Hallo Frank
Da ich mich auch sehr intensiv mit dem Thema "Pilzdatenbank" befasse, versuche ich dir mal Feedback zu geben.
Mein Traum war auch immer eine solche Datenbank, in dem man all die Merkmale strukturiert ablegt und dann auf dieser Basis sogar bestimmen kann.
Das Problem dabei: Sobald man mehr als "08/15" Pilze erfassen will, steigt die Anzahl der Merkmale und die Komplexität rapide.
Und wenn man nur "08/15" Pilze erfasst, weiss man nie ob der Pilz, den man gerade in der Hand hält, nun ein "08/15" Pilz ist oder nicht.
Also das gleiche Problem, wie wenn man mit einem Buch arbeitet, in dem die "wichtigsten 300 Pilze" drin sind. Bei jedem Ausflug in den Wald wird man Pilze finden, die in dem Buch nicht drin sind.
Hinzu kommt, dass Pilze die Bücher nicht gelesen haben, der Witterung ausgesetzt sind, oder einfach sehr variable Merkmale haben.
Diese natürliche Variabilität in die Strukturen einer Datenbank zu bringen ist äusserst schwierig.
Wenn man am Ende eine Datenbank führt, wo die meisten Merkmale dann doch wieder Freitext-Felder sind, gewinnt man nur wenig.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen habe ich inzwischen ein privates Projekt, das ganz gut funktioniert. Hier ein paar Eindrücke:

Zu jeder Art kann man Synonyme, Literaturreferenzen, Verweise auf ähnliche Arten, Internetreferenzen, eigene Funde etc. eintragen.

Die Beschreibungen umfassen inzwischen etwa 700 Merkmale, wobei viele davon nur bedingt zur Anwendung kommen.
Die Merkmale kann man zuerst auf Gattungsebene pflegen, dann werden sie auf alle Arten der Gattung vererbt. So muss man auf der einzelnen Art nur noch spezifische Merkmale pflegen.
Die Merkmale sind zu 99% strukturiert, also kein Freitext. Um der natürlichen Variabilität möglichst nahe zu kommen, kann man Ausdrücke formulieren die dann als lesbarer Text angezeigt werden:

Das funktioniert alles recht gut und man kann damit sogar in schwierigen Gattungen recht gut bestimmen.
Es gibt drei verschiedene Bestimmungsmöglichkeiten:
- statische Schlüssel, z.B. sind Gröger, Moser, Funga Nordica und viele weitere Schlüssel in elektronischer Form vorhanden
- frei definierbare synoptische Schlüssel
- völlig freie, dynamische Bestimmung indem man einfach Merkmale erfasst und die Datenbank passende Arten sucht

Hier ein Bild vom elektronischen Gröger.

Und hier die synoptische Bestimmung eines Trichterlings.
Meine Datenbank enthält inzwischen rund 2300 Lamellenpilze, es fehlen aber noch viele grosse Gattungen. Also noch jede Menge Arbeit, fertig wird das wohl nie.
Hauptsächlich weil ich versuche, jeden in Europa nachgewiesenen Pilz aufzunehmen. Die damit verbundenen Literaturrecherchen sind sehr aufwändig.
Das Erfassen einer Art dauert je nach Anzahl der Synonyme und Merkmale 15-30 Minuten.
So, und nun die Krux bei der ganzen Sache:
All diese Technik ist nur eine Hilfe. Aber am Ende muss vor dem Computer ein Mensch sitzen, der fähig ist die Bestimmung zu verifizieren.
Von einer Software, die jeden Pilz besser bestimmen kann als ein erfahrener Mykologe, sind wir noch Jahrzehnte entfernt.
Am Ende ist das ganze Projekt für mich ein Weg, um mehr über Pilze zu lernen - und natürlich nachher eine Erleichterung bei der Bestimmung.
Aber die Kontrolle des Ergebnisses in der Fachliteratur ist trotz allem unumgänglich.
Vielleicht hilft dir das bei deinen Überlegungen.
In der Schweiz gibt es auch gerade ein Projekt für ein weiteres Pilz-App zum Bestimmung (nach Merkmalen, nicht nach Foto):
3000 Pilze - Buch und App - Projekte - WSL
Viele Grüsse
Raphael