin berandet.
Bild 4 Lupenbild von Piccolia ochrophora
Bild 5 Lupenbild: Leicht gewölbtes Apothecium mit "grober", oranger Bereifung
Bild 6 Lupenbild von Piccolia ochrophora
Die Apothecienscheibe, genauer das Epihymenium, reagiert mit KOH kräftig purpurrot.
Unter dem Mikroskop ist die Flechte recht interessant wegen ihrer mit sehr vielen Sporen gefüllten Asci:
Bild 7 Quetschprobe des Hymeniums in Wasser. Die Asci sind mit sehr vielen kugelförmigen, hyalinen Sporen angefüllt
Der Algenpartner sind coccoide Grünalgen.
Das Hymenium ist farblos und 50-60µm dick.
Die Asci sind keulig mit Durchmessern um 15µm, Länge um 55µm.
Paraphysen sind stark verzweigt mit Durchmessern von 1,5-2,0µm, die Enden leicht verdickt auf 2,5-3,0µm.
Das Hymenium ist J+ blau, amyloid.
Bild 8 Hymenium von Piccolia ochrophora in verd. KOH: Asci
Bild 10 Probe in verd. KOH => Epihymenium rot
Bild 11 Verzweigte Paraphysen von Piccolia ochrophora (in verd. KOH)
Diese kleine Flechte hat sogar einen dt. Namen: "Zimtflechte".
Aufgrund ihrer Winzigkeit glaube ich allerdings nicht, dass dies eine überkommene Bezeichnung aus dem Volksmund sein kann! ![]()
LG, Martin
Guten Morgen Karl,
auch von mir herzlichen Dank für die tollen Bilderstrecken und Beschreibungen, die du derzeit aus der Eifel einstellst!
Da geht einem richtig das Herz auf bei so schönen, unterschiedlichen und auch großen Pilzgruppen.
Man möchte am liebsten gleich selbst los, um sowas zu finden... Aber das sind Tagträume, das dicht bevölkerte und kultivierte Neckarland ist eben nicht die Eifel.
Meinen Glückwunsch!
LG, Martin
Hallo Marcel,
der Zottige Schillerporling ist hier am Neckar oft an den alten Obstbäumen auffindbar.
Ein schöner Pilz!
Offenbar mag er es ein wenig wärmer als das hemiboreale, littauische Klima.
LG, Martin
Hallo ans Forum!
Seit einigen Tagen ist einer der Hauptäste meiner Felsenbirne aufgeplatzt, denn ein gelblicher Stachel-Rindenpilz hat unter der Borke seinen Fruchtkörper ausgebildet.
Der Pilz kommt mir sofort bekannt vor, hatte ich ihn doch vor zwei Jahren etwa schon mal an einem Apfelbaum in der Nähe beobachtet. ![]()
Bild 1 Aufplatzender Haupast an Felsenbirne: Der linke Ast blieb heuer ohne Blätter - jetzt weiß ich weshalb!
Es wird nicht mehr lange dauern, und der Ast bricht ab.
Zum Glück ist der Trieb so kurz, dass er nicht bis auf die Straße fallen kann.
Bild 2 Orange-gelbe Stacheln unter der aufplatzenden Borke
Bild 3
Bild 4 Den Baum hat es voll erwischt!
Bild 5 Der Pilz duftet sehr intensiv, fruchtig, bisschen nach Maggi...
Bild 6 Im Inneren ist der frische Fruchtkörper leuchtend gelb
Bild 7 Die Stacheln sind etliche Millimeter lang, ich messe um 7mm
Bild 8 Spitzen der frischen Stacheln sind weiß, stellenweise blattartig verbreitert
Bild 9 Trockenere Stacheln an der Außenseite nehmen eine orange Färbung an
Bild 10 Der Pilz verursacht eine Weißfäule, das Myzel unter der Fruchtschicht (oben im Bild) ist schwefelgelb
Bild 11 Die Sporen sind sehr breitelliptisch / tropfenförmig und messen um 5 x 4 µm (+/- 0,5µm); Schnallen sind vorhanden (ohne Foto)!
Bild 12 Skurrile Zystide
Schade um den Baum, da wachsen so schöne Flechten drauf!
Es handelt sich um den Ast, auf den die Kinder vor Jahren immer wieder getreten und gehüpft sind, um ein bisschen hochzuklettern.
Die Rinde hat dadurch Risse bekommen, die bestimmt als Eintrittspforte dienten.
Genau an dieser horizontalen Stelle ist auch der dickste Fruchtkörper.
Ich hoffe, dass nicht ich den Pilz vormals selber eingeschleppt habe. ![]()
LG, Martin
Hallo Marco,
ich kenne V. xyloxena nicht, das mal voraus!
Wenn ich den Verrucaria-Teilschlüssel 1 für terricole Verrucarien in DFD durchschaue, muss man bei der ersten Verzweigung entscheiden, ob die Flechte ein Involucrellum besitzt oder nicht.
Du entscheidest dich für die Eigenschaften "1* ohne Inv., Th. körnig-warzig etc.".
Woran machst du denn fest, dass die Flechte kein Involucrellum besitzt?
Leider erkennt man auf deinem ersten Foto nicht allzu viel von Perithecienaufbau und -form.
Der Thallus erscheint mir eher undeutlich als körnig-warzig (kugelige bis leicht längliche Goniozysten, 15-35µm Durchmesser).
Ausführliche gute Beschreibung und Fotos (mit körnigem Thallus!), Fruchtkörper-Schema zur Art z.B. hier: V. xyloxena auf der Triester Flechtenseite.
Nur von den Bildern her würde ich in die andere Richtung abzweigen ("1 mit Involucrellum, Th. undeutlich, etc.") und käme bei V. muralis raus, einer (ziemlich) häufigen Verrucaria, für die die Maße, welche angibst, übrigens passen: Durchmesser FK 250-500µm, u.a. schwarz; Sporen ca. (17)20-24(27) x (7,5)10-12,5(14) µm² - auch die Breite passt!
Von einer als extrem seltenen bis verschollen eingestuften Verrucaria würde ich erstmal nicht ausgehen, bis nicht wirklich alle geforderten Eigenschaften zweifelsfrei zusammengetragen sind.
(Hymenialgallerte J+rot ist typisch Verrucaria und trägt zur Artbestimmung nicht bei.)
Interessant wäre zu wissen: War der Boden basenreich?
Trotzdem natürlich eine interessante Gattung/Art!
Blöderweise muss man bei V. meist die Anatomie der Perithecien analysieren und Strukturbreiten und -höhen an Querschnitten vermessen.
Querschnitte durch die spröden Perithecien finde ich sehr schwierig herzustellen!
Die Verrucarien sehen sich teils fürchterlich ähnlich und gelten als (sehr) schwierig in der Bestimmung - das finde ich auch!
LG, Martin
Hallo Oehrling,
du bestätigst, wie schwierig das Ganze ist oder mir zumindest erscheint.
Das Pilzchen ist mittlerweile vertrocknet, mehr als bereits angegeben werde ich wohl nicht mehr herausfinden können ..
Aber vielleicht wird noch jemand irgend was dazu.
Ich habe jedenalls wieder etwas lernen können!
Danke euch beiden.
Martin
Hallo Stefan,
vielen Dank für die gute Anregung!! ![]()
Ich werde mir das morgen mal genauer zu Gemüte führen.
Klingt ganz schön spannend für mich.
LG und gute Nacht wünsche ich!
Martin
Hallo,
ich würde gerne einen meiner Funde querchecken lassen - so weit das geht.
Diemal habe konnte mich an den LBMs nicht vorbeigehen, ohne ein Probe mitzunehmen und mich an der Bestimmung zu versuchen.
Die Pilze wachsen in der Laubstreu von Buchen im Buchen-Eichen-Mischwald auf kalkhaltigem Boden.
Um die Pilze sehe ich hauptsächlich Rotbuchenblätter.
Bild 1
Die Pilze haben deutlich gebuckelte, radialfasrige Hüte, teils eingerissen.
Der Hutrand ist aufgebogen.
Leider sind die Fotos im Wald überbelichtet, später kommen farbtreuere Bilder!
Bild 2
Der Geruch ist spermatisch.
Bild 3 Die Stiele sind fest mit der Erde verbacken
Zuhause am Fensterbrett im Sonnenlicht:
Bild 4 Stiele hellbraun, längsfasrig, Basis weiß; etwa 10 cm hoch, Hut ca. 4-6 cm Durchmesser, Stiele um 1 cm Durchmesser (5mm-Raster)
Bild 5 Hüte gebuckelt, radialfasrig, eingerissen; Ränder wellig und hochgebogen
Bild 6 Lamellen mit Zahn herablaufend, graubraun, Stiel am Übergang zum Lamellen weißlich; Lamelletten vorhanden
Die Lamellenkante wirkt unruhig, fast gezähnt.
Bild 7 Weißliche Cheilozystiden an der Lamellenkante
Bild 8 Dunkelbraune, fädige Anhaftungen am Stiel (Cortinareste?)
Bild 9 Schnittbild: Lamellen mit kleinem Zahn herablaufend; Hut dünnfleschig; Stiel massiv
Bild 10 Stiele besitzen eine schwach ausgeprägte, nicht abgesetzte Knolle, mit der sie im Substrat sitzen.
Die Erde ist nicht entfernbar, nicht einmal unter'm Wasserhahn, eher zerreißt die obere Pilzschicht!
Der Sporenabwurf war sehr unergiebig.
Eine echte Aussage über den Braunton traue ich mich nicht zu machen, dennoch sind die Sporen vermutlich ockerfarben, wie der Sporenbelag auf dem Hut zeigt (Bild 16)
Bild 11 Sporen mit gerader bis leicht konkaver Seite (etwa bohnenförmig); Größe: 9,0-11,2 x 5,0-5,5 µm²
Bild 12 Die Sporen sind inamyloid (hier in Wasser)
Bild 13 Cheilozystiden sind reichlich vorhanden, dünnwandig und keulig; Kopfdurchmesser liegt bei etwa16µm.
Bild 14 Mehr Cheilos, alle ohne Kristallschopf
Pleurozystiden sind nicht zu finden!
Die Hyphen der HDS haben Schnallen.
Bild 15 Braune HDS-Hyphen mit Schnallen, keine metuloide Zystiden zu finden
Die Huthaut erweist sich unter der Lupe als mit Sporen übersät.
Das Sporenpulver wirkt hier ocker:
Bild 16 Ockerfarbener Sporenbelag auf Hutoberseite nach Sporenabwurf
Bild 17 Die Sporen auf der Huthaut sind eindeutig die gleichen, wie unter dem Hut auf dem Objektträger (Bild 11f), also vom gesuchten Pilz.
Die wichtigste Punkte nochmals:
- terricol
- LBM mit radialrissigem, fasigem, nicht schuppigem Buckelhut
- Geruch spermatisch
- Lamellenkanten weiß, wellig/gesägt
- Stiel glatt, mit schwach ausgeprägter, nicht abgesetzter Knolle
- Ringzone nicht erkennbar
- verm. ockerfarbenem Sporenpulver
- Sporen bohnenfö., 9,0-11,2 x 5,0-5,5 µm²
- Keine Pleurozystiden
- Keulige Cheilozystioden
- Keine Metuloide (Lamellen & HDS)
- Schnallen in HDS
Mit dem Bresinsky komme ich zu Inocybe rimosa, da ist natürlich nur ein Bruchteil der Inocyben abgehandelt.
I. rimosa kann ich nach der Beschreibung in FoNE eigentlich ausschließen (Lamellenfarbe).
Vielleicht kommt ja etwas aus der Richtung I.quietiodor / reisneri in Frage?
Oder ist der Pilz makro-/mikroskopisch nicht auf Artebene bestimmbar?
Ich hoffe, zumindest die Gattung getroffen zu haben. ![]()
LG, Martin
Hallo!
Seit etwas mehr als zwei Jahren beschäftige ich mich jetzt mit Flechten und endlich (!) stoße ich eine der vermeintlich recht häufigen Flechten:
Die Vielköpfige Gelbflechte (Polycauliona polycarpon; Syn. Massjukiella polycarpa, Xanthoria polycarpa).
Sie ist in meinem ersten Flechtenbuch "Flechten einfach bestimmen" die dritte beschriebene Flechte überhaupt, gleich im ersten Kapitel "Flechten überall auf Laubbäumen".
Von wegen!
Wo habe ich nicht überal gesucht, sie vermeintlich entdeckt, um enttäuscht festzustellen, dass es sich bis dato immer um ihre Großcousine X. parietina, die Gelbe Wandflechte handelte.
Bisher hatte ich sie nirgends entdecken können.
Um sie zu finden, musste ich erst quer durch Deutschland bis nach Berlin reisen.
Und dort, mitten in Berlin, finde ich zahlreiche Exemplare an Ahornstämmen auf dem Unigelände.
Bild 1 Lindenbäumchen im Campus Adlershof / Berlin
Bild 2 Offenbar keine hohe Flechtendiversität am Baumstamm.
Trotzdem muss man genauer nachschauen, wenn man schon mal da ist!
Bild 3 Physcia tenella und Unmengen grünes Zeugs (unbestimmt; jedenfalls R-) - und, huch!, dazwischen ein kleines, oranges Apothecium!
Wenn man am Stamm weitersucht, finden sich viele dieser Apothecien in kleinen Gruppen!
Polycauliona polycarpon, die Vielköpfige Gelbflechte hatte sich lange erfolgreich vor mir verborgen.
Hier hat sie also gesteckt!
Bild 4 Die kleinen Thalli von Physcia tenella (Graue Blattflechte oben, rechts und unten am Bildrand, mit aufgebogenen Lippensoralen), wirken riesig gegenüber den winzigen, gelben Thalli von P. polycarpon.
In Schattenlage sind die Thalli der Flechte farbloser und gelblich grau.
Bild 5 Die Flechte reagiert K+ (purpur-rot), C-, KC-, P-.
Als Blattflechte besitzt sie eine weiße Unterseite mit kaum Rhizinien.
Bild 6 Sehr kleine (< 1 cm), meist etwas aufgewölbte Flechtenthalli
Bild 7 Die allseits vorkommende Xanthoria parietina, die Gelbe Wandflechte, hat vergleichsweise riesige und sterile Randlappen.
Die winzige Cousine P. polycarpon hingegen besteht oft fast nur aus Apothecien.
Wenn man ünerhaupt etwas von ihrem Thallus sieht, sind die Läppchen winzig!
Bild 8 Nochmals Xanthoria parietina und Polycauliona polycarpa im direkten Vergleich
Noch einige Eindrücke:
Bild 9 Ein größeres Exemplar
Bild 10 Schattenvariante mit grauem Thallus
Bild 11
Wo kommt die Flechte nun wirklich vor?
Die Literatur (u.a. Wirth et al.) sagt:
Auf nährstoffreicher Rinde an freistehenden, subneutralen, staubimprägnierten Laubbäumen und Holz (Weidezäune), in windoffener, feuchter und sonnenreicher Lage, oft in der Nähe von Landwirtschaftsbetrieben mit Tierhaltung (und Misthaufen, Stickstoffeintrag!).
Heutzutage kommt diese nitrophile Spezies wohl auch schwerpunktmäßig in Großstädten vor, oft gemeinsam mit X. parietina (vgl. Bilder 7f).
Sie soll schwerpunktmäßig an Ästchen, speziell in Astgabeln zu finden sein; aber wie hier, auch auf der Rinde am Stammbereich.
Sie gilt als nicht allzu konkurrenzstark (Flechten Baden-Württembergs).
Als Verbreitungsgebiet wird der Mittelmeerraum bis in die boreale Zone angegeben; im nördlichen Fennoskandien fehlt sie dann weiträumig.
Sie kommt bis in die (hoch)montane Stufe vor.
Auf der Verbreitungskarte von Baden-Württemberg, Stand 1987, besitzt P. polycarpa die höchste Nachweisdichte wohl auf der Schwäbischen Alb und im Hochschwarzwald.
In der Rheinebene und dem Einzugsgebiet des mittleren uind nördlichen Neckars ist sie deutlich seltener verzeichnet.
Da hatte ich in diesem Hinblick wohl Pech mit der Wahl meines Wohnortes, die Luft ist hier wohl einfach zu sauber!
Es würde mich mal interessieren, wer diese etwas unscheinbare Flechte schon beobachtet hat, und falls ja, wo?
Kommt sie tatsächlich vermehrt in den Großstädten vor?
Vielleicht möchtet ihr mir das mitteilen, es würde mich freuen.
LG, Martin
Hallo Thorben,
also tatsächlich auch verzweigte Fruchtkörper.
Es freut mich, dass ich auch mal dir helfen könnte!
LG, Martin
Aha!!
Ap. deutlich gestielt, auf Rinde, an Zweigen von.Alnzs und Populus, Thallus nicht erkennbar, im Substrat, Köpfchen ohne Mazaedium, keulig bis kreiselfö., Ap. schwarz etc., Sporen 4zellig => Stenocybe!
Dort: nicht an Abies, an Alnus; an Grau- und Schwarzerle, Ap. 0.3-0.6mm hoch, nicht selten verzweigt, schwarz, etc, Sporen blass graubraun, (10)11-16(18) x (3,5)4-5(6)mu, lange 1-2zellig, reif 4zellig => S.pullatula
Könnte so passen.
Erkennst du irgendwo auch verzweigte (mehrköpfige) Fruchtkörperchen?
Muss ja nicht sein, aber das wäre vielleicht der letzte Beweis.
LG und gute Nacht, Martin
...interesant wäre auch zu wissen, ob auch bei Reife auch dreifach septierte Sporen vorliegen.
Ich versuchte morgen nochmal, ein wenig mit den Zusatzangaben weiter zu schlüsseln.
Hallo Thorben thorben96 ,
als Mazaedium wird eine breiig-klebrige Masse aus Sporen, Resten der schnell zerfallenden Asci etc. bezeichnet, die sich bei einigen der coniocarpen Pilze (inkl. der lichenisierten Varianten) auf deren gestielten Apothecien ansammelt und von Tierchen verschleppt wird.
Typischeweise zerfallen die Asci solcher Fruchtkörper sehr schnell, was es unwahrscheinlich macht, sporenhaltige Asci zu finden - geschweige denn so viele auf einmal, wie du auf deinem dritten Foto.
LG, Martin
Hallo Thorben thorben96 ,
Die Sporen sind elliptisch und zum Teil einfach septiert, wenn ich auf dem 3. Bild die Sache richtig erkenne.
Wenn du so viele sporengefüllte Asci findest, sollte es vermutlich eine Art/Gattung ohne Mazaedium sein.
Chaenothecopsis wäre keine Flechtengattung, wie ich lese, sondern beschreibt lichenicole, auf Algen parasitierende oder saprophytisch auf Holz/Rinde lebende Pilze.
Für Chaenothecopsis finde ich Sporenlängen angegeben von eher 10 µm, da liegen deine 13-18 µm deutlich darüber.
Ich kenne den Pilz zwar nicht, aber beim Versuch durchzuschlüsseln, könnte ich mir eine Stenocybe oder Phaeocalicium vorstellen.
Das wären wie Chaenothecopsis keine Flechten, sondern jeweils saprophytische oder parasitische Pilze ohne Mazaedium.
Das gelbgrüne Gekrümel könnte zur schmarotzten Flechte gehören, oder halt zufällig da sein.
Jedenfalls ragen die coniocarpen Apothecien in Bild 1 stellenweise direkt aus der Rinde heraus, ohne dass der gelbgrüne Thallus in der Nähe wäre.
(Chaenothecopsis consociata z.B. (mit verzweigten Köpfchen) schmarotzt auf der gelbgrünen Chaenotheca chrysocephala, die sehen aber beide anders aus.)
Ich fürchte, ich zumindest bräuchte mehr Angaben (Baumart, Ap-Durchmesser, Ap.-Höhe, Mazaedium vorhanden oder nicht, Septierung der reifen Sporen), um mit dem Schlüssel für coniocarpe Flechten weiterzukommen.
Ich hoffe, ich maße mir hier mit meinen Kommentaren nicht zu viel an, aber es antworten meist nur sehr wenige Leute im Flechten-Unterforum.
![]()
Jedenfalls bin ich gespannt, ob jemand das Rätsel mit den Fotos und den Sporenmaßen lösen kann.
LG, Martin
P.S. Was sieht man denn genau auf dem Apothecium in Bild 2 oben aus dem Hymenium für herausragende Strukturen?
Hast du mal einen Querschnitt versucht?
Hallo Wutzi,
bestimmt war das eine blöde Frage.
Ich lese nach:
Nabelinge: mit Moos verbandelt, genabelter Hut, inamyloide Sporen; teilweise lichenisiert.
Xeromphalina hingegen ist aus den Nabelingen ausgegliedert und lebt saprotroph auf Nadelholz. Sie hat amyloide Sporen, was mir beim Testen entgangen sein muss.
Helmlinge: alle möglichen, zarten, saprotroph auf Totholz lebende Pilzchen mit glocken- bis helmartig geformten Hüten, was genabelte Formen nicht ausschließt; meist mit amyloiden Sporen.
Naja, das sind Formgruppen, die immer etwas unklar bleiben.
Ich glaube, man muss ein Gespür dafür entwickeln, das mir noch eine Weile abgehen wird.
LG, Martin
Ich bin ganz gespannt, was das wird.
LG, Martin
Hallo Ulla,
hallo Andy,
vielen Dank euch beiden, für eure Vorschläge und gar Sporenbilder!
Ja, Xeromphalia (campanella) hatte ich dann auch noch als Idee, war mir aber viel zu unsicher.
Hätte ich doch die Sporen geprüft, ob sie zu Xeromphalia passen ..
Sind diese kleinen, unreif wirkenden Pilze tatsächlich schon (teil)reif, das wollte ich nicht recht glauben.
Warum kann man den Mycena hier ausschließen, wenn ich mal dumm fragen darf?
LG, Martin
Hallo,
gestern stieß ich im Laubwald auf kleinen Pilzchen zwischen Cladonien und Moos auf einem morschen Stuppen.
Bild 1 Cladonien auf Stuppen
Nachdem ich die Brombeerblätter beiseite gebogen hatte, zeigten sich darunter diese kleinen Pilzchen (max. 2cm Höhe):
Bild 2 Etwas weiter unten im Moos viele braune Pilze (max. 2 cm hoch)
Bild 3 Büschelig wachsend, Hüte mit kleinem Nabel
Bild 4
Die Pilze entspringen dem morschen Holz, wo sie mit einem orangenem Myzel anhaften
Bild 5 Hüte braun mit weißem Flaum
Bild 6 Stiele gelb und hell beflaumt
Bild 7 Orangener Myzelfilz endet im morschen Holz
Bild 8 Hutrand eingerollt, Lamellen weiß; nur wenige Lamellen erreichen den Stiel (<20?); Lamellen verzweigend und schwach herablaufend
Bild 9 Hutfleisch braun, Lamellen weiß; Hutrand stark eingerollt
Bild 10 Huthaut (ungequetscht) mit fasrigen Hyphenenden
Bild 11 Huthaut gequetscht: Hyphen inkrustiert, mit Schnallen
Bild 12 Lamellenkante mit keuligen Cheilozystiden (400x)
Bild 13 Lamellenkante
Ich finde zwar Sporen im Quetschpräparat, aber keine reifen Basidien, weshalb ich hier eher auf Fremdsporen tippe.
Ich zeige sie trotzdem, denn vielleicht gehören sie ja doch zum Pilz:
Bild 14 Inamyloide Sporen in Wasser
Bild 15 Sporen in Wasser 1000x; farblos, zylindrisch 5,5-6,5 x 2,8-3,5 µm
Ich hätte auf Mycena getippt, aber ich komme mit dem norwegischen Mycena-Schlüssel zu keinem vernünftigen Ergebnis.
Bestimmt sind die Pilze noch nicht ausgereift und deshalb nicht bestimmbar, oder?
Deutet der orangene Myzelfilz eventuell in Richtung Xeromphalina?
Falls jemand hierzu etwas weiß oder einen Tipp hat, würde ich mich über die Rückmeldung freuen.
LG, Martin
Hallo Stefan,
vielen Dank für deine sehr geschätzte Meinung!
Dein sehr gutes Art-Portrait hatte ich tatsächlich gefunden und die Information zum Mikroskopieren der Spuren in Öl dort gelesen und anschließend ausprobieren müssen!
LG, Martin
Hallo CH-Andy ,
gerade das netzige Ornament soll typisch für S. bovista und S. citrina sein.
S. citrina hätte ich ausgeschlossen, da er keine stielartige Basis haben soll, die Peridie dickschalig, gelb und grobflockiger ist.
Mikroskopisch sei das Netzornament im Gegensatz zu S. bovista nicht vollständig.
Die ehinger Sporenfotos helfen mir nur bedingt; aber ich denke, das Sporenfoto von S. bovista passt besser zum Fund als das von S. citrinum!
Bei S. citrina werden Schnallen nicht erwähnt, S. bovista hat Schnallen.
S. bovista liebt gestörte Böden, was auch mit dem Fundort, der tiefen Fahrspur im Waldweg, harmoniert.
Mal schauen, ob sich noch ein Bovist-Fan meldet.
Davon scheint es offenbar nicht soo viele zu geben...
LG, Martin
PS: Der Regenwunsch ist auf mich zurückgefallen:
Mann, hat das heute geschüttet. ![]()
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Ahoi!
Der heutige Waldgang war - trotz Regenwetter seit einigen Tagen - sehr ernüchternd.
Dennoch findet man immer etwas und heute waren es erstmals Boviste.
Da das wieder einmal ein Erstfund für mich als Pilzeinsteiger ist, möchte ich den Fund hier gerne zeigen und, falls falsch bestimmt, mich gerne korrigieren lassen.
In der Radspur eines kaum benutzen Mischwaldweges stieß ich auch gelbbraune, harte, beschuppte Bauchpilze.
Bild 1 Mischwald mit Buchen, Fichten, Ahorn, Lärchen, Eichen, ...
Bild 2 Bauchpilz mit aufgeplatzter Peridie - ich vermute einen Trockenschaden
Bild 3 Der Pilz wächst gesellig auf dem schweren, lehmigen Boden
Bild 4 Ein kurzer Stiel und dicke, weiße, verfilzte Hyphenstränge verankern ihn im Boden
Bild 5 Die Gleba ist makroskopisch schwarz-violett. Der Stiel ist bei beiden Exemplaren flach (quasi zweidimensional), nicht drehrund
Bild 6 Die Gleba ist noch feucht, in der Mitte nass glänzend. Die Peridie ist oben und seitlich 1,0-1,5 mm dick
Bild 7 Die Hyphen in der Gleba besitzen Schnallen
Bild 8 Schnalle und braun-violette, netzig ornamentierte Sporen (in Wasser), um 10µm Durchmesser, ohne Ornament
Das Ornament ist etwa 2µm hoch.
Den Tipp, die Sporen in Öl statt in Wasser zu mikroskopieren, habe ich versucht.
Das Ergebnis finde ich nicht besser als die Sporen in Wasser (vgl. Bild 8):
Bild 9 Sporen in Immersionsöl
Da die Gleba bei meinem Fund noch feucht bis nass ist, sind die Sporen noch nicht vollständig ausgereift und deshalb vermutlich noch hydrophil.
Vermutlich lösen sich die Sporen später bei der Reifetrocknung vollständig von den anderen Glebazellen und werden oberflächlich hydrophob, um bei feuchter bis nasser Witterung nicht zu verklumpen.
Mit dem hier im Forum eingestellten Schlüssel aus den Großpilzen BWs gelange ich zu S. bovista (Gelbflockiger Kartoffelbovist), mit dem typisch netzigen Ornament.
Beste Grüße und allen genug Regen wünscht
Martin
