ja, das war schon eine ganz außergewöhnliche Saison in den Bergen. Die gute Niederschlagssituation übers Jahr und das bisherige Ausbleiben von Föhnstürmen und Frösten im Herbst hatten bei uns unglaubliche Mengen an Wiesenpilzen zur Folge. Und weiters hatte ich wohl auch das Glück, mehrmals genau zur richtigen Zeit, genau am richtigen Ort zu sein.
Einige der gezeigten Arten hab ich auch selbst vorher noch nie gesehen (bzw. teilweise noch nicht mal davon gehört)
Karl W: die interessanten Funde, sofern in anständigen Kollektionen vorliegend, wurden natürlich aufgehoben. Dass die rosa Entoloma-Arten wohl großteils eingestampft werden hab ich auch schon mitbekommen, aber mal abwarten was dazu dann im neuen Teil von FE5 steht. Optisch war der Fund auf jeden Fall ein Erlebnis.
Die Erdzungen i.w.S. haben mir heuer einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Die sind inzwischen ganz schön artenreich geworden
Besonders spannend fand ich hier Sabuloglossum monticola, die ich während einer Seminarwoche gleich mehrfach finden konnte. Eigentlich eine gut erkennbare Art, die wohl im Gebirge gar nicht so selten ist, aber trotzdem erst kürzlich neu beschrieben wurde.
die letzte Nacht hat die Wiesenpilzsaison in den höheren Lagen wohl beendet, zumindest hier am Alpennordrand. In den tiefer gelegenen Wiesen wird's zwar hoffentlich noch etwas weiter gehen, aber ich wollte die Gelegenheit mal nutzen, um euch eine Zusammenfassung der schönsten Funde der Alm und Bergwiesensaison zusammenzustellen.
Diejenigen die auch im ÖMG-Forum öfter vorbeischauen haben das meiste natürlich schon gesehen, aber für manch anderen wird's wohl auch noch interessant sein
Die Funde sind großteils aus den OÖ-Kalkapen, einige jedoch auch aus Osttirol/Kärnten
Bovista pusilla
Camarophyllopsis schulzeri
Chromosera citrinopallida
Clavaria greletii
Clavaria sphagnicola
Clavulinopsis fusiformis
Cuphophyllus berkeleyi
Cuphophyllus flavipes
Cuphophyllus roseascens
Dermoloma josserandii
Dermoloma cuneifolium
Entoloma atromadidum
Entoloma bloxamii s.str.
Entoloma callirhodon
Entoloma henrici
Entoloma luteobasis
Entoloma scabropellis
Gliophorus irrigatus
Gliophorus laetus
Gliophorus laetus var. flavus
Glutinoglossum pseudoglutinosum
Hygrocybe helobia
Hygrocybe intermedia
Hygrocybe punicea
Hygrocybe reidii
Hygrocybe spadicea
Hygrocybe splendidissima
(Lamelloclavaria petersenii) Spec.
Neohygrocybe ovina
Neohygrocybe pseudoingrata
Porpolomopsis calyptriformis
Pseudotricholoma metapodium
Sabuloglossum monticola
Alles in allem ein ganz zufriedenstellendes Ergebnis
tolle Funde... in manchen Gegenden scheint heuer wirklich ein herausragendes Wiesenpilz-Jahr zu sein.
G. europerplexus würde ich auch gerne mal sehen, der fehlt mir noch. Wie hoch ist denn der Fundpunkt gelegen? Den hatt ich als eher wärmeliebende Art abgespeichert, aber Bayerwald wäre ja klimatisch doch recht ähnlich zu meiner Umgebung
schön, dass auch hier im Forum endlich die ersten Saftlinge auftauchen
Ich hatte auch erste vor knapp drei Wochen zum ersten Mal die Ehre mit dieser Schönheit Bekanntschaft zu machen. Die sind wirklich ein Erlebnis, gratuliere zu dem schönen Fund!
Hier noch ein Bild von unserem Fund aus Kärnten
Liebe Grüße und eine erfolgreiche Wiesensaison, aus den glücklicherweise regen- und saftlingsreichen Alpen
die Bilder von den Flockis seh ich nicht, zumindest bis auf's letzte mit dem Schnittbild
die Glucke würde ich eher mit Sparassis brevipes, die "Breitblättrige", abgleichen. Die Nadeln und Äste im Umkreis lassen mich auch eher eine Tanne als eine Kiefer als Wirt vermuten.
einen herzlichen Dank auch von meiner Seite... ich verfolge deine Beiträge zur alpinen Funga immer mit großem Interesse und deine tollen Dokus zu den Funden machen's natürlich noch besser.
Leider hab ich selbst dieses Jahr überhaupt keine Zeit mich mal wieder zu einer alpinschwammerl-Exkursion aufzumachen.
In dem Sinne richte ich noch einen sehnsüchtigen Blick aus dem dem Fenster, zu den alpinen Matten es Sengsengebirges, pack meine Motorsäge ein und geh Zäune aufstellen. Ich freu mich schon auf deinen nächsten Beitrag aus den Bergen.
Das glaube ich jedenfalls, den so dunkelschuppig ist er ja nicht, aber welcher Saftling käme sonst noch im Moor vor?
H. helobia und H. conica agg. lassen sich ich Mooren auch regelmäßig finden, was du hier zeigst ist aber ziemlich sicher H. coccineocrenata. Die kommt auch oft mit hellen Schuppen vor
H. acutoconica ist vermutlich die Hygrocybe mit dem breitesten Habitatspektrum... die findet man an unterschiedlichsten Standorten. Persönlich hatte ich sie, neben natürlich Wiesen und Weiden, auch schon in Gärten, Nadel- und Laubwäldern, an Straßenböschungen, +-vegetationsfreien Rutschhängen und sicher auch noch in weiteren Habitaten, an die ich mich grade nciht mehr erinnern kann.
Persönlich bin ich ja etwas skeptisch, ob sich dahinter wirklich nur eine, ökologisch wie morphologisch extrem variable, Art versteckt, oder ob das nicht doch mehrere Spezies sind.
lieber Peter, herzlichen Dank für den, auch für Ösis abrufbaren Link... hab mich schon geärgert, dass ich mir den Beitrag nicht ansehen kann.
An alle die solche Beiträge zum Nachdenken bringen, und denen an der Erhaltung solch wertvoller Flächen etwas liegt, möchte ich appellieren, darüber nachzudenken, wie man selbst seinen Beitrag leisten kann.
Jeder kann seinen Teil dazu leisten, sei es durch bewustes Konsumverhalten, durch welches man die Bewirtschafter solcher Habitate unterstützt, oder auch durch finanzielle Unterstützung oder die aktive Mitarbeit an Projekten, welche sich die Erhaltung von Extensivgrünland zum Ziel gesetzt haben.
Ausgehend von einigen idealistischen Einzelkämpfern, hat sich in unserer Region über die letzten Jahre ein Netzwerk gebildet, welches deutlich über 100ha Extensivgrünland bewirtschaftet, mit stark steigender Tendenz.
Von naturaffinen Landwirten und Privatpersonen, über Praktikanten von Unis und Landwirtschaftsschulen, bis zu Vereinen wie Alpenverein, Musikverein oder Landjugend engangieren sich inzwischen über 100 Personen bei der Erhaltung dieser wertvollen Habitate. Bewaffnet mit Motormäher, Rechen und Motorsäge bewirtschaften wir die letzten übriggebliebenen, hochwertigen Wiesen und erschließen und rekultivieren auch jedes Jahr neue Flächen, welche in den letzten Jahrzehnten durch Verbrachung oder Aufforstung verloren gegangen sind.
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die Jungs und Mädels von der Landjugend im Einsatz
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Es gibt wohl nichts erfüllenderes, als im Frühjahr durch Wiesen zu stapfen, an deren Erhaltung man sebst mitarbeitet und das Ergebnis der eigenen Arbeit zu bewundern.
Liebe Grüße
...und die vierbeinigen Mitarbeiter darf man natürlich auch nicht vergessen
gfreid mi auch, dass i euch heuer mal die Naturwälder und Saftlingswiesn in unsra Gegend zeign kann. Hoffentlich passt's Wetta, dann wird's wohl a ziemlich bunte Woche.
War die Tage in der Nähe von unserm Quartier unterwegs zum Orchideenschauen... die Wiesn dort san sicher a im Herbst spektakulär.
Osttirol wird sicher a a Spaß... Almwiesn, Alpinschwammerl, Gebirgsexkursionen und gute Gesellschaft... kann ma si ned mehr wünschen
a vo da andern Seitn vo de Alpn an herzlichn Geburtstagsgruas... gfrei mi scho auf de Seminare im Heabst, da mias ma mal wieder ans (oda zwoa, oda dreie) hebn
bei den Waldhazynthen würde ich dir zustimmen und die erste als P. bifolia und den Rest als P. chlorantha bezeichnen.
Die nächste Orchidee sollte, wie du schon vermutet hast, O. mascula sein, würde auch zeitlich gut passen. Die gehört zu den früheren Arten und ist bei uns auch schon ziemlich durch mit der Blüte.
Das Vorkommen von D. fuchsii ist wiklich beeindruckend! Die seh ich bei uns auch relativ häufig, ein derartiges Massenvorkommen würe ich aber auch gerne mal sehen.
Danke für die schönen Bilder... die Orchieen machen die pilzarme Zeit doch deutlich erträglicher
das liegst du mit deiner Vermutung mit ziemlicher Sicherheit richtig. Wuchsform, Holzstruktur, Rinde, Art der Verwitterung und dass dieser offensichtlich schon sehr lange abgestorbe Stamm noch immer stabil dasteht sprechen für Eiche.
Andere Arten mit ähnlicher Rindenstruktur würden sich ganz anders zersetzen.
mal abgesehen davon, dass ich bei den gezeigten Exemplaren auch eher zu P. pulmonarius tendieren würde, hatte ich am Wochenende auch eine überraschende Begegnung mit P. ostreatus, die ich um die Zeit nicht erwartet hätte.
Vielzähllige, taufrische und teils riesengroße Austern an einer ganzen Reihe Stämme über ein großes Areal verteilt. Gefunden in einem Buchendominierten Waldebiet auf etwa 1200m, allerdings eine ziemlich kühle Ecke die klimatisch schon eher der subalpinen Zone zuzuordnen ist und bis wenige Tage zuvor noch vollständig zugeschneit war.
Wären sicher 8-10kg in perfekter Speisequalität gewesen, durften aber im Nationalperk natürlich alle stehen bleiben
also P. nigrolimitatus und P. chrysoloma würde ich schon aufgrund der Ökologie ausschließen und der Habitus passt mir auch für beide nicht, mal ganz abgesehen von den total anderen Sporen von P. nigrolimitatus.
P. pini hatte ich zwar auch erst diesen Winter ein paar Mal, kenn ich aber mit deutlich unregelmäßigeren Poren und wie Christian schon geschrieben hat spricht die Sporenform auch für P. larici
Ich lehn mich also mal aus dem Fenster und gratuliere zum tollen Fund! Bin auf die Art auch erst diesen Winter aufmerksam geworden und hab mir fest vorgenommen dieses Jahr intensiv danach zu suchen.
ja die Orchideen sind am Anfang wirklich gar nicht so einfach, aber wenn man sich mal in die Grundsätze eingearbeitet hat recht übersichtlich, zumindest im Vergleich zu vielen Pilzgattungen
… und auf jeden Fall erleichtern sie die Wartezeit bis zu den Wiesenpilzen ganz erheblich
Liebe Grüße
… noch zwei von heute Vormittag
Anacamptis morio
einer der schönsten Bestände in Oberösterreich mit mehreren tausend Exemplaren
ich bin bei deiner Nr.3 ganz bei Bernd und würde die auch Orchis mascula nennen.
D. majalis hat deutlich ausgebildete, grüne Tragblätter im Blütenstand und das oberste Laubblatt ist nicht wie bei deiner als Scheie ausgebildet sondern "normal" abstehen und erreicht den Blütenstand.
Schöne Funde übrigens... O. militaris würde ich auch gerne mal sehen, die ist mir bisher noch nie untergekommen.
erst mal natürlich ein herzliches Danke fürs zeigen dieser schönen Frühlingsbilder.
Ich wollte kurz auf die „Bonsai-Schlüsselblumen“ eingehen, weil wir vorgestern eine kleine Flächenbegehung in einem NSG gemacht haben, und bei mehreren Frühblühern einen derartigen Zwergwuchs beobachten konnten.
Neben den Schlüsselblumen war dies ganz besonders bei Globularia nudicaulis zu beobachten, deren Blüten heuer meist nur 1-2cm lange Stängel ausgebildet haben.
ich hab letztes Jahr mal G. leucoxantha, G. geogenia und G. parma nachreifen lassen. Von ähnlichem Entwicklungsstand ausgehend (Asci vorhanden, Sporen maximal ansatzweise zu erkennen) hat es bei allen Kollektionen zwischen 2,5-3,5 Wochen gedauert, bis ich wirklich reife Sporen finden konnte.
Zum Nachreifen hab ich sie alle in geschlossenen Plastikbehältern im Kühlschrank gelagert, man sollte aber alle 2-3 Tage die Dosen öffnen und rausstellen um das Kondenswasser ausdampfen zu lassen, ansonsten verschimmeln sie recht zuverlssig.
Das Hauptproblem des Nachreifens am Standort hast du ja selbst schon angesprchen... meist sind da die Schnecken schneller als die Sporen.
danke für den Hinweis... würde mich zwar sehr interessieren, aber neben der doch recht langen Anreise passt mir der Zeitpunkt leider gar nicht ins Konzept. Hab gerade viel zu viele Projekte am laufen und nebenbei fällt das genau in die Ablammungs- und Auftriebszeit, da bin ich "leider" in erster Linie mit den Dungpoduzenten und weniger mit ihren Ausscheidungen beschäftigt.
zwischenzeitlich hab ich noch etwas über die Frage nachgedacht, und eigentlich ist die Anwort auf die Ursprungsfrage gar nicht so komplex. Ich versuche also mal das halbwegs verständlich wiederzugeben.
Erst keimen (auch in Kultur) monokoaryotishce Myzelien aus den einzelnen Sporen, welche sich jedoch möglichst schnell ein weieres, kompatibles monokaryotische Myzel suchen, um mit diesem zu einem dikaryotischen zu verschmelzen. Dieser zustand bleibt während der gesamten vegetativen Phase des Pilzes bestehen, also sind in einem Pilzindividuum noch immer die gesamten Erbinformationen der beiden Elternsporen enthalten. Der eigentliche Paarungsakt, also die Verschmelzung der Erbinformation, findet allerdings erst bei der Sporenbildung statt.
dH haben auch die Sporen aus einem einzelnen Sporenabdruck eine viel größere genetische Variationsbreite als dies etwa bei den selbstbefruchteten Samen einer einzelnen Pflanze der Fall wäre, weil ja selbst in einem Abdruck Sporen vorhanden sind, welche die verschiedenen Mixturen genetischer Information von zwei Organismen enthalten.
also ich kann ein paar Infos zur gelebten Praxis beitragen, allerdings gibt es dazu noch immer eine Frage, die ich mir selbst noch nicht beantworten konnte, hab mich aber auch noch nie intensiver mit der Weitergabe von Erbgut bei Pilzen beschäftigt und mich bisher damit begnügt, dass es mit den gängigen Methoden in der Zucht funktioniert.
Standard in der Vermehrung von Pilzmyzelien ist normalerweise das Klonen, also die vegetative Vermehrung von Individuen, welche sich aufgrund ihrer Wachstums- und Fruchtungseigenschaften in der Zucht bewährt haben. Solche Stammkulturen lassen sich zur weitervermehrung übrigens, richtig durchgeführt, über Jahrzehnte lagern.
Zur Gewinnung neuer Individuen zur Weiterzucht gibt es wiedereum zwei Möglichkeiten.
Einerseits das klonen von Wildstämmen, welche logischerweise bereits dikaryotisch sind und die Erbinformation zweier Elternorganismen enthalten. Diese Methode ist aber in eher die Ausnahme.
Methode zwei, welche in der Praxis eher Anwendung findet, ist die Selektion geeigneter Zuchtstämme aus Sporen.
Hierzu werden Sporen aus einem Abdruck auf Agar-Platten aufgebracht, die daraus resultierenden dikaryotischen Mycelien optisch bewertet und vielversprechend aussehende Individuen wiederum in Reinkulturen gezogen. Diese werden dann auf ihre Wachstums- und Fruchtungseigenschaften getestet und die besten Genetiken wieder als Stammkulturen eingelagert, um damit weitere Substrate zu beimpfen.
Damit kommen wir dann zu der Frage, der ich nie weiter nachgegangen bin,auch wenn sie mich in meiner Anfangszeit in der Pilzzucht immer wieder mal beschäftigt hat. Danke fürs "in Erinnerung rufen"
Die aus Sporen gezüchteten Myzelien sind zwar auch dikaryotisch, allerdings werden sie in der Praxis nicht aus Sporen zweier Elternorganismen gezüchtet, sondern aus einem Abdruck eines einzigen Pilzes. Trotzdem können sie extrem unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, sowohl was das Mycel- und Fruchtkörperwachstum angeht, wie auch im Bezug auf die benötigten Fruchtungsbedingungen.
Warum allerdings eine derart große genetische Variationsbreite bei Individuen, welche eigentlich aus nur einem Elternindividuum hervorgehen, möglich ist, hab ich bisher auch noch nicht verstanden... aber es funktioniert auf jeden Fall und ich muss der Frage die Tage mal auf den Grund gehen