Servus Pablo
Die Synonymie von Leccinum albostipitatum den Bakker & Noorderl. 2005 und Leccinum leucopodium (Bas.: Boletus leucopodius Pers. 1799) wird nicht überall nachvollzogen, IF zB führt beide getrennt. Sollte aber schon das gleiche sein. Ich nehme an, Den Bakker und Noorderloos hatten von Persoons Kollektion kein Typusmaterial und haben dann halt statt neu zu typisieren neu beschrieben? Wenn man denn trotzdem die Synonymie herstellt, hätte das persoonsche Taxon natürlich Vorrang, weil viel älter.
es ist noch ein bisserl anders gelaufen... (fast schon witzig)
Den Bakker hat unter Pappel eine Rotkappe mit jung weißen Stielflocken gefunden und diese als "Laubwaldrotkappe" bestimmt. Daraus schloss er, dass die Laubwaldrotkappe unter Pappel auch weiße Stielschuppen haben könne. Deshalb hat er die weißschuppige Rotkappe unter Pappel nochmal erneut beschrieben.
Den Bakker fügt also Leccinum leucopodium als Synonym von Leccinum aurantiacum / quercinum auf und hat deshalb nochmals die weißstielige Rotkappe beschrieben. Das basiert auf seinen eigenen Funden, nicht auf repräsentativem Material.
Es gibt keinen Grund, den alten Namen Leccinum leucopodium zu verwerfen und einen neuen dafür zu beschreiben. Den Bakker tat so, als wäre es bislang unbekannt, dass die Pappelrotkappe weiße Stielschuppen hätte und meinte, dass eben die Eichenrotkappe auch weiße Stielschuppen unter Pappel habe. Wie er dann darauf kommt, warum das dann eine Eichenrotkappe ist, erschließt sich mir nicht aus seiner Arbeit.
Was Leccinum populinum angeht, ist seine Argumentation auch in sich etwas schräg. Korhonen hatte dieses Taxon anhand deutlich abweichender Sporenmaße beschrieben. Den Bakker erkennt die Art nicht an, gibt aber für die Eichenrotkappe so enge Sporenmaße an, dass Leccinum populinum nicht dazu passt. Sind die beiden Synonym, müsste man eben die Variationsbreite der Sporenmaße entsprechend weiter fassen. Sonst ist es in sich unlogisch.
Einige andere Synonymisierungen basieren auf von den Bakker selbst gesammelten und wohl fehlbestimmtem Material. Kurz gesagt, seine Revision der Gattung hat viele Macken und offensichtliche Fehler. Die anderen Studien seiner Dissertation sind sehr spannend. Er hätte nur als Nichtmykologe keine Gattungsrevision im klassischen Sinne bei so einer schwierigen Gattung machen sollen. Leider hat er auch die schon länger bekannten Polyploidisierungen in der Gattung Leccinum nicht in der Literatur recherchiert. Er kam sogar selber anhand der DNA auf den Verdacht - der wiederum würde erklären, warum getrennte Arten eine identische ITS haben können (wobei es nur eine Teilsequenz der ITS ist, was er angeschaut hat).
Leider wurde bei uns sofort alles, was den Bakker schrieb, kritiklos und blind übernommen. Deshalb war die Gattung jahrelang quasi tot.
Liebe Grüße,
Christoph
